Inhalt: 2009
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Januar/Februar
2010 –Me Kwaba
statt Akwaaba
nachdem meine Freundin Sheila für den Jahreswechsel
leider kein Visum bekommen hat, hat sich wieder einmal das bekannte Sprichwort
mit dem Berg und dem Propheten bewahrheitet und ich durfte früher als erhofft
meinen Urlaub in Ghana verbringen. So habe ich Schnee und Anzüge gegen gut 30
Grad und T-Shirts und Schlappen eingetauscht, um drei wundervolle,
ereignisreiche Wochen mit Sheila in Ghana zu erleben. Mit knapp 6 monatiger Verspätung jetzt auch der perfekte Anlass für
einen sauberen Abschlussnewsletter. Wie der Ghanaer
jetzt sagen würde: I wanted to write it, but then I had to go somewhere to do something.
-Ein Dorf in der Eastern-Region
Nachdem ich die ersten Tage bei Sheilas Familie
verbracht habe und mich langsam wieder an das wundervolle ghanaische Essen
gewöhnt hatte (auch das habe ich tatsächlich vermisst). Ging es für zwei Tage in
ein kleines Dorf cirka 3 Stunden von Accra entfernt in
dem Sheilas Großmutter lebt und in dem Sheila die ersten 8 Jahre bei selbiger
aufgewachsen ist. Fernab von allen Banken, Marktfrauen und vielleicht einer
Handvoll Trotros über den Tag verteilt, mit einem
kleinen Tante-Emma-Shop, einer Grundschule und einem Drinking Spot bemerkt man relativ schnell, dass Englisch
zwar Amtssprache, aber eigentlich nie benutzt wird. Klar in einer Gegend in der
sich selten jemand von einem anderen Stamm und Touristen so gut wie nie hin
verirren. Da man sich den ganzen Tag über mit allen anderen auf Twi unterhalten kann, sprechen die meisten Dorfbewohner nur
sehr wenig Englisch und der häufigste Satz von mir war dann „What did he/she say?“ Mehr als einmal habe ich
mir in diesen Tagen dann vorgenommen mein Sprachbuch Twi wieder herauszukramen, um mehr als nur den üblichen
Smalltalk zu verstehen. Dennoch war der Ausflug ein tolles Beispiel für
ghanaische Gastfreundschaft und um das Leben in einer funktionierenden
Großfamilie kennen zu lernen. Gekocht wird draußen zusammen im Vorhof wo auch
die Dusche steht und die Hühner und Ziegen frei spazieren gehen. Und das Leben
ist im Vergleich zur hektischen Großstadt viel entspannter und ruhiger. Was
natürlich nicht heißt, dass nicht auch hier Radios frühmorgens auf vollste
Lautstärke aufgedreht werden oder man tatsächlich einmal ausschlafen könnte.
Schön und interessant war die Zeit natürlich trotzdem. Und selbverständlich wurde ich auch gleich dem örtlichen Chief vorgestellt, der mir gute Ratschläge auf den Weg gab.
Vorplatz: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2F2zy8ny8.jpg
Das Haus: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2F1z1shty.jpg
-Cape Coast Castle zum Dritten
nach ein paar Tagen bei Sheilas Familie, einem Abend
am Strand mit Raggae-Live-Band und leckerem
ghanaischen Essen, ging es dann am Dienstag weiter zu Cape Coast Castle, einer der
bedeutendsten Sklavenburgen in Westafrika. Für viele millionen Menschen war das „Door
of no Return“ der Weg in jahrzehntelange Sklaverei oder den sicheren Tod, wenn
die Kanus kenterten, die sie zu den Schiffen brachten und die mit schweren
Eisenketten zusammen geketteten Sklaven ertranken oder die monatelange Überfahrt
nicht überlebten. Noch heute kommen jedes Jahr zahlreiche Nachfahren nach Cape
Coast oder El Mina, um dort ihre Wurzeln zu finden. Am
11. Juli 2009 stattete auch Barack Obama mit seiner Familie der Burg einen Besuch ab und legte
dort einen Kranz nieder. Damit wurden nicht nur die Preise ein wenig erhöht,
sondern auch eine Plakette „unveiled“ (also Obama hat den Vorhang davor beiseite geschoben) und unser
Führer besser ausgebildet. Von den 3 Führungen die ich bisher mitgemacht habe,
war diese jedenfalls mit Abstand die Informativste.
Das Castle: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2F2vkj1tv.jpg
Obama war da: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2Facexcp.jpg
Sheila: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2Fe9d7pg.jpg
Ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2Fws49qp.jpg
Sheila und ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2Fe87ndl.jpg
-Der Urwald von Kakum
Nachdem wir bereits am Abend die cirka 30 Kilometer
in den Regenwald nach Kakum gefahren sind und das
Restaurant bereits geschlossen war und wir ins nächste Dorf zum Wasser holen
mussten, weil das dortige „Guest house“ nichts davon hält den Gästen außer Betten etwas
anzubieten und auch weit und breit keine Menschenseele zu finden war, sind wir
dann am nächsten Morgen erst über den Canopy Walkway, eine Hängebrücke die 30-40 Meter über den Regenwald
führt, gelaufen und dann noch eine Stunde durch den Wald gestiefelt. Der Guide
erklärte uns dann die verschiedenen medizinischen Nutzen der Pflanzen und was
man sonst so aus den Bäumen machen kann. Z.B. Fufu-Pounding-Sticks oder den Fig-Tree, der einen anderen Baum komplett in jahrelanger
Arbeit umschlingt und dann erstickt. Oder auch einen Baum an dem sich Elefanten
kratzen können, der tiefe Wurzeln hat und damit nicht umkippt und dessen
Baumkollege mit schwächeren Wurzeln, der auf „Kratzhöhe“ Stacheln bildet, damit
ihn der Elefant nicht verwechselt und damit zu Fall bringt. Nach der Tour ging
es dann für 2 Tage an den Strand von Cape 3 Points,
zur Green Turtle Lodge.
Der Urwald: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2F20b0e4m.jpg
Der Walkway: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F30iax4k.jpg
Sheila: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2F2s7vs4n.jpg
Ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F2l2iqp.jpg
Sheila und ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F98av5w.jpg
Sheila im Urwald: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi48.tinypic.com%2Fos73as.jpg
-Entspannt am Strand
Nachdem wir am ersten Tag, nach einer Runde Billard
früh ins Bett gegangen waren und den zweiten Tag mit einem gemütlichen Kaffee am
Strand begonnen hatten, ging es für mich erst mal eine Runde „Wellen-Fighten“.
Der Atlantik war verhältnismäßig ruhig und ich wollte unbedingt Sheilas
Unterwasserkamera ausprobieren. (Angeblich wasserdicht bis 10 Meter).
Verantwortungsvoll wie ich bin, habe ich natürlich versprochen vorsichtig zu
sein und zuerst mit ein paar Tropfen Wasser und dann durch kurzes
Unterwasserhalten, ob sie auch tatsächlich dicht ist. Was soll ich sagen. Knapp
10 Minuten später war das Ding dann komplett mit Wasser vollgelaufen und wir hatten eine Kamera weniger für den
Trip. Und ich war dementsprechend gut auf den netten Verkäufer von Saturn zu
sprechen der mir den Tipp gegeben hatte, das mit der Kamera im Urlaub
auszuprobieren. „Die Kamera ist wirklich wasserdicht, ich hab das in meinem
letzten Urlaub im Meer ausprobiert. Als Verkäufer muss ich meine Sachen ja auch
ausprobieren“. Nichtsdestotrotz haben wir uns dann am Abend auf die Suche nach
Schildkröten gemacht und wieder mal keine entdeckt und sind am nächsten Morgen
früh aufgestanden um eine Tour in die Mangrovenwälder zu unternehmen.
Anschließend ging es wieder zurück nach Accra. Samstag
stand nämlich ein Besuch bei meinen Schülern zum Don Bosco Feast Day an.
Der Empfang: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F2qkrzmv.jpg
Das letzte Bild der „wasserdichten“ Kamera: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2F250l5b9.jpg
In den Mangrovenwäldern: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F20p7m9t.jpg
-Don Bosco Feast Day
Damit verbunden die Graduation Feier der dritten Lehrjahre an und alle Schüler
waren versammelt. Bereits am Eingang wurde ich stürmisch von sicher 50 Schülern
mit „Sir Daniel“ rufen begrüßt und wir haben versprochen in Kontakt zu bleiben.
Manche schreiben mir ab und an auf Facebook und ich
freue mich, dass von meinem Computerunterricht zumindest ein bisschen was hängen
geblieben ist. Neben dem Direktor der Schule, vielen Salesianern aus der Gemeinschaft und den Lehrern war auch
der Nunzius, der „Botschafter des Papstes“ an diesem
Ehrentag zu Besuch. Von den Salesianern habe ich auch
erfahren, dass die meisten Schüler des Abschlussjahrgangs bereits Praktika
machen und viele gute Aussichten haben eine Lehrstelle zu erhalten. Ich hoffe
dass ich auch in Zukunft noch viele gute Nachrichten von „meinen Jungs“ bekomme
und werde einige von meinen besonderen Schülern im Auge behalten. Nachdem Sheila
und ich in der Gemeinschaft dann auch zum Abendessen und Abendgebet eingeladen
waren, haben wir am nächsten Morgen den Gottesdienst in der Don Bosco Kirche besucht und wieder einmal war die Kirche
gerappelt voll und die Stimmung dank Brass-Band, Trommlern und tanzenden
Besuchern wieder einmal klasse. Die tollen afrikanischen Kirchenlieder und die
Herzlichkeit der ghanaischen Gottesdienste werden mir noch lange in Erinnerung
bleiben.
Der Nunzius: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F2wnd2s7.jpg
Meine Jungs feiern: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi48.tinypic.com%2Ft0g6bq.jpg
-Was macht eigentlich... Brother
Michael
Nicht nur die Schule läuft auch ohne mich gut weiter,
sondern auch im Straßenkinderprojekt von Tema-New-Town, bin ich sehr froh, dass Brother Michael mit
meinen beiden Nachfolgern: Maria und Andreas gute Fortschritte macht. Die
Spielnachmittage mit den Kids sind immer noch gut besucht und Maria und Andreas
unterrichten in kleinen Klassen Englisch, Mathe und Co. Maria betreut noch dazu
das zum Don Bosco Feast Day
letzten Jahres eingeweihte Girls' Hostel. Auch der
polnische Volontär Andrew, der auch einige Monate mit mir zusammen in Ghana war
und noch im Auto Workshop arbeitet und unterrichtet, fühlt sich in Ghana sehr
wohl. Im Frühsommer fliegt Brother Michael übrigens zum Heimaturlaub für ein
paar Wochen nach Deutschland. Der abendliche Besuch im Drinikspot gegenüber mit Michael und den Volontären war da
natürlich obligatorisch. Nachdem ich es leider nicht geschafft habe mit Volontär
Stanley eine Tour auf dem Volta zu machen (dort arbeitet er mittlerweile auf
einem Schiff), war ich sehr froh in zumindest mal auf ein kühles Star in Accra zu treffen. Auch ihm geht es gut und ich freue mich
schon auf das nächste Wiedersehen.
Brother Michael in Tema-New-Town: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2Fa32idf.jpg
Meine Nachfolger: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F2hwffk6.jpg
(Andrew, Andreas, Maria v.l.n.r.)
-Goldgräberstimmung
Noch am selben Nachmittag, nach der Kirche, ging es
weiter ins Landesinnere, Richtung Obuasi, wo eine der
größten Goldminen des Landes liegt. Genauer gesagt 4 Minen, die von der Anglo Gold Ashanti, einem
südafrikanisch-ghanaischem Verbund betrieben werden. Von denen wir die kleinste
der 4 Minen auch tatsächlich besichtigen konnten. Normalerweise kommt man ohne
eigenes Auto nur ein paar Stollen tief. Nachdem wir aber zufällig den Chef der
Mine kennen gelernt haben, hat uns dieser auch in die
interessanten Level mit nach unten genommen. Wo die Steine herausgesprengt,
zerkleinert und nach oben gebracht werden. Wo dann aus 1 Tonne Stein 8 Gramm
Gold gewonnen werden. Die Technik wie zuerst gebohrt, dann Stahlseile zur
Absicherung hineinzementiert werden, dann der Stein gesprengt und mit
unglaublich riesigen Maschinen zerkleinert und transportiert wird, ist
wahnsinnig faszinierend. Nachdem wir uns aus Sicherheitsgründen den Prozess der
Goldschmelze usw. nicht anschauen durften und mein Gepäck auf 30 kg limitiert
war, wurde das mit dem Goldbarren für Zuhause nichts und ich musste nach dem
Urlaub wieder zum arbeiten.
Da geht das Gold: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2F2iuonqb.jpg
Mehr Maschinen: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi50.tinypic.com%2F24gq3us.jpg
Wir sind reich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F4h7f5s.jpg
Sheila und ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi48.tinypic.com%2F15fj348.jpg
-Gut's Nächtle!
Nachdem die Übernachtungen im Kakum Park und am Strand verhältnismäßig ruhig waren, haben
wir bei einem Zwischenstopp in Kintampo den Fehler
gemacht ein Hotel direkt an der STC-Station
(Busbahnhof) zu nehmen. Das ich noch vom letzten Ausflug kannte und damals die
Innenseite hatte. Diesmal bekamen wir ein Zimmer an der Straßenseite und wurde
regelmäßig von der freundlichen Bushupe geweckt, die den Reisenden mitteilen
soll, dass der Bus weiterfahren möchte. Ich wusste gar nicht wie viele
verschiedene Nachtbusse es allein auf dieser Strecke gibt. Da ist es dann von
Vorteil wenn man Ghanaer ist und überall schlafen kann. Bei den freundlichen
Damen in Hotel in Obuasi, die morgens um 6 damit
beginnen den Flur zu fegen und einen Kronkorken und eine PET-Flasche bis 6:30
mindestens dreimal durch den kompletten Raum über den Steinboden hin und her
schieben (Ja als Europäer hört man das...) ist ein gesegneter Tiefschlaf auch
von Vorteil. Vermutlich ist es kein Wunder, dass mir auf Englisch spontan keine
Entsprechung für das Wort Rücksichtnahme einfällt. Zumindest in Ghana hat sich
das Prinzip, dass man nicht morgens um 6 durch das gesamte Haus schreit „Bist du
da oben?“ „Ja ich bin da oben!“ „OK ich komm hoch!“, wenn andere noch 2 Stunden
schlafen könnten nicht durchgesetzt (Danke für das Beispiel an Maria). So habe
ich nach wenigen Tagen auch den kleinen Haken an meinem Begrüßungsgeschenk für
die Familie, dem CD-Player mit Radiofunktion und Long-life-Batterien, erkannt: Er weckt mit täglich zwischen
5 und 6 auf. Aber zumindest kann ich sagen, dass das Geschenk gut ankam. Wobei
ich nach meiner Rückkehr im August die Stille in Haus als eines der größten
Geschenke empfunden habe.
-Die Affen von Buabeng-Fiema
In der nächsten Früh, nach dem zum gelegentlichen
Hupen auch noch die Sonne ihren Teil dazu beigetragen hat uns zu wecken, ging es
weiter nach Buabeng-Fiema. Einem Affenreservat
zwischen Kintampo und Techiman. Zwei Dörfer in denen die Monameerkatzen und
Weißbartstummel-Affen leben und nie gejagt wurden. Die Mona-Affen kommen morgens
in die Dörfer und bedienen sich auch mal aus dem Kochtopf oder freuen sich auf
europäische Touristen, die sie mit Bananen oder anderem leckeren Zeug füttern.
(Muss man schon selbst nichts für tun). Die Monas fressen alles was die Menschen
auch essen (außer vielleicht der ghanaischen Pepper-Soup. Die ist wirklich scharf.) und sind deswegen
auch zutraulicher als die Black&White-Colobus, die
sich von Blättern und Insekten ernähren und deswegen etwas scheuer sind.
Jedenfalls werden die Affen als Vorfahren betrachtet und alles was man einem
Affen antut, widerfährt einem selbst. Die Affen dort werden sogar bestattet wenn
sie sterben und haben ihren eigenen Friedhof. Auf unserer einstündigen Tour
haben wir gleich mehrere Mona-Familien mit Babys getroffen und eine Hand voll
Black&White-Colobus, die sich allerdings weit oben
in den Bäumen versteckt haben.
Die Colobus: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F2sbnwxv.jpg
II: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2F2pt7y1d.jpg
III: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2Fvcvxva.jpg
Die verfressenen Monas: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2Fyo310.jpg
Mit Baby: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi48.tinypic.com%2F24pw07n.jpg
Erwartungsvoll: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2F1693z2h.jpg
Hübsches Kerlchen: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2Fkbwoph.jpg
Affenfütterung: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2F21ct3mc.jpg
-Die grauen Riesen und frechen
Affen
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Tamale, ging es mit einem neuen Warte-Rekord im Trotro (4 Stunden bevor das Ding losgefahren ist. Ich hatte
zu dem Zeitpunkt den Reiseführer bereits 3 Mal durchgelesen) waren wir dann
gegen Abend im Mole Nationalpark und haben dort gleich ein paar deutsche
Volontärinnen getroffen, die in einem Waisenhaus arbeiten und gerade Halbzeit
haben. Nachdem Sheila und ich uns am Abend mit den Volos über die Projekte ausgetauscht haben, sind wir am
nächsten Morgen auf 3-Stündige-Tour mit ein 2 Franzosen, 2 Holländerinnen und
einem Amerikaner gegangen. Dort haben wir Gazellen, Antilopen und gleich mehrere
Elefanten getroffen, die gerade auf dem Weg zum Wasserloch waren oder ein
entspannendes Schlammbad genommen haben. In der Früh habe ich einen Pavian
getroffen, der sich schnell etwas aus unserer Mülltonne geschnappt hat und dann
schnell die eroberte Plastiktüte in Sicherheit gebracht hat. Später kam sogar
ein Pavian zum Pool um sich am Tisch von 3 anderen Volontären an deren
Bananenbrot zu bedienen. Glücklicherweise war jemand schnell genug am Tisch, um
ihn dazu zu bewegen, zumindest das Handy dazulassen. Nachdem sich Sheila
entschlossen hat, sich ein bisschen auszuruhen, habe ich am Nachmittag noch eine
Tour mit ein paar anderen mit einem Auto durch den Park gemacht. Nach dem
Abendessen hieß es dann: Früh ins Bett. Der einzige Bus geht um 4 Uhr Morgens.
Zusammen mit unserem amerikanischen Bekannten Michael, haben wir dann von Tamale aus verzweifelt versucht mit einem Bus nach Accra zu kommen. Nachdem der nächste Direktbus erst um 4 Uhr
nachmittags gefahren wäre, haben wir uns dann einen nach Kumasi genommen, der dann gegen 12 losgefahren ist und gegen
7 in Kumasi war. Der Bus nach Accra kam gegen halb 1 Nachts an und ich hätte nie gedacht,
dass man sogar noch mitten in der Nacht ein Trotro
nach Kasoa bekommt. Nachdem wir uns dann von Michael
an der „Old Police Barrier“ verabschiedet haben, um
die letzten Kilometer mit dem Taxi zurück zu legen, waren wir dann völlig fertig
gegen 1 Uhr Morgens endlich wieder „zuhause“.
Antilope: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F2mgtbgw.jpg
II: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi50.tinypic.com%2F20ht0m8.jpg
III: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2Fvwykpi.jpg
Kroko: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F3520pxu.jpg
Elefant: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F10xvlmc.jpg
II: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi50.tinypic.com%2F4kwmy9.jpg
Sheila: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi48.tinypic.com%2Fxpav6r.jpg
-Nicht schon wieder Malaria
Nachdem ich diesmal krankheitstechnisch ziemlich
Glück hatte, hat es diesmal Sheila erwischt und sie hat während des Trips
Malaria bekommen. Damit fiel eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in Ghana
„abends gemütlich mit andern Leuten zusammen sitzen und sich einfach gemütlich
unterhalten“ meistens flach, weil Sheila sich natürlich schonen musste, und früh
ins Bett ging, um so schnell wie möglich wieder gesund zu werden. Ich hoffe dass
es ihr bald wieder besser geht und sie auch hoffentlich bald mal in Deutschland
vorbei schauen kann. Zumindest haben wir den Leuten in der Deutschen Botschaft
einen kurzen Besuch abgestattet und einen neuen Antrag mitgenommen.
-Obroni bay, bay!
Nachdem mein Flug freundlicherweise ein paar Stunden
vorverlegt wurde (13:55 statt 18:45) hieß es dann für mich am Dienstag wieder
einmal früh aufstehen und direkt zum Flughafen fahren. Wo ich dann erfahren
habe, dass der Flieger doch später geht und zwar um 16 Uhr irgendwas. Zu diesem
Zeitpunkt hatte ich aber bereits keine Ghana Cedi mehr
und das kleine Croissant und die Dose Coke waren die
einzige Mahlzeit bis zum späten Abendessen im Flieger. (Immerhin habe ich mich
diesbezüglich nicht auf die Weisheit: „Drei Weizen sind auch ein Schnitzel“
verlassen. Ich wollte ja meinen Anschlussflug in Dubai nicht verpassen.
Stattdessen habe ich auf 8 Gläser Tomatensaft gesetzt um etwas im Magen zu
haben) Nach dem Abschied von Sheila und Ihrer Familie am Flughafen, hieß es dann
auch Abschied nehmen von Ghana. Einem Land das sich in dem halben Jahr fast gar
nicht und dann aber doch verändert hat. Die Menschen, der Staub, die schreienden
Radiomoderatoren die man überall auf der Straße hört. Die durch die Gegend
stürmenden Menschenmassen, die Gerüche, die Stimmung, all die Momente und Dinge
die man nicht beschreiben, nicht aufschreiben kann, aber doch in seinem Herzen
bewahrt. Das Gefühl, dass ich gleich wieder mit dem ersten Fuß auf ghanaischem
Boden hatte, hat mich nicht getrogen: Ghana wird immer ein Teil von mir sein und
ein Teil von mir wird immer in Ghana bleiben.
Und ich freue mich schon auf den 23. Juni. Das
WM-Spiel: Ghana vs. Deutschland. Die Ghana-Flagge fürs Auto ist bereits gekauft.
:-D Leider hat Ghana beim Africa Cup das Finalspiel
knapp gegen Ägypten verloren. Sonst hätte unser Trotro
nach Obuasi wohl leichte Verspätung gehabt und der
Newsletter eine Geschichte mehr.
Sheila und ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2Fayxekw.jpg
Sehr seriös: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F33p83d0.jpg
-Twi für Anfänger
Nachdem Sheila jetzt Deutsch lernt und bereits das A2
Zertifikat hat, ist es vielleicht auch ganz gut ein bisschen Twi zu sprechen, um für den nächsten Aufenthalt in Ghana
optimal gerüstet zu sein. Daher hier noch die wichtigsten Sätze auf Twi. (So wie man sie auf Deutsch aussprechen
würde)
Etisej - Wie geht's
Eje! -
Gut
Madamfo - Freund
Edien na ae koso? - Was geht ab?
Mefe
woo - Ich vermisse dich
Mafe woo - Ich habe dich
vermisst
Me dow paaa - I love you pleeeeenty
Daa jie - Schlaf gut
Bay bay –Tschüss!
Me ko daa - Ich gehe
schlafen
Ko da! - Geh schlafen!
Me ko didi! - Ich gehe essen!
Me
ko fi je! - Ich gehe nach Hause!
Me da wa se - Ich gebe dir dank
(Oder einfach nur Medasse)
Me da wa se, paaaaa - Vielen Dank
Me paw tscho – Ich bitte
dich
Kosse - Sorry oder
"sorry, oo"
Matse - Ich hab's gehoert (Im
Sinne von verstanden)
Mumbra! - Kommt
alle!
Bra! -Komm!
Je
kom! – Ruhe!
Je die! – Haltet die Klappe!
Me kwaba - I'm comming (Irgendwann mal oder
gar nicht)
Otschina - Morgen
Akwaaba - Willkommen
Njame
Adom - By god's grace (Dank Gottes Gnade
geht es mir gut)
Njame - Gott
Sum sum kron kron - Heiliger
Geist
Adom -Gnade
Honte Twi? - Sprichst du Twi?
Kakra Kakra - "Small, small" (Ein
bisschen)
O kon he (angedeutetes n) - Wo willst du
hin?
Me ko Tema – Ich gehe Tema
O fre he - Wo kommst du her?
Me
fri Germany - Ich komme aus Deutschland
Diaen (angedeutetes n) -What?
Diaen eje wa saen? -What is your problem?
Me num... - Ich nehme... z.B. ein
Bier
Weji me paa! - Idiot!
"Ewia bon" -Sunshine
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern nochmals
„Njame Adom“ und bedanke
mich für die Unterstützung und alle die lieben Wünsche die mich in meiner Zeit
in Ghana begleitet haben.
Im Gedenken an meinen Opa: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2Fdmr6mp.jpg
Juli
2009 -Glaube, Liebe,
Hoffnung
Unter dieser Überschrift; die ich mir für einen der
letzten Newsletter ausgesucht habe; gibt es wirklich alles. Große Gefühle,
Diebstahl von Staatseigentum, bewaffnete Raubüberfälle und sogar Barack Obama
ist in dieser Ausgabe vertreten. Dies wird voraussichtlich der letzte Newsletter
sein, den ich euch von Ghana aus schreibe und ich möchte mich natürlich bei all
den treuen Lesern bedanken, die es bis hierhin geschafft haben und mich durch
mein Jahr in Ghana begleiten, dass so langsam dem Ende zugeht.
Yes we
can
Stell dir vor der mächtigste Mann der Welt ist nur
eine halbe Stunde von dir entfernt und du schaust dir das Ganze im Fernsehen an
und liest später online eine Zusammenfassung in der FAZ. So ungefähr habe ich
den Besuch von Barack Obama erlebt, nachdem im Vorfeld keine verlässlichen
Details bekannt wurden (hält er eine Rede im Congresszentrum oder eine
öffentliche Rede vor hundertausenden von Ghanaern, hält er eine Pressekonferenz
am Flughafen usw.) die einzig
richtige Information war, dass er eine Sklavenburg besichtigt und zwar
vermutlich Cape Coast oder El Mina. Auch das ghanaische Amt für Pressevertreter
gab sich ghanaisch. Unter der angegebenen Telefonnummer, hat sich nie jemand
gemeldet und öffentliche Reden usw. gab es dann tatsächlich auch nicht. Freitag
abend habe ich mir zusammen mit Jonathan und einem anderen Kollegen im Drinking
Spot die Ankunft am Kotoka-Airport im Fernsehen mitverfolgt. Was dabei auffällt,
ist dass ein ghanaisches Fernsehstudio aus einer angemalten Wand und einem
Flachbildfernseher mit davor geparkter Couch besteht. Beim
Confederations-Cup-Finale Brasilien gegen die USA gab der Kommentator dann offen
zu, dass er keine Ahnung habe was der brasilianische Mannschaftscaptain gerade
zum Sieg seines Teams gesagt hat, weil natürlich kein Portugisisch-Übersetzer
zugegen war. Nur in Punkto Diskussionsrunden können die Ghanaer locker mit dem
deutschen Fernsehen mithalten. Für einen Moment fühlte man sich an eine
Diskussion bei Sabine Christiansen erinnert. Mit dem Unterschied, dass die
Gästeauswahl etwas bescheidener ausfiel. Aber die Vorwürfe, z.B. dass der
Präsident Prof. Atta-Mills nicht genügend auf den Obama-Besuch vorbereitet war
könnten auch von Guido Westerwelle stammen. Einen Tag später habe ich dann aber
doch noch ein Souvenier bekommen. Bei einem Besuch im Einkaufszentrum beim 37
Hospital in Accra, kam ich an einer ganzen Reihe Akwaaba-Begrüssungsschilder
vorbei, die zu diesem Zweck in den Grünstreifen, entlang der präsidialen Route,
ins Gras gesteckt waren. Wenige Minuten später befanden sich 2 dieser
Akwaaba-Schilder (Twi für Willkommen) in einer großen schwarzen Plastiktüte in
meiner Hand. Mein Kollege Jonathan hatte bei seiner Aktion etwas weniger Glück
und konnte nach einer viertel Stunde den gesetzestreuen Taxifahrer davon
überzeugen, dass Obama schon weg ist und die Schilder nicht mehr gebraucht
werden.
Der Präsidentenpalast: http://i28.tinypic.com/2hprs4k.jpg
Glaube
Sehr beeindruckend in Ghana ist immer wieder die
religiöse Toleranz. Bei über 200 verschiedenen Kirchen allein in Ashaiman ist es
kein Wunder das nur die wenigsten eine gemeinsame Kirche haben, aber das spielt
in Ghana auch überhaupt keine Rolle. Jeder Mensch der glaubt ist ein guter
Mensch und da sich ein Ghanaer nicht vorstellen kann, dass ein Mensch nicht an
Gott glaubt sind so ziemlich alle Menschen gute Menschen. Abgesehen von
persönlichen Feinden die „In the name of Jesus!“ bestraft und „in tha
feijjjjaaaaa!“ brennen werden, wie man von zahlreichen Straßenpredigern gerne zu
hören bekommt. Die Erwähnung dass Jesus gesagt hat, man soll für seine Feinde
beten lag mir da zwar auf den Lippen, aber den meisten Ghanaern ist das alte
Testament mit der Zerstörung der Feinde usw. doch etwas näher. Und da bei den
meisten Kirchen keine Kontrolle aus
Rom existiert und diese im Endeffekt predigen können was sie wollen und teils
„prophetische Fähigkeiten“ besitzen und sich stundenlang in Trance brüllen, wird
eben gepredigt was gut ankommt und da ist ein herausgeschrienes „In the name of
Jesus!“ und ein glühender Vortrag über das Höllenfeuer, dass die persönlichen
Feinde erwartet natürlich spektakulärer. Da ich bisher noch keinen
21-Tages-Gebets-und-Fasten-Marathon mitgemacht habe, erlebe ich nur immer wieder
unfreiwillig die Prediger die einen während einer zweistündigen Trotro-Fahrt mit
einem Wortschwall auf Twi beglücken und nur gelegentlich ein paar Worte auf
Englisch einstreuen. (Nyame, Kronkron und Jesu Christo kenne ich mittlerweile
aber auch) Normalerweise werde ich als Obruni einfach ignoriert. Der letzte
Trotro-Prediger hat mich nach einer Weile dann aber doch auf Twi angesprochen
und war einigermaßen erstaunt, als ich dann mit meinen Mini-Twi-Kenntnissen
antworten konnte. Danach habe ich den Vorschlag gemacht, dass er doch ein Gebet
einstreuen soll, dass unser Trotro wieder funktioniert, dass gerade stehen
geblieben war, woraufhin sich die Mitfahrenden ebenfalls gut amüsiert haben. Ein
Kanister mit Benzin hat dann aber doch mehr zur Lösung des Problems beigetragen,
als „da Feeeijjjjaaaaa of hell!“ oder die Wunderpillen die er sonst noch im
Angebot hatte.
The comming of the Volunteers
Im Moment herrscht hier in Ashaiman Hochbetrieb was
Volontäre und Aspiranten angeht. Nachdem erst kürzlich 2 junge Aspiranten für
einen Monat zu Besuch waren, um die Gemeinschaft näher kennen zu lernen (weil
diese selbst Salesianer werden wollen) ist jetzt ein weiterer Aspirant Roland
für einen Monat zu Besuch und seit Freitag Abend ist auch ein polnischer
Volontär, Andrew, angekommen. Der für ein Jahr im Automobile-Workshop arbeiten
wird. Am 3 bzw. 5. August kommen
Maria und Thomas aus Deutschland an, um für ein Jahr in Tema-New-Town und im
Girls’ Hostel zu arbeiten und dazwischen kamen noch eine Hand voll deutsche und
eine Hand voll polnische Volontäre an, um für einen Monat in Sunyani eine Art
Ferienprogramm zu veranstalten. Davor verbrachten sie ein paar Tage im
Provincial House und natürlich habe ich den Volontären angeboten, einige Fragen
zu beantworten. Nachdem diese auf dem Rückweg von Cape-Coast-Castlein vor einem
reißenden Fluss / vorher Straße standen und nur mit Hilfe einiger Ghanaer, die
sie kostenlos durch diesen Fluss geschoben haben, überhaupt ankamen, ergab sich
nur ein kurzer Talk am vorletzten Abend. Nachdem diese das Gelände nicht
verlassen durften, war ich mit der Besorgung von ein paar kühlen Getränken
beauftragt und wir konnten uns darüber unterhalten, welche Eindrücke sie nach
dieser kurzen Zeit gewonnen haben und wie sie sich ihre Zeit in Ghana
vorstellen.
Die letzte
Feuerprobe
Nachdem die Schule bereits am 28igsten ihre Pforten
für die Sommerferien schließt und im englischen System gegen Ende jedes
Trimesters die sogenannten End-of-Terms anstehen, heißt dass für mich, dass ich
bereits mit meinem Unterricht fertig bin. Die meisten Tests sind auch schon
korrigiert. Lediglich Montag und Dienstag stehen letzte Tests und Nachexamen an,
bevor ich endgültig Lehrer a.D. werde. Die End-of-Terms machen tatsächlich 80%
der Endnote aus und das Mid-Term-Exam hat lediglich einen Anteil von 20% somit
versuche ich immer, als End-of-Term eine Gruppenarbeit zu benoten, um die
Schüler zu motivieren, während dem Unterricht mitzuarbeiten. Leider
funktionierte das diesmal nur in 2 Klassen: Auto 1 in Power-Point und Electronic
1 durften ihre eigenen Websites gestalten. In Auto 3 war das leider nicht
möglich, da die halbe Klasse nach den externen Examen nicht mehr zum Unterricht
kamen. Somit bekamen diese einen theoretischen Test über das Internet. Bei den
Elektroinstallateuren und den Automechnikern im zweiten Lehrjahr, habe ich das
Internet vorgezogen, weil die Zeit für Power-Point-Präsentationen zu knapp
geworden wäre und habe dann mit diesen ebenfalls zeitgleich den Theorietest
Internet geschrieben. Auch hier zeigten sich wieder einmal die Schwachstellen
der ghanaischen Organisation, da das Assembly nicht pünktlich beendet wurde und
danach ein Meeting angesetzt war, fand das Examen eine Stunde später statt und
die meisten Lehrer waren natürlich nicht pünktlich in der Klasse. Die Folge
dessen ist, dass ich in 3 Klassen hin und her springen musste und die Lehrer
organisieren musste, um das Examen zeitgleich in 3 Klassen zu schreiben und den
Schülern später erklären durfte, dass das Blatt zu ihrem großen Erstaunen auch
noch eine Rückseite hat. Und wieder einmal haben die meisten Schüler eine
wichtige Lektion nicht gelernt: Das richtige Abschreiben. Nachdem ich diesmal
keinen beim Spicken erwischt habe, war mir im Nachhinein trotzdem klar, dass
einige abgeschrieben hatten, weil nämlich in einer Klasse bei mehreren Schülern
die gleiche komplett falsche Lösung für die Abkürzung „TLD“ = Top Level Domain
stand, über die wir nie gesprochen hatten. Daher mein Tipp als Lehrer für alle
Schüler: Wenn ihr schon abschreibt, dann bitte bei jemand der mehr Ahnung hat
als ihr und nicht weniger.
Eine Woche
voller Abschiede
Montag/Dienstag vor den End-of-Terms standen für mich
die letzten Unterrichtsstunden bei meinen Jungs und Mädels an. Natürlich habe
ich alle über das Jahr lieb gewonnen, auch wenn einige ein bisschen
anstrengender und manche ein bisschen fauler als andere sind. Nachdem es für
mich, im Gegensatz zu den normalen Lehrern, kein nächstes Jahr geben wird, ein
besonderer Moment. Deshalb habe ich meinen Schülern einen Abschiedsbrief
geschrieben. Auch damit diese meine E-Mail-Adresse und meine normale
Postanschrift kennen und habe am Tag davor ein paar Süßigkeiten für alle knapp
180 Schüler besorgt. Dementsprechend positiv verliefen auch die letzten
Abschiedsstunden, mit einer kurzen Motivationsrede, die in etwa auch das weiter
gibt, das in meinem persönlichen Brief an die Schüler stand. Nur eben, ein
bisschen ausführlicher und etwas ghanaischer mit einer Anekdote. In dieser
Anekdote geht es um einen Staubsaugervertreter, der von Haus zu Haus zieht und
einen Beutel Dreck ins Wohnzimmer der Leute kippt und ihnen verspricht: „Wenn
der Staubsauger den Dreck nicht in 5 Minuten aufgesaugt hat, esse ich diesen
Dreck persönlich.“ Eines Tages kommt er zu einer alten Dame ins Haus, kippt ihr
den Dreck auf den Teppich und gibt sein Versprechen. Daraufhin meint die Dame
nur: „Na dann viel Spaß! Wir haben hier nämlich keinen Strom!“ Hintergrund der
Geschichte ist, dass man als Europäer mit vielen Vorstellungen und auch
Vorurteilen nach Afrika kommt und dann so manche Überraschung mit der Kultur,
der Planung oder auch den ständigen Stromausfällen erlebt und damit auch mal
ordentlich auf die Schnauze fliegen kann. Und so ist eben auch mein Verständnis
dafür gewachsen, dass in Afrika einige Dinge anders sind, aber deswegen nicht
automatisch schlechter oder auch dass man als Europäer in manchen Dingen
umdenken muss, was weder heißt, dass man nicht kritisch hinterfragen sollte,
aber man eben trotzdem als Lehrer auch gleichzeitig immer ein Schüler bleiben
wird und ich in Ghana eines gelernt habe. Ein Motto, dass ich an einer Wand in der Bücherei von
Abschiedsbrief: http://i30.tinypic.com/n12ekh.jpg
Cape-Coast-Bild: http://i27.tinypic.com/2u4ra6s.jpg
The blessing of the first
floor metal gate
Nachdem der Wasserturm jetzt für Volontäre
hergerichtet wird, bekam ich auch Besuch von einem netten Herrn der für mich
etwas überraschend ein Metalltor in den ersten Stock eingebaut hat, damit die
Volontäre einen abschließbaren Bereich für sich allein haben. Leider
funktioniert z.B. das Toilettenschloss nicht richtig und bei einer Veranstaltung
auf dem Gelände, als ich mal ein paar Stunden nicht dort war ist z.B. mein
Nassrasierer verschwunden. A) Wer klaut schon einen Nassrasierer b) Ja, ich hab
ihn vom Veranstalter ersetzt bekommen. Und irgendein Intelligenzbolzen hat es
auch vor ein paar Tagen geschafft die Toilette halb zu verstopfen. Nun ja,
vermutlich gehören diese Probleme damit der Vergangenheit an und ich hatte einen
guten Grund Brother Michael am Abend auf ein Star in den Wasserturm einzuladen,
um auf das neue Tor anzustoßen und wir konnten uns mal wieder für ein paar
Stunden gemütlich unterhalten. Als es dann kurz nach 10 war musste Brother
Michael leider zurück zum Community-House bevor die Hunde rauskommen und wir
haben beschlossen, eine solche Einweihungsfeier bei Gelegenheit bald mal wieder
zu veranstalten.
The new metal
gate of the first floor: http://i30.tinypic.com/4pz31e.jpg
Besuch und
Gegenbesuch
Nachdem ich Sheilas Familie ja schon öfter besucht
hatte und ihr Haus und die Umgebung mittlerweile ganz gut kenne, stand an einem
Mittwoch, der lange vereinbarte Gegenbesuch an. Natürlich kann man in Ghana
davon ausgehen, dass meistens alles anders abläuft als gedacht. Aber zumindest
kann man ja mal den Wasserturm aufräumen. Dazu konnte ich mich das letzte Mal
kurz vor Ostern durchringen, dank Harmatan mit Sand aus der Sahara, liegt
sowieso jeden Tag neuer Staub auf dem Boden. Da lohnt es sich (die weiblichen
Leser hier bitte weghören) doch eigentlich fast gar nicht, mit dem Putzen
anzufangen. Diese Ausrede ist mit Beginn der Regenzeit weggefallen und
irgendwann musste ich sowieso mal wieder sauber machen. Nachdem das alles nett
arangiert war und sogar ein paar (Obama)-Willkommens-Schilder bereit standen,
habe ich beim Friseur um die Ecke vorbei geschaut und natürlich war zu. Genauso
wie natürlich das Wasser in genau dem Moment ausfallen muss, wenn man den Boden
nass wischen möchte und man über das halbe Gelände laufen muss um einen zweiten
Eimer Wasser zu bekommen. (Einen habe ich immer bereit stehen, man lernt ja
dazu) Nun ja, der andere Friseur hat wie die meisten ghanaischen Friseure kein
Verständnis für: „Nur ein bisschen was weg machen“ und man denkt sich danach:
Naja, zumindest wächst es wieder nach. Dooferweise hat an diesem Tag auch
überraschend der Herr vorbei geschaut, der ein neues Metalltor in den ersten
Stock geschweißt hat und, obwohl er es versprochen hatte, natürlich den ganzen
Dreck danach nicht weggeräumt hat. Als Sheila dann zu Besuch kam, kam nur ein
netter Herr vorbei um ein paar neue Leitungen zu verlegen und hat dazu im
Nebenzimmer die halbe Wand mit Hammer und Meißel bearbeitet. Ebenfalls nicht
vorherzusehen war, dass das 11 Uhr-Tea-Meeting spontan auf 12 Uhr verlegt wurde,
nachdem Father Blamoh etwas wichtiges in Accra erledigen musste und nachdem ich
um 12 wieder umsonst hingegangen bin, wurde ich um 12:15 abgeholt um ein
Kurzmeeting mitzuerleben. Das finale große Meeting von 3-5 Uhr habe ich dann
leider verpasst, da mich diesmal niemand vom Wasserturm abgeholt oder angerufen
hat. Aber zumindest konnte ich ihr
so das Gelände, den Wasserturm, ein paar Bilder und vieles mehr zeigen und
letztlich hat dann doch noch alles funktioniert. Gegen 4 habe ich sie dann zum
Trotro zurück nach Kokrobitey gebracht und schon an diesem Samstag hatte ich
wieder die Gelegenheit in Kokrobitey vorbei zu schauen. Nach einem leckeren
zweiten Frühstück beim Italiener in Kokrobitey, während ich auf Jonathan
gewartet habe, sind wir zur Familie gelaufen und wurden erst mal wieder schon 50
Meter vor der Tür von Kwame, Junior und co, den drei Kids der Familie stürmisch
begrüßt. Nach einem kurzen Talk mit der Famlie, die wie eigentlich jedes Mal,
gerade etwas kocht, ging es wieder zurück zum Italiener und nach dem Mittagessen
musste Jonathan auch schon wieder zurück nach Accra um seine Eltern abzuholen.
Ich hatte gottseidank etwas mehr Zeit und konnte den Tag mit Sheila verbringen
und dann ein Abendessen in Millys Backyard bestellen, wo jeden Samstag eine
Raggae-Live-Band spielt.
Sheila: http://i31.tinypic.com/35mjju9.jpg
Die Kids: http://i32.tinypic.com/w6uzw1.jpg
Noch mehr Kids: http://i26.tinypic.com/35k5snd.jpg
No-Go-Area
Nach dem Abendessen wollte ich gegen 10 Uhr die gut
500 Meter am Strand zurück zu meinem Hotel laufen. Die drei Mädels Sheila, Lucia
und Mabena hatten sich in den Kopf gesetzt mich zu begleiten und sich
anschließend auf den Weg nach Hause zu machen. Der Grund dafür ist, dass der Weg
am Strand entlang nicht ganz ungefährlich ist. Ansonsten hätte ich natürlich
darauf bestanden die drei Damen nach Hause zu bringen und anschließend selbst
zum Hotel zu gehen. Und für sie, weil sie zu dritt sind, bestünde keine Gefahr.
So habe ich daraufhin eingewilligt und habe nur gesagt, wir sollten noch
unbedingt einen männlichen ghanaischen Begleiter mit auf den Weg nehmen, um
sicher zu gehen. Z.B. jemanden vom Hotel. Die Mädels jedoch meinten, dass sei
nicht nötig und zu dritt könne ihnen nichts passieren. Und wenn ich in Ghana
zwei Dinge gelernt habe, dann diese: Ein Ghanaer hat eindeutig mehr Ahnung von
seinem Land als ich. Und wenn ein Ghaner läuft, weil das TroTro ein Problem hat,
dann läufst du eben auch und wenn ein Ghaner sagt, dass ist sicher, dann ist das
einfach so. Der zweite Punkt betrifft Frauen im Allgemeinen und ghanaische
Frauen im Speziellen. Wenn du drei ghanaischen Frauen gegenüberstehst und sich
diese etwas in den Kopf gesetzt haben, ist jede Diskussion ungefähr so sinnvoll
wie der Versuch sich mit ausgestreckten Armen einer wütenden Elefantenherde in
den Weg zu stellen. Also fügte ich
mich meinem Schicksal. Nachdem wir nur noch ca. 100 Meter von meinem Hotel
entfernt waren, habe ich mich dann von Sheila, Lucia und Mabena verabschiedet
und ihren Rat befolgt die letzten Meter zum Hotel zu rennen. Doch bereits nach
nach ein paar Sekunden hörte ich einen lauten Schrei und tat in dieser Situation
natürlich genau dass, was man von einem mutigen Retter erwartet. Ich habe meine
Beine in die Hand genommen und bin zum Hotel gerannt um den Besitzer zu holen
und zurück zum Strand zu rennen, gleichzeitig habe ich versucht sie anzurufen,
um herauszufinden ob ihnen etwas passiert ist. Leider war die einzige Nachricht:
„The number you are dialing can not be reached at the moment“ und leider macht
man als Obruni die Sache vermutlich nur noch schlimmer und ein erwachsener
Ghanaer, der die „armed robbers“ evtl. kennt, in jedem Fall aber zumindest Twi
spricht, kann diese eventuell vertreiben, während ich vermutlich bei einem
solchen Versuch nur mein Handy und meinen Geldbeutel verliere und eventuell zur
Krönung noch verprügelt werde, wenn nichts schlimmeres. Jedenfalls sind wir
danach sofort zu dieser Stelle zurück gerannt und sogar noch fast bis zum
Ausgangspunkt zurück, bevor wir zurück zum Hotel gelaufen sind und ich versucht
habe mein Handy, dessen Akku natürlich genau zum richtigen Zeitpunkt seinen
Geist aufgegeben hat, wieder zum Laufen zu bringen. Nach einigen verzweifelten
Versuchen (Akku raus, Akku rein, Knopf gedrückt halten, sofort wählen...) kamen
die drei jedoch in Begleitung eines ghanaischen Security-Mans zum Hotel, um mich
zu fragen ob mir etwas passiert sei. Tatsächlich wurden die drei ausgeraubt.
Gottseidank waren alle OK und nur Sheila hat ihren Geldbeutel verloren, der aber
ohne Geld, mit ID-Card usw. wieder augetaucht ist. Die Handys hatten die drei
gerade bei der Ladestation und somit konnte ich sie auch nicht erreichen. Sehr
wahrscheinlich handelte es sich bei dem Überfall um einen Hinterhalt, der
bereits von einem Besucher bei der Raggae-Night mitgeplant wurde. Dieser ruft
die „armed robbers“ mit dem Handy an, dass ein Obruni auf dem Weg ist und diese
machen sich dann mit Messern und Macheten bewaffnet bereit den Obruni zu
empfangen (die kommen zwar i.d.R. nicht zum Einsatz, aber eine Sylvester Stalone
Befreiungsaktion fällt damit auch flach). In dem Fall wäre ein ghanaischer
Begleiter tatsächlich sinnvoll gewesen und einem wird nach 11 Monaten doch noch
bewusst dass, obwohl die Menschen unheimlich nett und herzlich sind und man sich
in Ghana eigentlich nur wohl fühlen kann und Ghana auch ein vergleichsweise
sicheres Land ist, man trotzdem immer ein Fremder bleiben wird und während ein
Ghanaer Probleme lösen kann, kann man als Obruni die meisten Probleme eben doch
nur dadurch lösen, dass man ein paar Cedis in der Tasche hat. Genau das habe ich
natürlich auch getan und eine viertel Stunde später und 5 Cedi (2,50 Euro)
weniger war mein Akku an einem Universalladekabel und ich habe etwas später
erfahren, dass Sheila, Lucia und Mabena sicher zuhause angekommen sind. Dazu
sagen, sollte ich wohl auch, dass ich ihnen natürlich ein Hotelzimmer angeboten
habe und die drei abgelehnt haben (siehe dazu auch Elefanten-Vergleich) und ich
als Hauptgrund für den Überfall, das Geld natürlich ersetzt habe. (Womit wir
wieder bei der Obruni-Problemlösungsstrategie sind.) Die Polizei hat bei „armed
robbers“ eine eigene Problemlösungsstrategie, die dazu führte, dass erst letzten
Mittwoch im Daily Graphic über einen Schusswechsel berichtete, bei dem 8
bewaffnete Straßenräuber erschossen wurden. Diese hatten mit einer Straßensperre
Autos angehalten und die Fahrer ausgeraubt. Auch von dieser Praxis liest man in
Ghana die letzten Monate häufiger. Somit fällt mein Ausblick auf die Zukunft
Ghanas Stichwort „Hoffnung“ nicht ganz so positiv aus, wie ich es mir wünschen
möchte. Aber auch in Deutschland wird man nie 100%ige Sicherheit haben.
Und was bleibt ist...
die Hoffnung. Die Hoffnung das meine Schüler in
diesem einen Jahr eine Menge von mir gelernt haben, nicht nur über Computer,
sondern auch für’s Leben. Die Hoffnung dass einer dieser Jungs und Mädels eines
Tages etwas mehr erreicht als er/sie bisher gedacht hat, seine/ihre Träume
verwirklicht und Ghana voran bringt. Wie Barack Obama sehr richtig erkannt hat,
ist Afrika für sein Schicksal selbst verantwortlich. Mein Blick auf Afrika, auf
Spendengelder, Hilfsprojekte und viele andere Dinge hat sich in diesem Jahr
teils sehr drastisch geändert. Teilweise sind die Dinge wirklich sinnvoll,
teilweise ist aber gut gemeint, doch das Gegenteil von gut gemacht. Und zu guten
Projekten, gehört eben auch die Kultur und die Menschen zu kennen und zu
respektieren, aber auch zu wissen: Wofür es sich zu kämpfen lohnt. Sei es, dass
die Lehrer pünktlich zum Unterricht kommen oder die Gelder auch wirklich
sinnvoll eingesetzt werden, seien es Dinge wie, z.B. dass Ghana eines der
wenigen afrikanischen Länder ist, in denen komplett frei und demokratisch
gewählt wird. In dem der amtierende Präsident mit seinen beiden Vorgängern
friedlich zusammen sitzen kann und sich die Bevölkerung nach der Wahl
gegenseitig die Köpfe einschlägt. Das ist übrigens auch einer der Gründe,
weshalb Barack Obama ausgerechnet Ghana als erstes Ziel in Schwarz-Afrika
ausgesucht hat. Im Moment werden alle großen Einkaufszentren und Computerläden
von Libanesen und nicht von Ghanaern geleitet, Ghana-Telecom wurde von Vodafone
aufgekauft und schon geht ein Ruck durch die Rechnungsabteilung und die
Rechnungen werden Wochen früher zugestellt und das Geld fließt nach England. 50
Jahre nach der Unabhängigkeit gibt es in diesem Land immer noch jede Menge
Dinge, bei denen man sich nur gegen den Kopf schlagen kann und die man als
Deutscher nie verstehen wird. Und trotzdem habe ich mich in dieses Land
verliebt. In seine Menschen in seine Kultur und in die Landschaft. In einem Jahr
habe ich eine zweite Heimat gefunden, hier zwischen all den Unvollkommenheiten
und Dust-roads und einer Auswahl an 7 verschiedenen Gerichten und „später“ und
den Straßenpredigern, die dich auf einer zweistündigen Fahrt auf Twi zulabern,
wenn du nur deine Ruhe haben willst, fühle ich mich genauso wohl wie in
Deutschland. Auch wenn ich wohl immer ein Obruni bleiben werde und dieses Land
immer ein Rätsel für mich bleiben wird. Me fie wo Ghana. Ich werde dich
vermissen.
Ein Morgen in Kokrobitey: http://i31.tinypic.com/2njaqv7.jpg
Bis zum nächsten Newsletter wünsche ich euch einmal
mehr: Alles Liebe aus Ghana
Daniel
Juni
2009 – Willkommen in der Regenzeit
Während
sich die Welt mit den Wahlen im Iran, dem Tod Michael Jacksons und sich Barack
Obama bereits im Fliegenfangen für die Moskitos in Ghana übt ist hier in
Ashaiman großteils alles beim Alten. Was nicht heißt, dass die Dinge
funktionieren würden, aber ich habe mich mit Moskitos, Wasser- und
Stromausfällen und afrikanischer Planung mehr oder weniger arrangiert. Man
gewöhnt sich an vieles und die Zeit ist jetzt doch wie im Fluge vergangen und in
nicht einmal 2 Monaten habe ich wieder deutschen Boden unter den Füßen.
Aber bis dahin stehen noch eine ganze Menge Schlammspaziergänge an. Denn diesen
Monat heißt es: Willkommen in der Regenzeit
Raindrops
keep falling on my head
Und
das schon seit geraumer Zeit. Heute ist der erste Tag seit einer halben
Ewigkeit, dass es nicht zumindest die meiste Zeit des Tages regnet. Was sich
auch ganz gut trifft, da ich ansonsten ernsthafte Wäsche-Probleme bekommen
hätte. Einen Trockner gibt es hier nämlich keinen. Das Problem an der Regenzeit
ist aber auch, dass fast keine Schüler kommen, und dass man auf dem Weg zum
Mittagessen und Evening Prayer durch knöcheltiefen Matsch waaten muss und ein
Spaziergang über die Dustroads in dem Fall dann Mudroads auch nicht wirklich zu
empfehlen ist. Somit sind auch die Möglichkeiten der Abendgestaltung etwas
eingeschränkt. Noch dazu, wenn dank des Regens auch regelmäßig der Strom
ausfällt. Die letzten 4 Tage hatte ich überhaupt keinen, aber die meisten andern
schon. Was das Problem auf der Dringlichkeitsskala etwas zurückstuft. Vermutlich
weil auch andere Teile z.B. Hostel und Teile der Schule von dem Problem
betroffen waren ist es auf der Agenda gestiegen zu immerhin schon: Wir fragen
mal nach, sobald jemand in der Nähe ist, der sich um das Problem kümmern könnte.
Daher tippe ich diesen Teil immerhin schon wieder auf meinem Laptop. Ein
Stromausfall während Examen ist mir zum Glück nur einmal untergekommen und
leider mussten diese Jungs das Examen dann, nachdem der Generator an war,
nochmal schreiben, weil im Computerraum die UPS-Systeme nicht funktionieren.
(UPS =Uninterupted Power Supply, die einen PC bei einem Stromausfall noch 5
Minuten mit Strom versorgen, damit man seine Arbeit speichern kann und den PC
herunterfahren kann oder auf den Generator umstellen kann.)
Jetzt
auch in Ashaiman -Aquajogging: http://i44.tinypic.com/k13sl4.jpg
And
now the end is near and I will face the final Exam...
Mit
nunmehr 4 Wochen geht die Schulzeit bald zu Ende. Faktisch unterrichte ich aber
bereit schon in 2 Wochen nicht mehr, da dann die Abschlussprüfungen anstehen.
Die letzten Stunden fallen dann auch noch regelmäßig aus, aber immerhin habe ich
in jeder Klasse, wenn nichts schief geht immerhin noch mindestens 2 Stunden. Und
so langsam mache ich mir auch schon Gedanken über meine letzten Unterrichtstage.
Tatsächlich sind mir die meisten Schüler in dieser Zeit sehr ans Herz gewachsen
und auch wenn es manchmal einige harte Stunden gab, kann man keinem von ihnen so
richtig böse sein. Selbst Muhammed, aus Installation 1, der es von Anfang an in
meinen Tests geschafft hat, egal ob theoretisch oder praktisch, jedes mal
durchzufallen und regelmäßig den letzten Platz belegt oder Auto 3, von denen nur
noch die letzten Schüler da sind, nachdem die externen Examen schon geschrieben
sind und nur noch die zum Unterricht kommen, die im Hostel wohnen und somit
nicht anders können. All diese Schüler, auch wenn ich von meinen 180 nicht alle
in Erinnerung behalten werde und mir bis heute nicht alle Namen merken kann,
werde ich zumindest in meinem Herzen behalten und ich hoffe, dass ich zumindest
einen großen Teil bei einem Ghana-Besuch wiedersehen werde. Was die letzten
Stunden noch etwas stressvoller macht, ist dass ich geplant habe ein
Don-Bosco-Computerzertifikat zu machen, dass sie zumindest eine Bestätigung
bekommen, was sie alles am PC können und nicht nur eine 1 oder 2 im Zeugnis bei
ICT stehen haben. Wann ich diese Prüfungen dann genau schreiben kann, weiß ich
noch nicht, aber immerhin habe ich die meisten in Excel gleich mit dem
Mid-Term-Exam verbinden können.
Meine
Jungs: http://i40.tinypic.com/33ndfg1.jpg
Father
Chris’ Abschiedsgeschenk
Nachdem
Father Chris zum Dezember nach Nigeria wechselt, gab es zum Schluss noch eines
der letzten Großprojekte das er in Angriff genommen hat: 20 neue Computer für
den Computerraum. Leider werden diese erst zum neuen Schuljahr eingesetzt, wenn
ich nicht mehr hier bin, aber dafür mit allem technischen Schnickschnack, Dual
Core Prozessoren, 1 GB Arbeitsspeicher, DVD-Brenner usw. und letzte Woche wurden
die ganzen Einzelteile geliefert, die Anfang August vom Hardware-Department
Sunyani zusammengebaut werden. Nachdem Father Chris bereits einige Jahre in
Afrika gelebt hat, war auch hier die Planung etwas anders als in Europa. Nachdem
die Computer bereits auf dem Weg waren, hat man sich Gedanken gemacht, wo man
die 20 überhaupt unterbringen möchte und wie das mit den Tischen funktioniert.
Neue Tische sind bei der Planung nämlich nicht mehr drin. Ich hoffe allerdings
dass zumindest ein paar neue Mehrfachstecker eingeplant werden, die sind im
Moment nämlich meist doppelt oder dreifach belegt und immer wieder stellt sich
heraus, dass ein PC nicht funktioniert, weil jemand den Stecker gerade
andersweitig belegt hat oder die Mehrfach-Mehrach-Stecker einen Wackelkontakt
haben und Funken schlagen. Positiv sehe ich dass auf 20 PCs 40 Mäuse und
Tastaturen bestellt wurden, da diese im Computerraum nicht lange überleben.
Feinmotorik ist leider keine Stärke der ghanaischen Lehrer und Schüler. So kommt
es dass im Moment 5 Mäuse und 3 Uralt-Tastaturen aus Deutschland im Einsatz
sind. Was in Excel das erklären nicht unbedingt einfacher macht, denn z.B. der
Doppelpunkt ist auf der englischen Tastatur da, wo auf der deutschen das große Ö
ist.
Wie
Weihnachten: http://i41.tinypic.com/3345849.jpg
Daniel und
die große ghanaische Schneiderin
Auch
nach einem knappen Jahr in Ghana bin ich noch nicht vor Überraschungen gefeit.
So wusste ich zwar, dass ein Ghanaer bei Regen nicht kommt, ein „ich komme
morgen um 9“ nicht unbedingt kurz vor 9 Uhr bis viertel nach 9 Uhr heißen muss,
sondern auch einfach „ich komme irgendwann vor 12“. Aber mich überraschte es
dann doch etwas, dass der „Anzug“ den ich mir bei meiner Schneiderin bestellt
hatte, der am Freitag fertig sein sollte, auch im Dienstag immer noch nicht
fertig war. Das Ganze ist jetzt etwa einen guten Monat her, ich habe Florence
heute angerufen und tatsächlich ist der Anzug jetzt, nachdem ich 3 mal umsonst
hingegangen bin (jedes mal ein paar Tage später als ausgemacht), angeblich
fertig. Die andern Sachen sollen Angeblich am Freitag fertig werden, aber
vermutlich klingt das Wort Freitag einfach nur so schön. Und hier kommt die
Überraschung: Wie ich im Gespräch mit Brother Günther im Drinking Spot erfahren
habe, gibt es eine Deutsche Art der Auskunft und eine Ghanaische Art der
Auskunft. Wenn ein Deutscher Schneider sagt am Freitag, dann weiß man: Er hat
das kalkuliert. Er hat also im Kopf wie viele andere Dinge er noch erledigen
muss und wann er fertig wird. Ein Ghanaer sagt einfach Freitag und wirft den
Stoff dann auf einen Haufen. Und irgendwann wenn er Zeit und Lust hat, macht er
sich daran die Sachen einmal fertig zu stellen. Freitag heißt also in diesem
Fall nicht: „Irgendwann vielleicht am Montag oder Dienstag“ wie ich bisher
dachte sondern einfach nur „Jetzt ist er noch nicht fertig, irgendwann wird er
eventuell fertig sein.“ Die Aussage Freitag ist also nur dazu da, um nicht das
unhöfliche „jetzt noch nicht“ sagen zu müssen und dass beide zufrieden sind. Der
Kunde, weil er denkt dass der Anzug irgendwann fertig ist und die Schneiderin,
weil sie immerhin bis Freitag ihre Ruhe hat. Getreu dem Motto: „Aus dem Augen
aus dem Sinn.“ Brother Günther brachte hier einen sehr schönen bildlichen
Vergleich. Ein Ghanaer versucht das Problem wie mit einer Schneeschaufel, so
lange wie möglich aufzuschieben, bis es irgendwann mal so Groß wird, dass man
ein Riesenproblem hat. Wenn man dann auch noch sehr viel Glück hat, ist
vielleicht schon jemand anders dran mit Schippen den es erwischt. Ebenso
erzählte er mir die schöne Geschichte, wie Father Riccardo zum Einkaufen in
einen Supermarkt (wie alle ghanaischen Supermärkte von Libanesen geführt) ging
und dort in der Fleischabteilung nach Schweinefleisch fragte. Wenn man weiß das
Libanesen i.d.R. Muslime sind und kein Schweinefleisch essen, dann wird es einen
nicht überraschen, dass er dort kein Schweinefleisch fand. Der (ghanaische)
Verkäufer sagte aber: „Wir bekommen welches am Montag.“ Der Ghanaer deutet diese
Aussage: „Es gibt kein Schweinefleisch“ und liegt damit richtig. Und vermutlich
wird es in diesem Supermarkt auch bis zum Tag des jüngsten Gerichts kein
Schweinefleisch in dieser Abteilung geben. Aber das Wort Montag ist in diesem
Fall einfach die freundliche ghanaische Variante für ein „Nein.“ Jetzt muss ich
nur noch herausfinden, was die höfliche ghanaische Variante für den
tatsächlichen „Montag“ ist. Ebenfalls fehlt im ghanaischen Wortschatz das: „Ich
habe keine Ahnung, tut mir leid.“ Stattdessen erhält man, auf der Suche nach
einem Trotro z.B. die Auskunft: „Ja klar, da hinten in 100 Metern, hinter dem
roten Auto.“ Nach einer halben Stunde und fünfmaligen Überqueren des Platzes
stellt sich dann zufällig raus: Es gibt überhaupt kein Trotro dorthin, zumindest
nicht auf dieser Station. Auch hier ist es mir noch nicht möglich zu sagen wann:
„Gleich dort drüben“ tatsächlich heißt, dass das Trotro gleich dort drüben ist
und wann es heißt: „Tut mir leid, ich weiß es nicht.“
A
day at the Art Market
Einer
der wenigen Ghanaer der tatsächlich Dienstag meint, wenn er Dienstag sagt, ist
mein guter Freund Johnny vom Artmarket. Johnny ist nicht nur der talentierteste
Maler, den ich bisher getroffen habe, sondern auch noch ein wahnsinnig netter
Kerl. Er spielt übrigens auch gelegentlich Jazz und Highlife in einer Band, das
leider weniger zuverlässig, denn bisher sind zuverlässig sämtliche Auftritte,
bei denen ich hin wollte, ausgefallen oder er war gerade nicht da. Aber dafür
kann ich vermutlich ein ganzes Haus stilvoll mit Bildern einrichten und bekomme
als sein bester Kunde auch jede Menge Mengenrabatt. Von seiner Malkunst
beeindruckt, habe ich dann auch ein Pop-Art-Portrait in Auftrag gegeben, dass er
ebenfalls sehr gut hinbekommen hat, obwohl das vermutlich der erste Auftrag war
der ihn jemals in eine andere Kunstart, als die „native Art“ und normale
Portraits geführt hat. Bemerkenswert ist hier, dass ein „Am Dienstag sind die
Änderungen gemacht“, auch tatsächlich Dienstag heißt
und er sofort verstanden hat, wenn ich gesagt habe: „Ich hätte das Gesicht gerne
knallrot“, auch wenn noch nie ein Gesicht so knallrot war, und dann die
Komplementärfarben im Hintergrund trotzdem 100%ig gepasst haben. Da ist die
Sprache der Kunst eben doch universal und Johnny ist wirklich ein Künstler.
Auf
dem Art-Markt: http://i41.tinypic.com/nz3n8m.jpg
Jonathan, Lucia,
Sheila & me and the deeper meaning of Apfelkuchen
Nachdem Jonathan an einem
freien Tag am Strand in Kokrobitey Lucia, die Tochter eines protestantischen
Pfarrers getroffen hat und jetzt gut mit der Familie befreundet ist, hat er mich
dazu eingeladen mit ihm und Lucia zur Raggae-Night zu gehen und mit einer ihrer
Schwestern zu tanzen. Ich habe das Angebot natürlich angenommen und kurze Zeit
später wurde ich von drei Damen gleichzeitig, völlig unvorbereitet nach einem
gemütlichen Abendessen, ins Kreuzverhör genommen. Leider habe ich dabei so
ziemlich alle Infos, abgesehen von den Namen durcheinander gebracht, und hatte
am Ende keine Ahnung mehr wer was gesagt hat und wer wie alt war. Was erst
besser wurde als ich mich dann eine Weile mit Sheila unterhalten habe und dann
mit ihr den Abend über zur Lifemusik getanzt habe. Sheila ist in vielerlei
Hinsicht ganz besonders: Sie ist intelligent, weltoffen, hat eine liebenswürdige
Art und strahlt Lebensfreude aus. An diesem Abend habe ich von ihr viel über das
Leben in Ghana, die Probleme in den staatlichen Schulen und viel von ihren
Ansichten und ihrem Verständnis von Ghana erfahren. Ich möchte fast sagen, sie
ist die intelligenteste Ghanaerin die ich bisher kennengelernt habe und selbst
im europäischen Vergleich ganz weit vorn (Ich kenne natürlich mehr
Europärinnen). Sie weiß nicht nur eine ganze Menge, sondern ist auch an vielem
interessiert und sieht im Gegensatz zu vielen auch die kulturellen Unterschiede.
(Bei vielen Ghanaern stößt man da einfach auf Unverständnis.) Und als wir uns
ein paar Tage später mit einem Belgier über ghanaische Politik unterhalten
haben, meinte dieser anschließend nur bewundernd, sie solle Jura studieren und
in die Politik gehen. Sie hat aber gerade andere Pläne. Sie hat zum Sommer hin
das ghanaische Gymnasium abgeschlossen, muss ein paar Monate auf ihr Zeugnis
warten und möchte sich dann für ein Krankenschwestern-Studium bewerben. Am
Nachmittag habe ich übrigens die gesamte Familie kennengelernt und kann nur
sagen: Sie sind einfach nett. Mit den „Small-boys“ den Kids der Familie habe ich
mich auf Anhieb verstanden und schon nach wenigen Minuten war ich vollauf
beschäftigt mit „Flugzeug spielen“ (Einer von den Jungs auf die Schulter und
dann so schnell im drehen, bis einem von uns beiden schlecht wird oder ich
irgendwann umfalle. :D)
Ein
Wochenende später haben wir beide dann einen kurzen Tagesausflug nach Kokrobitey
gemacht, um die Familie zu besuchen und mit den Mädels ein bisschen schwimmen zu
gehen. Das wurde dann auch ganz lustig. Die beiden können leider nicht wirklich
schwimmen und so hat Jonathan versucht der Lucia das Schwimmen beizubringen,
während ich dasselbe bei Sheila getan habe. Das ging dann auch ganz gut, ich
habe sie über Wasser gehalten und versucht sie bei den größeren Wellen oben zu
halten. (Die Strömung war an diesem Tag ziemlich stark) Es hat natürlich auch
richtig Spaß gemacht und ging gut. Zumindest ging das so lange ganz gut, bis ich
dank der starken Strömung plötzlich mit einem Schritt in einem riesen Sandloch
im Meer gelandet bin und wir beide mit einem Mal „weg waren“. Nachdem es ein
großes Sandloch war und ich keinen Halt gefunden habe, habe ich dann versucht
zusammen mit ihr so schnell wie möglich raus aus dem Meer und an Land zu kommen
(Allein ist so ein Sandloch ja kein Problem, aber Sheila oben halten und festen
Boden unter die Füße zu bekommen, bei der Strömung eben schon...). Damit hatte
meine Karriere als Schwimmlehrer ein apruptes Ende gefunden. Dafür gab es
anschließend eine kleine Entschädigung beim Italiener um die Ecke, in Form von
leckerem Apfelkuchen. Wobei Johnathan und ich uns ungefähr so unterhalten haben:
„I’d relly like to have an Apfelkuchen!“ „Yeah
that’s a good idea, maybe I will take a Schokoladenkuchen. What about you Sheila: Do you like to
have an Apfelkuchen?“
Somit
wussten die beiden, bis die Bestellung kam nicht, was denn der ominöse
„Apfelkuchen” ist. Geschmeckt, hat
er uns allen natürlich trotzdem.
Nachdem Sheila mir
gottseidank nicht böse ist, dass wir beinahe zusammen untergegangen wären ;)
habe ich mich am Sonntag zu einem Kurzbesuch nach der Kirche entschlossen. Zum
Evening Prayer um 6:30 abends wollte ich wieder zurück sein. Tema-New-Town fiel
aus, da Brother Michael etwas Wichtiges in Sunyani erledigen musste und
Jonathan, fiel Meeting-bedingt ebenfalls aus. Somit habe ich kurz der Familie
hallo gesagt und wir mussten relativ schnell ins Haus flüchten, da ein starker
Regen einsetzte. Nachdem der Regen aufgehört hatte, sind wir durch einen
reißenden Fluss (in der Trockenzeit auch bekannt als Straße) gewatet, um am Ende
trotzdem total nass zu werden, weil der Regen nach 5 Minuten wieder eingesetzt
hatte. Lucia, Sheila und ich hatten dann doch noch eine Menge Spaß und der beste
Italiener Ghanas in Kokrobitey bekam mal wieder Besuch von uns. (Für gewöhnlich
heißt ein Besuch meiner Wenigkeit, dass der arme Kerl erstmal den Notizblock für
meine Bestellung holen muss, in dem Fall gab es aber nur ein paar Getränke und
Bruchettas, war ja nur ein Kurzausflug.) Nachdem ich ein ghanaisches Klopfspiel
gelernt hatte, die beiden das Partyspiel mit den überkreuzten Armen gelernt
haben (einmal klopfen im Uhrzeigersinn, zweimal klopfen = Rückwärts) und wir
dann noch ein paar lustige und schöne Bilder gemacht haben, musste ich mich um 4
Uhr schon wieder verabschieden. Aber gemäß der Verabschiedung „Mε hu wo okyεna“
(Wir sehen uns morgen) kamen wir bereits am Dienstag wieder. Mittwoch war
nämlich ein Feiertag und somit bot es sich an, sofort nach Schulende in Richtung
Kokrobitey zu fahren, dort beim Italiener zu übernachten und am Folgemittag
wieder zurück zu fahren. Das gemeinsame Abendessen war sehr schön, nur leider
etwas hektisch, nachdem der Italiener, gleich nachdem ich ankam (kurz nach 8)
gesagt hat, er möchte die Küche schließen. Es ist ja immerhin Ghana und noch
dazu ein normaler Wochentag. Da wird der nicht vorhandene Bürgersteig schon
gerne etwas früher hochgeklappt. Wir haben uns trotzdem einen schönen Abend
gemacht und durften auch bis ca. 11 Uhr bleiben, als Sheila und Lucia dann
wieder nach Hause mussten. (Hauptsache der Koch kann heim
:D)
Sheila:
http://i40.tinypic.com/2h5s2vt.jpg
Sheila
und ich: http://i44.tinypic.com/2rpxjbb.jpg
Beim
Lieblingsitaliener: http://i40.tinypic.com/2re6wps.jpg
It’s better to
fall in a Gutter and to break your foot…
…than
to fall in love and break your heart.
Dieser
Satz gehört neben: “The heavy noise the sea makes, cannot prevent the fish from sleeping.” (sprich Lärm kann einen
Ghanaer nicht vom Schlaf abhalten) zu meinen ghanaischen Lieblingssprichwörtern.
Und tatsächlich hatte ich seit Beginn meiner Arbeit zwei Dinge erwartet die vor
meinem Abflug eintreten werden: Ich werde tatsächlich einmal in ein Gutter
fallen. (Das sind offene Abwassergräben am Straßenrand, manchmal mit
Steinplatten abgedeckt, manchmal muss man sie mit Holzbrettern überqueren und
manchmal einfach drüberhüpfen. Es gibt Gutters in allen Größen und Formen, vom
normalen Graben über eine Betonwanne usw.) Die zweite Befürchtung war, dass ich
irgendwann in der Nacht ausgeraubt werde und mein Handy und meinen Geldbeutel
verliere. Von beidem bin ich bisher zum Glück verschont geblieben. Im letzten
Monat habe ich tatsächlich einmal mein Handy in einem Taxi verloren aber wieder
zurück bekommen. Dazu später mehr. Und einmal ist eine Steinplatte direkt unter
meinen Füßen weggebrochen, aber ich konnte mich Indiana-Jones-mäßig noch einmal
retten. Soweit so gut. Nachdem am Dienstag sowieso schon so ziemlich alles
schief ging, was nur schief gehen konnte, habe ich mich zumindest in der Nacht
nach einem schönen Abendessen und einem anschließenden Besuch an einer
Strandbar, halbwegs mit der Welt versöhnt, mit Jonathan auf den Rückweg gemacht.
Es war kurz nach Mitternacht und selbverständlich stockdunkel. Grund genug
eigentlich langsam zu gehen. Nicht jedoch für mich. Wird schon nicht schief
gehen und so wäre ich beinahe über einen Stein gestolpert, konnte mich aber
nochmal abfangen und wir kamen an einen nicht mal hüfthohen Holzzaun an. Ich
weiß noch genau, wie ich auf die Worte: „Vorsichtig.“ mit einem „Ja klar, das
ist doch kein Problem“ oder so antwortete und mit einem siegessicheren
Selbstbewusstsein über den Zaun gehüpft bin. Leider befand sich direkt hinter
diesem Zaun eines der vorhin erwähnten berühmten Gutter in der Großvariante aus
Beton und ich habe mir bei meinem Abflug + harter Landung nicht nur die Luft
weggeblieben, sondern ich habe mir auch noch heftig den Zeh angestoßen und das
Schienbein aufgeschrammt. Nachdem ich dann wieder halbwegs Luft bekommen habe
und gesagt habe, es sei alles in Ordnung. (Jonathan nur: „Du hörst dich aber
nicht so an“) Noch im Gutter habe ich zu Jonathan gesagt: „Ich hab doch gewusst
dass ich irgendwann in ein Gutter fallen würde.“ Woraufhin wir beide lachen
mussten. Ein paar Sekunden später ist mir dann das schöne Sprichwort: „Hochmut
kommt vor dem Fall“ eingefallen, woraufhin wir uns vor lachen nicht mehr halten
konnten. Leider ist mir dann das Lachen wieder vergangen, als mir der Zeh am
nächsten Morgen immer noch ziemlich weh getan hat und ich kaum laufen konnte.
Zum Glück ist er nicht gebrochen, aber ich humple im Moment wie ein alter Mann
mit einem Spazierstock durch die Gegend und hoffe dass Morgen/Übermorgen alles
wieder in Ordnung ist. Aber wenigstens sieht der Chief-Stock den ich aus meinem
Fundus ausgegraben habe, und als Gehstock verwende, ziemlich cool aus.
Ein formschönes Gutter
aus Beton: http://i40.tinypic.com/2mfhol.jpg
Was für ein Tag
Nachdem es in der Früh
geregnet hat, waren ganze drei Schüler in Auto 3 anwesend. Was eine
Zusammenfassung für die End-of-Term-Exams nicht unbedingt sinnvoll erscheinen
lässt. Somit habe ich die 2 Stunden damit verbracht mit diesen 3en ein
improvisiertes, praktisches Examen über Computergrundlagen zu machen. Die
Ergebnisse variierten stark. Anschließend habe ich mich auf eine Stunde mit
Installation 1 gefreut, die gerade etwas über die Grundlagen des Internets
lernen. Zumindest habe ich mich solange darauf gefreut, bis mir ein Lehrer
mitteilte, dass er in dieser/meiner Stunde gerne ein Mid-Term-Examen schreiben
möchte. Immerhin schon das dritte Mid-Term-Exam über das ich 5 Minuten vor
Beginn der betreffenden Stunde informiert werde. Damit hatte ich eine
Freistunde, in der ich mich auf die nächste Stunde in Auto-Proficiency
vorbereitet habe. Als ich um 11 Uhr auf dem Weg zu dieser Klasse war, wurde ich
aber von einer Lehrerin abgefangen und direkt zu einem Überraschungsmeeting mit
Father Blamoh und den Lehrern gebracht, das als Ersatz für das Tee-Meeting
gedacht war, das normalerweise am Mittwoch stattfindet und meist ca. 1-2 Stunden
dauert. Dieses Meeting dauerte bis 3:20 also gute 4 Stunden, wobei mein
Mittagessen, eine Freistunde und die letzten zwei Unterrichtsstunden auch noch
drauf gingen. Damit war der Tag unterrichtsmäßig natürlich gelaufen. Und ich
hatte die zweite große Überraschung in immerhin nur 2 Tagen. Montag war nämlich
ein Überraschungsgottesdienst zu „Peter and Paul“ von dem ich kurz nach Beginn
erfahren habe, dadurch dass ich zufällig vorbei kam und alle Schüler in der
Multipurpose Hall beim Gottesdienst saßen. Bei
der Aussage: „We have to
improve our communication from top to down and from down to top and
vertically“ hab ich dann nur zustimmend genickt. Nun ja, wie’s der Teufel
will wurde ich bei diesem Meeting über jede Menge Meetings und Outings
informiert und die Lösung für die „Kommunikationsprobleme“ wird ebenfalls in der
Einführung neuer Meetings gesehen. Leider betreffen die Meetings über die ich
informiert wurde nahezu meine gesamte Restzeit in Ghana: 3 Juli Verabschiedung
der Brüder, 5. Juli
Parents-Teacher-Association-Meeting, 10. Juli Staff
Recollection, 25. oder 26. Juli „Parents-Day“=Tag der offenen Tür, 28.
Aller guten Dinge sind
Drei
Zum
würdigen Wochenabschluss, erwartete mich nach dem Überraschungsgottesdienst am
Montag, dem Überraschungsmeeting am Dienstag auch noch die
Überraschungsfarewell-Party am Freitag. Ich wusste zwar, dass am Freitag die
Ordensbrüder Brother Anthony, Edmond und Philip verabschiedet werden und war
pünktlich beim Assembly um viertel vor 8 anwesend und habe dann die Zeit bis 11
im Provincial House verbracht, da um 11 das Programm beginnen sollte. Kurz nach
11 bekam ich einen aufgeregten Anruf auf dem Handy ich solle sofort herkommen,
da ich jetzt plötzlich ebenfalls mitverabschiedet werde. Und tatsächlich wurde
das ganze auch innerhalb von 2 Stunden meine Mitverabschiedungsfeier und ich
durfte spontan eine Rede halten. Die Rede wurde dank dem einzigen passenden
Twi-Wort dass mir auf die Schnelle eingefallen ist: „Mada wa se“ (Vielen Dank ) dann doch
noch ein voller Erfolg und ich habe es sogar geschafft unsere Computerlehrerin
zum erröten zu bringen, mit meiner Aussage: Und ich möchte mich besonders bei
Chief Korsah bedanken, dafür dass er mir die Ghanaische Kultur näher gebracht
hat, indem er mich z.B. zu einer Verlobungsfeier eingeladen hat und Madam Marian
dafür dass sie mich in den Drinking Spot einladen möchte. (In Wahrheit, wollten
Stanley und ich Madam Marian seit Ewigkeiten in den Drinking Spot einladen) Was
neben dem „Mada wa se“-Teil zu den größten Lachern
geführt hat. Und selbverständlich habe ich mich bei der Community, bei allen
Lehrern und bei allen Schülern bedankt, obwohl ich eigentlich noch gar nicht das
Gefühl habe, bald abzureisen. Ist ja noch eine Weile hin. Anschließend durfte
ich als Ehrengast am Hightable zusammen mit den andern 3 Ehrengästen die Spiele
verfolgen und fühlte mich ein bisschen wie im alten Rom. Zumindest so lange, bis
noch ein bisschen Tanzen und die anschließende Verabschiedung im Konferenzraum
stattfand. Und ein schönes ghanaisches Shirt habe ich auch noch bekommen.
Eigentlich könnte man mich ruhig öfters verabschieden.
Madam
Marian will nicht in den Drinking Spot: http://i40.tinypic.com/69j5lc.jpg
Ist doch nur ein
Kratzer
Auf der
Rückfahrt von Kokrobitey nach Ashaiman, habe ich einen der kleineren Nachteile
der ghanaischen Fahrweise kennen gelernt. Da jeder seine eigene Spur am
Straßenrand eröffnet und sich dann irgendwann in die kleinste sich bietende
Lücke quetscht heißt die Vorfahrtsregel: Wer zuerst nachgibt/bremst hat
verloren. Das geht natürlich so lange gut, bis einmal keiner nachgibt, was
weniger gut ist, wenn man in einem der beteiligten Wagen sitzt. In meinem Fall
Trotro vs. LKW. Nachdem die beiden einen Lackabtausch vorgenommen hatten. Also
ungefähr die gesamte untere Hälfte der Fahrertür des LKWs mit dem Mittelteil des
Trotros auf der Beifahrerseite bekanntschaft gemacht hatten und sich so langsam
das Metall zu verbiegen drohte, haben die beiden die Kommunikation aufgenommen.
Zuerst mal durch abwechselndes Hupen, dann durch die geöffneten Fenster. Und als
Deutscher dachte ich mir schon: „Ach du Sch... jetzt stehst du die nächsten
Stunden hier, bis die sich geeinigt haben“ Nachdem dann aber der LKW ein Stück
zurück gefahren ist (also aus dem Trotro raus sozusagen) und das Trotro dann
„Vorfahrt“ hatte war der Fall erledigt und die beiden sind einfach
weitergefahren als ob nichts gewesen wäre. Soviel zur Schadensregulierung auf
ghanaische Art.
Ghanaischer
Stau: http://i44.tinypic.com/34r8wgg.jpg
No
matter if your black or white (oder eine Fürbitte für Michael
Jackson)
Der
Tod Michael Jacksons hat mich zwar trotzdem noch über die deutschen Nachrichten
erreicht. Internet sei dank. Doch vermutlich wusste in jedem kleinen Dorf mit
nur einem Fernseher, spätestens am Abend das der Sänger an Herzversagen
gestorben war. Wohin man die letzten Tage auch geht irgendwo hört man immer
einen Michael Jackson Song. Sei es im Radio im Trotro oder im Fotoladen um die
Ecke, bei dem sich ein paar Ghanaer Jackson-Youtube-Videos angeschaut haben. Und
erst hier in Ghana ist mir bewusst geworden, welchen Einfluss er auf die
afrikanischen Bevölkerung tatsächlich hatte. Nämlich, als eine Gruppe Schüler
als Thema bei einer Power-Point-Präsentation Michael Jackson wählten, obwohl die
Themenauswahl völlig frei war. (Sprich: 50 Cent gab’s also auch, auch wenn ich
der Gruppe dann bei der Präsentation erklären musste, wer oder was eigentlich
Run DMC ist, das Geschichtswissen ist also auch in Punkto HipHop etwas
beschränkt....) Um aber auf Michael Jackson zurück zu kommen. Trotz aller
Skandale und des „bleichen lassens“ das hier natürlich auch alle doof finden,
ist er für viele immer noch einer der ersten großen „schwarzen“ Superstars
außerhalb des Sports und Jazz’. Und so kam es, dass Father Blamoh beim Evening
Prayer tatsächlich sogar eine Fürbitte für Michael Jackson gesprochen hat. Was
bleibt mir da anderes übrig als zu sagen: Amen!
Mai
2009 –Zwischen
Tradition und Alltag
Hallo
Deutschland,
Freitag
habe ich die magischen 9 Monate überschritten und ¾ meiner Zeit in Ghana sind
schon vorbei. Somit steht nicht nur ein neuer Weltwärtsbericht
an, sondern auch bald mein Rückflug
nach Deutschland. Während ich am Anfang tatsächlich ein wenig Heimweh hatte,
habe ich mich mittlerweile vollkommen an das ghanaische Leben gewöhnt und habe
das Gefühl, dass es eigentlich ewig so weiter gehen könnte. Natürlich vermisse
ich viele Menschen aus und ein paar Dinge an Deutschland (und verpasse AC/DC und
Heaven & Hell in dieser Zeit!)
und ich freue mich schon wahnsinnig zurück
zu kommen. Nur ist Ghana ein Stück weit eine zweite Heimat und sogar mein Alltag
geworden. Zu dem natürlich auch der regelmäßige Kontakt zu meinen Eltern,
Freunden und auch der Newletter gehört. Aber auch ein guter Grund diesen Alltag,
das Leben und den ganzen Rest einmal gründlich zu hinterfragen. (Die großen
Themen Spenden und Religion habe ich auf nächsten Monat vertagt. Wird eh wieder
viel zu lang :D ) Die Schwierigkeit dabei ist, dass einiges für mich
mittlerweile völlig normal ist, (inklusive der englischen Tastatur, ich brauche
vermutlich ein paar Wochen bis ich wieder auf der deutschen mit 10 Fingern
tippen kann) wo ich noch vor 9 Monaten lachend den Kopf geschüttelt hätte. Um
nur mal ein Beispiel zu nennen: Wenn man sich ein heißes Essen ohne Verpackung
einfach in eine normale schwarze Plastiktüte packen lässt und dann mit den
Fingern aus der Tüte ist. Aber eine Styropor-Verpackung kostet 50 Pesewas extra
und die meisten haben sowieso keine da. Grund genug also einmal den eigenen
Alltag zu durchläuchten, in einem Land voller Gegensätze, mitten zwischen
Tradition, Moderne, Alltag und dem Besonderen.
Die
Internetseite hab ich bei der Gelegenheit auch gleich noch ein bisschen
geupdatet. Viel Spaß beim Lesen.
Wer ist
eigentlich?
Father
Blamoh
Ist
der Rektor der Salesianischen Gemeinschaft in Ashaiman und der Direktor der
Schule. Nebenher ist er auch noch als Pfarrer in einer Kirche in Michelcamp
eingesprungen. Hauptsächlich trifft man ihn aber in seinem Büro in der Schule
an. Father Blamoh kümmert sich vor allem um die administrativen Aufgaben. Für
den Unterricht ist der Vizerektor Mr. Brown zuständig. Father Blamoh stammt aus
Liberia, einem Land das ebenfalls zur Provinz „englischsprachiges Westafrika“
gehört. Erst kürzlich kam ein indischer Salesianer, der Rektor einer Schule in
Liberia ist zu uns und hat uns die Situation in Liberia geschildert. Das Land
ist immer noch sehr stark vom Bürgerkrieg geprägt und auch die
Wertevorstellungen und die Kriminalität im Land müssen große Probleme bereiten.
Da ist man dann echt froh hier in Ghana zu sein.
Ein
typischer Satz von Father Blamoh beinhaltet mindestens ein „Whaaa?“
Z.B.
“You have to be careful about the Whaaaa? –The
candles. And because of Whaaaa? –The
fire!”
Father
Blamoh: http://i40.tinypic.com/10d9t0y.jpg
Father
Chris
Stammt
aus Polen und ist seit einigen Jahren hier in der Gemeinschaft in Ashaiman für
die Finanzen zuständig. Nebenbei kümmert er sich auch noch um viele andere
Aufgaben die anfallen und ist für uns Voluntäre der Ansprechpartner. Er ist
immer freundlich, zuverlässig und hilfsbereit, wenn auch gelegentlich ziemlich
gestresst und ich mag ihn wirklich sehr. Erst vor wenigen Tagen kam er von einer
viermonatigen Reise nach Europa zurück. Unter anderem hat er auch Deutschland
als ehemalige „Mutterprovinz Ghanas“ und natürlich seine Heimat Polen besucht.
Father
Chris hat einen interessanten polnischer Akzent. Er spricht das h immer als ch
aus z.B. Chow can I chelp you? Und verwendet zum Beispiel auch gerne das Wort
„Tschaaaa“. Im Sinne vom deutschen „Tja“. Seine melodische Sprechweise ist
schwer zu beschreiben. Mich erinnert sie ein bisschen an die Paten-Filme.
Jedenfalls ist es unter uns Voluntären der zweitbeliebteste Dialekt nach dem
coolen britischen Akzent von Father Roy.
Father
Chris: http://i39.tinypic.com/33lp3wx.jpg
Father
Roy
Ist
über 80 Jahre alt, aber meist findet man ihn vor dem PC im Internet surfen und
er ärgert sich dass die „bloody internet connection“ heute wieder so langsam
ist. Wenn er nicht gerade im Internet surft schreibt er Artikel für die
Salesianischen Zeitschriften oder hält den Gottesdienst im Provincial House. Der
nur 45 Minuten dauert. Father Roy stammt ursprünglich aus England und hat immer
noch diesen wahnsinnig coolen britischen Akzent. Er hat in Deutschland studiert
und war bereits, vor er bei den Salesianern war einige Jahre in Afrika. Ich
glaube mit der Armee. Leider sehe ich Father Roy nur sporadisch.
Die
drei Herren vom Provincial House: http://i40.tinypic.com/14kgrkg.jpg
V.l.n.r.
Fr. Roy, Fr. Riccardo (Provincial) und Br.
Günter:
Father
Joe
Ist
einer der wenigen gebürtigen Ghanaer in der Gemeinschaft und ist der Pfarrer der
Don Bosco Kirche, 15 Minuten von unserem Gelände entfernt in Golf City. Dort
verbringt er auch die meiste Zeit, entweder bei Gottesdiensten oder bei Meetings
mit dem Kirchenrat usw. Father Joe ist wahnsinnig nett, nur seine Predigten sind
manchmal ein bisschen lang. (Ungefähr so lang wie in Deutschland ein ganzer
normaler Sonntagsgottesdienst)
Father
Joe: http://i40.tinypic.com/kchy89.jpg
Brother
Michael „Obolo“ Schmitz
Unser
deutscher Ordensbruder. (Ein Bruder in der Gemeinschaft ist ein vollwertiges
Ordensmitglied, mit dem einzigen Unterschied, dass er kein Pfarrer ist) Brother
Michael ist Schulleiter in der Straßenkinderschule in Tema-New-Town und
veranstaltet jeden Nachmittag einen Spielenachmittag für die Kids in der
Umgebung. Dort können sie Puzzles lösen, 4-Gewinnt spielen oder Fußball spielen.
Sonntags fahre ebenfalls mit ihm nach Tema-New-Town. Davor war Brother Michael
knapp 15 Jahre in Sunyani und hat dort den Spielenachmittag betreut. Das erste
mal gesehen habe ich ihn sogar bevor ich nach Ghana kam, nämlich an Ostern bei
seinem Urlaub in Turin bei den Salesianischen Headquarters. Mit Brother Michael
verstehe ich mich absolut super und kann ihn auch oftmals um seinen Rat fragen
und gehe immer mal wieder mit ihm zusammen in den Drinking-Spot gegenüber.
Brother Michael ist übrigens auch mein Firmpate.
Mit
Brother Michael: http://i44.tinypic.com/105s3zt.jpg
Brother
Günter
Stammt
aus Österreich und ist für die Fiananzen der ganzen Westafrikanischen Provinz
zuständig. Nebenher ist er mein Ansprechpartner für Kopien und man kann sich
gelegentlich mit ihm auf Deutsch unterhalten. Unter anderem im Drinking Spot.
Mit ihm verstehe ich mich auch ganz gut.
Brother
Edmond, Brother Anthony, Brother Philip und Brother Thaddeus
Sind
für ein paar Jahre hier in der Gemeinschaft, nachdem sie das Novinziat
abgeschlossen haben und bereiten sich darauf vor Fathers zu werden und werden
vermutlich zum Sommer die Gemeinschaft in Ashaiman wieder verlassen, um zu
studieren. Abgesehen von Brother Edmond der aus Ghana kommt, stammen alle Brüder
aus Nigeria. Brother Thaddeus unterrichtet in TNT, die andern Brüder sind in der
Schule bzw. im Automobile-Workshop und für das Hostel
zuständig.
Gruppenfoto:
http://i43.tinypic.com/2vazatg.jpg
Von
links nach Rechts:
Ich,
Fr. Chris, Br. Michael, Fr. Joe, Br. Thaddeus, Fr. Blamoh, (Heinrich*) Br.
Kniend:
Br. Anthony, (
A
day in Ghana
Wie
ich erst kürzlich errechnet habe, bin ich die wenigste Zeit in Ghana im Urlaub,
auch wenn die Schilderungen im Newsletter deutlich mehr Platz einnehmen (wenn
man meinen Urlaub nach deutschem Standard rechnet, also Wochenende und Feiertage
raus, komme ich bisher auf weniger als 25 Tage. Die meisten Feiertage haben noch
dazu christlichen Ursprung. Was i.d.R. einen mehrstündigen Kirchenbesuch oder
Sonderprogramm an diesem Tag bedeutet) Die meiste Zeit verbringe ich also
tatsächlich in der Schule. Grund genug einmal einen typischen Tagesablauf zu
schildern:
6:40
–Der Wecker klingelt und wird zum ersten mal ignoriert.
6:50
-„On Her Mayestys Secret Service“ weckt mich schon wieder auf, wird aber wieder
ignoriert.
7:00
–Ich stehe tatsächlich auf und entscheide mich für ein ghanaisches Hemd und eine
bequeme ghanaische Hose. (Man muss das Hemd nicht bügeln und kann dazu passende
Flip-Flops anziehen, außerdem geht’s schneller)
7:05
–So langsam habe ich mich an die kalte Dusche gewöhnt. Ich sollte mich beeilen,
wird eh wieder knapp mit Frühstück
7:20
–Frühstück mit Cornflakes, heißer Schokolade und Marmelade- und
Ernussbutterbrot. Lecker, die einzige „europäische“ Mahlzeit des Tages.
7:40
–Mist die Schüler singen schon. Ich muss mich beeilen. Der Kakao ist noch heiß.
7:50
–Hat jemand bemerkt dass ich etwas zu spät bin? Naja wir sind eh erst beim Vater
Unser...
Typischer
Assembly Ablauf (täglich vor der Unterrichtsbeginn für alle Schüler und Lehrer
20-30 Min.)
-2
Ghanaische Gospel-Lieder
-1
Vater Unser
-1
Ave Maria
-Ehre
sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist...
-Nationalhymne (God bless our homeland
-Treueschwur (I promise to my
motherland...)
-Ankündigungen
und Monologe von Lehrern und Fr. Blamoh
-evtl.
Geburtstagswünsche und sonstiges
-Don
Bosco Song
8:00-12:10
–Unterricht (eine Schulstunde hat 60 Min. Zwischen 11-11:10 kurze
Pause)
12:10
–Halbe Stunde Mittagessen im Community House
12:40-15:40
–Der Unterricht geht weiter
15:40
–Geschafft. Gut 2 Stunden Freizeit. (E-Mails checken, Schlafen, Unterricht
vorbereiten, Kopien)
18:00
–Evening Prayer
18:30
–Abendessen
19:30
–Die Glocke läutet zum Rosenkranz. Mhhm ich war schon letzte Woche mal, muss ich
schon wieder?
Jetzt
kann man evtl. mit Brother Michael in den Drinking Spot gehen, oder einen Film
auf dem Laptop anschauen.
22:30
–Die beiden Schäferhunde Rambo und Beta kommen raus.
Montag:
6:40
Gottseidank passiert gar nichts, ich hab die erste Stunde frei und verzichte auf
das Assembly.
8:00
Der Wecker klingelt. Vgl. Typischer Tagesablauf. Ich habe aber nur 4
Unterrichtsstunden.
Mittwoch:
7:45
Departmental Assembly (wie war das nochmal? Das Computerdepartment ist
eigentlich gar kein Department?)
Unterrichtsfrei.
Ich muss aber da sein.
11:00
–Teameeting aller Lehrer mit Father Blamoh bis kurz nach 12. Vgl. Ghanaische
Meetings und typischer Tagesablauf. –Kein Rosenkranz
Freitag:
7:45
Ich gehe gelegentlich zum Assembly. Wenn ich mal wieder Malaria habe, schlafe
ich aus.
Heute:
Unterrichtsfrei. Ich muss aber da sein.
Hauptsächlich
zur Unterichtsvorbereitung, Weltwärtsberichte, Newsletter, Kopien
usw.
Und
es gibt ein gemütliches Frühstück (Schlecht: Wenn man verschläft und von 11-12
frühstückt hat man um 12 keine Lust auf Mittagessen ;-) )
Abends
kann man sich mit den FCP-Voluntären treffen. Evtl mit Brother Michael in den
Drinking Spot, Film schauen, Buch lesen usw.
Samstag:
Mein
freier Tag.
18:30
Evening Prayer
19:00
Abendessen im Community House
Evtl.
Treffen mit FCP-Voluntären oder Drinking Spot, Film, Buch usw.
Sonntag:
6:00
–Mist heute ist Sonntag. Wecker klingelt noch früher als
sonst
6:20
–Verdammt wird wieder knapp. Aufstehen
6:40
–Sehr kurzes Frühstück
6:55
–Entweder in den Gottesdienst im Provincial House oder nach Golf City oder erst
um 7:30 in der Schule zum Gotesdienst. Vgl. Großer Kirchenvergleich in einem der
Newsletter
Je
nach Kirche kann man sich nochmal kurz schlafen legen, nochmal frühstücken oder
gleich zum Mittagessen. Dauer der Gottesdienste: Provincial House: Ca. 45 Min
Golf City: 3-3 ½ Stunden.
12:00
–Mittagessen
14:00
–Mit Brother Michael nach Tema-New-Town für den Spielenachmittag mit den
dortigen Kindern.
18:00
–Rückkehr aus Tema-New-Town
18:30
–Evening Prayer
19:00
–Abendessen in der Community -Shadrack kocht! Es gibt entweder Reis mit
verkochtem Gemüse, Yam mit verkochtem Gemüse oder Reis mit Tomatensauce und
weil’s Sonntag ist gibt es Softdrinks und Bier.
FCP-Voluntäre
haben wieder Nachtschicht, ich muss morgen wieder arbeiten. Übliche
Auswahl.
22:30
–Rambo und Beta schauen vorbei.
Wichtig:
Es
handelt sich um einen typischen Tagesablauf. Kurzfristig gibt es auch mal
Gottesdienste, Sponsorenbesuche mit 3 stündigem Sonderassembly oder Meetings in
dieser Zeit. Dann gibt’s auch wieder Anwesenheitspflicht.
Knallharter
Arbeitstag: http://i44.tinypic.com/e5pbtx.jpg
School
time
Nachdem
den größten Teil des Tagesablaufs nimmt also der Unterricht ein. Montags 4 x 60
Minuten, Dienstags und Donnerstag unterrichte ich 6 Stunden pro Tag. In meinen 6
Klassen habe ich gerade 4 unterschiedliche Themen: Word, Excel, Power-Point und
in Electronic 1 und Auto 3 das Internet. In Word und Excel erkläre ich das neue
Thema (z.B. Rahmen und Schattierungen) meist erst mal theoretisch im
Klassenzimmer, mit Beispielen und zeichne die Dinge Schritt für Schritt an der
Tafel auf und erkläre wozu das Ganze nützlich ist. (Die Stunde ist im
Klassenzimmer, weil sonst viele in der Zeit mit dem Computer rumspielen und
nicht aufpassen) Dann erkläre ich das Ganze in der nächsten Stunde im
Computerraum mit dem Projektor und anschließend können die Schüler das Ganze
selbst ausprobieren und fragen stellen. In Power-Point gibt es Projektarbeit.
Ich erkläre den Schülern die ersten Stunden im Klassenzimmer wie Power-Point
funktioniert, worauf es in einer guten Präsentation ankommt, zeige ihnen dann
eine Präsentation und sie können in Gruppenarbeit ein Thema ihrer Wahl
vorbreiten (mit Bildern aus dem Netz und Infos von Wikipedia) und diese
Präsentation wird als Schularbeit (End of Term Exam) gewertet. In den meisten
Fällen also learning by doing, wobei ich natürlich immer rumgehe, bei Fragen
helfe und Tipps gebe (und schaue, dass die Gruppe auch tatsächlich arbeitet).
Beim Thema Internet gibt es ein paar Theoriestunden (Geschichte des Internets,
was ist ein Browser, was ist ein Modem/ISDN/DSL usw.), dann praktische Tipps und
eine Liste mit wichtigen Websites die ich ihnen vorstelle und im Internet zeige
(von ebooksbay.org über youtube und wie finde ich etwas bei google/yahoo).
Anschließend lernen die Schüler Grundlagen in HTML und wie man eine eigene
Website erstellt. Nach ein paar Stunden wird auf Frontpage umgestellt und die
Jungs erarbeiten wieder in Gruppenarbeit ein Projekt, dass dann ins Internet
gestellt wird. Das Projekt zählt ebenfalls als End-of-Term-Exam für den letzten
Term.
Meine
Unterrichtsunterlagen: www.dthe.net/Handout.htm (auf English
aber gut :-D)
Im
Computerraum: http://i39.tinypic.com/1tq7eo.jpg
Ernährungsberatung
a la Nestle
Wenn
mal wieder mitten in der Stunde spontan Bescheid gesagt wird, dass die Schüler
in 5 Minuten zu Versammlung kommen sollen, dann kann das mehrere Gründe haben.
Dieser war auch nach 9 Monaten Ghana für mich neu: Das Nestle-Promotion-Team kam
spontan zu Besuch, um kostenlos „gesunden“ Zucker an die Schüler zu verteilen.
Nachdem sich die Schüler alle in der großen Assembly-Hall versammelt hatten,
bekamen sie eine kurze Ernährungsberatung vom Promotion-Team. Im Kofferraum
hatten sie ein paar Kartons des neuen „Milos“, das sie den Schülern vorstellen
wollten. Milo ist eine Art ghanaischer Kaba. (Nachdem Ghana jedes Jahr gewaltige
Mengen Kakao exportiert, kann man auch günstig reines Kakaopulver kaufen und
sich eine gute heiße Schokolade machen, aber daran kann sich Nestle natürlich
keine goldene Nase verdienen) Deswegen kostet Milo ein vielfaches, besteht aber
hauptsächlich aus Zucker, Milchpulver, Malz und ein bisschen Kakao und
beigemischten Vitaminen (in genau dieser Reihenfolge). Gut 300 Schüler sind
natürlich ein perfektes Forum für einen Spontanbesuch, der Firma, die ich
persönlich dafür verantwortlich mache, dass man in fast ganz Ghana keinen
anständigen Kaffee, sondern nur das verdammte Nescafe-Instant-Zeug bekommt. Und
auch das natürlich zu einem unverschämt hohen Preis, gerade wenn man bedenkt,
dass in Ghana auch Kaffee angepflanzt wird. Der einzig richtige Kaffee, den man
aber bekommt ist meist der italienische aus den großen Supermärkten, zu teils
über 20 Euro pro 250 Gramm.
Jedenfalls
zurück zu Nestle: Das Team hielt einen kurzen Vortrag, dass Milo der Drink der
zukünftigen Champions sei. (Der Spruch dürfte übrigens geschützt sein) Und dass
man jeden Tag mindestens ein Milo trinken sollte. Gerade nach dem Sport um
wieder Energie zu tanken. Ich tippe eher darauf, dass man durch den vielen
Zucker kurzfristig aufgeputscht wird, aber die von Nestle wissen das sicher
besser. Jedenfalls sei Milo sehr gesund, wegen der vielen Vitamine,die Nestle
unter dem Namen „Actigen E“ zusammengefasst (und das Wort praktischerweise auch
gleich patentiert) hat. Anschließend gab es dann ein kleines Quiz mit Fragen,
warum Milo so gesund sei und natürlich gab es viele Milo Probierpacks zu
gewinnen. Ich hab, wenn auch nur unter größten
Anstrengungen, die Klappe gehalten. Und pünktlich zur Mittagspause haben sich
die Jungs und Mädels von Nestle dann wieder verabschiedet und ich hatte zwei
Beutel Milo in der Hand, die zusammen einen halben Liter Milo mit Wasser ergeben
und knapp einen Cedi kosten (600 Gramm reiner Kakao kostet übrigens 3 Cedi und
schmeckt mit Milchpulver deutlich besser).
Nestle
zu Besuch: http://i41.tinypic.com/xmj4oz.jpg
Mehr von
Nestle, MTN, Onetouch, Ecobank Tigo und Co.
Sehr
praktisch in Ghana sind übrigens die kleinen Märkte um die Ecke. Sie sind nicht
nur praktisch sondern auch noch dazu sympathisch, günstig, direkt gegenüber und
man hat schnell eine persönliche Beziehung zu den Verkäufern aufgebaut. Dort
bekommt man von Kakao, Marmelade, Cola, Tomatenmark, Telefonkarten usw. fast
alles, das man zum Leben braucht. Nur für Dinge wie ein „gutes“ Brot, Käse,
Jogurt und anderes Zeug, das kaum ein Ghanaer kauft, muss man in die großen
Supermärkte, die meist von Libanesen geführt werden. Ähnlich wie die meisten
Computergeschäfte von Libanesen geführt werden. Was vermutlich daren liegt, dass
dieser die Ersatzteile bestellt bevor sie ausgehen und nicht erst zwei
Wochen, nachdem der erste Kunde das Ersatzteil braucht. Ähnlich wie kaum ein
Ghanaer auf Vorrat kauft. Als Deutscher schaut man in den Kühlschrank und stellt
fest: Die Marmelade ist aus, aber der Kaffe, das Milchpulver, die Erdnussbutter
und das Brot ist auch fast alle. Dann bringe ich das auch gleich mit und wenn
ich eh schon hinfahre kann ich mir auch gleich noch ein Buch aus der
Buchhandlung gegenüber kaufen. Während ein Ghanaer dann typischerweise nur die
Marmelade kauft und morgen wegen der Erdnussbutter fährt. (Wobei beide Methoden
ihre Vor- und Nachteile haben. Auf die Art lernt man auch mehr Menschen kennen.)
Nun ja, jedenfalls ist das vermutlich der Grund weshalb die Ghanaer meist nur
die kleinen Märkte haben und meist auch nur dort einkaufen. Ein anderer Grund
könnte sein, dass von vielen Verkäufern Service und Freundlichkeit zum Kunden
auch nicht unbedingt als Umsatzfördernd eingeschätzt werden und meist darauf
verzichtet wird. Aber aus Deutschland ist man das ja schon gewohnt.
Was
aber durchaus beunruhigend ist, ist dass selbst die wenigen, in Ghana
hergestellten Produkte, in den wenigsten Fällen, von ghanaischen Firmen
hergestellt werden. So gibt es zwar eine Milchpulverfabrik in Ghana, die gehört
aber einem belgischen Konzern. (Richtige Milch gibt es übrigens auch, ebenfalls
von einem belgischen Konzern, aber Made in Germany!) Die meisten Banken sind
britisch und die Fischerreirechte hat der letzte Präsident auch schon verkauft
und zwar an die Chinesen, um den neuen Präsidentenpalast zu finanzieren. Nestle
als schweizer Konzern habe ich ja bereits erwähnt und erst kürzlich kam ein
neuer „Global Player“ dazu:
Vor
wenigen Wochen wurde die Ghana Telecom und deren kleine Mobilfunktochter
Onetouch von Vodafone übernommen. Die Ghana jedenfalls mit einer gigantischen
Werbeaktion mit Plakaten, Fähnchen, Aufklebern und Trucks mit lauter Musik und
Handyverträgen überfallen haben. In knapp 2 Wochen haben sie in punkto Werbung
die seit Jahren ansäßige, in ganz Afrika vertretene, MTN fast komplett
übertrumpft. Ich bin nicht wirklich traurig darüber, da MTN ständig mit
Netzwerkausfällen zu kämpfen hat. Nicht umsonst behaupten unsere Schüler, dass
MTN für „More Trouble Network“ steht. Z.B. war Sunyani mal ein paar Wochen lang
nicht zu erreichen und ich habe mir, nachdem mal wieder eine halbe Stunde nichts
mit MTN ging, einfach einen Tigo-Chip für 2 Cedi (ca. 1,20 Euro) gekauft, was in
Ghana genauso problemlos an der Straße funktioniert, wie rezeptpflichtige
Medikamente in der Apotheke zu kaufen (siehe nächster
Punkt). Jedenfalls habe ich bei dieser Gelegenheit herausgefunden, dass man mit
Tigo auch wesentlich günstiger nach Deutschland telefoniert und nutze jetzt MTN
nur noch, um meine Kollegen die ebenfalls MTN haben anzurufen. Dank dieser
Netzwerkprobleme aber passt die Vodafone-Werbekampagne wie die Faust aufs Auge:
„Experience a Network that works.“ Nun ja die meisten Ghanaer scheinen die
Netzwerkprobleme nur am Rande zu interessieren. Man kennt das mit den Ausfällen
ja schon vom Strom. Nicht umsonst gilt in Afrika auch das Motto „NEPA“: Never
Expect Power All the time.
So
macht Einkaufen Spass: http://i44.tinypic.com/30jmbnr.jpg
Telefonkarten
kaufen: http://i39.tinypic.com/10yfjme.jpg
Mit
Malaria
Im
heutigen Newsletter gibt es wieder mal ein Malaria-Update. Nachdem ich jetzt
einen Monat Ruhe hatte, habe ich etwas abgewartet und mich nach einigen Tagen
doch dazu durchgerungen und dem Apotheker um die Ecke mal wieder „Hallo zu
sagen“. Nachdem die Höflichkeiten ausgetauscht waren und er um 3 Cedi 80 (ca. 2
Euro) reicher war, hatte ich 8 neue Tablatten für 2 Tage in der Tasche. Grund
genug mich einmal näher mit meiner alten Bekannten zu beschäftigen. Ich habe
mich, erst hier in Ghana ausführlich mit dem Thema Malaria beschäftigt (ich
dachte mit der Prophylaxe wäre das eigentlich geklärt). Der Vorteil der
Prophylaxe ist, dass ich keine besonders starke Form der Malaria habe und auch
mit der Malariaart ziemlich Glück habe. Meine befällt verhältnismäßig wenig
Blutkörperchen, im Gegensatz zur Malaria Tropica, die nahezu alle roten
Blutkörperchen zerstört.
Malaria
wird durch Stechmücken übertragen, die nach Einbruch der Dämmerung,
millionenfach hier herumschwirren. Ein Grund dafür, dass es so viele Mücken gibt
sind u.a. die offenen Kanalisationen hier in Ghana und natürlich das Klima.
Trotz Fliegengittern an den Fenstern, Mückenspray (im Raum und am Körper), einem
Moskitonetz über dem Bett und Prophylaxe gibt es keinen 100 prozentigen Schutz.
Die Viecher kommen überall hin. Erst kürzlich hatte ich in meinem mit
Fliegengittern versehenem Zimmer, 3 Moskitos in meinem Moskitonetz, das über dem
Bett hängt, sitzen. Ihr Pech war, dass sie mich, gut sichtbar, am Eingang
empfangen wollten. Ich habe sie dann in einer halbstündigen Aktion mit dem
(vermutlich nicht ganz ungiftigen) Spray erlegt. Was die Jagd schwierig
gestaltet ist, dass die Kerlchen verdammt klein sind, wahnsinnig flink,
teilweise schneller als das Auge und sich z.B. an der Seite am Boden des Netzes
ganz gut verstecken können. Im normalen Raum habe ich mittlerweile die Fähigkeit
erlernt, die Viecher relativ zielsicher mit der bloßen
Hand zu erlegen. Wobei die Kerle eindeutig in der Überzahl und im Vergleich zu
Deutschland auch noch fast lautlos sind und man ihre Sticher erst merkt, wenn
sie längst wieder verschwunden sind. Ein im Moskitonetz gefangener Moskito
sticht einen übrigens fieserweise die ganze Nacht über wieder und natürlich
jedes Mal an einer anderen Stelle.
Die
Malaria selbst ist fast noch fieser. Die Parasiten überfallen die roten
Blutkörperchen und lassen diese Platzen, somit gibt es nicht mehr genügend rote
Blutkörperchen die für den Sauerstofftransport verantwortlich sind. Andere Leute
bekommen dazu auch noch Fieber, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Ich stopfe mir
bei Malaria fast noch größere Mengen rein (der Körper will ja Energie tanken),
aber auch ansonsten sind bei mir die Symptome ziemlich untypisch: Ich bemerke
eigentlich nur den Blutmangel, der Kopfschmerzen verursacht, ich schlafe
ziemlich schlecht, wache bei fast jedem Geräusch auf und davon gibt es in Ghana
in der Nacht genügend, kann ab frühmorgens nicht mehr einschlafen und bin den
ganzen Tag müde und habe keine Lust irgendetwas zu tun. Eigentlich möchte man
die ganze Zeit nur ins Bett und eine Runde schlafen, wobei man dann nicht
schlafen kann, aber die Kopfschmerzen und die Lustlosigkeit verhindern, dass man
ein Buch liest oder irgendetwas anderes macht. Wirklich schlimm wird es mit der
Reaktionszeit. In Ghana kann man zwar, ähnlich
wie Schafe und Kühe
gemütlich
ueber die Strasse laufen, aber wenn man dann angehupt hat und den Fahrer mit
Kuhblick anschaut, bis einem klar wird, was Sache ist, macht einem das schon
Angst. (Obwohl ich keine Appettitlosigkeit habe, muss ich mich aber dazu zwingen
ausreichend zu trinken. Sobald der Körper nämlich genügend Wasser hat, fängt er
mit den Kopfschmerzen an sich zu beschweren, habe ich Wassermangel ist er
vermutlich beschäftigt den Wassermangel zu managen und hat keine Zeit für
Kopfschmerzen).
Ein
großer Vorteil in Ghana ist, dass man die ganzen verschreibungspflichtigen
Medikamente (zu einem Bruchteil des deutschen Preises) einfach so in der
Apotheke bekommt. Das spart einem einen halben Tag im Wartezimmer (wenn man
sowieso schon genau weiß was man hat) und hat für den Apotheker den Vorteil,
dass man bei ihm kauft. Eine Win-Win-Situation sozusagen. Die meisten Kliniken
haben nämlich
eine eigene Apotheke, somit macht der Apotheker mit Rezepten kein Geschäft. Für
manchen Leser dürfte auch das ghanaische Krankenversicherungssystem interessant
sein ;-): In Ghana gibt es seit ca. einem Jahr eine staatliche
Krankenversicherung, bei der jeder Bürger unabhängig von seinem Einkommen für 11
Cedi (ca. 6,10 Euro) pro Jahr gegen die meisten Krankenheiten abgesichert ist.
Kinder müssen ebenfalls Beiträge bezahlen, eine weniger gute Lösung, da gerade
auch die armen Familien in Ghana meist Kinder im hohen einstelligen bis
zweistelligen Bereich haben. Gerade im ärmeren Norden oder in den Slums, sind
viele Kinder dann nicht versichert. Zeitgleich mit Einführung der Versicherung
wurden aber auch die Behandlungskosten für Nichtversicherte, teils kräftig
erhöht. Für viele Arme ist die Frage, ob sie sich und ihre Kinder versichern
oder nicht, so zu einem gefährlichen Roulettespiel geworden. Behandeln lassen
kann man sich entweder in den staatlichen Krankenhäusern oder in privaten
Kliniken. In etwa das was in Deutschland eine Arztpraxis ist. Ich als (in Ghana)
Privatpatient, kann mich z.B. auch bei einer ghanaischen Ärztin, die in
Deutschland studiert hat und jetzt in Ghana eine Klinik hat, behandeln lassen.
Ich müsste nur die ganzen Rechnungen aufheben und bei der Versicherung in Dtl.
einreichen. Wenn man an seinem freien Tag nicht früh aufstehen, nach Accra
fahren, 3 Stunden warten und 20 Cedi bezahlen möchte, entscheidet man sich
(sowieso ziemlich faul und lustlos wegen der Malaria) dann doch gelegentlich zu
der Variante mit der Apotheke gegenüber und dem gleichen Medikament für 3,80
Cedi. Das nächste Mal sage ich vielleicht tatsächlich wieder „Hallo“ Miss
Ansafo-Mensah spricht nämlich tatsächlich noch Deutsch.
Tradition
und Moderne oder ist mein Friseur eigentlich schwul?
Auch
wenn in viele Lebensbereiche die Regeln der globalen Gesellschaft Einzug
gehalten haben, so gibt es dennoch, auch gerade von diesen westlichen
Erfindungen eine „afrikanische“ Variante. So z.B. bei den Meetings. Wie bereits
in einem anderen Newsletter erwähnt hält den Weltrekord im Dauerreden ein
Afrikaner und in der ghanaischen Kultur ist es nicht möglich etwas Wichtiges
„kurz zu sagen“. Ein wichtiger Punkt muss grundsätzlich in aller Ausführlichkeit
breitgetreten werden und mit Beispielen untermalt werden und wenn es nur darum
geht dass z.B. die Schüler früher ins Bett gehen sollen. Erst dadurch dass er 5
mal ausgeführt wird, wird er wichtig:
„And
when you are going to bed early, you are fit, but when you are going to bed
late, you are What? –You are tired. And when you are
tired, you can not follow the lesson. So when you want to follow the lesson you
have to go to bed early? Do you want to follow the lesson? Yes. So you know you
have to go to bed early. Only if you go to bed early, and I mean every day
early, then you are able to follow the lesson. Otherwise
you will sit in the classroom like this (hier folgt eine kurze pantomimische
Einlage als schlafender Schüler). And
then you are not able to follow the lesson. Do you get me? So you have to do
what? You
have to go to bed early.“ (Je nach Wichtigkeit des Punktes kann er hier noch
weiter ausgeführt werden.)
Mindestens
genauso wichtig, wie lang die Ausführung ist, ist auch, von wem der Punkt
stammt. So ist es, unabhängig davon ob das Argument Sinn ergibt oder nicht,
automatisch dadurch besser dass es entweder von einer älteren Person, einer
Person mit mehr Jahren im Job oder auch von einer ranghöheren Person genannt
wird. Das erklärt dann auch zwei Dinge: Warum Afrikaner absolut unkritisch
gegenueber Wunderheilerkirchen sind und warum Europäer eigentlich immer
versuchen afrikanische Meetings zu vermeiden.
Aber
auch abgesehen von Meetings und Chiefs, gibt es in Ghana noch ein paar
Traditionen von denen man wissen sollte: Man gibt den Personen (egal wie wichtig
oder alt sie sind) immer von Rechts nach Links die Hand und man gibt Dinge auch
niemals mit der Linken. So ist es für mich mittlerweile selbverständlich beim
bezahlen mit einer Hand die Ware entgegenzunehmen und das gleichzeitig Geld zu
geben. Statt wie in Deutschland, wenn man z.B. gerade etwas trägt oder den
Garten umgegraben hat, die „Linke von Herzen“ zu geben, hält man in Ghana das
rechte Handgelenk hin. Hintergrund
hierfür ist, dass die Linke „unrein“ ist, was damit zusammenhängt das Klopapier
immer noch wahnsinnig teuer ist und noch nicht in allen Haushalte Einzug
gehalten hat. Na gut, ich tippe das über 90 % aller Haushalte heute Klopapier
haben, aber die Tradition hält sich trotzdem noch am Leben. Übrigens auch in
Restaurants und Chop-Bars. Dort ist es, zumindest in vielen Chop-Bars, immer
noch üblich mit der rechten Hand und ohne Besteck zu essen. (Auch Suppe, was
übrigens erstaunlich gut funktioniert) Hierzu wird eine Schale zum Händewaschen
gereicht und nach dem Essen eine neue Schale mit Seife und Handtuch. Am Tisch
findet sich auch immer ein kleines Handtuch, das allerdings dazu dient sich den
Schweiß abzutupfen. Wer einmal eine ghanaisches Essen, das mit ordentlich Pepper
gekocht wurde, gegessen hat, kann auch das gut nachvollziehen. Bitte und Danke
ist in der ghanaischen Kultur übrigens auch eher unüblich.
Bei
all dieser Tradition ist es auch nicht verwunderlich, dass in Ghana immer noch
ein Gesetz in Kraft ist, dass gegen die Menschenrechte verstößt. (Ghana befindet
sich hier übrigens in guter Gesellschaft mit zwei unserer größten Handelspartner
den USA und China, während in diesen beiden Ländern u.a. die Todesstrafe und
Folter die Gründe sind, aber dass nur so am Rande) stellt Ghana immer noch
„homosexuelle Handlungen“ unter Strafe. Von einem Ghanaer angesprochen, wurde
das Thema beim letzten Meeting, als es darum ging, ob die Internatsschüler am
Nachmittag eine Stunde Siesta bekommen. Dort meinte dann Father Blamoh, dass man
dann, in dieser Zeit, auch Aufpasser ins Hostel schicken müsse, wegen der Gefahr
homosexueller Handlungen. Dies war das erste mal, dass das Thema von einem
Ghanaer angesprochen wurde. Das erste mal darauf aufmerksam wurde ich aber bei
der Aufsicht über eine Religionsklausur in Sunyani, die ich vertretungsweise
beaufsichtigt habe. Dort gab es dann auch eine Frage was gute und was schlechte
Sexualität sei. Die Lösung für die schlechte Sexualität war unter anderem
Homosexualität. Da habe ich mir das erste mal gedacht: In Deutschland bekäme die
Religionslehrerin vermutlich ziemlich schnell Besuch aus dem Kultusministerium.
Aber gut in Afrika hat die Kirche auch noch einen anderen Stellenwert, als in
Deutschland. Unter den Voluntären sorgt das Thema ebenfalls gelegentlich für
Gesprächsstoff. Denn das völlige Unverständnis für Homosexualität in Afrika
führt zu durchaus, für Europäer, amüsanten Situationen. Während sich in
Deutschland kaum jemand freiwillig in einem knallpinken T-Shirt auf die Straße
trauen würde, gehört das für normale Jugendliche in Ghana zum Alltag. Ebenfalls
hört ein Großteil der Ghanaer (männlich wie weiblich) neben Hip-Hop und
ghanaischem Highlife auf für sein Leben gerne Celin Dion und Boy-Groups wie
Westlife, die Backstreetboys oder oder Whitney Houston. Und ein Voluntär aus dem
Norden meinte neulich, dass ein Verkäufer in seiner Stadt sämlichen westlichen
Klisches über Schwule entspräche: Stimme, Verhalten, Kleidung (und vermutlich
auch homosexuell ist) Nur dass sich in der ganzen Stadt kein Afrikaner etwas
dabei denkt. „Wieso, der ist doch ganz normal?“ Getreu dem Motto: Was nicht sein
darf, kann auch nicht sein. Bei meinem Friseur um die Ecke frage ich mich schon
die ganze Zeit ob er schwul ist, kann es aber nicht mit Bestimmtheit sagen.
Typisch
in der ghanaischen Tradition ist übrigens auch, dass man sich jede Menge
Geschenke macht, z.B. wenn man den Chief besucht, wenn man Freunde besucht usw.
diese schöne Tradition wird heute auch von der Polizei, beim Zoll und bei
Behörden gerne weitergeführt, weswegen man mit einer kleinen „Geste von Herzen“
z.B. ein paar Cedi auch ohne Führerschein TroTro fahren kann oder Anträge
beschleundigt.
Alles
Liebe aus Ghana
Daniel
PS:
Ganz besonders liebe Grüße
an alle Azubis die jetzt die Abschlussprüfung
hinter sich haben und viel Glück
bei der Mündlichen.
PPS:
Deutsch-Ghanaischer-Freundschaftstag in Stuttgart: 30 Mai 2009 –Angeblicher
Beginn 15 Uhr. (Ghanaische Zeit)
PPPS:
Am 10-11 Juli kommt Barack Obama zu Besuch. Vermutlich nicht in unserer Schule,
aber nach Accra. Vielleicht habe ich ja die Chance spontan vorbei zu schauen.
PPPPS:
Happy Towel Day (Nicht vergessen 25. Mai): http://i41.tinypic.com/npezox.jpg
PPPPPS:
Jetzt ist aber Schluss :D
April
2009 -Zwischen Göttern und
Königen
Hallo Deutschland, bisher von der Schweinegrippe
verschont aber dafür mit allen möglichen anderen Tieren in Kontakt gekommen
melde ich mich (mit kleiner Verspätung) aus dem Urlaub zurück und begrüße euch
zum vermutlich längsten Ghana-Newsletter überhaupt. Aber dafür gibt es jede
Menge News von Land, Leuten und vor allem Elefanten, Affen, Krokodilen und sogar
Göttern und Chiefs. Viel Spass beim Lesen.
The End
(of Term) is near
Um Problemen mit unserer Schulsekretärin bei den End
of Term Exams aus dem Weg zu gehen habe ich beschlossen meine End of Terms
einfach eine Woche früher zu schreiben und zwar mit praktischen Tests. Auch
dieses Vorhaben hat sich etwas problematischer als gedacht herausgestellt. Wir
wären ja nicht in Ghana, wenn nicht überraschend ein bis zwei Schultage
ausfallen würden und man den Schülern mitteilen darf, dass die erste Häfte der
Klasse die Examen heute und die andere Hälfte Morgen schreibt und wir wären
ebenfalls nicht in Ghana, wenn dann nicht ein paar Schüler fehlen würden, von
denen ich den letzten am Sonntag nach der Kirche erwischt habe und das Examen
auf meinem Laptop schreiben lassen habe. Die üblichen anderen Kleinigkeiten:
Meist über 30 Schüler in der Klasse, aber nur 12 PCs von denen immer mal wieder
einer ausfällt und Stromausfälle, kamen natürlich auch vor. Aber im großen
Ganzen waren die Examen zu Word und Excel erfolgreich. (Auch wenn einige immer
noch Probleme haben sich zu merken dass man um ein Bild einzufügen zuerst auf
„Einfügen“ und dann auf „Bild“ und „aus Datei“ klicken muss) 2 Klassen durften
als End of Term Exam ihre Power Point Präsentationen, die sie in Gruppenarbeit
erstellt haben, vorführen. Auch hier zeigen sich gravierende Unterschiede:
Während eine Gruppe eine 30 seitige perfekt ausgearbeitete Präsentation über
Barack Obama und den US-Wahlkampf
ablieferte, zeigen andere 3-4 aus Wikipedia kopierte Seiten über Bob
Marley die noch dazu so gut wie nicht animiert sind. Bei mehreren Wochen
Vorbereitungszeit sind das dann natürlich 15 von möglichen 80 Punkten und ein
„failed.“ Die besten Projekte sind dann gegen Ende des letzten Terms auch auf
den Internetseiten der Klassen zu finden, die sie in diesem Term als Projekt
erstellen werden. Immer noch fasziniert bin ich von den Elektronikern die in
weniger als einem Jahr eine ganze Menge über Computer, Word, Excel und Power
Point gelernt haben. Viele kennen nach 3 Jahren Schule gerade einmal
Computerbasics, Word und Excel.
Barak Obama Präsentation: http://www.dthe.net/The%20History%20of%20Barack%20Obama.ppt
Was machen
eigentlich .... Ludwig, Benedict, Marian, Maria und Lisa –Ein Kurzbesuch in
Sunyani
Nachdem ich dann eine Woche vor den offziellen Examen
fertig war und diese auch korrigiert und benotet hatte, konnte ich nach einiger
Überzeungsarbeit meine Kolleginnen und Kollegen aus Österreich in der
Don-Bosco-Schule in Sunyani besuchen. Gerade als Voluntär ist es sinnvoll und
wichtig sich, gerade mit Kollegin die genau das gleiche Thema und die gleichen
Probleme haben, auszutauschen und auch Unterrichtsunterlagen zu vergleichen und
natürlich auch eine ganze Menge zu lernen. Viele von den Schülern in Sunyani
lernen genausowenig wie ein Teil von unseren Jungs und haben genauso Probleme
mit dem Verständnis-lernen.
Durch das Englische Schulsystem lernen die Schüler
hauptsächlich nur auswendig und verstehen teilweise gar nicht was sie lernen.
Viele Lehrer schreiben die Sätze einfach an die Tafel, die Schüler schreiben sie
ab und beim Test muss man den Satz einfach auswendig gelernt zu Papier bringen.
Wer irgendetwas umformuliert bekommt Punkte abgezogen. Kein Wunder also, dass
viele Schüler auch im Computerunterricht einfach nur auf Sätze zum auswendig
lernen warten und nicht damit rechnen auch mal selbst mitdenken zu müssen.
Lustig und interessant war es natürlich trotzdem.
Gerade wenn man sieht dass viele Tests fast genauso aussehen wie die eigenen und
mit den Voluntären am Abend zusammen zu sitzen oder etwas ghanaisches zu Abend
zu kochen. Auch konnte ich das Boys Home in der Innenstadt besichtigen und mir
den Spielplatz und die Kirche etwas außerhalb anzuschauen. Wir hatten auf jeden
Fall eine Menge Spaß. Schade dass ich bereits am Freitag zurück sein musste,
weil am Freitag das Closing Meeting der Schule stattfinden sollte. Wie sollte es
anders sein fiel das dann natürlich ins Wasser und wurde diesen Montag
nachgeholt.
Ein gemütlicher Abend in Ghana: http://i42.tinypic.com/dnir0n.jpg
Palmsonntag
Nachdem mein ursprünglicher Plan den Palmsonntag
wörtlich zu nehmen und unter Palmen am Strand zu verbringen leider ins Wasser
gefallen ist, bin ich dann doch kurz vor halb 7 aufgestanden und habe die
Jucka-Palme vor dem Haus der Gemeinschaft überfallen um mich mit einem Palmwedel
auszustatten. Gegen 7 ging es dann ausnahmsweise zu Fuß und ausnahmsweise nicht
in Richtung Kirche, sondern zu einem Versammlungsplatz, wo uns auch schon eine
große Anzahl von Kirchenmitgliedern und unsere Brassband erwarteten. Die
ghanaischen Kirchenlieder sind sowieso in der Regel fröhlicher als die deutschen
Kirchenlieder und besonders wenn sie von einer gutgelaunten Band mit jeder Menge
Blechblasinstrumenten und Trommel gespielt werden und hunderte Menschen mit
Palmwedeln zur Kirche tanzen. In der Kirche ging es dann ebenfalls gut gelaunt
weiter und die gut 3 Stunden Gottesdienst vergingen wie im Flug.
Daniel tanzt: http://i42.tinypic.com/j79eaf.jpg
Video: http://tinypic.com/player.php?v=23h516x&s=5
Karfreitag
Verständlicherweise weniger fröhlich war der
Karfreitagsgottesdienst. Nachdem wir bereits jeden Freitag der Fastenzeit die 14
Stationen des Kreuzwegs auf dem Schulgelände mit den Schülern abgegangen sind
stand am Karfreitag ein besonderer Kreuzweg mit einem Jesusdarsteller der ein
Kreuz getragen hat (Oberammergau lässt grüßen), sowie ein Gottesdienst mit einem
Theaterstück über die ersten Meartyrer auf dem Programm. Die Kirchenlieder
wurden ohne Instrumentenbegleitung gesungen und alle trugen die rot-schwarzen
Kleidungsstücke, die sie sonst nur zu Beerdigungen tragen. Nach einer guten
Stunde Kreuzweg der um 3 Uhr begann ging der klassische Karfreitags-Gottesdienst
seinen Gang. Ohne Wandlung dafür aber mit der Enhüllung und Berührung des
Kreuzes und bis in die Abendstunden. Als wenig intelligent hat sich meine
spontane Entscheidung herausgestellt am Karfreitag den ganzen Tag zu fasten und
nur Wasser zu trinken. Ich hatte den ganzen Tag über Hunger und habe eine Menge
Chop-Bars und Geschäfte mit Lebensmitteln gesehen, die mir bisher noch nicht
aufgefallen sind. Aber auch nur einen Tag zu hungern ist eine Erfahrung die mir
hilft zu verstehen, wie sich manche Schüler fühlen müssen, die gegen Monatsende
kein Geld mehr haben und hungrig zum Unterricht kommen. Und die mir auch zeigt
wie sinnvoll die Schulspeisung für die Straßenkinder in Brother Michaels Projekt
in Tema-New-Town ist.
Finally
confirmed
Die Osternacht war für mich ein besonderer Tag.
Nachdem ich in Deutschland von Württemberg nach Bayern gezogen bin, habe ich
irgendwie meine Firmung verpasst. (In Württemberg wird man später als in Bayern
gefirmt, bis ich das herausgefunden habe wäre ich aber schon wesentlich älter
als die andern Firmlinge gewesen) Als in unserer Schule zu Schuljahresbeginn
gefragt wurde wer sich Taufen oder Firmen lassen möchte oder die Erstkommunion
erhalten möchte habe ich mich gemeldet und in der Osternacht war es dann soweit:
Ich sollte gefirmt werden. Dank einer Sondergenehmigung des Erzbischofs von
Accra war es Father Blamoh möglich alle drei Sakramente in dieser Nacht zu
erteilen. Zusammen mit vielen meiner Schüler stand ich dann mit meinem Firmpaten
Brother Michael vor dem Altar der St. Michaels-Kirche in Michael Camp und wurde
gefirmt. Ostersonntag spielte dann die Brassband wieder und ich konnte mit
ausgelassenem Tanzen in der Kirche gingen für mich die Osterfeierlichkeiten zu
Ende und der Urlaub begann.
Ich mit meinem Firmpaten Brother Michael Schmitz: http://i44.tinypic.com/105s3zt.jpg
(Das Bild von der Firmung selbst muss ich einscannen
lassen)
Gründonnerstag im Grünen statt Palmsonntag unter
Palmen
Wie bereits geschrieben habe ich Palmsonntag
tatsächlich in der Kirche verbracht. Um mich aber vor der Firmung vom Stress des
Schulalltags zu erholen, habe ich mit meiner Reisepartnerin Johanna beschlossen
zu den Wasserfällen in Kofuridua (etwa 3 Stunden von Accra entfernt) zu fahren.
Sobald man die Hauptstadt hinter sich gelassen hat ist man in einer anderen
Welt. Kleine Häuser, eine wundervoll grüne Landschaft, Urwälder und dann: Wasserfälle.
Wunderschön in einer grünen Oase befindet sich ein Wasserfall und eine kleine
Lagune. Dank des fließenden Wassers herrscht auch keine Gefahr sich Bilharziose
zu holen. Nur mit der Mischung aus Steinen und Sand muss man ein bisschen
aufpassen, wo man hin tritt. Ein entspanntes Bad unter diesem erfrischenden
Wasserfall in der traumhaften Umgebung und ein paar entspannte Stunden auf dem
heißen Stein sind eine optimale Vorbereitung auf die letzten Tage in der
Gemeinschaft bevor es dann am Montag 2 Wochen in den Urlaub geht.
Die Landschaft: http://i40.tinypic.com/2lvq5c.jpg
Der Wasserfall: http://i41.tinypic.com/21ov712.jpg
Und Ich: http://i42.tinypic.com/250kz9u.jpg
Auf alle
Fälle Mehr Wasserfälle
Am ersten Tag unserer Reise ging es 500 Kilometer
weit nach Norden und wir kamen erst am Abend an. Am nächsten Morgen gab es dann
gleich zwei verschiedene Wasserfälle: Größer, beeindruckender aber man konnte
nicht ganz so gut darin baden. Wir haben es trotzdem gemacht und hatten eine
Menge Spaß. Aber seht selbst.
Nochmal ein Wasserfall: http://i43.tinypic.com/2dv3pnd.jpg
Ich wollt
ich wär ein Hippo
Flusspferde hatten wir ebenfalls gleich zwei mal auf
unserer Tour. Einmal in Bui, einem wunderschönen Nationalpark mit riesigen
Waldflächen die bald teils einem großen Staudammprojekt, zur Stromversorgung,
zum Opfer fallen. Dann nocheinmal weiter im Norden. Dort ist dann auch mein
Entschluss gereift in meinem nächsten Leben ein Hippo werden zu wollen. Ein
entspannteres Leben kann man sich kaum vorstellen. Sobald es heiß wird bewegt
sich die Hippofamilie (Mann, Frau und evtl. Kinder) in Richtung Fluss, wo sie
den ganzen Tag mit Baden und Tauchen verbringt. Viel mehr als den Kopf sieht man
meistens nicht. Außer das Hippo legt sich mal auf einen Stein zum ausruhen von
dem vielen Tauchen und Baden. Gelegentlich schüttelt es sich das Wasser aus den
süßen Ohren oder gähnt. Wenn es dunkel wird kommen die Nilpferde wieder aus dem
Wasser, fressen etwas und legen sich schlafen. Schön für das Hippo, weniger
schön für denjenigen der gerne ein Foto von ihm hätte. Nachdem das der
Hippo-Familie aber relativ egal ist gibt es jetzt ein Foto von einer badenden
Flusspferdfamilie.
Na wo ist der Hippo? http://i44.tinypic.com/ws8k0x.jpg
Heilige
Affen?
Etwas fotofreudiger sind die Affen von Buabeng Fiema.
Zumindest die Affen die sich mit Bananen bestechen lassen. Es gibt in Buabeng
und Fiema zwei bzw. drei Arten von Affen. Die Affen leben seit Jahrhunderten in
friedlicher Koexistenz mit den Dorfbewohnern und das aus einem besonderen Grund:
Die Dorfbewohner fanden zur Zeit, als die Missionare in Ghana noch weniger zu
sagen hatten, einen Schrein. Dieser Schrein wurde von Affen bewacht und die
Bewohner nahmen ihn mit. Am nächsten Morgen fanden sie die Affen in dem Haus in
dem der Schrein stand. Daraufhin bekamen sie eine Botschaft: Wenn sie den
Schrein behalten möchten, dürfen sie die Affen nicht jagen und müssen mit ihnen
friedlich zusammen leben. Heute stehen die Affen und das Reservat unter Schutz
und die Bewohner können keine Lebensmittel draußen stehen lassen, ohne Gefahr zu
laufen, dass sich die Affen ebenfalls daran bedienen. Zumindest die Affenart die
auch Bananen frisst. Die anderen Affen fressen nur Blätter und sind deswegen
auch schwerer aus den Bäumen zu locken. Es gibt im Wald sogar einen
Affenfriedhof auf dem die Affen wie Menschen beerdigt werden. Das Dorft und die
Unterkunft vor Ort (mit einem amerikanischen Voluntär und mehreren Studenten aus
Amerika und Kanada die die Affen studieren) sind wahnsinnig sympathisch. Bei
einer Tour durch das Dorf kann man sogar Bananen kaufen und an die Affen
verteilen. Nur ist es schwer ein Trotro aus dem Dorf zu bekommen, wenn nicht
gerade Markttag ist.
Affenfütterung: http://i44.tinypic.com/drazo7.jpg
Endlich
Elefanten
Nachdem wir am Nachmittag in Mole ankamen und die
Abendtour gemacht haben, hatten wir wieder kein Glück mit den Elefanten und noch
dazu wurden die Preise leicht erhöht: Die Eintrittspreise wurden mehr als
verdoppelt und die Preise für die Führung sogar genau vervierfacht. Und das
passend zum 1. April. Gesehen haben wir die üblichen Verdächtigen: Antilopen,
Affen und Co. Am nächsten Morgen hatten wir mehr Glück. Zum einen habe ich eine
Voluntärskollegin aus der Nähe von Accra zufällig wieder gesehen. Bei der Tour
hatten wir dann Gelegenheit 3 Elefanten aus allernächster Nähe zu sehen, die
durch die Gegend zogen, um Gräser und Äste zu fressen. Die Elefanten waren sehr
fotogen und haben sich erst nach einer halben Stunde dazu entschlossen weiter zu
ziehen. Später haben wir dann eine andere Gruppe Elefanten im Wasserloch
gesehen, die ausgiebig gebadet haben. Die Savannaelefanten sind eigentlich
schwarz, bewerfen sich aber nach dem Baden mit Dreck um sich vor der Sonne und
Fliegen zu schützen. Je nach Farbe des Drecks wirken sie dann wesentlich heller,
als sie eigentlich sind. In jedem
Fall sind Elefanten beeindruckende und liebenswerte Tiere und die Reise nach
Mole hat sich in jedem Fall gelohnt.
Elefanten: http://i40.tinypic.com/m73wn8.jpg
Daniel und der Elefant: http://i43.tinypic.com/2eusp6g.jpg
Badende Elefanten: http://i43.tinypic.com/2evfc00.jpg
See you later Alligator
–After a while Crocodile
In Paga, einer Stadt direkt an der Grenze zu Burkina
Faso gibt es zwei große Teiche mit mehreren hundert Krokodilen. Die Krokodile
sind nicht nur heilig, sondern auch so nett die Kinder die in den beiden Seen
baden nicht zu fressen. Dafür werden sie aber auch von den Dorfbewohnern und
Touristen gefüttert. Auch Krokodile in Ghana sind relativ faul und liegen die
meiste Zeit am Seeufer und haben den Mund geöffnet um sich ein bisschen Kühlung
zu verschaffen (oder ein Hähnchen abzugreifen). Das besondere in Paga ist, dass
man sich auch mit den Krokodilen fotografieren lassen kann. Bzw. auf dem
Kerlchen sitzen kann und es sogar am Schwanz ziehen kann, ohne dass man Angst um
den betreffenden Arm haben muss. Nur sollte man nicht vor dem Krokodil
herumlaufen.
Da lacht Daniel –Noch hat er beide Arme: http://i40.tinypic.com/2vljlol.jpg
Hüja!: http://i40.tinypic.com/2mrbep2.jpg
Sklavenmarkt
Eine weitere Attraktion von Paga ist der
Sklavenmarkt. Die meisten Sklaven kamen aus dem Norden des Landes bzw. aus den
angrenzenden Ländern Burkina Faso, der Elfenbeinküste und aus Togo. Das
überraschende ist, dass die meisten Sklavenjäger selbst Schwarze waren, aber von
verfeindeten Stämmen. Meist wurden die Kriegsgefangenen aus diesen
Stammeskämpfen verschleppt und machten in Camps wie Paga halt, bevor sie sich zu
Fuß auf den mehrere hundert Kilometer langen Marsch zur Küste machten, den viele
nicht überlebten. Der Sklavenmarkt von Paga ist eigentlich ein steiniges Gelände
mit einer Menge Bäumen, an die die Sklaven festgebunden wurden. Da viele Sklaven
mehrere Monate dort verbrachten gab es auch einen Essensplatz. (Steine in die
Kuhlen geschlagen wurden) und sogar „musikalische Steine“. Diese Steine wurden
benutzt um die Sklaven wieder „aufzumuntern“. Unterteilt in die verschiedenen
Stämme wurden sie zu den Steinen gebracht, wo 3-4 Gefangene aus diesem Stamm mit
kleineren Steinen auf die großen Musiksteine schlagen mussten und dazu sangen.
Ebenfalls zu besichtigen sind die Massengräber für die Gefangenen die noch vor
ihrem langen Marsch starben und der „Aussichtsstein“ auf dem die Wächter saßen.
Der Sklavenmarkt: http://i43.tinypic.com/25rgz9e.jpg
Over the
Hills and far away (Wasserfälle zum dritten uuuuuund
verkauft)
Als vorletzte Station der Reise standen die höchsten
Wasserfälle Ghanas in Hohoe auf dem Program. Tatsächlich dauert der Aufstieg zu
den höheren Wasserfällen gute 2 Stunden und ist ziemlich beschwerlich. Aber die
Aussicht, die Landschaft und vor allem die Wasserfälle entschädigen für alles.
Man läuft mitten durch einen Trampelpfad im Urwald, der einen den Berg hinauf
führt und gegenüber hat man eine Aussicht auf Berge die man sonst nur aus der
Volvic-Werbung kennt. Das Wasser das auf einen einprasselt ist erfrischend kühl,
nachdem man völlig kaputt vom Bergsteigen und der 20 Meter breiten Ameisenstraße
oben ankommt. Blöderweise muss man dann auch noch wieder runter. Die Unteren
Wasserfälle sind zwar etwas höher als die Oberen aber dafür hat man oben seine
Ruhe. Und das Wasser klatscht von beiden mit einer Gewalt auf einen ein, dass
man es nicht allzu lange unter dem Wasserfall aushält.
Die Landschaft: http://i39.tinypic.com/9tlj5i.jpg
Die Wasserfälle: http://i43.tinypic.com/2j17xcn.jpg
Alles wird
goat
Tiere gehören in Ghana zum Alltagsbild. Nicht nur
grasen gelegentlich vor unserem Center einige Kühe, die dann jeden Abend wieder
über die Straße zu ihrem Gehege getrieben werden, auch begegnet man in der Stadt
immer wieder frei herumlaufenden Ziegen und Hühnern, die sich einen schönen Tag
machen. Die wenigsten Tiere sind ständig eingesperrt oder angebunden. Sie
springen frei im Dorf herum, treffen z.B. auf andere Ziegen und werden Abends
hereingeholt. Oftmals findet man z.B. auch Ziegen mit einem Halsband oder z.B.
einem Band um den Fuß, damit man weiß, wem die Ziege gehört. Schweine findet man
ab und zu, wenn auch eher selten. Auch wenn die Bevölkerung oft sehr Arm ist und
die Ziegen auf dem Müll nach etwas essbarem suchen müssen, habe ich den Eindruck
dass das Leben den Tieren mehr Spaß macht als z.B. eingesperrt in einem
deutschen Stall.
Die Ziege fühlt sich pudelwohl: http://i42.tinypic.com/jph1kn.jpg
Ghana
sucht den Super-Obroni –Eine Tour im TroTro durch den
Osten
Unsere Tour nach Hohoe ging über die Schotterpiste
durch den Osten des Landes am Voltasee entlang. Die meisten größeren Busse
fahren die Hauptstrecke über Accra. Deshalb haben vermutlich die meisten Kinder
noch nie einen Weißen gesehen, was zu durchaus interessanten Szenen führt, wenn
man im Trotro an den Dörfern vorbei fährt. Fast alle Kinder winken einem zu,
tanzen und schreien: „Obroni“ und freuen sich wie wahnsinnig wenn man antwortet
und zurückwinkt. Irgendwie wird man während der Fahrt das Gefühl nicht los im
Tourbus einer Rockband mitzufahren. Nur dass man selbst der Leadsänger ist.
Falls man vor hat berühmt zu werden ist Ghana eine gute Gelgenheit das Gefühl
einmal auzuprobieren. Auf Dauer ist es aber vermutlich ziemlich anstrengend.
Die Götter
müssen entzückt sein
In Tenzug haben Besucher die Möglichkeit nicht nur
die traditionellen Häuser, sondern auch noch die berühmten „Schreine“ zu
besuchen. Ein Schrein in den afrikanischen Naturreligionen ist der Ort an dem
ein Gott lebt. Dieser Gott ist ein Vorfahre der Familie und versucht zu helfen
und sie vor Unglück zu bewahren. Ein bisschen wie ein Schutzengel. An diese
Vorfahren kann man sich auch bei Problemen wenden und um Hilfe bitten. Im
Gegenzug dazu werden an diesem Ort auch Tiere geopfert. Meist Hühnchen, aber
auch Ziegen, Kühe und was die afrikanische Tierwelt noch so her gibt. Es gibt
aber auch zwei unterschiedliche Arten von Opfer. Wenn der Gott das Opfer
behalten möchte, muss man es liegen lassen. Ansonsten kann man z.B. die Ziege
auch essen und nur das Blut und die Knochen da lassen. Der Vorfahre kann aber
auch z.B. seinen Schrein verlassen und an jeden beliebigen Ort der Welt kommen
um später sofort wieder zum Schrein zurückzukehren. Jede Familie hat einen
Caretaker für den Schrein, der nach dem Tod des Vorgängers von dessen Geist
bestimmt wird. Der Caretaker lebt meist direkt neben dem Schrein und muss nach
seinem Tod in einen bestimmten Raum gebracht werden um selbst Ahne zu werden. In
den Bergen gibt es dann auch noch den „Hauptschrein“ des Ortes. Um diesen zu
besichten muss man sich bis auf die Unterwäsche ausziehen (Frauen sogar den BH).
Sollte man als unwissender Tourist gegen diese Regeln verstoßen muss man ein
Hühnchen kaufen, mit dem sich die Dorfbewohner bei diesem Gott entschuldigen und
um Vergebung bitten. Was für ein Glück dass ich diese Probleme nicht hatte. Aber
wer schon mal versucht hat in kurzen Hosen in Italien eine Kirche zu besichtigen
wird hier seine helle Freude haben. Andere Länder, andere Sitten. Solltet ihr
einmal dort hin kommen und einen Schrein finden, auf dem Tofu und Blumenkohl
finden, habe ich mich dort niedergelassen. ;-)
Hier wohnt ein Gott: http://i41.tinypic.com/2vb1pwz.jpg
Meet the
Chief
Am letzten Tag ging es dann weiter zu einem kleinen
Dorf auf dem Weg in dem es Kalksteinhöhlen mit Stalaktiten und Stalakmiten geben
sollte. Leider hat uns der TroTro-Fahrer im falschen Dorf abgesetzt, die
blöderweise alle gleich heißen. Rausgefunden haben wir dies, weil wir die ersten
Besucher ihrer Höhlen waren. Aber dafür hat sich dieses Dorf wahnsinnig gefreut
und wir durften wieder Bergsteigen. Angefangen haben wir zu zweit mit einem
Führer. Nachdem wir im Dorf angekommen waren gab es für die Gäste erst mal
Wasser und Bananen mit gerösteten Erdnüssen als Geschenk und wir wurden sehr
herzlich begrüßt. Sogar meine Flip-Flops von denen sich die Sohle gelöst hat
wurden mir repariert. Die Dorfbewohner hatten gerade erst die Höhlen ins
Internet gestellt und waren haben sich riesig gefreut dass jemand kam um selbige
zu besuchen. Nur Eintritt haben sie keinen verlangt. Mit einem weiteren Führer
machten wir uns dann auf den Weg in das Dorf mit den Höhlen. Dort wurden wir vom
Chief persönlich begrüsst. Jedes Dorf hat eine quasi Königsfamilie und ein Sohn
aus dieser Familie wird von der Mutter des vorherigen Chiefs ausgewählt um neuer
Chief zu sein. Der Chief ist eine Art Bürgermeister und jeder Besucher muss den
Chief begrüssen und ihm eigentlich eine Flasche Schnaps mitbringen. Ich habe
noch gefragt ob wir eine Flasche Schnaps mitnehmen sollen, aber unser Führer
meinte: Ne braucht ihr nicht. Der Chief spricht normalerweise nicht direkt mit
den Besuchern sondern hat einen „Linguisten“ der für ihn spricht und zu dem die
Besucher sprechen. Die Bewohner waren ebenfalls sehr nett und hilfsbereit und
als wir uns dann, mittlerweile zu zehnt, auf den Weg zu den Höhlen gemacht
hatten und diese besichtigt hatten, ging es zurück zum Chief. Die Höhlen selbst
waren zwar interessant, aber nicht besonders spektakulär. Nur die Haut einer
grünen Mamba, die diese zurückgelassen hat, hat mir einen kleinen Schrecken
eingejagt. Zurück im Dorf bekamen wir dann vom Chief einen Schnaps geschenkt um
ihm diesen zurück zu schenken, sowie ein paar Soft-Drinks für uns und jede Menge
Bananen. Der Schnaps wurde dann von unserer Runde gekippt und es gab ein
Abschiedsfoto. Eigentlich wollten sie uns gar nicht mehr gehen lassen. Nachdem
einer der Führer dann gemeint hatte, dass es bald dunkel wird und wir noch den
halbstündigen Abstieg vor uns haben, mussten wir uns auf den Heimweg nach
Ashaiman machen, wo wir gegen Mitternacht ankamen. In jedem Fall interessanter als die
Höhlen die wir eigentlich besichtigen wollten, war es mal die richtige
ghanaische Gastfreundschaft zu erfahren, in einem Dorf dass noch nicht von
Touristen überrant wurde und in dem die Menschen noch natürlich und wahnsinnig
freundlich sind.
Gruppenfoto: http://i42.tinypic.com/r2jmmv.jpg
(Der Mann mit dem gelben T-Shirt ist der Linguist,
der Mann mit dem Leopardentuch ist der Chief, der Herr Links davon ist
Dorfältester)
Verkehrsmittel im Norden
Allgemein werden die Verbindungen im Norden
schlechter und abenteuerlicher. In Larabanga gibt es immerhin die Wahl zwischen
Motorrad und Fahrrad, wobei ich bei der Rückfahrt sogar selbst das Motorrad
fahren durfte und der eigentliche Fahrer hinten saß. Einen Führerschein für das
Motorrad hatte er vermutlich ebenfalls nicht. Um aus Larabanga herauszukommen
gab es dann einen LKW-Bus. Sprich: Ein ganz normaler LKW nur dass er statt
Zementsäcken Menschen auf der Ladefläche transportiert. Bei den Schlaglochpisten
auf denen er fährt ist ein gefederter Sitz natürlich angenehmer. Bei jedem
Schlagloch etwa 30 Zentimeter nach oben geworfen zu werden und mit einer
Arschbombe auf dem Metallboden zu landen ist nach dem 5ten Schlagloch auch nicht
mehr allzu lustig. Aber zum Glück werden dann nach und nach auch noch jede Menge
Säcke mitgenommen, auf denen es sich dann bequemer sitzt. Nachdem man den LKW
geschafft hat erwartete uns gleich die nächste Überraschung: Ein Personenrekord
im TroTro. Ein TroTro ist ein mit vielen Sitzen ausgerüsteter Kleinbus.
Normalerweise mit vielleicht 16 Passagieren. In unserem TroTro waren am Ende 30
Personen + 2 Leute auf dem Dach die nicht eingerechnet wurden. Bei einer
Taxifahrt saßen insgesamt 9 Leute + Kinder im Auto bzw. 2 davon im offenen
Kofferraum mit dem Deckel auf dem Schoß. 2 auf dem Beifahrersitz und 4 + die
Kinder hinten. Leider hat der Rückritt auf Eseln aus einem Dorf nicht geklappt.
Weil der Besitzer aus unerfindlichen Gründen keine Lust hatte uns die Esel
auszuleihen. (Die Kinder die uns mit den Eseln begleiten wollten und dann die
Esel zurück geritten hätten, hatten die Esel schon geholt, aber der
Fremdenführer hat gemeint: Ne der Besitzer der Esel will es einfach nicht
verstehen und ein Ghanaer kann manchmal sogar sturer sein als seine
Tiere.)
Ein Menschenbus: http://i42.tinypic.com/34sjzmc.jpg
Die feine
ghanische Art
Wenn man weiter in den Norden fährt trifft man auch
auf mehr Metro-Mass-Transport Busse. Diese fahren in der Regel gegen 5 Uhr
morgens oder am Nachmittag und zwar von einer größeren Stadt im Norden zur
nächsten. Für längere Entfernungen oft die beste Alternative. Der Nachteil ist
dass man spätestens gegen 4:30 Uhr da sein sollte und damit um 3:30 in der Nacht
aufstehen muss und mit dem Taxi zur Station, Tickets vorbestellen, wie bei STC
geht leider auch nicht. Nachdem wir uns das tatsächlich angetan hatten und um
kurz nach 4 an der Station waren gab es für diesen Bus tatsächlich schon eine
Schlange und wir haben uns brav hinten angestellt bzw. gesetzt. Die
nachfolgenden Mitreisenden haben ebenfalls höflich gefragt wo das Ende der
Schlage ist und irgendwann ist die versammelte Schlange sogar nach vorne gerückt
usw. Die englischen Kolonialherren haben also nicht nur Einfluss auf die Küche.
Wir wären allerdings nicht in Ghana wäre dass das Ende der Geschichte.
Irgnedwann, auf irgendein mir verborgen gebliebenes Zeichen stürmte nämlich die
gesamte Meute los, wie beim Einlass zu einem AC/DC-Konzert. Nur dass es in
diesem Fall keine Ordner gab. Die Türen gingen auf und damit auch das Gedrängle
und Geschubse mit Ellbogeneinsatz. Sitzplätze haben wir tatsächlich doch noch
bekommen und meine Tasche mit getöpferten Tassen hat es auch überlebt. Angeblich
passiert das bei den Metro-Mass-Bussen immer. Ebenfalls einfach: Typisch Ghana.
Metro-Mass: http://i43.tinypic.com/11ax0uu.jpg
Männer und
Technik und Ghanaische Gastfreundschaft
Während des Urlaubs habe ich es auch geschafft
irgendwie meine Urlaubsfotos in der Kamera zu formattieren. Fragt mich nicht
wie, auf jeden Fall waren die Bilder weg. Und das passierte natürlich in der
fast nördlichsten Stadt Ghanas, wo die Chancen auf einen Computerladen zu
treffen entsprechend gering sind. Tatsächlich ist es mir am Morgen um 9 in
Bolgatanga dann gelungen einen Pendrive zu kaufen und einen Card-Reader für die
Kamera auszuleihen (den der Computerverkäufer von einem Freund abgeholt hat,
weil seine ausverkauft waren). Ausgestattet mit einer Recovery-Software, die ich
ebenfalls dort ausgeliehen habe bin ich also in ein Internetcafe. Leider hat die
Recoverysoftware nicht geholfen, aber dafür eine andere die ich mir aus dem
Internet geladen und dann kaufen musste. Ebenfalls leider, hat so ziemlich jeder
Computer in Ghana einen Virus oder meist gleich mehrere Computerviren. Besonders
im Internetcafe. Somit waren die Bilder zwar um 11 Uhr morgens auf dem PC. Aber
um 1 Uhr nachmittags immer noch nicht auf dem Pendrive. Also durfte ich den
Pendrive umtauschen und wollte wenn möglich die Bilder auch noch auf einer
(etwas sichereren) CD gebrannt haben. Daraufhin bot sich ein Kunde des
Internetcafes an: Er habe einen Brenner und ich könnte sie bei ihm brennen. Ich
habe mich lange mit ihm unterhalten (wir hatten dann auch insgesamt 7 Stunden
Zeit dazu). Er hat mich dann zu sich nach Hause gebracht und nachdem wir ins
Internetcafe zurück gegangen sind, ich ihm eine Anti-Viren-Software
heruntergeladen und installiert habe, ist es uns dann sogar gelungen die Bilder
in 2 Stunden auf CD zu brennen. (Während des Brennvorgangs waren wir dann kurz
im Drinking Spot) Nach insgesamt 13 Stunden Arbeit waren die Bilder dann gegen
10:30 Uhr abends auf CD und ich konnte mich in unser Nachtquartier
verabschieden.
Hurra,
hurra die Schule brennt
In Sunyani kam es im Boys Home zu einem eher
unschönen Zwischenfall: Die freistehende Küche ist komplett abgebrannt, was für
die Schüler hieß, dass das Essen die letzten Tage vor den Ferien im Freien
gekocht wurde, was in Ghana kein großes Problem darstellt. Jetzt läuft eine
große Spendenaktion um die Küche wieder aufzubauen. Das Feuer wurde relativ bald
bemerkt und die Jungs aus dem Boys-Home und meine Voluntärskolleginnen haben
natürlich versucht die Feuerwehr zu alarmieren. Blöderweise erreicht man die
Feuerwehr nur aus dem Festnetz oder aber mit Onetouch. Einer neben MTN und Tigo
eher unbedeutenden Mobilfunkgesellschaft. Wie die Feuerwehr betonte (die dann
per Fahrrad von einem Schüler alarmiert wurde) trifft sie aber keine Schuld, sie
haben ja im Radio regelmäßig angekündigt, dass man sie nur vom Festnetz oder mit
Onetouch anrufen kann. Wenn man aus einem Land kommt in dem man die 112 von
einem fremden Handy aus kostenlos sogar ohne PIN anrufen kann irgendwie
befremdlich. Aber immerhin hatte die Feuerwehr zufällig gerade Wasser im Tank
und kam zum Löschen vorbei.
Ebenfalls einen großen Einsatzeifer zeigte die
Ghanaische Polizei im Norden. Dort wäre ein Voluntärskollege mit dem großen
Reisebus beinahe in einen bewaffneten Raubüberfall verwickelt worden. Eine mit
Maschinengewehren bewaffnete Bande wollte mit einer Straßensperre den Bus zum
Anhalten zwingen und die Fahrgäste überfallen. Der Busfahrer hat
glücklicherweise umsichtig reagiert, rechtzeitig angehalten und ist im
Rückwärtsgang mit dem Bus geflüchtet und zur nächsten Polizeistation gefahren.
Diese wusste bereits von der Straßensperre und den Räubern, aber das Polizeiauto
wurde gerade repariert und erst nach einigen Diskussionen mit dem Busfahrer
erklärte sie sich bereit, sich ein Auto auszuleihen. Der Besitzer hat sich
zunächst auch gesträubt, aber nachdem eine halbe Stunde diskutiert wurde
und dem Besitzer ein paar Cedi
bezahlt wurden machte sich dann der Bus mit Polizeieskorte auf den Weg. Die
Strassenräuber waren in der Zwischenzeit natürlich über alle Berge.
(Mittlerweile sind die 30 Bandenmitglieder, vermutlich von etwas
diensteifrigeren Polizisten, gefasst worden. )
Sprachführer Ghana
Hier noch einige Sprachtipps um in Ghana zu
überleben
To
chop – Essen. In Twi steht das Wort
chop für essen, während es im normalen englischen Sprachgebrauch schlagen heißt.
Das hindert den Ghanaer nicht daran den Satz: „Let’s go chop something“ zu
sagen. Die Restaurants in Ghana heißen übrigens „Chop Bars“ Das Wort Chop ist in
gewisser Hinsicht ein Universalwort und kann auch für betrügen oder stehlen
verwendet werden. Z.B. im Satz: „He chopped my money“ –Er hat mein Geld
gestohlen.
Spoiled
– Kaputt. Spoiled ist ebenfalls ein
Universalwort. I’m normalen Englisch heißt „spoiled“ einfach verfault. In Ghana
kann aber auch ein Radio, Computer, Auto oder eine Holzmaske mit Kratzer
„spoiled“ sein. Z.B. „This car is spoiled!“
Ade
gokam oder I’m comming – Ich bin kurz weg und
komme gleich wieder (Ade gokam ist übrigens Harbour English für I do go and
come)
How?
–Ersetzt die Frage: „How are you doing“ und wird mit –Fine beantwortet. Kann in
Ghana als vollwertige Begrüßung verwendet werden: „How?“
„-Fine“
„Good Morning“ -„Fine!“ – Es ist kein Problem auf „Good
Morning“ oder “Hello” auch mit “Fine” zu antworten und somit die Frage “How?”
vorwegzunehmen.
Sorry, oo!
Das wichtige ist hier das
nachgehaengte oo. Sprich: Sorryoo. Das oo ist im Twi ein Ausdruck der
Höflichkeit und des Respekts, wie z.B. das deutsche sie. Wird aber auch bei
guten Freunden verwendet. Bei „Aorry, oo!“ ist es Pflicht, bei anderen Worten
z.B. „Bye, bye, oo!“ wird es aber auch gern gebraucht. Gilt übrigens auch in der
Mehrzahl.
Buy me
bisquits – Kauft meine Kekse. Auch
wenn es im britischen Englisch heißt: „Kauf mir Kekse“ ist es im Harbour English
als Aufforderung zu verstehen, die Kekse der Marktfrau zu kaufen und nicht der
Marktfrau die Kekse zu kaufen.
Beachte: In vielen ghanaischen Sprachen gibt es keine
Geschlechtsunterscheidung, d.h. kein er/sie/es sondern nur eine Form. Deswegen
entscheidet sich der Ghanaer relativ früh für einen geschlechtsspezifischen
Artikel, den er dann beibehält. D.h. dass er immer entweder he oder she
verwendet, egal ob die Person jetzt männlich oder weiblich ist. „My friend, she
is comming“ sagt also nichts aus, ob der Freund jetzt männlich oder weiblich
ist.
Sehr beliebt ist das Füllwort „This thing“ dass für Gegenstände und
für Personen verwendet wird, wenn einem der Name nicht sofort einfällt. Bspw.
in: „This thing, er, Brother Michel...“
Sehr schön ist der folgende Satz den ein Schüler zu
mir gesagt hat: You know -this thing, er my mother, he said, that I schould ask
you... (Weißt du, dieses Ding, äh, meine Mutter, er hat gesagt, ich soll dich
fragen...)
Äääääähääääa (sehr langgezogen) – Wird entweder verwendet um klar
zu machen, dass man etwas verstanden hat oder um einen gerade selbst erläuterten
Punkt zu unterstreichen.
What is
this??? – Was soll dass den? Bspw. Wenn der Taxifahrer einen zu hohen Preis
verlangt.
Are you
sure? – Höflichere Variante von „What is
this?“ Die
ebenfalls bei fast jeder Gelegenheit verwendet wird. „How much is it?“ „50
Tausand.“ „Are you sure?“ Are you sure kann aber auch bei fast jeder anderen
Gelegenheit verwendet warden.
Ahhhh
– (Das Ahhh wird verächtlich und das
h sehr hart ausgesprochen) Passt sehr gut zum vorherigen Satz „Ahhhh, what is
this???“ und dient dazu die Wirkung zu verstärken.
Kssssssssss – Ersetzt wahlweise das „Entschuldigung“ in der Chop
Bar oder im Drinking Spot um die Kellnerin zu rufen oder um sich im TroTro ein
Wasser oder ähnliches von der Straßenverkäuferin kommen zu lassen.
Excuse –
Entschuldigen sie. Wird in Ghana grundsätzlich ohne das „me“ verwendet und meist
um z.B. im TroTro den Weg nach vorne zu bahnen oder wenn man über die engen
Marktgassen geht.
Tschuschu
–Zauber. Wie in vielen afrikanischen Ländern ist auch in Ghana der Glaube an
Zauberer und übernatürliche Kräfte sehr präsent. Ein Magier ist ein
Tschuschu-man.
Obroni –
Weißer Mann. Wird bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit gerufen um
den weißen Mann zu grüßen oder ihm etwas zu verkaufen.
Bevor der längste Newsletter zu Ende geht noch ein
kurzer Hinweis:
Reiseführer Ghana Vs. Per Anhalter durch die Galaxis
Gute Dienste während der Reise leistet nicht nur das
empfehlenswerte Buch das jeder deutsche Voluntär in Ghana dabei hat, sondern
auch Douglas Adams Anhalter mit seinen 4 Fortsetzungen, an dessen letzter ich
gerade lese. Danke nochmal an die neue Buchhandlung die erst kürzlich in der
Accra-Mall eröffnet hat. Zum Gedenken an den Autor findet am 25. Mai der Towel
Day statt. Der Tag an dem zu Douglas Adams Gedenken jeder ein Handtuch um die
Schultern tragen sollte.
Jetzt aber: Ich wünsche euch alles Liebe und beste
Wünsche aus Ghana. Ich freue mich schon darauf euch wieder zu sehen und ich
melde mich Ende Mai wieder bei euch.
Alles Liebe und bye, bye, oo.
Daniel
März
2009 –Im Westen (Afrikas) nichts Neues
Abgesehen davon dass der Papst seine Reise nach
Afrika angetreten hat, die Verwendung von Kondomen verteufelt, allerdings
überraschenderweise dem Wasserturm keinen Besuch abstatten wird, gibt es von
meiner Seite aus keine großen Überraschungen. Der Unterricht verläuft, zumindest
meistens, normal und mit paarwöchiger Verspätung habe ich so gut wie alle
Mid-Term-Exams hinter mich gebracht. Normalerweise gibt es zur Mitte jedes Terms
ein paar Tage Ferien, die sind diesmal ausgefallen, dafür gibt es dann aber über
3 Wochen Osterferien. Erstmals in diesem Term haben fast alle Klassen praktische
Mid-Term-Exams am PC geschrieben. Auto 2tes Lehrjahr und die
Elektroinstallateure vom 1. Lehrjahr über Word und die Auto erstes und drittes
Lehrjahr, sowie die Elektroniker 1 LJ über Excel. Bei den Mid-Tem-Examen kann
man bis zu 20 Punkte holen, die dann zu den maximal 80 aus dem End-of-Term-Exam
addiert werden. Und von 0 bis 20 Punkten war auch diesmal alles wieder dabei.
Die Aufgaben stammten aus allen Themenbereichen von Word bzw. Excel, so zum
Beispiel: Füge ein Bild ein, ändere die Größe, ändere die Schriftart der
Überschrift, füge einen Kasten um ein wichtiges Wort ein oder setze
Aufzählungszeichen für diesen Teil ein. In Excel durften die Klassen dann
Diagramme einfügen, Die Autosumme bilden oder die Spaltenbreite ändern. Wer sich
die beiden Tests einmal anschauen (oder auch ausprobieren möchte) findet die
Aufgaben am Ende dieses Artikels. Der Nachteil der praktischen Aufgaben war,
dass nur 12 Schüler auf einmal den Test im Computerraum schreiben konnten und
somit bis zu 3 Gruppen je Klasse hintereinander die Exams schreiben mussten. Und
wir wären nicht in Ghana, wenn nicht pünktlich zu Beginn der Mid-Terms ein paar
Schüler nach Hause geschickt würden, um 30 Cedi Schulgebühren zu bezahlen. Das
klingt auf den ersten Blick ein bisschen hart, aber ohne hartes Durchgreifen der
Schulleitung in diesem Fall, hätte wohl der größte Teil bis heute noch keine
Schulgebühren bezahlt. Nur der Zeitpunkt ist denkbar ungeschickt, weil so in
manchen Klassen bis zu 8 Schüler die Tests nachschreiben mussten. Nachdem ich
jetzt so gut wie mit den Mid-Term-Exams fertig bin stehen nächste Woche auch
schon die End-of-Term-Exams an. Ich möchte meine nämlich gerne in der vorletzten
Woche schreiben, um nicht mit unserer Sekretärin um einen Platz für meine
Klassen in der normalen Woche kämpfen zu müssen.
Mid-Term-Exam-Word: www.dthe.net/Word.doc
Mid-Term-Exam-Excel: www.dthe.net/Excel.doc
Überraschung Oder „Happy Independence Day
Ghana“
Ein paar freie Tage zwischendurch gab es dann aber
trotzdem. Dank dem ghanaischen Unabhängigkeitstag. Nachdem Ghana im vorletzten
Jahr groß die 50 Jahre Unabhängigkeit von den Briten gefeiert hat ging es in
diesem Jahr etwas ruhiger zu. Teils gibt es bis heute noch keine genauen
Berichte über die Finanzen, weil die meisten Mitarbeiter nur bis Ende der Feiern
bezahlt wurden und dann logischerweise aufgehört haben zu arbeiten und nach
Hause gegangen sind. Die Büros stehen jetzt voll möbliert leer und kein Mensch
hat einen genauen Überblick über die Akten. Dafür hat Ghana jetzt einen anderen
Präsidenten, der versucht die Mitarbeiter wiederzufinden und zu klären wie viel
das eigentlich gekostet hat. Aber ich möchte Ghana nicht zu sehr kritisieren: Im
Gegenzug dazu fehlen uns in Deutschland jetzt ja eine ganze Menge Akten, die
unter den Trümmern des Kölner Stadtarchivs begraben sind. Da frage ich mich ob
man da durch Austausch von Experten nicht das beste von beiden Systemen
rausholen könnte. Die Ghanaer übernehmen bei uns die Buchführung in der
Finanzkrise und wir bauen ihnen eine U-Bahn durch die Innenstadt. Hätte den
Vorteil dass wir wenn die Krise vorüber ist, nicht wissen wie viel sie gekostet
hat. Jedenfalls hat Ghana am letzten Freitat wieder einmal die Unabhänigkeit
gefeiert und das mit stundenlangem marschieren durch die Stadt. Mitmarschieren
durfte natürlich auch unsere Schule und zwar in Ashaiman und wir wären nicht in
Ghana, wenn das nicht erst in letzter Minute bekannt würde. So wurde die Schule
am Mittwoch darüber informiert, dass sie am Freitag marschieren darf und so kam
es, dann ich am Donnerstag 5 Minuten nach Unterrichtsbeginn darüber informiert
wurde, dass ich jetzt keinen Untericht halte, sondern die Schüler marschieren
üben. Wie lange das dauert konnte auch keiner sagen und so hieß es dann:
Abwarten und Kakao trinken für mich. Tatsächlich habe ich an diesem Tag dann
noch 3 Unterrichtsstunden gehalten, bis die Schüler weiter marschieren mussten.
Nachdem ich mir das marschieren zu Marschmusik auf dem Sportplatz am Donnerstag
angesehen habe, habe ich auch beschlossen, dass ich mir das keinen ganzen
Vormittag lang antun muss. Mein Kollege Johnathan hatte diesen Vorteil nicht und
hat beschlossen sich am Freitag das ganze Spektakel in der Hauptstadt
anzuschauen und ist nach ein paar Stunden vorzeitig wieder zurück gefahren.
Ebenfalls typisch Ghana ist auch die folgende
Überlegung: Wenn die Schüler am Freitag marschieren müssen, haben sie ja nichts
von ihrem Feiertag. Dann müssen sie am nächsten Tag dafür frei bekommen, damit
sie auch einen Feiertag haben. Wenn der Tag auf einen Samstag fällt, haben sie
ja sowieso frei. Dann ist das ja kein Feiertag. Der nächste freie Tag ist ein
Montag. Dann bekommen sie dafür am Montag frei. Wir wären aber wiederum nicht in
Ghana, wenn diese Entscheidung zu Planungszwecken (Ich habe 4 freie Tage, dann
kann ich wegfahren und mir etwas anschauen oder Montag schreibe ich ein Mid-Term
mit dieser Klasse.) bereits im Voraus feststehen würde. Vielmehr gibt es seit
Wochen ein Gerücht, dass dann am Donnerstag Abend bestätigt wird. (Auch wenn
Donnerstag Morgen noch verkündet wird: Montag ist Schule!) Jedenfalls kann man
die vier freien Tage dann doch irgendwie nutzen. Zum Beispiel zum Karten
spielen.
Unsere Schule übt marschieren: http://i42.tinypic.com/2wd63yh.jpg
Die Natter
und der Baron: Das unschlagbare Team
Nach Johannes Abreise ist mit Brother Michael nur
noch ein Deutscher in der Gemeinschaft ist und Stanley hat als Mitglied der
Kirchengemeinde fast jeden Abend andere Verpflichtungen (Ja Meetings sind in
Ghana sogar noch beliebter als in Deutschland). Zum Glück gibt es da noch die 4
FCP-Voluntäre, mit denen man St. Patricks Day feiern kann, DVDs schauen kann
oder sich am Wochenende zu einer gemütlichen Runde Doppelkopf treffen kann. So
kann man dann auch die 4 freien Tage dazu nutzen bis spät in die Nacht zusammen
zu sitzen und bei einem Club oder Stone Karten zu spielen und nebenher darüber
zu diskutieren welche Folgen die Rücknahme der Exkomminikation der Piusbrüder
für die Kirche hat oder wie es gerade in den verschiedenen Projekten aussieht.
Wenn man dann auch noch die Erfolgsallianzen schmiedet z.B. die des Barons und
der Natter (Beim Doppelkopf spielt man meist in zweier Teams, weiß aber
zumindest zu Beginn nicht mit oder gegen wen man in dieser Runde spielt) ist so
ein langes Wochenede viel zu schnell wieder vorbei.
Hit the
road Jack... oder Jazzclub –der frühe Vogel fängt den Wurm (kein Halleluja dank
Fastenzeit*)
Am vergangenen Wochenende haben dann Jonathan und ich
entschieden in einen Jazzclub in der Hauptstadt zu gehen. Von der es laut
Reiseführer Ghana eine knappe handvoll gibt. Leider gab bei nur bei einem Club
eine dazugehörige Telfonnummer und da ging dann keiner ran. Also haben wir uns
auf einen Jazzclub konzentriert, der laut Reiseführer am Samstag und Sonntag
Livemusik bietet und der tatsächlich auch noch im Plan verzeichnet war. Nachdem
wir dann das halbe Viertel ein paar mal abgegrast hatten ca 30 Ghanaer gefragt
haben und dabei auf ein halbes Dutzend unterschiedliche Clubs gestoßen sind (die
aber frühestens zwischen 10 und 12 öffnen und keine Livemusik bieten) haben wir
dann endlich einen Ghanaer getroffen der das Mapees kannte und uns den Weg
beschreiben konnte. Als wir dann in besagtem Hinterhof ankamen, haben wir
erfahren dass es den Jazzclub mittlerweile gar nicht mehr gibt und wir sind per
Trotro in Richtung anderer Jazzclub gefahren, diesmal gab es zwar wieder ewiges
in der Gegend rumlaufen und suchen, aber wir haben den Jazz-Optimist gar nicht
erst gefunden. Also haben wir uns auf die Suche nach irgendeinem Club gemacht
der evtl. Live-Musik hat und haben ein paar Ghanaer danach gefragt. Es gab dann
einen der wusste dass es im Tropicana tatsächlich eine Liveband gibt und wir
haben dann sowohl das Tropicana als auch die Liveband gefunden. Die hat dann
auch noch u.a. Jazz gespielt. Neben Merengue, Salsa und spanischen Rhythmen,
sowie ghanaischem Highlife. Der Sänger der Band erinnerte ein bisschen an Chuck
Berry. Der schaft jetzt zwar auch fast nicht mehr allein den Weg vom
Backstagebereich zum Mikro und kann sich kaum auf den Beinen halten, hat dann
aber am Mikro sichtlich Spaß. Leider hatte er keine allzu kräftige Stimme mehr.
Dafür aber eine Besucherin des Clubs die mit einer Stimme die Aretha Franklin
Konkurrenz machen könnte einige Jazzklassiker zum Besten gab. Kurzum die
Stimmung war klasse und ich konnte endlich mal wieder meine Standard- und
Lateinkenntnisse an die Frau bringen, während Johnatan später am Abend zur
Gitarre griff und mit der Sängerin mit Aretha Franklin-Stimme und Band eine
passable Version von Hit the Road Jack, Summertime und ein paar anderen Songs
spielte. Gegen Eins haben wir uns dann mit dem Taxi auf den Heimweg gemacht.
*Nach fast täglichem Abendgebet lernt man auch die
Feinheiten und Tücken des katholischen Stundenbuchs kennen. Und weiß dass sich
das Kirchenjahr in Ordinary Time, lent season (jetzt gerade), Christmas Tide
usw. aufteilt. Und in der Fastenzeit gibt’s kein Halleluja.
Der große
Kirchenvergleich
In Ghana gehört der sonntägliche Kirchenbesuch dazu,
wie in Deutschland zum letzten Mal im Mittelalter. Ähnlich wie Wagner in seinen
Meistersingern von Nürnberg die Begegnung von Walther von Stolzing mit Eva
Pogner in der Kirche schildert, kann man sich das auch in Ghana vorstellen. Die
Kirche ist mehr als nur Gottesdienst. Es gibt tanzbare Musik, gute Stimmung man
trifft sich danach und unterhält sich und man kann sogar bei den
Charity-Auktionen mit seinem (evtl. vorhanenden) Vermögen protzen und einen
Ziegelstein oder ein Glas Wasser für 100 Cedi (ca 60 Euro) kaufen. Das dann für
den Bau einer Multipurpose Hall oder einer neuen Kirche verwendet wird. Kein
Wunder also, dass es allein in unserem Vorort von Tema ca. 200 verschiedenen
Kirchen gibt. Allein in einem Umfeld von 100 Metern habe ich 5 verscheidene
Kirchen gezählt. Für mich als Katholiken gibt es hier 4 verschiedene
Gottesdienst-Möglichkeiten am Sonntag. Zeit also für den großen
Kirchenvergleich:
Don Bosco
Catholic Church –Golf City
Abfahrt: 7 Uhr auf dem Don Bosco
Gelände
Gottesdienst: 7:30 Uhr
Dauer: 2 1∕2 bis 3 Stunden
Vorteile: Die Kirche in der man die meisten
Salesianer und Bekannten trifft. Die besten Lieder und eine ausgelassene
Stimmung, man kann gut tanzen. Die offizielle Kirche der Gemeinschaft. Betreut
von Father Jo.
Nachteile: Der längste Gottesdienst, teilweise sehr
lange Predigt. Man muss gefahren werden und evtl. verquatscht sich derjenige der
einen zurück fahren soll. Rückkehr gegen 11 Uhr.
Blessed
Clementina –Ashaiman
Abfahrt: 6:30 vom Don Bosco Gelände oder 6:55 vom
FCP-Voluntärshaus loslaufen
Gottesdienst: 7:00 Uhr
Dauer: 2 Stunden
Vorteile: Nicht ganz so lang wie die Don Bosco
Church. Man Trifft die FCP-Voluntäre. Optimal wenn man dort übernachtet hat.
Richtiges Kirchengebäude. Afrikanische Lieder und
Trommeln.
Nachteile: Nicht ganz so gute Stimmung wie in der Don
Bosco Church. Wenn man von unserem Gelände kommt muss man 30 Minuten früher
aufstehen. Man kennt nicht so viele Leute.
Schulgottesdienst
–Schulgelände
Loslaufen: 7:25
Gottesdienst: 7:30
Dauer: 1 1∕2 Stunden
Vorteile: Spätester Gottesdienst. Mit Trommeln und
afrikanischen Liedern. Kürzer als Don Bosco und Blessed Clementina. Fast alle
Schüler sind dort.
Nachteile: Überfüllt, heiß und stickig, da im Keller
der Mehrzweckhalle. Nicht so gute Stimmung wie in Don Bosco und Blessed
Clementina. Es wird nicht getanzt. Und er findet nicht immer statt. Z.B. wenn
Father Blamoh verhindert ist.
Provincial
House –Schulgelände
Loslaufen: 6:55 Uhr
Gottesdienst: 7:00 Uhr
Dauer: 45 Minuten
Vorteile: Kürzester Gottesdienst. Man kann danach
wieder schlafen gehen. Interessanteste Predigt dank Father Roy. Sehr persönlich
da meist unter 10 Teilnehmer.
Nachteile: Nur europäische Lieder, keine Instrumente.
Beginn früher als Schulgottesdienst. Man trifft kaum Leute und Gottesdienst wie
in Europa.
Open Air Gottesdienst: http://i42.tinypic.com/1116rlx.jpg
Eine
Seefahrt die ist lustig...
Was macht man mit einem überraschend freien Montag?
Richtig man besucht mit seinem Voluntärskollegen Stanley einen Tag der offenen
Tür und zwar nicht irgendeinen Tag der offenen Tür, sondern den bei der
ghanaischen NAVY. Das Ganze habe ich spontan mit Stanley am Vorabend ausgemacht
und er wollte alle Details abklären. Kurzes Frühstuck um 7 und dann ging es auch
schon ab Richtung Hafen. Bis zu diesem Zeitpunkt ging ich noch davon aus, dass
es sich nur um eine Bootsfahrt handle und das Boot pünktlich um 8 ablegen würde.
Als wir dann um kurz nach 8 am Hafen ankamen, hatten die Leute dort keine Ahnung
und haben uns aber mal zu einem anderen Hafen geschickt. Nachdem wir auch beim
dritten Hafen keinen Erfolg hatten und den ersten Hafen zum zweiten Mal besucht
haben, haben wir beschlossen zum NAVY Gelände zu fahren, wo einige Leute darauf
warteten, dass das Vorprogramm so langsam mal los geht. Wir hatten den Vorteil,
dass Stanley seine Ausbildung dort gemacht hat und ihn noch einige kannten, wir
konnten also statt draußen in der Sonne gemütlich in einem kühlen Raum mit
Getränken darauf warten, dass es denn endlich los geht. Auf dem Gelände waren
einige Waffen (Maschinengewehre, Pistolen eine Kanone die für Festzwecke
eingesetzt wird usw.) ausgestellt ein Schlauchboot, ein Parcours mit Mauer,
einem Seil zum hochklettern usw. wo die Soldaten dann eine Übung zeigten. Nach
einer halben Stunde Übung in der nicht mehr viel passierte sind wir dann wieder
in den kühlen Raum mit den kühlen Getränken gegangen, wo wir auch prompt den Bus
zum Schiff verpasst haben und erneut zwei Häfen nach dem Schiff absuchen
durften. Irgendwann sind wir auch tatsächlich angekommen und haben erlebt, was
es heißt: Es gibt etwas kostenlos. Mittlerweile war übrigens bereits Nachmittag.
Das Boot war bereits das erste mal ausgelaufen und kehrte gerade mit
schätzungsweise 600 Menschen in den Hafen zurück, woraufhin dann am Hafen ein
unglaubliches Chaos ausbrach und sich alle schön geordneten Schlagen in Nichts
auflösten. Man ist ja von größeren Konzerten einges gewöhnt, aber selbst die
zahlreichen Ordner konnten nur das schlimmste verhindern und das auch nur unter
Androhung von Gewalt und indem sie die Massen gemeinsam zurückdrängten.
Irgendwann waren wir dann auf dem Boot und konnten uns in einem halbstündigen
Trip die vor dem Hafen liegenden Boote und Selbigen einmal von der anderen Seite
ansehen. In den beiden Häfen Takoradi und Tema herrscht tatsächlich rund um die
Uhr Hochbetrieb und eine ganze Menge Schiffe warten darauf endlich ihre Ladung
löschen zu können. Zusammen mit ein paar andern konnte ich dann sogar einen
kleinen Ausflug in den Maschinenraum machen und mir die beiden großen
Dieselmotoren ansehen mit denen das Boot betrieben wird. Ein spätes Mittagessen
in einem Restaurant um die Ecke rundete den Tagesausflug dann ab.
Am Hafen: http://i42.tinypic.com/fw1s05.jpg
Unser Boot: http://i39.tinypic.com/17zhvs.jpg
(L)auf zu
neuen Wegen
Seit einem guten Monat habe ich beschlossen mal
wieder ein bisschen Sport zu treiben, da man außer gelegentlichem Volleyball
spielen auf dem Hof kaum Bewegung hat. Jetzt laufe ich ca. Jeden zweiten Tag
eine dreiviertel Stunde 10 Runden um unser Gelände und kann mich an den
Gewichten Marke eigenbau hinter dem Hostel austoben. Die Gewichte und die Bank
wurden von dem mittlerweile eingestellten Zweig der Schweißer gefertigt und
bestehen aus einer Eisenstange mit einem Kübel festgetrocknetem Beton auf jeder
Seite. Die Bank ist ordentlich geschweißt und hat ein Holzbrett in der Mitte,
ist nur etwas kurz. Aber das Training macht Spaß. Gelegentlich läuft auch mal
ein Schüler mit. (Leider mϋssen die aber meist zu dieser Zeit lernen) Wenn man
das Ganze in den Stunden nach dem Abendessen macht ist es auch angenehm kühl und
man kann frisch geduscht noch eine Folge Dr. House anschauen und dann ins Bett.
1. McFit-Filliale in Ghana: http://i44.tinypic.com/f20rdi.jpg
Dr.
Wolf
Nach meinen 7 Monaten in Ghana habe ich nicht nur die
ersten drei Staffeln von Dr. House durch, sondern auch bereits eine ganze Reihe
neuer Spitznamen bekommen, darunter Dandihno, Dan, Daniels, „Sir Daniel“ und
neuerdings auch Dr./Mr. Wolf oder General. Während sich das „Sir“ relativ
schnell erklären lässt: Als Lehrer wird man von den Schülern fast ständig mit
Sir angesprochen, hat das Dr. Wolf einen besonderen Hintergrund. Ich habe mich
hier in einem Internetforum unter diesem Pseudonym eingeloggt, was Stanley
mitbekommen hat und seither habe ich auch diesen Spitznamen weg. Nachdem ich
Stanley gelegentlich „Commander Stanley“ nenne, bin ich jetzt „General
Wolf.“
Dr. Wolf: http://i42.tinypic.com/2n0suxf.jpg
Daniel in
der Krabbelgruppe
Seit Brother Michael in Tema-New-Town arbeitet baut
er auch systematisch eine Wochenendbetreuung für die Kinder und Jugendlichen in
diesem Armenviertel aus. Samstag und Sonntag nachmittag können sie dort z.B.
ihre Motorik mit Holzpuzzlen, oder Riesenpuzzlen oder Mosaiklegen verbessern und
z.B. mit 4 Gewinnt oder Memory ihr Gedächtnis trainieren oder im Garten Fußball
spielen. Seit mittlerweile ebenfalls gut einem Monat bin ich jetzt jeden Sonntag
mit Brother Michael in Tema-New-Town und passe auf die zwischen 20-30 Kinder und
Jugendlichen auf. Vom 2-3 jährigen Ruben der gerade das Laufen lernt, bis zum 17
Jährigen ist eigentlich jeder dabei. Im afrikanischen Spiel Oware sind die
Kleinen unschlagbar (irgendwie ist es ein blödes Gefühl von einer 8 Jährigen
abgezockt zu werden), wenn es aber darum geht ein Holzauto in die dafür
vorgesehene Öffnung zu legen, kann dass auch mal falschrum versucht werden und
es wird versucht das Auto reinzuklopfen. Doch schon nach wenigen Malen üben
erzielt man beträchtliche Erfolge. Richtig schön war auch das Bilder malen, als
die Kinder teils zum ersten Mal ein Bild zum Ausmalen mit Buntstiften bekamen
und richtig schön ausmalten. Kreativität und Motorik sind in Ghana teils leider
immer noch Fremdwörter und so kommt es auch im Alltag immer wieder zu amüsanten
Szenen, wenn z.B. ein Ghanaer versucht mit roher Gewalt ein Fenster zu öffnen
und ihm selbiges entgegenkommt. Auf jeden Fall macht die Zeit am
Sonntagnachmittag in TNT richtig Spaß.
Willsch a
Gug, Buale?
Während man im schwäbischen noch liebenswürdig
gefragt wird, gibt es in Ghana keine Alternative. Man bekommt eine Tüte, ob man
nun will oder nicht. Argumente wie: Ich kaufe nur ein Toastbrot und wohne 50
Meter weg helfen da auch nicht. Der typische Dialog läuft dann so ab: „That’s 15
Thousand.“ „Ok. I don’t need bag.“ „Let me pack it for you.“ „No No, it’s not necessary. I don’t
need a bag. I can manage.“ Und bis man
fertig erklärt hat , hält man schon die Tüte mit dem bereits in Folie
eingepackten Brot in der Hand. Die einzige Alternative ist, selbst eine Tüte
mitzubringen. Wenn man z.B. Pfandflaschen zurück bringt. Während alles andere
achtlos weggeworfen und verbrannt wird, ist es in Ghana wahnsinnig schwer ein
paar Flaschen zu bekommen. Entweder man trinkt sie direkt vor Ort oder man muss
seine alten Flaschen mitbringen. Zum Glück haben es unsere Vorgänger irgendwann
mal geschafft einen Kasten zu ergattern, wo man dann z.B. 4 Flaschen entnimmt,
um sie gegen 4 Volle einzutauschen. Hat man mal keine Flaschen wird es richtig
schwer. In unserem Spot um die Ecke gelingt es dann meist durch mehrminütiges
Bitten und Beteuern sie am nächsten Morgen zurück zu bringen, doch noch ein paar
Flaschen abzustauben. Ansonsten wird es tatsächlich schwer. Ganz anders wie
gesagt beim Plastik. Das Wasser wird in kleinen Beuteln verkauft zu einem Preis
von umgerechnet ca. 3 Cent und ist in meinen Augen zehn mal praktischer als die
0,5er Flaschen für die man in Deutschland ein Vermögen kostet. Hier kosten die
Ebenfalls das 10 fache der Bags. Leider landet die Tüte dann entweder auf dem
Trotro-Boden oder verschwindet aus dem Fenster. Ebenso alle möglichen anderen
Verpackungen z.B. für Eis. Im normalen Haushalt werden die dann einmal auf einen
Haufen geworfen und verbrannt. (Müllverbrennung 1.0) Zugegebenermassen sind wir
mit unseren Verbrennungsanlagen wo dann anschließend der Filter verbrannt wird
auch nicht viel besser. Aber ob jetzt das Plastik am Wegesrand herumliegt oder
verbrannt wird macht das Kraut wohl auch nicht mehr fett. Mit Recycling ließe
sich in dem Fall aber tatsächlich ein Vermögen verdienen. Bisher sind die
Versuche –Mehr Mülleimer –Pfand auf die Water-Bags usw. versandet oder
eingestellt worden. Trotzdem hätte ich diese Pure-Water-Bags auch gerne in
Deutschland. Revolutionär, wie genial ist auch die ghanaische Idee des Drive-By.
Man fährt einfach mit dem Auto durch die Stadt und das Wasser, Wattestäbchen und
andere nützliche Dinge werden einfach an einem vorbei getragen.
Pjuuuuuuuuuuur-waaaaaaata: http://i41.tinypic.com/6r3fo7.jpg
Individuelles Verkaufsgespräch –Teleshopping live: http://i43.tinypic.com/5tz5lc.jpg
PS: Für alle Nicht-Schwaben: Auf Hochdeutsch
übersetzt lautet der Satz übrigens: Möchtest du eine Tüte Junge.
Public
Transport
In meinen 7 Monaten in Ghana bin ich bisher nur ein
einziges Mal selbst Auto gefahren und tatsächlich: Es funktioniert. Während ich
mich in Deutschland nur ungern auf die öffentlichen Verkehrsmittel verlassen
habe, vermisse ich mein Auto überhaupt nicht. In Ghana stellt man sich einfach
an den Rand der Hauptstrasse und zeigt mit dem Finger an in welche Richtung man
fahren möchte. Nach spätestens 5 Minuten erwischt man dann ein Trotro in die
richtige Richtung. Bei uns vor dem Haus gibt es Trotros in drei Richtungen
–Richtung Michell Camp (braucht man nur auf dem Heimweg) –Ashaiman (Innenstadt)
und Tema (Hafen bzw. Umsteigemöglichkeit nach Accra). Mit diesem System ist man
in einer viertel Stunde in Ashaiman und in einer Dreiviertelstunde in der
Hauptstadt. Und auch dort kann man sich bis 10-11 Uhr abends problemlos in jeden
Stadtteil bringen. Und das zu Preisen von 20-30 (10-15 Cent) Pesewas nach
Ashaiman bzw. 60-70 Pesewas (35-40 Cent) nach Accra. Das sind immerhin 30
Kilometer. Dafür kommt man von Neu-Ulm nicht mal zum Ulmer Bahnhof und man muss
auf einen Fahrplan achten. Bis spät in die Nacht bekommt man immer noch eins der
zahlreichen Taxis die es entweder als Sharing oder Dropping Taxis gibt. Die
Sharing Taxis fahren immer eine feste Strecke ab, wie das Trotro, bekommt man
aber mit Glück auch später und man muss an den offiziellen Stations nicht so
lange warten, bis sie voll sind. Zwar ca. doppelt so teuer wie ein Trotro, aber
mit den Cent beträgen immer noch ein Witz. Das Taxi von der Hauptstadt kostet
10-12 Cedi (6-7 Euro) und von Ashaiman 1,50-2 Cedi, also gerade Nachts eine
super Aktion. (Besonders wenn einen der Taxifahrer an den Hunden vorbei direkt
am Wasserturm aussteigen lässt.) Für längere Fahrten gibt es dann entweder die
Langstrecken-Trotros, STC-Busse (feste Abfahrtszeiten) und z.B. mit
Metro-Mass-Transport auch einige andere private Anbieter mit großen Bussen. In
jedem Fall ist das Reisen in Ghana wenn man sich keine Gedanken über die
Sicherheit macht, sehr angenehm.
Klassisches Trotro: http://i41.tinypic.com/2lu7720.jpg
Ganz zum Schluss noch das monatliche
Malaria-Update:
Meine deutschsprachige Ärztin meint das Labor hat
diesmal keine Parasiten entdeckt und ich habe keine Malaria, sondern nur
Blutmangel. Ich persönlich bin mittlerweile anderer Ansicht. Nachdem das ganze
trotz Eisentabletten nach knapp zwei Wochen immer noch nicht besser geworden ist
nehme ich dann wohl doch wieder die Malaria-Medikamente und wenn’s hilft mache
ich den siebten Strich auf meiner Malaria-Liste.
Die Praxis: http://i42.tinypic.com/167jy9h.jpg
In Erinnerung an "Dana" und an meinen Onkel Andres.
Ich wünsche euch natürlich einmal wieder ganz liebe
Grüsse aus Ghana und Alles Gute
Daniel
Februar 2009 –News from the
Water-Tower
Herzlich willkommen pünktlich zur Halbzeit zum
Ghana-Newsletter für Februar. Während es in Deutschland 20 Zentimeter Neuschnee,
einen neuen Wirtschaftsminister und bald die 5te Jahreszeit gibt, gibt es bei
uns gerade die Harmatan-Season, einen Umzug einen Wegzug und was sonst so alles
in den letzten Wochen passiert ist.
Die
Projekte und die Schule
Da ich in den letzten Newslettern hauptsächlich Land
und Leute beschrieben habe, gibt es im heutigen Halbzeit-Newsletter auch ein
paar Informationen über die
verschienden Projekte, meine Klassen und meinen Unterricht. Die Salesianer sind
in Ghana in zwei Regionen (vergleichbar mit Bundesländern) vertreten. In Sunyani
(ca. 400 Kilometer von hier entfernt) und in Ashaiman-Tema.
Plan: http://i36.tinypic.com/2v9y939.gif
(Plan und Bilder sind hier teils die gleichen wie im November
Newsletter)
Provincial
House: Zufällig auf dem gleichen
Gelände wie die Schule und das Haus der Gemeinschaft Ashaiman, hat aber faktisch
nichts mit der Gemeinschaft zu tun. Das Provincial House ist die oberste Stelle
für alle Salesianischen Häuser im englischsprachigen Westafrika (Ghana, Siera
Leone, Nigeria und Liberia)
Provincial
House: http://i33.tinypic.com/16lmd7n.jpg
Das
Community House: Das Wohnhaus der
Salesianischen Gemeinschaft in Ashaiman. Der Boss der Gemeinschaft ist Father
Blamoh, der zufällig auch Direktor in meiner Schule ist. Dort gehen wir zum
Abendgebet und holen uns aus der Küche unser Abendessen ab. Samstag/Sonntag sind
wir dort zum gemeinsamen Abendessen eingeladen.
Community House: http://i35.tinypic.com/fnqyb7.jpg
Die
Schule: Befindet sich ebenfalls auf
dem gleichen Gelände und bildet als „Technikal Institute“ (Berufsschule)
Automechaniker, Elektroinstallateure, Elektroniker und Sekretärinnen aus. Alle
Ausbildungen dauern derzeit 3 Jahre und finden praktisch und theoretisch statt.
Normalerweise sind Lehrer für ein Department zuständig. Lediglich die
Computerlehrer (Madam Marian, Simon und ich) werden in allen Departments, also
für alle Klassen, eingesetzt. Direktor ist ebenfalls Father
Blamoh.
Schule: http://i37.tinypic.com/if0ig3.jpg
Der
Automobile-Workshop: Eigentlich eine
normale Autowerkstatt, die den Salesianern gehört, die sogar Gewinn macht, aber
gleichzeitig befinden sich die Klassenzimmer für die Automechaniker dort und die
praktische Ausbildung findet dort statt.
Automobile
Workshop: http://i33.tinypic.com/23wny0z.jpg
Das Boys
Hostel: Ebenfalls auf dem gleichen
Gelände. Das Boys Hostel umfasst drei Gebäude (Dominic Savio, Don Rua und Don
Vigano) die als Dreieck nebeneinander gestellt sind und einen kleinen Innenhof.
In den drei Häusern gibt es verschiedene Schlafsäle mit jeweils 8 Betten und im
Dominic Savio befindet sich der TV-Raum und die Voluntärsküche in der wir
frühstücken und unser Abendessen essen.
Hostel: http://i38.tinypic.com/vesnkj.jpg
Das Girls
Hostel: Ein paar hundert Meter von
der Schule entfernt und erst vor ein paar Monaten fertig gestellt gibt es das
Girls Hostel, für Mädchen die die Schule besuchen. Die Mädchen und Jungs
bekommen Mittags ein Mittagessen aus der Kantine und kümmern sich selbst um ihr
Abendessen. (Mit kleinen Kohleöfen)
Girls Hostel: http://i40.tinypic.com/25q6vyo.jpg
(neues Foto)
Die Parish
(Kirchengemeinde): Die Kirche der
Salesianer. Sie befindet sich ca. 15 Autominuten von diesem Gelände entfernt, in
einem anderen Stadtteil von Ashaiman, nämlich in Golf City. Golf City ist einer
der besseren Stadtteile Ashaimans und viele Kirchenbesucher sind auch besser
situiert als z.B. in Ashaiman direkt. Der verantwortliche Pfarrer für die
Gemeinde ist Father Jo, der die meiste Zeit dort verbringt und in der Regel den
sonntäglichen Gottesdienst dort abhält. Die Parish entstand aus einem alten
Hühnerstall, der den Salesianern geschenkt wurde und besteht mittlerweile aus
der Kirche, (Betonboden, Holzbänke, ein Wellblechdach und das alles wird von
Stahlstangen gehalten) der Kapelle (eine richtig schöne kleine Kirche aus
Steinen mit Turm) und der Mulitpurpose Hall (Mehrzweckhalle) die sich allerdings
noch im Bau befindet.
Parish: http://i40.tinypic.com/24vrz1d.jpg (neues Foto)
Tema-New-Town -TNT: Das eine Straßenkinderprojekt der Salesianer. Direkt
am Fischerhafen von Tema befindet sich die Schule von TNT. Die Kinder dort haben
im Gegensatz zum FCP ein zuhause, sind also keine Straßenkinder im eigentlichen
Sinn, haben aber keinen familiären Rückhalt. D.h. die Eltern kümmern sich
entweder nicht um die Kinder, oder sie sind bei Tanten oder anderen Verwandten
untergebracht, die den Kindern zwar Essen und einen Schlafplatz geben, aber
ansonsten sind die Kinder auf sich alleine gestellt. In 2-3 Jahren sollen die
Kinder rechnen, lesen und schreiben lernen, um ihnen den Besuch einer
weiterführenden Schule zu ermöglichen. Im Gegenzug dass die Eltern oder
Verwandten die Kinder zur Schule schicken (statt sie auf der Straße Dinge
verkaufen zu lassen) bekommen sie dort eine warme Mahlzeit und wenn sie die
Schule erfolgreich abschließen teilweise finanzielle Unterstützung für die
weiterführenden Schulen. Seit ein paar Monaten wird das Projekt von Brother
Michael Schmitz geleitet, der dort auch einen Spielenachmittag für Straßenkinder
am Sonntag eingeführt hat und auch Abendklassen für Erwachsene plant.
Ausblick von TNT: http://i41.tinypic.com/2vdmng2.jpg
(neues Foto)
First
Contact Place –FCP: Befindet sich
mitten in Ashaiman und wird von einem Sozialpädagogen und den 4 FCP-Voluntären
aus Deutschland betreut. Die 4 Voluntäre wurden von den Oblaten von Franz von
Sales nach Ghana geschickt, während Johannes und ich von den Salesianern Don
Boscos kamen. Das Projekt FCP wird ebenfalls von den Oblaten aus Deutschland
finanziert. Da die Oblaten in Ghana allerdings keine eigene Organisation haben,
untersteht das Projekt formal der Community Ashaiman. Evtl. wird das ab nächstem
Jahr aber geändert. Jedenfalls handelt es sich hier um ein „echtes“
Straßenkinderprojekt. Da die Kinder keinen Schlafplatz und keine Familie haben
und von den Voluntären im Boys- bzw. Girlshostel in Wechselschichten betreut
werden. Tagsüber sind die Jungs und Mädels in verschiedenen Schulen und bekommen
im First Contact Place warme Mahlzeiten und einen Schlafplatz.
Kein Foto vom FCP, dafuer aber von Robin, Jonathan
und Katharina: http://i42.tinypic.com/eak4rd.jpg
(Hannah war dafuer im letzten Newsletter zu sehen...)
Schule und
ich
Als Computerlehrer habe ich 6 Klassen, darunter alle
drei Lehrjahre. 3 erste Lehrjahre, die Elektroinstallateure (Installation 1),
die Elektroniker (Electronics 1) , die Automechaniker (Auto 1) und dazu
Auto Proficiency, eine Klasse für Schüler ohne Schulabschluss mit Schwerpunkt
auf der Praxis, sowie das zweite und das dritte Lehrjahr der Automechaniker
(Auto 2 + 3). Mit einer 10-Fingerschreib-Klasse (Inst. 1) komme ich auf 16
Wochenstunden a 60 Minuten, verteilt auf 3 Tage: Montag, Dienstag und
Donnerstag. Die andern Tage kann ich dazu nutzen meinen Unterricht
vorzubereiten, Kopien zu besorgen, Schulaufgaben zu schreiben/korrigieren usw.
Mittwochs gibt es um 11 ein Tea-Meeting dass in der Regel 2 Stunden dauert.
Ansonsten wird auch Mittwoch und Freitag zumindest meine Anwesenheit auf dem
Gelände erwartet.
Pünktlich zu den Halbjahreszeugnissen in Deutschland
gibt es heute auch von mir ein Halbjahreszeugnis für meine
Klassen:
Auto
Proficiency: Nur eine Wochenstunde a
60 Minuten und etwas langsam. Mit ca. 20 Schülern meine kleinste Klasse und noch
dazu sind die Schüler ziemlich nett. Die letzten 2 Wochen haben wir mit
Microsoft Word angefangen, davor habe ich mit Ihnen die Computergrundlagen
besprochen.
Inst.
1: 2 Wochenstunden und wirklich am
Unterricht interessiert. Gut 30 Schüler, aber verhältnismäßig ruhig und sehr
interessiert. Hier macht das Unterrichten auch wirklich Spaß und die Schüler
wollen vieles ganz genau wissen und von daher nicht so weit wie andere Klassen,
aber dafür bekommen sie einen tieferen Einblick in die Themen und lernen
gründlicher. In den nächsten Wochen schließe ich mit Ihnen Word ab und mache mit
Excel weiter.
Auto
2: Mit ebenfalls 2 Wochenstunden und
schon im zweiten Lehrjahr ziemlich langsam. Gut 30 Schüler und machmal etwas
anstrengend. Die Schüler sind ungefähr gleich weit wie die Schüler aus
Installation 1, aber bereits im zweiten Lehrjahr. Nachdem der Lehrer im
vergangenen Jahr teils Themen wie MS-Dos und worauf achte ich beim Kauf eines
Monitors (ich bezweifle dass die jemals mit MS-Dos arbeiten werden oder einen
Monitor kaufen werden) behandelt hat, durfte ich nochmal ganz von Anfang
anfangen und werde mit ihnen die nächsten Wochen ebenfalls mit Excel anfangen.
Auto 1:
3 Wochenstunden und mit ca 35
Schülern eine der größten Klassen. Die Schüler sind teils am Unterricht
interessiert und wir sind gerade mitten in Excel. Die Akustik im Klassenraum ist
richtig schlecht (man muss regelrecht schreien um ganz hinten verstanden zu
werden und besonders schön ist es wenn dazu röhrende Motoren aus dem
Auto-Workshop zur Unterstützung kommen) Teilweise kommt man in der Klasse
richtig gut voran, teilweise erklärt man auch mal eine halbe Stunde lang was das
Wort Durchschnitt bedeutet (Average). „Also ihr bekommt von euren Eltern am
Anfang des Monats 80 Cedi für’s Abendessen und der Monat hat 4 Wochen, damit ist
euer Durchschnitt für jede Woche 20 Cedi. Alles Klar?“ „OK, stellt euch vor eure
Eltern geben euch einen Monat 150 Cedi und im nächsten Monat 50 und im Dritten
Monat 100 Cedi. Wie viel habt ihr dann durchschnittlich pro Monat?“ Nach dem
10ten Versuch hat es glaube ich zumindest die eine Hälfte der Klasse verstanden.
Und teilweise muss man doch an jedem PC einzeln vorbeilaufen und jedem Schüler
die Excelfunktion z.B. Auto-Fill-Funktion einzeln erklären. Zeitaufwendig, aber
effektiv.
Elec. 1:
4 Wochenstunden und mit gut 30
Schülern ebenfalls groß. Die Klasse ist eine der ruhigsten und als Elektroniker
ziemlich schnell in der Auffassung. Nachdem wir über die Computergrundlagen
regelrecht geflogen sind, haben wir uns ein paar Monate mit Word aufgehalten,
Excel in einer guten Woche behandelt und sind jetzt gerade dabei in Gruppen
Power-Point-Präsentationen zu erstellen. (Die dann als End-of-Term-Exam gewertet
werden) Nachdem ein Teil der Klasse Excel aber schon fast wieder vergessen hat
muss ich das Thema Excel nochmal intensiv wiederholen.
Auto 3:
3 Wochenstunden gut 20 Schüler, aber
die deutlich anstrengendste und schlimmste Klasse. Ich habe die Klasse in den
ersten Wochen von Madam Marian übernommen, nachdem Mr. Philip nicht mehr
aufgetaucht ist und sie waren gerade mitten in Excel. Jetzt sind sie ebenfalls
dabei Power-Point-Präsentationen zu erstellen, aber viele ziehen es vor Lärm zu
machen oder zu schlafen. Dass die Schüler die Unterrichtszeit nutzen um zu
schlafen ist zwar in allen Klassen und bei allen Lehrern der Fall, aber mit Auto
3 haben so ziemlich alle Lehrer Probleme. Wie unser stellvertretender Rektor Mr.
Brown so schön meinte: „They have absolutely no interest in learning“. Die Tests
fallen dementsprechend auch schlecht aus. Der Fairness halber sollte ich
erwähnen, dass die allerwenigsten am Tag vor einem Computertest lernen, aber
sich zumindest an einen Teil des Unterrichts erinnern. Letzte Woche kam der
Großteil der Klasse 25 Minuten zu spät zur Stunde, der Rest kam dann 5 Minuten
später und ansonsten verschenkt man auch meistens eine gute viertel Stunde,
während des Unterrichts um die Klasse zu beruhigen oder dazu zu bringen
aufzupassen. Nachdem sie am Computer zu beginn sowieso nur Power-Point geöffnet
haben um Hintergründe zu gestalten, oder versucht haben ins Internet zu gehen,
gab es dann ein paar Stunden nur Theroie, bis wir bei Power-Point angelangt
waren. Mit den Präsentationen und Themen die sie sich aussuchen durften habe ich
gehofft dass ich sie dazu motivieren kann etwas zu lernen. Mal sehen was daraus
wird. Ein Schüler hat den damit verbundenen Internetzugang auf jeden Fall gleich
dazu genutzt sich Pornobilder herunterzuladen.
Wer sich stattdessen lieber meine Arbeitsblätter
herunterladen möchte (von Computer-Basics bis Microsoft Office) kann das auf
meiner Homepage tun. Unter www.dthe.net/Handout.htm findet ihr
alle Seiten meiner Kopien mit kurzer Inhaltsbeschreibung. (Natürlich alles auf
Englisch.)
Schule und
Arbeitszeit
Während ein Lehrer in Deutschland zuhause
Schulaufgaben erstellt und korrigiert und nach der Schulzeit Besprechungen im
Lehrerzimmer hat, gibt es in Ghana eine etwas andere Auffassung. Wieso sollte
ich einen Test daheim korrigieren? –Ist doch keine Arbeitszeit. Also fällt die
letzten Tage vor den Ferien der Unterricht aus und die Schüler können entweder
die Schule putzen oder auch rumsitzen und nichts tun, während die Lehrer ihre
Schulaufgaben korrigieren. Das Problem mit den Meetings wurde auch sehr
geschickt gelöst. Es gibt ein morgendliches Assembly, dass wegen längerer
Unterrichtsstunden (60 statt 45 Minuten) auf 15 Minuten verkürzt wurde, bei dem
die Schüler die Nationalhymne singen, ein Vater unser und ein Ave Maria beten,
dann gibt es die Ankündigungen des Tages und pünktlich um Acht beginnt der
Unterricht. Zumindest laut gutem Vorsatz zu Beginn des Schuljahres. Je nachdem
wie lange die Ankündigungen dauern kann es auch mal viertel nach 8 oder noch
später werden. Ist ja nur Unterricht. Ein wöchentliches Meeting für Lehrkräfte
gibt es auch, dass in der Pause zwischen 11 und 11:10 Uhr stattfindet und
tatsächlich eigentlich immer erst kurz vor 13 Uhr endet. Die Unterrichtsstunde
von 11:10-12:10 und die Mittagspause von 12:10-12:40 fällt also regelmäßig aus
und wird von den Lehrern in der nächsten Stunde nachgeholt. De facto fallen also
bei diesen Klassen jede Woche knapp 2 Stunden aus. Was für ein Glück dass ich
Mittwoch keine Klassen habe. Oder es wird mal spontan ein Meeting einberufen,
dass dann die erste Unterrichtsstunde lang dauert. Noch lustiger wird es aber
nach den Ferien, zu Beginn des neuen Trimesters. Die ersten Tage wird erst mal
die Schule geputzt und die Schüler trudeln so nach und nach ein. Genau wie die
Lehrer. In einer Klasse waren z.B. von 25 Schülern am ersten Tag nach den Ferien
tatsächlich 5 anwesend. Nach vielleicht einer guten Woche sind dann die meisten
Schüler und sogar die meisten Lehrer wieder da und es kann weiter gehen. Außer
es ist gerade kurz vor dem Don Bosco Feast Day. Der Feiertag an dem Don Boco
heilig gesprochen wurde (31. Januar) und wichtigster Feiertag für die Salesianer
im Jahr. Dieses Jahr wurde das Girls-Hostel geweiht dazu kamen der Bischoff und
ein paar Ehrengäste zu Besuch. Dass an diesem Tag alles glatt läuft muss man
natürlich auch eine Generalprobe mit Schulband, allen Schülern und Lehrern
veranstalten und das natürlich auch (für mich völlig überraschend) am Donnerstag
während der Schulzeit. Damit nicht zu viel Unterricht ausfällt fand dann
tatsächlich zwischendrin mal eine Stunde statt und danach würde der Gottesdienst
das zweite mal durchgespielt. Da auch nach der Mittagspause die Band
weiterspielte und auf meine Frage ob es heute noch mit Unterricht weiter gehe
mit „Nein“ geantwortet wurde, wollte ich mich dann nach Ashaiman auf den Weg zur
Post machen, als danndoch noch die Schulglocke geläutet wurde und das für Lehrer
und Schüler überraschend hieß: Ach der Unterricht geht ja doch weiter. Also
Unterlagen geholt und 2 Stunden Unterricht in Auto 1, bei denen die eine Hälfte
den Kopf öfter auf dem Tisch hatte, als Richtung Tafel. „Sir we are all tired.“
Na gut, dann wiederholen wir das Zeug nächste Woche nochmal und wenn ihr
halbwegs aufpasst hören wir 10 Minuten früher auf. Darauf kommt’s jetzt auch
nicht mehr an.
Tea-Meeting & Meeting Miss
Ghana
Nachdem der Don Bosco Feast Day und das Tea-Meeting
bereits erwähnt wurden, möchte ich gleit nahtlos daran anknüpfen. Die
Tea-Meetings finden immer Mittwochs um 11 Uhr statt und dauern in der Regel bis
kurz vor 1 Uhr. Beim Tea-Meeting werden Dinge angesprochen wie der Schulbus der
unbedingt benötigt wird, wann das nächste PTA
(Parents-Teacher-Association)-Meeting ansteht und die letzten Tea-Meetings
standen ganz im Zeichen des Don Bosco Feast Days. Da das Computer-Department
meist nicht betroffen ist, ich in keinem dieser wichtigen Gremien sitze und der
Schulbus erst ein paar Jahre nachdem ich wieder in Deutschland bin kommen wird,
habe ich meist nicht viel zu sagen. Die letzten paar Wochen stand das
Tea-Meeting ganz im Zeichen des Don-Bosco-Feast-Days und es wurde 30 Minuten
beratschlagt wo sich der Bischoff umziehen könne, wo die VIPs und wo die VVIPs
(Very, Very Important Persons) und wo die Invited Guests und wo die Schuler
sitzen sollen und wer Chairperson des Ganzen ist und wer in welchem „Comity“ ist
und was die Aufgaben des einzelnen Comitys seien. Eine der VVIPs war Miss Ghana
2004, die damals den Bau des Girls Hostels massiv unterstützt hat und die Frage
war ob sie kommen könne. Nachdem dann das 10te Comity abgehandelt wurde, habe
ich mich dann zum ersten mal zu Wort gemeldet und gefragt ob ich „Vorsitzender
des Comitys zur Unterhaltung von Miss Ghana“ sein könne, woraufhin alle zu
lachen begannen. Das ganze wurde dann von Father Blamoh beim nächsten Meeting
wieder aufgegriffen und hat sich seither zu einem Running-Gag entwickelt. Um es
kurz zu machen Miss Ghana 2004 war leider zu dem Zeitpunkt in England, hat als
Vertretung allerdings Miss Ghana 2005 geschickt.
Ich und Miss Ghana 2005: http://i39.tinypic.com/2wg7q6s.jpg
Wir haben uns super verstanden: http://i43.tinypic.com/2ngcv40.jpg
Don Bosco
Feast Day
Der Don-Bosco-Feast-Day umfasste 3 Programmpunkte:
Einen Gottesdienst mit dem Bischoff, die anschließende Segnung des Girls-Hostels
und die Ubergabe der Zeugnisse für die Abschlussklassen des letzten Jahres.
Unser Bischof Charles –Erzbischof von Accra, den ich schon am 26. Dezember beim
„Treffen für die religiösen Co-Worker“ getroffen habe, war auch dieses mal
wieder gut drauf. Er hielt eine ziemlich offen/direkte Predigt in der er davon
sprach dass Jesus die Menschen mit einer Schafherde und nicht mit einer
Zigenherde vergleicht. Der Unterschied sei, dass bei der Schafherde der Schäfer
voran geht und die Schafe folgen und bei der Ziegenherde die Ziegen vom Schäfer
getrieben werden müssen. Und einige Schüler seien wie Ziegen. Als er dann eine
kurze Improvisation gab, wie sich eine Ziege für schlau hält und durch die
Gegend hüpft, hatte er das Publikum endgültig für sich gewonnen. Gerade hier in
Ghana gehören Ziegen-, Schaf- und Kuhherden zum Alltag. Passend dazu bekam der
Bischof auch eine Ziege als Gastgeschenk. Nach dem Gottesdienst durfte der
Bischoff zusammen mit Miss Ghana und weiteren Ehrengästen das Band
durchschneiden und das Gebäude weihen. Anschließend ging es mit dem dritten
Tagesordnungspunkt, der Graduation -Zeugnisübergabe. Nach diesen Punkten gab es
natürlich laute Musik und ich musste feststellen, dass ich nicht zu den VVIPs
zähle, sondern nur zum „gewöhnlichen Staff“ –der sein Essen nicht im Provincial
House, sondern beim Girls Hostel bekam. Die FCPs hatten es da besser. 2
Abgesandte des FCPs waren VVIPs, (wer VVIP und wer Invited Guest war, durften
die unter sich ausmachen) so durfte ich dann mit Hannah und Katharina im Girls
Hostel essen.
Der Bischof segnet Girlshostel: http://i41.tinypic.com/6jd7q1.jpg
Bishof Gabriel Charles Palmer Buckle: http://i41.tinypic.com/28me4ue.jpg
Girls Hostel: http://i40.tinypic.com/2yyqgt5.jpg
Eine
ghanaische Verlobung
Direkt danach ging es dann für mich weiter zu einer
ghanaischen Verlobungsfeier. Dazu wurde ich von einem Lehrer –Chief Corsah,
eingeladen. Die Feier fand ca. 500 Meter von der Schule entfernt statt und ich
war nach dem Essen im Girls Hostel ein klein wenig spät dran und somit einer der
ersten Gäste. Bei einer ghanaischen Engagement-Feier gibt es ein paar Dinge die
man relativ schnell merkt: Wie üblich ist so gut wie niemand pünktlich, es
klingelt alle 5 Minuten irgendein Handy mit einem schrecklichen Klingelton, das
meiste läuft auf Twi ab und mein Twi beschränkt sich auf ein paar wichtige Sätze
und zu guter Letzt: Man kann sich definitiv 2 Stunden lang mit dem Bändel einer
Digitalkamera beschäftigen, während man darauf wartet dass etwas passiert. Die
Verlobung selbst war dann ziemlich interessant. Zuerst stellen sich alle
Anwesenden vor, dann werden die Geschenke vom Paar entgegengenommen,
anschliesend wird sich die ewige Treue versprochen, es werden die Ringe
ausgetauscht und zum Schluss bekommt das Paar von beiden Familien gute
Ratschläge auf den Weg. Nach dem offiziellen Teil gibt es dann noch Getränke und
was zu essen und ich hatte Gelegenheit mich mit den Familien zu unterhalten. Der
Vater der Braut fliegt in ein paar Monaten nach Deutschland und das Paar kommt
aus völlig verschiedenen Regionen und hat sich kennengelernt, nachdem er sie mit
dem Auto mitgenommen hat.
Engagement:
http://i40.tinypic.com/dgts04.jpg
Eine Nacht
mit Malaria
Püntklich zum neuen Newsletter habe ich jetzt zum
sechsten Mal Malaria bekommen und wieder ein neues Medikament genommen. Wer
weiß, wenn die Malariaerreger gegen alle Medikamente resistent werden, wird
vielleicht bald eine neue Malariaart nach mir benannt. Jedenfalls hat Malaria
nicht nur den Nachteil dass man einen Mangel an roten Blutkörperchen bekommt
(Mittlerweile ist mein HB Wert wieder im grünen Bereich) und die ganze Zeit
einfach nur Müde ist, Kopfschmerzen bekommt und einem die ganze Zeit schlecht
ist, sondern auch, dass man nicht oder nur sehr leicht schlafen kann.
(Wahnvorstellungen, Gliederschmerzen und Fieber hatte ich glücklicherweise
nicht) Aber auch eine Nacht mit leichtem Schlaf ist in Ghana interessant.
Eingeleitet wird die Nacht vom Arschlochvogel. Der wissenschaftliche Name des
Vogels ist mir leider nicht bekannt, ich weiß nicht mal wie er aussieht. Ich
weiß nur dass er jede Nacht am Wasserturm vorbei fliegt und über mehrere Minuten
wahnsinnig laut schreit. Teilweise auch über eine halbe Stunde hinweg. Nachdem
man den Vogel ausreichend verflucht hat und sich wieder schlafen legt, wird man
dann von lauten Schüssen und Hundegebell geweckt. Nachdem sich dann nach einigen
Minuten der Herzschlag wieder beruhigt hat und man sich die Frage stellt: Habe
ich das Vorhängeschloss am Wasserturm zugemacht? –Gut kann man wieder ein paar
Stunden schlafen bis der Muhezin einer benachbarten Moschee wach wird und mit
seinen Kollegen „Allah Akhubar“ um die Wette singt. Mit ihrem Gesangstalent
würden die Jungs zwar bei DSDS auch nicht besser abschneiden als der
Arschlochvogel, das hintert sie aber nicht daran sogar noch länger zu singen als
der Vogel. Richtig nett wird es über die Nacht aber erst dann, wenn sich
zufällig Moskitos in das Moskitonetz verirrt haben und immer wieder mit einem
Sssssst direkt am Ohr vorbei fliegen. Um kurz nach halb 5 hatte ich dann genug
und habe das Licht angemacht und mich auf Moskitojagd begeben und insgesamt 6
Stück erlegt. (Am nächsten Tag habe ich dann ein Stück Draht besorgt und den
Eingang besser gesichert) Nicht zu unterschätzen ist dann auch der ghanaische
Verkehr. Die beliebteste und universelle Kommunikationsmöglichkeit ist nämlich
die Hupe. Zum Überholen, von Taxi- und Trotro-Fahrern als Zeichen, dass man noch
einen Platz frei hat oder einfach wenn man um eine Kurve oder über eine Kuppe
fährt und Angst vor Gegenverkehr hat. Aber zumindest bin ich seit ein paar
Wochen die Trot-Tro-Station mit ihren Lautsprechern los. Falls man dann auch
noch richtig Pech hat gibt es dazu noch krähende Hähne, Gottesdienste bis spät
in die Nacht oder einfach nur laute Musik. In einem solchen Fall bereut man es
dann richtig, dass man als Lehrer leider nicht während seines eigenen
Unterrichts schlafen kann.
Es wird Nacht im Wasserturm: http://i40.tinypic.com/259yas1.jpg
By By
Johannes
Der aufmerksame Leser fragt sich jetzt sicher wie ich
die Tro-Tro-Station losgeworden bin. Die Antwort hat nichts mit einem
nächtlichen Ausflug, einer Schere und einer Leiter zu tun, sondern damit dass
ich im Januar in den Wasserturm umgezogen bin. Ende Januar hat sich mein
Mitvoluntär Johannes auf den Heimweg richtig Deutschland gemacht, wo er (laut
letzter E-Mail) friert wie ein Schneider. Johannes kam bekanntlich einen Monat
vor mir an und blieb für 6 Monate hier in Ghana. In dieser Zeit hat er in
Tema-New-Town als Lehrer gearbeitet und ich muss sagen, ich bin echt froh dass
er hier war. Johannes hat mir ziemlich geholfen mich hier in Ghana einzuleben
und die gemeinsamen Abende im Drinking Spot oder wenn wir gemeinsam auf dem
Laptop DVDs angeschaut haben, oder unsere Unterhaltungen beim Frühstück werden
mir fehlen. Die letzten Wochen kamen seine Eltern zu besuch und er ist mit ihnen
ein bisschen durch’s Land getourt. Die Tage vor seinem Abflug waren Johannes,
Brother Michael, Brother Günter und ich dann noch beim Chinesen, bevor wir uns
mit einem letzten Star am Flughafen von ihm verabschiedet haben. 2 Tage später
bin ich dann in den Water-Tower gezogen, der erst mal ordentlich geputzt wurde
und dann von mir ein bisschen umgeräumt wurde. Dank des Harmatans ist aber
sowieso alles schon wieder staubig. Der Harmatan sorgt dafür dass jetzt während
der Trockenzeit die Nächte kühler sind und der feine rote Wüstenstaub überall
rein kommt. So könnte man eigentlich jeden Tag putzen und am nächsten Tag ist
alles wieder mit einer Staubschicht überzogen. Deswegen wische ich nur die
wichtigsten Dinge ab und warte für den Rest bis der Harmatan wieder vorbei ist.
Johannes: http://i41.tinypic.com/4jukud.jpg
The new Water Tower:
So sieht’s aus wenn ihr rein kommt: http://i39.tinypic.com/2v2tz4h.jpg
Bett (jetzt Moskitosicher) und Sitzecke: http://i41.tinypic.com/dpxzrm.jpg
Hier geht’s wieder raus: http://i40.tinypic.com/a3la8j.jpg
Kirche,
Predigt und mehr
Seit ich hier in Ghana bin ist nicht nur meine
Einstellung zu Spenden, sondern auch zur Religion etwas kritischer geworden.
Während man in Deutschland als Christ brav seine Kirchensteuern bezahlt und es
egal ist was man am Sonntag in den Klingelbeutet wirft und auch sonst keiner
Geld von einem will, ist die Beziehung zwischen Religion und Geld in Ghana eine
etwas andere. Der fairness halber muss man dazu sagen, dass es in Ghana keine
Kirchensteuer gibt und auch niemand gezwungen wird etwas zu bezahlen. Wenn man
dann allerdings hört dass die jährlichen Beiträge von der Diezöse Accra auf 6
Cedi für Erwachsene, 4 Cedi für Jugendliche und 2 Cedi für Kinder erhöht werden
und Geld für die Taufe, Erstkommunion, Firmung und Ehe verlangt wird, fragt man
sich doch, ob dann z.B. eine arme Familie ihr Kind eben nicht taufen lässt. Wenn
ein paar Cedi teilweise schon zu viel sind um ein Kind krankenversichern zu
lassen. So kommt man dem erklaerten Ziel des Bischofs mehr Menschen zum
katholischen Glauben zu bringen nicht wirklich naeher. Auch die verschiedenen
Harvests (Youth-Harvest, Men-Harvest, Women-Harvest und wenn einem nichts mehr
einfaellt General-Harvest) mehrstuendige Versteigerungen, bei denen der
High-Table mit den finanzkraeftigsten Gemeindemitglieder, gegen die Gemeinde
z.B. um ein Glas Wasser bietet. „12 Cedi vom High-Table fuer ein Glas Wasser –Ah
15 Cedi aus der Gemeinde“, sind nicht wirklich mein Ding. Abgesehen davon, dass
der Gottesdienst dann statt drei sagenhafte 5 Stunden dauert. Und ebenfalls sehr
beliebt sind eine zweite und dritte Collection, bei der fuer einen anderen Zweck
einfach nochmal gesammelt wird. Waehrend in Deutschland vermutlich jeder einfach
zweimal die Haelfte gibt, kommt so in Ghana tatsaechlich deutlich mehr Geld
zusammen. Mit Sicherheit wird das Geld fuer viele sinnvolle Dinge eingesetzt, um
den Armen zu Helfen oder eine neue Kirche zu bauen. Aber das Geld das mit dem
Ablasshandel verdient wurde, wurde ja auch eingesetzt um den Petersdom zu bauen.
Und bisher wollte so ziemlich jeder Pfarrer, egal wo in Ghana, den ich getroffen
habe eine Kirche oder eine Mulitpurpose-Hall bauen. Liegt denen wohl im Blut.
Zum Schluss noch eine kleine Anekdote, denn manchmal hat der Zufall auch einen
feinen Sinn fuer Ironie, wenn während Father Blamoh beim Assembly darauf
hinweist, dass Handys für Schüler verboten sind und jetzt die Taschen durchsucht
werden, im selben Moment sein eigenes Handy klingelt.
Vegetarier
in Ghana
Seit 2ten Februar bin ich seit 12 Jahren Vegetarier.
Grund genug den vegetarischen Alltag in Ghana einmal zu beschreiben. Während es
hier in der Küche keine Probleme gibt und die Köchin Sharon mein Essen ohne
Fisch und Fleisch einfach separat kocht, wird es unterwegs, wenn man eigeladen
ist, in der Chop Bar und z.B. bei der Eröffnung des Girls Hostels schon etwas
schwieriger. Mein Lieblingsdialog spielt sich in der Regel so ab:
Ich: „Is there meat or fish in
it?“
A: “You want
meat or fish?”
Ich: “No,
no. No meat! No
fish!”
A: „You want
chicken?“
Ich: „No! No fish!
No chicken! No meat!“
A: „You want
fish?“
Ich: „No! I don’t
eat fish or meat!“
A: „You want rice?“ (Anm: Es gibt auch fried rice und
da ist z.B. manchmal Hühnchen drin.)
Ich: „Is it
prepared with meat?“
A: “You want
meat?”
Ich: “Arguagaha. Forget it. I take plain rice and
salad.”
Gelegentlich bekommt man dann tatsächlich etwas zu
essen und kann schauen ob z.B. Fleisch oder Wurst im Salat ist oder ob der Reis
ohne Fleischstücke ist. Bei der Girlshostel-Eröffnung gab es dann für mich
normalen Reis mit baked Beans aus der Dose und Salat, am Folgetag gab es essen
von der Parish. In weiser Voraussicht habe ich mir Reis und eine Dose baked
Beans eingepackt, die ich am Ende auch gegessen habe, nachdem sogar im Salat
englisches Dosen-Rindfleisch war. Aber bei meinem letzten Arztbesuch habe ich in
Accra ein vegetarisches Restaurant entdeckt, das Jah sei dank, ziemlich gut
besucht ist (die meisten Rastas sind Vegetarier) und noch dazu wahnsinnig gut.
Dort wurde auf meine Frage: „There is no meat or fish inside?“ zum ersten mal
geantwortet: „No meat, no fish, no egg!“ Und mit 3,50 Cedi für den Teller auch
ziemlich günstig. Da schaue ich gern mal wieder vorbei.
Halbjahresbilanz –Die neue Entdeckung der
Gelassenheit
Da ich
am 15ten Februar genau ein halbes Jahr hier in Ghana bin ist es zum Abschluss
des Newsletters Zeit für eine kurze Halbzeitbilanz. Nachdem ich am Anfang
hochmotiviert mit der Unterrichtsvorbereitung angefangen habe und mich über
meine jetzt 16 Stunden richtig gefreut habe, bzw. sogar noch mehr genommen
hätte, kamen dann mit Beginn der Schule gleich die ersten Ernüchterungen. Die
sauber vorbereiteten Unterrichtsstunden mit: Da mache ich eine Präsentation, da
zeige ich das am Projektor, dann verteile ich diese Kopie usw. wurden relativ
früh zunichte gemacht. Mal ist der Computerraum von einer anderen Klasse
besetzt, dann anderer Computerraum ohne Projektor. Hier funktioniert der
USB-Stick nicht, dort fährt die Hälfte der Computer nicht hoch, dann die
Probleme mit den Kopien. (Die eine Hälfte der Schuler haben noch immer nicht
bezahlt. Und auch keine Kopien bekommen.) Dazu kam, dass immer mal wieder
Stunden ausfallen oder eben dass man Malaria hat und trotz aller Vorbereitungen
mit Ersatzlehrer usw. der Unterricht doch ausfällt und die Schüler nicht
wussten, dass ich wegen Malaria eine Woche ausfalle usw. Und nicht zuletzt die
Geschichte mit den überraschenden Meetings und sonstigen Veranstaltungen und die
teils schlafenden und uninteressierten Schüler. Nach einigen Monaten bin ich
jetzt etwas lockerer geworden und habe gelernt die Dinge etwas langsamer angehen
zu lassen. Die Hälfte die für die Kopien bezahlt hat bekommt die Kopien, wer
schläft wird mit einer lauten Glocke oder einen auf den Tisch knallenden
Holzbrett aufgeweckt und wer nach 5 Minuten weiter schläft, steht eben auf. Mein
Unterricht findet nicht mehr ständig im Computerraum statt, sondern die erste
Hälfte im Klassenzimmer, wo ich, ohne dass die Schüler Kartenspiele am PC
spielen können, erst mal alles an der Tafel erkläre, bevor ich es ihnen dann im
Computerraum am Projektor zeige und es sie dann selbst machen lasse. Auch habe
ich kein bestimmtes Ziel mehr während dem Unterricht, wie z.B. ich muss Seite
16-18 schaffen, sondern schaue einfach wie weit ich während der Stunde komme und
wenn etwas wiederholt werden muss, dann wird es eben wiederholt. Und wenn eine
Unterrichtsstunde ausfällt und ich das nicht ändern kann, dann kommt das Thema
eben nächste Woche dran. Genauso wie man eben bei einem Stromausfall, kurz etwas
improvisiert. Oder wenn die Klasse mal eine viertel Stunde brüllt, dann brüllt
sie eben 15 Minuten. Und wenn jemand ein Stück Kreide in den Ventilator wirft,
um mich zu provozieren oder während dem Unterricht ein Kartenspiel aufruft, dann
haben wir, je nach Schwere der „Tat“ einen kurzen Besuch bei Father Blamoh, oder
eine frisch geputzte Voluntärsküche. Ein halbes Jahr auf der anderen Seite des
Klassenzimmers prägt und ich bin mittlerweile Verfechter vieler Regeln geworden,
die ich früher selbst für sinnlos gehalten habe. Und meine alten Lehrer tun mir
teilweise leid.
Alles Liebe nach Deutschland und besondere
Glückwünsche an die beiden Geburtstagskinder: Meine Mum und meinen Dad.
Daniel
PS: Wer mich nicht in Ghana besuchen kann, kann
zumindest zum Afrikafestival in meine alte Heimat Böblingen / Sindelfingen gehen
und sich dort was Afrikanisches anschauen: Freitag 31.07. bis Sonntag, 02.08.09.
Mehr Infos: http://www.afrikafestival-boeblingen.de/
Herzlich willkommen zum ersten Ghana Newsletter im
Neuen Jahr. Und 2009 hat genausogut angefangen, wie das alte Jahr geendet hat:
Nämlich mit Urlaub. Während in Bayern gerade die Fachärzte streiken und eisige
Minusgrade herrschen haben wir in Ghana um die 30 Grad Plus und Montag gingen
die Weihnachtsferien mehr oder weniger zu Ende.
Oh come let us adore him-
Weihnachten in
Die drei Weihnachtstage habe ich in der
salesianischen Gemeinschaft verbracht und war, wie in Ghana üblich, die meiste
Zeit in der Kirche. Am 24. Dezember war Christmette, die um 8 Uhr Abends
angefangen hat und irgendwann kurz nach Mitternacht zu Ende ging. Die erste
Stunde wurde eigentlich nur getanzt, danach gab es ein paar Geschichten aus der
Bibel über schwangere Frauen. Natürlich durfte auch die Krippe nicht fehlen und
die Kirche war richtig schön mit bunten Tüchern und Luftballons geschmückt.
Kirche in Ghana macht aber auch richtig Spaß. Man nutzt die Lieder um zu tanzen
und zu feiern, man trifft sich in der Kirche um sich vorher und danach zu
unterhalten und hat eine Menge Spaß. Anschließend trafen wir uns noch auf ein
paar Getränke im Community House, bevor wir uns dann zum Schlafen verabschiedet
haben. Am 25igsten ging es dann um 9 Uhr mit dem Gottesdienst weiter. Am
26igsten gab es dann ein Treffen aller katholischen Organisationen in Accra im
Garten des Erzbischoffs von Accra. Auch dort natürlich ein kurzer Gottesdienst
gefolgt von Musik und Buffet. Neben Johannes und mir war noch eine
österreichische Voluntärin Johanna dabei, mit der ich mich dann den Nachmittag
über unterhalten habe. Ansonsten gibt es an Weihnachten in Ghana nur zwei
Besonderheiten: Die geschmacklosesten Plastiktannenbäume und Lichterketten der
Welt und viele Menschen verkleiden sich und laufen in ihren Kostümen durch die
Straßen.
Am 25igsten in der Kirche: http://i40.tinypic.com/2e0r9tw.jpg
Silvester
in der Green Turtle Lodge
Am 27igsten habe ich mich dann auf meinen Weg zur
Green Turtle Lodge gemacht, wo ich mich zwischen den Jahren ein wenig erholt
habe. Ich kam am 29gisten Dezember zeitgleich mit 3 unserer österreichischen
Voluntäre (Ludwig, Maria und Lisa) an und so konnten wir gemeinsam auf das neue
Jahr anstoßen. Zeitgleich waren noch einige Weltwärsvoluntäre in der Green
Turtle Lodge, die ich schon vom Weltwärtstreffen kannte. Pünktlich um
Mitternacht gab es dann ein paar kleine Raketen und ein großes Lagerfeuer am
Strand. Dort haben wir dann auch eine Flasche Sekt geköpft, das Feuer betrachtet
und uns gemütlich unterhalten.
Feuer: http://i42.tinypic.com/30a969y.jpg
Cape Coast
Castle Part II
Bevor ich bei der Green Turtle Lodge angekommen bin,
habe ich noch einen Tag und eine Nacht in Cape Coast verbracht. Neben dem
Castle, bei dem ich diesmal auch das komplette Museum besichtigen konnte und
noch eine Führung mitgemacht habe, habe ich diesmal auch die beiden Forts, ein
paar hundert Meter entfernt, stragisch günstig auf 2 Bergen gelegen, betrachtet.
Fort Williams und Fort Viktoria. Das eine Fort ist komplett verlassen und kann
nur über einen Trampelpfad durch den Wald besichtigt werden, das andere ist von
zahlreichen Menschen bewohnt, die ihre Kleidung zwischen den Kanonen zum
Trocknen aufgehängt haben und mir für einen Cedi gerne den Turm zeigten. Beim
unbewohnten Fort war ich wahnsinnig dankbar dafür, dass mich ein Ghanaer
begleitet hat. Ansonsten hätte ich wohl gar nicht erst hingefunden und allein
als Weißer an einer Gruppe mit 15 betrunkenen Jugendlichen mitten in der
Wildnis, mit einer Digitalkamera und ein bisschen Bargeld in den Taschen
vorbeizulaufen ist wohl auch keine gute Idee.
In einem der beiden Forts: http://i42.tinypic.com/211scnd.jpg
Are you afraid of the dark?
Am selben Abend habe ich mich mit ein paar anderen
Voluntären aus Deutschland, die zufällig auch gerade in Cape Coast waren, in
einem Restaurant mit Livemusik, getroffen. An der Bar habe ich dann einen
Ghanaer -Charlie getroffen, der seit einigen Jahren in Deutschland lebt und
einmal im Jahr nach Ghana kommt um seine Familie zu besuchen. Nach meinen
bisherigen Erfahrungen in Ghana war es interessant zu hören, dass selbst ihn
nach ein paar Jahren in Deutschland, ein paar Dinge in Ghana stören. Die drei Dinge die er mir genannt hat,
hätte ich auch sofort unterschreiben können. Zum einen genießt er die Stille,
dass man einfach mal für ein paar Stunden Ruhe hat, dann freut er sich darauf
eine Diskussion mit rationellen Argumenten führen zu können. (Später mehr zum
Themag ghanaisches Diskutieren) Und auch die ghanaische Arbeitsweise kann ihn
manchmal in den Wahnsinn treiben. Wenn z.B. die Schrauben beim Fliegengitter von
den Arbeitern nicht hineingeschraubt, sonden hineingehämmert werden und es dann
heißt: „Was willst du denn, hält doch“ bzw. „dass die Schraube ein bisschen
krumm ist macht doch nichts“. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man weiss dass noch
jemand so denkt. Im weiteren Verlauf des Abends habe ich dann einen Ghanaer
getroffen, der in Deutschland bei Afrika-Afrika auftritt. Er ist immer für ein
halbes Jahr in Deutschland und hat dann ein halbes Jahr frei. An diesem Abend
ist er mit seiner Feuershow dort aufgetreten und hat mich gefragt ob ich ihm 5
Cedi leihen könne. Er werde gleich nach seinem Aftritt bezahlt. Ich war
natürlich so blöd. Nach seinem Auftritt hieß es dann, er werde nach dem Konzert
bezahlt. Um 2 Uhr Nachts habe ich dann die Hoffnung aufgeben und bin zurück zum
Hotel. So langsam habe ich jetzt aber gelernt wann ein „Ja“ heißt: „Ich kümmere
mich wirklich darum“ und wann es heißt: „Ich sag zwar mal ja, aber ich mache
einfach gar nichts.“ Die beiden anderen Deutschen haben leider beschlossen um 2
noch in einen Club zu gehen und somit musste ich dann den knappen Kilometer
allein zum Hotel laufen. Selbst um 2 Uhr nachts ist in Ghana immer noch etwas
los. Nachdem ich vielleicht 200 Meter mit einem muligen Gefühl an einer Gruppe
Jugendlicher vorbei gelaufen bin und an einigen Menschen die in eine Decke
eingewickelt bei Hauseingängen schlafen, war ich dann gottfroh, dass gerade ein
Taxi vorbeigefahren ist und mich für 2 Cedi zum Hotel gebracht hat. Tagsüber
fühle ich mich in Ghana allein fast immer sicher, nachts habe ich aber allein
wirklich ein ungutes Gefühl.
Cape Coast von oben: http://i43.tinypic.com/2q1ba89.jpg
6 Tage
Kreuzzug
Seit ich hier in Ghana bin, wundert es mich nicht
mehr dass der Weltrekord im Dauerreden von einem Afrikaner aufgestellt wurde. Im
Trotro bekommt man in schöner Regelmäßigkeit Verkäufer die bspw. igendwelche
Tabletten anbieten und einen, in bester Teleshopping-Manier, von der Wirkung
dieser Medikamente überzeugen. Wer gerade sonst nichts zu verkaufen hat,
verkauft eben Jesus. Mal schnell zwei Bibelstellen mit auswendig gelernt und
schon kann man eine leidenschaftliche einstündige Predigt im Trotro halten, dazu
ein paar Amen und wird von den einheimischen Fahrgästen mit einer Spende
belohnt. Auch eine normale Predigt in der Kirche dauert mindestens eine
dreiviertel Stunde. Noch professioneller sind aber die 3- bzw. 6-day-Crussades.
Die Ausstattung erinnert stark an ein Open-Air-Konzert: Mit überdachter Bühne,
Videoleinwänden, Bestuhlung, Rednerpult und Chor, können sich Gastpfarrer dann
an 6 Abenden über mehrere Stunden hinweg richtig austoben und leidenschaftliche
Predigten halten. Da AC/DC und die meisten anderen Bands leider nur auf Europa-
und Amerikatournee nicht aber auf Afrikatourne gehen, sind diese Veranstaltungen
bei vielen Ghanaern sehr beliebt und immer gut besucht. Richtig lustig wird es
aber erst wenn zwei Ghanaer miteinander diskutieren. Da wird dann zuerst
leidenschaftlich eine halbe Stunde der eigene Standpunkt erklärt. Dann erklärt
der zweite eine halbe Stunde: „I think what you mean is that....“ Woraufhin der erste meint: “That’s a good point, but what I wanted to say is
that…”. Einmal
habe ich mich mit einem Ghanaer auf die Diskussion eingelassen, ob ein
Erziehungssystem ohne Gott funktionieren kann. Sein Punkt war, dass es nicht
möglich ist mit der Begründung: „Wenn du mir ein Glas Wasser anbietest und
sagst, du bietest es mir an, weil du mich magst, dann glaube ich dir nicht. Wenn
du aber sagst: <Ich glaube an Gott und biete dir dieses Glas Wasser an, weil
ich dich mag.> Dann glaube ich dir.“ Nach einer halben Stunde in der
mindestens 10 mal das Glas Wasser erwähnt wurde, habe ich dann aufgegeben und
wir haben uns darauf geeinigt, dass es in Europa funktionieren kann, nicht aber
in Afrika. Wie mir Charlie erklärt hat, diskutiert man in Afrika nicht rational,
sondern emotinal. Was es umso schwerer macht mit jemandem zu diskutieren und ihn
inhaltlich zu kritisieren ohne ihn tödlich zu beleidigen. Allgemein ist das
Leben in Afrika viel offener und emotinaler als in Deutschland. Natürlich mit
allen Emationen: „Freude, Hilfsbereitschaft aber auch Wut und Beleidigt sein.“
Deswegen wird in nigerianischen Filmen auch in jedem zweiten Satz geschrien und
mit Händen und Füßen diskutiert. Man findet aber auch nach 2 Minuten einen
Freund für’s Leben.
Drei Tage Kreuzzug: http://i40.tinypic.com/2a0glkp.jpg
El
Mina
Nach Cape Coast Castle habe ich mir am übernächsten
Tag El Mina Castle angeschaut. El Mina ist die erste europäische Festung in
Ghana und sogar ganz Schwarzafrika. Sie wurde 1482 von den Portugiesen erbaut
und gut 150 Jahre später von den Holländern erobert. Nach 5 gescheiterten
Versuchen. Ähnlich wie in Cape Coast wurde mit der lokalen Bevölkerung
kooperiert und die meisten Sklaven wurden nicht von den Europäern gefangen,
sondern von anderen Afrikanern gefangen und dorthin gebracht. Z.B. von
verfeindeten Stämmen. Tatsächlich gab es ein Verbot für die Versklavung von
Menschen im Umkreis von 50 Kilometern. In El Mina Castle befinden sich zwei der
ältesten noch existierenden Kirchen Ghanas. Eine portugiesische und eine
niederländische.
El Mina I: http://i42.tinypic.com/347dv8g.jpg
El Mina II:
http://tinypic.com/view.php?pic=vh6yq8&s=5
Kakum
Nationalpark
Früh morgens bin ich mit dem Trotro von Cape Coast
zum Kakum-Nationalpark gefahren. Der riesige Nationalpark ist mitten im
Regenwald und hat zwei Hauptatriaktionen. Den Canopy Walkway, eine teilweise
über 40 Meter hohe Hängebrücke über und den Spaziergang durch den Urwald. Aus 40
Meter Höhe auf den Urwald hinunterzublicken ist echt ein phantastisches Gefühl.
Die wackelige Hängebrücke besteht aus vertikal verlegten Leitern die mit
Holzböden versehen werden, ist aber absolut sicher. Bei meinem späteren
einstündigen Spaziergang durch den Regenwald habe ich einige Bäume gesehen, eine
schwarze Mamba die sich zwei Meter vor uns über den Weg geschlängelt hat und
eine große Spinne. Ansonsten war der Wald leider zu dicht um andere Tiere zu
sehen. Unter anderem gibt es dort auch Affen und sogar Waldelefanten. Die Affen
habe ich aber nur gehört. Am Abend habe ich dann nochmal einen geführten
Nachtspaziergang gemacht. Anschließend ging es in meine bequeme
Urwaldunterkunft.
Der Urwald von Kakum: http://i41.tinypic.com/35kii2p.jpg
Der Walkway: http://i39.tinypic.com/23uv1tu.jpg
Der Walkway und ich: http://i39.tinypic.com/1huq1j.jpg
Hoffentlich klauen mir die Affen die Schuhe nicht
-Eine Nacht allein im Urwald
Eine Besonderheit in Kakum ist, dass man eine Nacht
im Dschungel verbringen kann. Soweit ich das verstanden habe, sollte man
eigentlich von einem Guide begleitet werden, der hat sich aber nicht daran
erinnert. So durfte ich den 10 Minuten Fußweg in den Urwald alleine gehen, bis
zu einem Platz mit einem kleinen Holzboden und einem Wellblechdach. (Ein
bisschen wie ein Carport) Dort befinden sich zwei Matratzen und ein aufgehängtes
Moskitonetz. Knapp 100 Meter weiter gibt es sogar eine Toilette und zwei
Duschen, ansonsten liegt der Platz aber mitten im Urwald. Dass ich gerade meine
5te Malaria hatte (und man bei Malaria gelegentlich Wahnvorstellungen bekommt)
macht die Sache nicht unbedingt besser aber zumindest interessanter. Das
Moskitonetz ging auch nicht ganz auf allen 4 Seiten um die Matratze und ich habe
stark gehofft, dass die schwarze Schlange nicht über 2 Matratzen springen kann
und mich in der Nacht besuchen kommt. Irgendwann bin ich dann aufgewacht und
habe gespürt dass eine große Spinne auf meiner Brust sitzt. Ich habe sie mit
einer Handbewegung weggewischt und als ich dann endlich die Taschenlampe
gefunden habe, war keine Spinne mehr da. Vielleicht hab ich mir das aber auch
nur eingebildet. Abgesehen davon war es ein wirklich schönes Erlebnis mitten in
der Wildnis mit den urwald-typischen Geräuschen im Hintergrund einzuschlafen.
Sonst habe ich erstaunlich gut geschlafen und hatte nur Angst dass mir die Affen
über Nacht die Schuhe klauen. (Die völlig ungeschützt neben der Matratze lagen.)
Die Affen haben sich aber darauf beschränkt um 5 Uhr morgens auf meinem
Wellblechdach herum zu turnen und Früchte darauf zu werfen. Als ich dann kurz
nach Sonnenaufgang aufgestanden bin, habe leider ich keinen mehr gesehen.
Nachdem ich kurz geduscht habe, habe ich dann einen halbstündigen Umweg zurück
zum Ausgang gemacht und bin weiter nach El-Mina.
Meine Unterkunft: http://i41.tinypic.com/nycl0j.jpg
Wo sind
die Affen (Ein Kanutrip durch die Mangrovenwälder)
Affen habe ich dann doch noch gesehen und zwar in den
Mangrovenwäldern bei der Green Turtle Lodge. Kurz nach 6 Uhr am Morgen ging es
von der Green Turtle Lodge zu einem Fluss und dann mit dem Kanu mitten in die
Mangrovenwälder. Dort gibt es Affen, Salamander, Krebse und alle möglichen
anderen Tiere. Die Affen kommen meistens nur Morgens kurz nach Sonnenaufgang zu
einer bestimmten Stelle in den Mangrovenwäldern, wo sie Früchte und kleine
Krebse essen. Wenn man viel Glück hat kommen sie auch nochmal zum Mittagessen
vorbei. Die Fahrt mit dem Kanu dauert ungefähr 2 Stunden und ist eine etwas
wacklige Angelegenheit. Was die Ghanaer aber nicht daran hindert auch ihre Kanus
völlig zu überladen. In unserem Fall mit Plastikstühlen und großen Lautsprechern
für eine Beerdigung. Mitten in den Mangrovenwäldern gibt es tatsächlich ein
kleines Dorf dass nur auf dem Wasserweg zu erreichen ist und dort gab es dann
auch tatsächlich am gleichen Tag eine Beerdigung. (Eine ghanaische Beerdigung
ist eine große Feier mit lauter Musik und jeder Menge Alkohol. Die meisten
Beerdigungen finden Samstags statt.) Die Affen haben sich davon nicht stören
lassen und sind tatsächlich durch die Mangrovenwälder geturnt. Auf dem Rückweg
haben wir dann noch zwei Affen von einem Baum über den Fluss auf die andere
Seite springen sehen. Leider waren sie aber, wie die Maus, zu schnell für ein
Foto. (Stattdessen gibt es aber gute Affenbilder aus
Mole.)
Alles im Lot auf dem Boot: http://i39.tinypic.com/bfkhso.jpg
Auf zur
Turtle-Jagd
Am Abend ging es dann zu einem Turtle-Night-Hike.
Einer gemütlichen Nachtwanderung am Strand. In den letzten Monate und in den
kommenden Monaten hat man dabei die Chance eine Schildkröte bei der Eiablage zu
beobachten. Das Ganze kann sich gute 1 ½ Stunden hinziehen und ist die einige
Gelegenheit die Schildkröten zu Gesicht zu bekommen. Den Rest der Zeit lebt
diese Schildkrötenart nämlich im Wasser. Die Männchen kommen überhaupt nicht an
Land. Den Turtle-Night-Hike kann man auch in der Green Turtle Lodge buchen und
man hat den Vorteil, dass der Guide die Nacht über patrolliert und ggf.
aufweckt, wenn er eine Schildkröte findet. Wir haten an diesem Abend leider kein
Glück.
Keine Schildkröten: http://i42.tinypic.com/33u6df9.jpg
Auf nach
Cape’3’Point
10 Kilometer von der Lodge entfernt befindet sich
Cape Three Point, das Kapp der drei Spitzen. Cape’3’Point ist der südlichste
Punkt Ghanas und man kann sich für 2 Cedi den dortigen Leuchtturm anschauen. Der
wurde bereits 1925 von den Engländern erbaut und ist heute noch in einem gutem
Zustand. Zusammen mit den 3 österreichischen Kollegen habe ich mich nach dem
Frühstück auf den Weg dorthin gemacht. Die Landschaft ist absolut traumhaft und
wir haben unterwegs für zahlreiche Fotos angehalten. Nach 3 Stunden kamen wir
dann beim Leuchtturm an, haben eine kurze Verschnaufpause gemacht uns mit dem
Leuchtturmwärter unterhalten und haben 3 deutsche aus Stuttgart getroffen, die
uns mit ihrem gemieteten Trotro mitgenommen haben.
Der Leuchtturm: http://i42.tinypic.com/24fbmzn.jpg
Der Wärter: http://i40.tinypic.com/2s9onx0.jpg
And the winner
is…
Am 3. Januar habe ich mich dann mit einer anderen deutschen
Voluntärin, Johanna, auf den Rückweg gemacht, die zufällig Jonathan in Ashaiman
besuchen wollte. Johanna arbeitet ebenfalls als Computerlehrerin, allerdings in
einer Taubstummenschule in der Nähe von Kumasi. Unterwegs haben wir dann das
Wahlergebnis der Präsidentenwahl erfahren. Nicht etwa über das Radio, sondern
über die zahlreichen NDC-Anhänger die in NDC-T-Shirts mit NDC-Regenschirmen (dem
Logo der Partei) und sogar mit einer Brass Band in fast allen Dörfern auf dem
Weg gefeiert haben. Am 28 Dezember waren die Stichwahlen zwischen der
Regierungspartei NPP mit ihrem Neuen Präsidentschaftskandidaten Nana Akufo-Addo
und der größten Oppositionspartei der NDC mit ihrem Kandidaten Prof. John Evans
Atta-Mills. Dieser hat sich am Ende mit 50.23 % im Run-off durchgesetzt.
Glücklicherweise verlief die Wahl friedlich und ohne größere Zwischenfälle. Nur
eine Wahlurne ist verschwunden und es gab eine handvoll Tote. Die befürchteten
Unruhen danach blieben aber aus. Am 7. Januar wurde Atta-Mills in Accra
vereidigt. Ich wünsche dem neuen Präsidenten alles Gute während seiner
vierjährigen Amtszeit.
Congratulations:
http://i41.tinypic.com/29ofrsp.jpg
Die
Moschee von Larabanga
Nachdem ich das Wochenende zuhause in Ashaiman
verbracht habe, ging es dann Dienstag zusammen mit Johanna weiter nach Mole. Die
Fahrt ins Landesinnere nach Tamale dauert mit dem Bus 12 Stunden, dann geht es
nochmal 3 Stunden über eine Dustroad nach Larabanga. Wir haben den STC-Bus um 3
Uhr Nachmittgs genommen, der dann um 4:30 Uhr losgefahren ist und um 4:30 Uhr
morgens in Tamale ankam. Anschließend ging es mit einem Bus um 5 Uhr morgens
weiter nach Larabanga, wo wir uns erstmal die älteste Moschee Ghanas mit einem
Guide angeschaut haben. Die Moschee wurde 1421 errichtet und gehört wie die
Sklavenburgen zum UNESCO Weltkulturerbe. Sie wird jedes Jahr neu gekalkt und
renoviert, da die starken Regenfällen während der Regenzeit den Lehmwänden stark
zusetzen. Leider kann man sie, ohne zum Islam zu konvertieren, nur von außen
anschauen.
Die Moschee: http://i40.tinypic.com/2el7bcn.jpg
Unser Guide und ich: http://i43.tinypic.com/bh0zft.jpg
Ein
magischer Stein und die Feuer-Taufe
Die zweite Sehenswürdigkeit von Larabanga ist ein
großer, magischer Stein. Dieser wurde einer Legende nach beiseite geräumt um
eine Straße zu errichten, kam dann aber auf magische Weise, über Nacht, wieder
an seinen ursprünglichen Ort zurück. Daraufhin wurde die Straße in einem Bogen
um den Stein herum gebaut. Dem Stein werden noch heute magische Kräfte
zugeschrieben und gerade zum Feuerfestival ist der Stein gut besucht. Man kann
eine Münze auf den Stein legen und sich dann etwas wünschen. Mal schauen ob’s
funktioniert. Am Abend erwartete uns dann das Feuerfestival. Das Festival ist
eine islamische Tradition in Larabanga und in den Orten in der näheren Umgebung.
Nach Einbruch der Dunkelheit laufen alle Bewohner des Ortes mit brennenden
Fackeln aus getrocknetem Gras ein paar mal vom Ortseingang bis zum Stein und
wieder zurück. Viele Kinder peitschen sich auch gegenseitig mit den brennenden
Fackeln. Das Zeug schlägt zwar Funken, wenn man einen Wisch durch’s Gesicht
abbekommt, ist das aber erstaunlicherweise schmerzfrei, wie ich durch meine
„Feuertaufe“ erfahren habe. Nur meinen Fotoapparat habe ich dabei fallen lassen.
Mehr Feuer: http://i42.tinypic.com/105pdhx.jpg
Mole
Nationalpark
Larabanga hat neben der Moschee auch noch einen
weiteren Vorteil. Larabanga liegt nur eine gute viertel Stunde mit dem Fahrrad
vom Mole Nationalpark entfernt. Mole ist der zweitgrößte und einer der
bedeutendesten Nationalparks Ghanas und während der Trockenzeit hat man gute
Chancen einige Elefanten zu treffen. Blöderweise hat sich die Trockenzeit ein
bisschen nach hinten verschoben und wir haben bei der Abendtour und bei der Tour
am nächsten Morgen keinen einzigen Elefanten gesehen. Dafür haben wir aber jede
Menge Antilopen, Busch-Schweine („Hakuna-Matata“), ein Krokodil und zahlreiche
Affen gesehen. Die Landschaft in Mole ist ebenfalls traumhaft schön. Dazu hat
man dank der Savanne den Vorteil, dass man die Tiere besser sieht als im Urwald
von Kakum. Das Klima ist wesentlich trockener und Abends wird es im Norden
richtig kühl. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist das ghanaische Management des
Parks. Die besten Affenbilder kann man nämlich bei den brennenden Müllhaufen
hinter den Staff-Hütten machen. Dort haben wir dann einige Affen gefunden, die
zusammen mit den Buschschweinen im Müll nach etwas Essbarem gesucht haben und
wir haben einen Affen beobachtet, der genüsslich eine Glasscherbe abgeschleckt
hat. Die wilden Affen im Park waren leider wieder mal zu schnell für ein
Foto.
Daniel (1.v.l.): http://tinypic.com/view.php?pic=x1kcio&s=5
Guck mal wer da ist: http://i39.tinypic.com/2882po1.jpg
Was will der denn von mir?: http://i39.tinypic.com/durux.jpg
Mole: http://tinypic.com/view.php?pic=1572hp1&s=5
Die Welt
ist ein Dorf
Während man in Accra-Tema-Ashaiman eigentlich nur
feste Häuser und Häuser aus Schiffscontainern kennt, trifft man weiter weg von
der Haupstadt dann auch noch auf zahlreiche Hütten mit Lehmwänden, Holz- bzw.
Bambusstangen und einem Strohdach. Die Bauweise ist überraschend robust und die
Strohdächer halten bis zu 5 Jahre. Wird das Haus dann auch noch bemalt kann man
kaum einen Unterschied zu einem Ziegelhaus feststellen. Während man im Süden
eher auf die viereckige Hausform trifft. Findet man im Norden Tamala-Mole fast
nur die Rundhütten.
Dorf: http://i39.tinypic.com/rhny3m.jpg
Zu Gast
bei Maria und Hendrik
Nach der Tour am nächsten Morgen haben wir uns dann
von einem Privatauto mit zum nächsten Ort, nach Damongo bringen lassen. Der
Fahrer hätte mit seinem orangefarbenen Outfit, dem Hut aus Kuhfell und der
goldenen Brille, den Ehrenpreis Zuhälter-Outfit-des-Jahres verdient. Hat aber
mit einer Goldmine das große Geld gemacht und fährt einen neuen Wagen, hat ein
I-Phone, eine Ray-Ban-Sonnenbrille und hat zu unserem Angebot einer
Fahrkostenbeteiligung gemeint: „I don’t wan’t your shit-money!“ Auf jeden Fall
hat er uns nach Damongo mitgenommen, wo wir zwei weitere deutsche Voluntäre
getroffen haben, die wir über einen ehemaligen Voluntär, der ebenfalls gerade in
Ashaiman zu Besuch war, kannten. Hendrik und Maria waren wahnsinnig nett. Maria
hat uns vom Bahnhof abgeholt und beide haben uns dann von ihren Projekten
erzählt. Beide arbeiten in einem Krankenhaus. Hendrik darf 4 Stunden pro Tag das
Gewicht der Patienten von der Wage ablesen und auf die Patientenkarte eintragen.
Maria arbeitet in der Apotheke und darf Tabletten in kleine Tüten umpacken. Je
länger ich in Ghana bin und je mehr Voluntäre ich kennen lerne, desto besser
gefällt mir mein Projekt. Jedenfalls haben uns die beiden zur
Jahresabschlussfeier des Krankenhauses eingeladen und nach ein paar Stunden
Ansprachen und Grußworten gab es dann noch ein Abendessen und eine nette Party.
Leider mussten wir am nächsten Morgen schon kurz nach 4 aufstehen, um den Bus
oder ein Trotro nach Tamale zu bekommen. Dort haben sich dann Johannas und meine
Wege getrennt. Ich bin zurück nach Accra, Johanna ist weiter nach Tamale
gefahren. Die verbleibenden Stunden haben wir dann genutzt um Pito zu probieren.
Ein ghanaisches Hirsebier, dass es nur fast nur im Norden gibt, und dass privat
gebraut und verkauft wird. Ansonsten sind wir noch gemütlich über den Art-Markt
gelaufen. Dort habe ich mir dann auch eine große Trommel mit dazugehöriger Trommeltasche gekauft, von der ich keine Ahnung
habe, wie ich sie nach Deutschland transportieren soll (Die Trommel, nicht die
Tasche).
Hendrik(l), Daniel(r), Johanna(l) und Maria(r): http://i42.tinypic.com/11gpth4.jpg
Eine
Busfahrt die ist lustig... 12 Stunden im STC
Um 4 Uhr Nachmittags ging es dann mit dem STC-Bus
zurück nach Accra. Die STC-Busse sind zwar minimal teurer als ein Trotro, haben
aber den Vorteil dass man die 12 Stunden nicht in einer Sardinenbüchse
verbringt, sondern in einem halbwegs bequemen Reisebus. Es gibt halbwegs
regelmäßige Abfahrtszeiten (vielleicht mal ne Stunde Verspätung oder so, aber
das kennt man ja von der Deutschen Bahn ;-O) und die Busse sind einfach auch um
einiges sicherer. Für längere Fahrten auf jeden Fall empfehlenswert. Der einzige
Nachteil ist, dass laut ungeschriebenem STC-Gesetz selbst bei Nachtfahrten keine
einzige Sekunde Ruhe herrschen darf. Entweder wird das Radio auf vollster
Lautstäre eingeschaltet oder es gibt ghanaischen Highlife (der im Gegensatz zur
Musik im Radio wenigstens nicht alle 2 Sekunden vom Moderator unterbrochen wird)
und bei jeder Fahrt gibt es mindestens einen 4-stündigen nigerianischen Film zu
sehen. Alle drei Stunden macht der Bus dann an einem Rastplatz 15 Minuten Pause.
Ich habe somit bei der gesamten Fahrt kein Auge zugemacht. Und mich als
allererstes am nächsten Morgen bis zum Mittagessen schlafen gelegt.
So das war’s mal wieder von meiner Seite aus. Montag
ging der Unterricht wieder und damit wird der News-Letter auch wieder etwas
weniger „urlaubslastig“. Zu guter Letzt wünsche ich allen Lesern ein gutes und
erfolgreiches Jahr 2009. Bleibt gesund und wir lesen uns im Februar
wieder.
Alles Liebe
Daniel
Dezember 2008 –Sex Drugs and
Primadol
Herzlich willkommen zum letzten Newsletter in diesem
Jahr und mal wieder gibt es einige Neuigkeiten. Da in Ghana Musik allgegenwärtig
ist, habe ich mir gedacht diesen Newsletter ganz ins Zeichen der Musik zu
stellen und habe mir die entsprechenden Überschriften ausgedacht. Das Motto des
6ten Ghana-News-Letters lautet:
Sex, Drugs
and Primadol
Ich fange einfach mal mit Primadol an, ein
ghanaisches Paracetamol, dass man bei so ziemlich allen Krankheiten mitbekommt.
So auch bei Malaria. Meine mittlerweile vierte Malaria habe ich diesmal mit
etwas stärkerem bekämpft. Artisonate und Amodiaquin. Bleiben noch Sex and Drugs:
Das letzte Wochenende vor Weihnachten (20-23.
Dezember ) habe ich spontan mit ein paar Österreichischen Kollegen in Kokrobitey
am Strand verbracht und wir haben dort ein paar interessante Dinge erlebt.
Sonntag abend saßen wir gemütlich auf einer Bank am Strand als zuerst ein Rasta,
von der örtlichen Rasta Community angesprochen hat, sich spontan zu uns gesetzt
hat und etwas zu rauchen angeboten hat. Gras wird in Ghana relativ häufig
angebaut und ist auch entsprechend billig. Natürlich verboten und in den etwas
angeseheneren Schichten verpönt, aber trotzdem leicht zu bekommen. Ich habe
natürlich abgelehnt. Etwa eine halbe Stunde später haben ich dann zwei Damen zu
uns gesetzt und uns angeboten: „We can make you happy...“. Auch hier haben wir
natürlich dankend abgelehnt, die Damen sind aber noch eine Weile geblieben. Von
daher weiß ich auch, dass eine der Damen aus Ghana stammt und die zweite aus
Liberia. Die erste hat ihre Eltern verloren und wird von ihren Verwandten nicht
unterstützt. Schicksale wie dieses machen einem wieder einmal klar, an wie
vielen Stellen in Ghana etwas getan werden müsste: Häusliche Gewalt,
Kinderarbeit und Verkehrssicherheit um nur ein paar zu nennen. In Ghana wird dem
Alter immer noch ein wahnsinnig hoher Stellenwert beigemessen, was aber auch
heißt, dass die Kinder von kleinauf im Haushalt mithelfen müssen, auf der Straße
Pure-Water oder auf dem Gemüse verkaufen und deshalb teils nicht die Schule
besuchen können. Mit der Zeit stellt man aber auch fest, dass viele Ghanaer mit
ihrem Leben aber gar nicht so unzufrieden sind. Hat man z.B. in Deutschland
einen schönen Tisch mit einem Kratzer, freut man sich nicht über den schönen
Tisch, sondern muss die ganze Zeit an den Kratzer denken. In Ghana ist das
einfach ein schöner Tisch.
Nach 4 Monaten hat man sich auch voll an die
herumspringenden Ziegen und Hennen mit den kleinen Küken die hinterherspringen
gewöhnt. Ebenso an die Staubstraßen und man weiß, dass für für viele Afrikaner
ein kleines Haus nicht tragischer als ein kleines Auto ist. Schlicht weil sich
das meiste Leben auf der Straße mit Nachbarn und Bekannten abspielt. Man kocht
draußen, man unterhält sich draußen und ist eigentlich nur zum Schlafen in der
Wohnung. Wobei ein gestampfter Boden nicht gerade die Optimallösung ist. Vor
allem nicht in der Regenzeit.
Gewaltige Unterschiede: http://i44.tinypic.com/30ax5px.jpg
Leise
rieselt der Sand:
Kokrobitey liegt vielleicht gute 2 Stunden von uns
mit dem Trotro entfernt und hat einen wunderschönen Strand und gutes Essen zu
bieten. Das abolut beste Essen in den letzten Monaten gab es beim dortigen
Italiener. Nudeln mit Auberginen und draufgestreutem Parmesan und
Knoblaucholivenöl mit eingelegten Kräutern und den meinen ersten Espresso mit
Crema seit 4 Monaten. Und das für zusammen 8 Cedi, aktueller Stand 5 Euro. Aber
auch die Gemüselasagne in Millys Backyard mit einer ghanaischen Liveband war
absolut klasse. Übernachtet haben wir im Black Star in zwei Doppelzimmern und
haben 4 Cedi pro Nacht/Person bezahlt (2,50 Euro). Dafür gibt es einen Raum, ein
Bett und eine Eimerdusche. :D Am letzten Tag sind wir zu zwei absolut coolen
Ghanaern gezogen, die ein rosa-gestrichenes Hotel betreiben und uns ein klasse
Angebot gemacht haben. 7,50 Cedi (4.70 Euro) pro Person mit Frühstück und sie
kochen mit uns zusammen das Abendessen. Das Hotel heißt Me and Crown-Prince.
Oder für uns: The Pink Panther. :D Die Zimmer waren richtig cool, die Dusche hat
zwar auch nicht funktioniert, aber dafür konnte man auf der Verande sitzen und
das Meer anschauen. Die Jungs waren richtig cool und wir haben uns viel mit
Ihnen unterhalten. Sie arbeiten eigentlich in Accra, bauen aber gerade noch das
Hotel auf, z.B. gibt es noch keine Küche, aber kein Problem wenn man einen
kleinen Kohleofen hat. Die beiden verbringen die meiste Zeit im Hotel und sind
die einzigen beiden Ghaner die ich kenne, die rauchen. Ansonsten ist rauchen in
Ghana absolut verpönt. Außerdem haben wir alle den Verdacht, dass die beiden an
der Hotelbar selbst ihre besten Kunden sind. :D Heute morgen zum Frühstück um 9
Uhr hat uns einer der Brüder einen gewaltigen Joint angeboten und dann selbst
geraucht. Wir hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß mit Ihnen. Wir vier haben
uns alle geschworen auf jeden Fall wieder vorbei zu schauen.
Strand: http://i40.tinypic.com/2ef8hzd.jpg
Auch das ist Ghana: http://i40.tinypic.com/wgu7io.jpg
Let’s have
a party: Die Don-Boscos-Voluntäre
aus Westafrika treffen sich.
Dienstag/Mittwoch war ein Treffen aller Voluntäre aus
dem englischsprachigem Westafrika. Knapp 20 Voluntäre aus Sunyani/Ghana
(Insgesamt 4 Österreicher) eine Polin aus Siera Leone, 3 Österreicherinnen die
zuerst in Sambia waren und jetzt nach Sunyani wechseln, 3 lokale Nigerianische
Voluntäre, Stanley, Johannes und ich (Evtl. hab ich noch jemanden vergessen).
Das Treffen fand bei uns im Provincial House statt und man fühlte sich dank
Power-Point-Vorträgen und Evaluationsrunden und der Frage wie war es bisher, was
hätte man besser machen können usw. fast an ein deutsches Seminar erinnert. (Fit
im Umgang mit Konflikten. :-D) Das freie-Gedankensharing im Drinking Spot und
das Kennenlernen der anderen Voluntäre war eine super Sache. Die Vorträge waren
im großen ganzen auch hilfreich und interessant. Sehr bewegend war der kurze
Ausflug zu den Sisters of Mercy, dem Mutter-Teresa-Orden, die gleich nebenan
eine Einrichtung Waisenkinder und Aidskranke haben. Die Aufopferungsbereitschaft
und die Hingabe der Schwestern hat mich wirklich bewegt.
Voluntärstreffen: http://i41.tinypic.com/e061b8.jpg (spannender Vortrag)
Es fährt
ein Schiff nach Nirgendwo:
Die beiden Österreicherinnen aus Sambia kamen bereits
zwei Tage vor dem Treffen am Flughafen an und konnten so zwei Tage bei uns in
Ashaiman verbringen. Den ersten Tag haben wir natürlich zu einem Gedankensharing
im Drinking-Spot genutzt und uns über unsere Projekte ausgetauscht. Auch hier
zeigt sich wieder, dass nicht alle Projekte mit Voluntären reibungslos
verlaufen. In dem Fall haben die zwei nach 4 Monaten das Projekt gewechselt und
arbeiten jetzt 8 Monate in einem Krankenhaus in Sunyani. Am nächsten Tag haben
wir einen Ausflug in Ashaimans Innenstadt auf den Markt gemacht. Geld wechseln
(Dank dem gescheiterten Autopaket der USA ist mein Euro jetzt wieder 1,60 statt
1,50 wert. 15 Cedi mehr im Monat. Hurra.) und am Nachmittag bin ich mit einer
der beiden nach Tema zum Hafen gefahren. Dort wurden wir erst mal von einem
netten Herrn vom Immigration nach unserer Aufenthaltsgenehmigung gefragt und
nachdem ich nett meine Kopie der Aufenthaltsgenehmigung gezeigt habe und erklärt
habe dass meine Kollegin gerade erst angekommen ist und der Aufenthalt gerade
verlängert wird und was wir machen war er wahnsinnig nett. Er ist mit uns zu dem
Büro gefahren, bei dem man eine Besuchserlaubnis bekommt und hat mit uns
anschließend einen Hafenrundgang gemacht. Wir durften uns sogar das Achterdeck
eines Bootes anschauen (den Rest nicht, weil es gerade beladen wurde). Nur Fotos
waren leider verboten. Interessant war es zu erfahren, wie viele Schiffe täglich
nach Ghana komemn und was so alles exportiert wird. Das Schiff dass wir besucht
haben, wurde gerade mit Stapelweise Bananen beladen und kommt nach Holland. Auf
dem Hinweg bringt es meistens alte Autos und elektronische Geräte.
Hafen: http://i41.tinypic.com/20gidee.jpg
The final
Countdown
Die letzten Wochen vor den Ferien standen die
End-of-Term-Exams an.
In Ghana gibt es drei Terms:
1. Sommer-Weihnachten
2. Weihnachten-Ostern
3. Ostern-Sommer
In jedem dieser Terms gibt es ein Mid-Term-Exam und
ein End-of-Term-Exam.
Die Mid-Term-Exams zählen zu 20 % und die
End-of-Term-Exams 80 %. Der Einfachheit halber kann man sich somit im Mid-Term
20 Punkte holen und im End-of-Term 80. Maxmial also 100 Punkte. Hat jemand 15 im
Midterm und 70 im End-of-Term hat er also 85 von 100, wäre also relativ gut. In
meinem Fall hat mir dass mit den 20-80-Punkten niemand gesagt, aber dafür gibt
es dann zum Glück Excel. Auch nicht gesagt hatte man mir, dass in den Wochen der
Unterricht nicht normal weiter-läuft, sondern ein neuer Stundenplan aufgestellt
wird. Natürlich erst Montag morgen. Und dass man die Exams nicht selbst
schreibt, sondern einen Lehrer als Aufsicht hat. Ebenfalls weniger vorteilhaft
war, dass kein einziges meiner Examen eingetragen war. Die Aussage der
Sekretärin: Dann schreibst du die alle Dienstag nachmittag war auch nicht die
beste. Da war ich nämlich beim Voluntärstreffen. Somit gab es dann einige
Verschiebungen für die Schüler und zwei Klassen durften völlig unvorbereitet ein
End-Of-Term-Exam am Montag schreiben. Die andern vier waren wenigstens angesagt,
fielen aber auch nicht besser aus. Zumindest großteils. Viele kommen leider
insgesamt unter 50 Punkte (in Dtl. wären 50 Punkte grad noch ne 4) und einer hat
es sogar geschafft von 100 Möglichen insgesamt 7,5 Punkte zu bekommen. (Das
schafft man normalerweise nicht mal wenn man das Exam mit 2 Promille schreibt
und seinen Kopf davor ein paar mal gegen die Wand schlägt). Besonders
interessant ist dass einige Fragen 1 zu 1 aus dem Mid-Term übernommen wurden und
mindestens 3 mal wiederholt wurden. Dafür gab es aber auch zwei mit 84,5 bzw.
87,5 von 100 und ein Schüler hat sagenhafte 97 Punkte erreicht.
Der Term-inator: http://i43.tinypic.com/33m4api.jpg
You know my
name (James Bond kommt nach
Eine Woche nach der offiziellen Deutschlandpremiere
haben wir uns auf die Suche nach dem neuen Bond Film Quantum of Solace gemacht.
Blöderweise gibt es in ganz Ghana keine Kinos mehr, weil der Ghanaer ja auch 48
in 1 Filme zu allem möglichen Zeug für 5 Cedi bekommt und Samstag-Sonntag lieber
in die Kirche statt ins Kino geht. Deshalb sind die alten Kinos jetzt auch in
Kirchen umgewandelt worden. Aber antscheinend hat es doch seine Vorteile, wenn
man einen guten Draht zu dem da oben hat ;-). Jedenfalls habe ich beim
Mittagessen zufällig die Zeitung aufgeschlagen und festgestellt, dass am
nächsten Tag in Accra ein riesiges Kino eröffnet und zur Premiere der neue Bond
gezeigt wird. Somit haben sich die FCP-Voluntäre, Johannes und ich kurz auf den
Weg nach Accra gemacht und konnten im Kinosessel bei Popcorn und Cola den neuen
Bond anschauen. Natürlich auch zu europäischen Preisen. Letzte Woche habe ich
ihn aber auch schon auf dem 48-in-1-Markt gesehen.
James Bond kommt nach Accra: http://www.dthe.net/bilder_files/image027.jpg
Noch ein Bond-Fan: http://www.dthe.net/bilder_files/image026.jpg
Alles nur
geklaut
Während es völlig normal ist bei Weißen zu hohe
Preise zu verlangen (was aber nur funktioniert, wenn man die Preise nicht kennt)
ist Diebstahl in Ghana fast so schlimm wie Mord. Da das Vertrauen in die Polizei
eher gering ist und diese im Ruf steht die Diebe gegen Geld laufen zu lassen,
gibt es eine rege Selbstjustiz. Ich saß an einem freien Tag gemütlich auf meinem
Minibalkon und habe in der Sonne ein Buch gelesen, als einige Schüler auf die
Mauer geklettert sind und sich etwas angeschaut haben. Ich habe mich also
kurzerhand dazu gesellt und gefragt was da gerade los ist. „Ja die verfolgen
einen Dieb“ anschließend hat mir ein Schüler erklärt dass der Typ mit dem großen
Stein in der Hand, der dem Dieb hinterher rennt, diesen damit steinigen will.
Ich hoffe nur, dass der Kerl einen großen Vorsprung hatte. Weniger Glück hatte
ein Dieb in der Nähe von Johannes Schule. Dort sind die Schüler aus dem
Schulgebäude gestürmt um zu beobachten wie ein Dieb mit großen Eisenstangen
verprügelt wird. (Das ist das übliche Verfahren) Er hat es nicht überlebt.
Ebenso kann es vorkommen, dass ein Fahrer der ein Kind unabsichtlich überfährt
von der Menge gelyncht wird. Wozu ein funktionierendes Polizeisystem doch so
alles gut ist.
Unfälle passieren oft: http://www.dthe.net/bilder_files/image018.jpg
Hier kommt
die Maus
Nachdem ich vor kurzem eine eher unschöne Erfahrung
mit einem Ameisenhügel mitten in meinem Zimmer gemacht habe und mithilfe eines
hochgiftigen Insektensprays in den Kampf bezogen habe, gab es gleich den zweiten
Mitbewohner. Wir haben eine Maus in der Küche. Abends ist sie mir schon ein paar
mal begegnet. Schafft es aber immer wieder sich so zu verstecken, dass man sie
nicht mehr finden kann. Weniger lustig ist, dass sie jetzt einen unserer
Schubladenböden gefressen hat und auch schon mal eine, über die Nacht auf dem
Tisch vergessene Scheibe Brot hergefallen ist. Ich frage micht ob man in Ghana
eine Lebenfalle bekommt. Süß ist sie nämlich schon die Maus.
(Die Maus war leider zu schnell für ein
Foto)
The winner
takes it all
Vor ein paar Tagen waren in Ghana auch Wahlen und
nachdem über mehrere Tage hinweg statt Prozentrechnungen die einzelnen
Ergebnisse aus jedem Wahllokal veröffentlicht wurden: NPP 234.324 NDC 233.358
usw. stand fest. Gewonnen hat: Niemand. In Ghana wird der Präsident nämlich
direkt gewählt. Die Präsidentschaft dauert 4 Jahre. Eine Wiederwahl ist möglich.
In dem Fall hat der jetzige seine 8 Jahre hinter sich, es kommt in jedem Fall
ein Neuer. Man hat die Wahl zwischen den beiden Großen NPP Nana Akufo Addo
(Regierungspartei) und NDC Prof. Atta Mills und ein paar kleineren Parteien. Die
kleineren kamen alle bis auf eine auf 0 Komma irgendwas Prozent. Die CPP kam auf
1 Komma irgendwas. Nachdem aber auch NDC und NPP nur nicht auf über 50 Prozent
kamen, kommt es jetzt am 28.12 zu Stichwahlen. Bisher blieb alles ziemlich
friedlich. Ich hoffe dass es auch nach dem 28igsten Dezember so
bleibt.
Wahlplakat: http://i40.tinypic.com/24o683s.jpg
Santa Claus is Comming to Town
Gestern gibt es ein leckeres Essen mit Johannes und
Stanley. Wir haben Kässpätzle gekocht. Heute gibt es die Weihnachtsfeier in der
Gemeinschaft und am 25.12 sind wir im Provincial House eingeladen. Danach geht
es für mich an der Küste entlang, wieder an den Strand, Nationalpark und
Sklavenburgen anschauen usw. In Cape Tree Point treffe ich auch die Österreicher
wieder. Wenn alles friedlich bleibt nutze ich die restlichen Ferien für einen
Ausflug ins Landesinnere um mir die Elefanten in Mole anzuschauen.
Santa: http://i43.tinypic.com/9s5a3n.jpg
Damit ihr wisst wo ich ueberall bin und hingehe. Hier
eine kleine Karte: http://i44.tinypic.com/a9ptug.gif
Money,
money, money
Nachdem ich im ja bereits in den vergangenen
Newslettern öfters über den Cedi geschrieben habe, bekommt er jetzt auch einen
eigenen Beitrag. Der Ghana-Cedi existiert seit 2007 und hat den alten Cedi
ersetzt. Einfacher ausgedrückt man hat einfach 4 Nullen gestrichen und neue
Geldscheine und Münzen gedruckt. Früher war die höchste Note 20.000 Cedi. Heute
sind das genau 2 neue Cedi. Ein großes Bier kostet gegenüber 1,50 Cedi.
Mittlerweile gibt es 5, 10, 20 und 50 Pesewas Münzen und eine 1 Cedi Münze,
sowie 1, 5, 10, 20 und 50 Cedi Scheine. Mit einem 50er in Ghana zu bezahlen ist
allerdings so gut wie unmöglich. Schon ein Zwanziger macht bei Beträgen unter 10
Cedi Probleme. Die Kunst besteht in Ghana nicht, wie in Deutschland das
Kleingeld loszuwerden, sondern welches zu bekommen. Nach ein paar mal üben habe
ich den Bogen mittlerweile heraus und bin ein richtiger Experte im Kleinmachen
geworden. Wenn man im Trotro 20 Pesewas bezahlen muss, kann man gerade noch mit
einer 1 Cedi Note bezahlen und bekommt damit 80 Pesewas in Münzen zurück. Beim
Einkaufen in großen Supermärkten kann man dann auch mal 20 Cedi klein machen, im
schlimmsten Fall sogar mal einen Fünfziger. Im kleinen Laden kann man dann auch
mal 2,40 Cedi mit einem 5er bezahlen oder 6,20 Cedi mit einem Zehner. Das
lustige ist, dass so gut wie niemand in der (leichteren) neuen Währung rechnet,
sondern die moisten immer noch 5.000 (50 Pesewas) für eine Packung Plantain
(Kochbananen-chips) verlangen oder man 15.000 für ein Bier bezahlt. Ich bin mit
der alten Währung mittlerweile genaus familiär wie mit der neuen. Wenn man also
merkt, dass das Gegenüber einen völlig falschen neuen Betrag in der neuen
Währung sagt, rate ich dann den gemeinten Betrag in der Alten. Teilweise kommen
die Verkäufer aber mit beiden Währungen nicht richtig klar, dass man mal eine
Null in der alten Währung zu viel oder zu wenig hat. Richtig genial wird es
dann, wenn beide Währungen vermischt werden. 10 Cedi and 19.000. Heißt die 10
Cedi der neuen Währung + 19.000 macht 1 Cedi und 90 Pesewas also 11 Cedi 90.
Deswegen verwenden die meisten Ghanaer mit Shops selbst bei 2 Artikeln für z.B.
2,30 und 1,80 einen Taschenrechner.
Money: http://i39.tinypic.com/xcebp.jpg
Sgt. Pepper's Lonely Hearts
Club Band
Die beiden Wachhunde Beta und Rambo haben, nachdem
ihr Kollege Gritschu eingeschläfert werden musste (weil er zu agressiv wurde),
Verstärkung bekommen. Der kleine süße Kerl heißt Pepper und lebt im Provincial
House, wo er mit uns gelegentlich fangen spielt oder sich auch mal entspannt am
Bauch kraulen lässt. Natürlich hat sich Pepper auch nicht die Gelegenheit
entgehen lassen bei unserem Voluntärstreffen vorbei zu schauen. Mit den andern
beiden, den großen Schäferhunden, verstehe ich mich leider weniger gut.
Hey: Hier kommt Pepper: http://i40.tinypic.com/slpn54.jpg
Die Top 5
der Foltercharts
Dem Beispiel einer Menschenrechtsorgansiation folgend
habe ich auch die Top 5 der Foltercharts zusammengestellt. Morgens 5:40 es ist
Samstag. Der einzige Tag der Woche andem man ausschlafen könnte. Man liegt
friedlich in seinem Bett bis mit einem gewaltigen Knall die Soundanlage des
Hostels loslegt und die Schüler und mich aus dem Schlaf reißt. Und statt 1 Lied
zum Aufstehen zu spielen hört die Anlage nicht mehr auf und spielt teilweise
über 2 ½ Stunden. Und natürlich werden auch jeden Schultag die Schüler gut eine
Stunde vor mir geweckt. Und wenn man viel Glück hat wird Sonntags die Anlage
auch noch durchgehend angeworfen. An ein Buch lesen oder Ausschlafen ist da
nicht zu denken. Bevor ich im Januar dann in den Wasserturm ziehe jetzt noch
schnell die Top5 der am meist gespielten Lieder die mich vom Schlafen
abhalten:
1. My heart will
go on –Celine Dion
2. Mary must be
honored –Gospel
3. Mary is the
woman I love so much –Gospel
4. You are the
most high God…-Gospel
5. Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii will always love you –Whitney
Houston
Zum Abschluss bleibt mir nur zu sagen:
We wish you a merry Christmas and a happy
New-Year
Viel Glück, Erfolg und Gesundheit im Neuen Jahr.
Feiert schön und erholt euch gut und ich denke an euch.
Gruppenfoto: http://i43.tinypic.com/2vazatg.jpg
Alles Liebe aus Ghana
Daniel (Ganz Ghanaisch) http://i39.tinypic.com/15efkpd.jpg
Hallo Deutschland, nachdem Ypsilanti in Hessen doch
nicht gewählt, Obama tatsächlich gewählt wurde und auch hier am 7 Dezember
gewählt wird gibt es auch hier in Ghana ein paar Neuigkeiten die ich euch
natürlich nicht vorenthalten möchte. Ghana News Nr. 5.
Malaria
zum Dritten (statt Elefanten)
Wenn ich hier in Afrika ein deutsches Sprichwort
lieben gelernt habe, dann ist es definitiv: „Mache einen Plan, mache einen neuen
Plan“ (Brecht). So auch bei meiner Planung in den kurzen „Mid-Term-Holidays“ ins
Landesinnere zu fahren. Eigentlich sollten die Mid-Term-Holidays ja vom fünften
bis zum zehnten November dauern. Nachdem sich allerdings wichtiger Besuch für
den sechsten angekündigt hatte, wurden diese Planungen dann wieder verworfen und
die Ferien auf Freitag den siebten verlegt und die Schule ging, wie ich dann
Mittwoch erfahren habe schon am Dienstag, nicht erst Mittwoch weiter. Somit
hätte ich nur noch Freitag bis Montag gehabt, für meine Reise ins Landesinnere
nach Mole, einem Nationalpark mit Elefanten, Antilopen, angeblich auch Löwen und
einigen anderen Tieren. Mit dem Reisebus nach Tamale (vgl. Karte) und von dort
mit dem Trotro weiter nach Mole. Die Fahrt nach Tamale ist ein ein Tages Trip
und man darf dort übernachten. Am nächsten Tag geht es weiter nach Mole. Dann
hat man einen Tag in Mole und kann morgens um 3 mit den Öffentlichen wieder
zurück. Dann käme man am selben Abend oder in der selben Nacht wieder in Accra
an. 4 Tage sind auf jeden Fall knapp. Jedenfalls habe ich mich dann am Mittwoch
wegen Husten und anderen Erkältungssyntomen dann mal wieder in die
Dar-Bem-Clinik begeben, und wie sollte es anders sein: Malaria zum dritten.
Donnerstag gab mir Father Blamoh dann die Empfehlung nicht nach Mole zu fahren
und ich habe meinen Rucksack wieder ausgepackt und einen großteil meiner 4
freien Tage im Bett verbracht.
Neue Medikamente: http://i38.tinypic.com/r27xgj.jpg
In Afrika
angekommen...
Wenn ich euch diesen Newsletter zuschicke, bin ich
bereits 3 Monate hier in Ghana, und ¼ meines Jahres sind bereits vorbei. Zeit
für einen kurzen Rückblick: Welche Eindrücke habe ich von diesem Land, wie fühlt
man sich so z.B. als einziger Weißer mitten auf einem Markt umgeben von
hunderten Schwarzen. Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht so leicht. Man
läuft bei einer kleinen Lücke im Verkehr über die Straße, man sitzt im Trotro,
weiss wie man Guttern, der offenen Kanalisation, ausweicht und wie man sich
durch die Stadt bewegen kann ohne ständig auf den Boden zu achten und fühlt sich
eigentlich ganz normal. Dann fährt ein Trotro mit einem Weißen vorbei und genau
wie alle Schwarzen schaut man erst mal verwundert rüber, bis einem dann nach
einem kurzen Moment bewusst wird, dass man selbst als Weißer in einem Trotro
sitzt. Und auch wenn man über den Markt läuft, vergeht eigentlich keine Minute
in der man nicht daran erinnert wird, dass man ein Weißer ist: „Obroni, Etisey“
(Weißer, wie geht’s) wird einem von freundlichen Marktfrauen zugerufen, und sie
freuen sich tatsächlich wie Bolle, wenn man mit „Eje“ (gut) antwortet. Kleine
Kinder freuen sich noch mehr, wenn man auf ein „Obroni, obroni“ mit „Etisey“
antwortet. Ein bisschen kommt man sich vor, wie ein Star auf der Tour durch die
Fußgängerzone. Blöderweise eher wie ein Star z.B. von Tokio Hotel. Natürlich ist
man nicht bei allen Menschen beliebt, aber rassistisch sind eigentlich die
wenigsten. Das Problem sind eher die Vorurteile: Alle Weißen sind unendlich
reich und haben keine Ahnung von den Preisen und Deutschland ist das Paradis.
Woher diese Vorurteile kommen sieht man dann bei einem kurzen Blick in die
Broschüren in der deutschen Botschaft, oder auch wenn einem klar wird, dass fast
alle Weißen hier entweder Voluntäre oder Urlauber sind, die 2-3 Wochen lang das
Geld mit vollen Händen ausgeben. Und verhältnismäßig haben wir natürlich
tatsächlich viel Geld. Die wenigsten Lehrer bekommen mehr als meine 150 Euro
Kindergeld (wobei man der Fairnesshalber dazu sagen sollte, dass auch die
wenigsten Lehrer die Uni besucht haben). Insofern kann man dem Klischee des
reichen Weißen nicht ganz wiedersprechen. Und auch die wenigsten Ghanaer haben
in ihrem Leben so viel vom eigenen Land gesehen wie ich nach einem Jahr über
Ghana gesehen haben werde. Und auch ist es schwer einen Eindruck vom gesamten
Leben und der gesamten Kultur in Ghana zu bekommen. Hier in Ashaiman sieht man
nur einen kleinen Ausschnitt und das Leben ist sicher in Tema und Accra ein ganz
anderes als irgendwo im Norden in kleinen Dörfern.
“Barack, Barack, Barack
Obama” Und: Wahl in
Die Wahl in Amerika geht natürlich auch hier nicht
spurlos vorbei. 40 Jahre nach Aufhebung der Rassentrennung ist es jetzt soweit
und der mächtigste Mann der Welt ist ein Schwarzer. Der Zufall will es, dass
Barack Obama der, genau wie ich, eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater hat
100 % Schwarzer ist und ich hier als 100 % Weißer angesehen werde.
Diesen Augenblick hier in Afrika mitzuerleben hat schon etwas ganz besonderes,
auch wenn ich das Wahlergebnis erst am nächsten Morgen aus den BBC-News im Radio
mitbekommen habe. Zumindest unsere Schule hier, besonders unser Rektor Father
Blamoh waren schon Wochen vorher im Obama Fieber. Ich weiss nicht genau wie
viele Obama-T-Shirts Father Blamoh von seinem US-Trip mitgebracht hat. Auf jeden
Fall hat er Übergepäck bezahlt. Natürlich liegt eine ganz besondere Hoffnung auf
diesem Mann, der 1 Jahr in Kenia verbracht hat und sich seiner afrikanischen
Wurzeln durchaus bewusst ist, auch wenn die ersten durchaus realistisch sehen:
„Dass sich hier alle freuen weil Obama ein Schwarzer ist, aber er wird zuerst
seinem eigenen Land Amerika helfen müssen, bevor er sich Gedanken über die Hilfe
für Afrika macht.“ Ein gewaltiges Problem hier ist die Inflation. Der Cedi ist
an den Dollar gekoppelt und der verliert gerade gewaltig an Wert, heißt das hier
bei uns die Preise steigen. Blöderweise sinkt gerade auch noch der Eurokurs im
Vergleich zum Dollar und ich bekomme statt 1.65 pro Euro nur noch 1.48 und das
bei steigenden Preisen. Das einzige was gerade billiger wird ist Benzin. Doof
nur dass ich hier kein Auto habe...
Im Dezember ist übrigens auch hier in Ghana Wahl. Der Kandidat der
Regierungspartei der NPP Nana Akufo Addo ist hier auf Plakaten und auch bei
Wahlkampfauftritten dauerpräsent doch auch die Opposition schläft nicht. Die
größte Sorge ist daß nach den Wahlen Unruhen ausbrechen. Wenn dann aber wohl
eher im Landesinneren. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.
Plakate sind auch sonst sehr beliebt: http://i36.tinypic.com/ilkc42.jpg
Mid Term
Exams
Im ghanaischen Schulsystem gibt es drei Terms der
erste startet im September und geht bis Weihnachten, der zweite verläuft
zwischen Weihnachten und Ostern und der dritte von Ostern bis zu den Sommerferien. In
der Mitte jedes Terms gibt es dann ein paar Tage Ferien und die Woche davor die
Mid-Term-Exams. Der erste Test für meine 6 Klassen. Natürlich habe ich mir für
diesen Test besonders Mühe gegeben und für jede Klasse ein oder zwei Seiten mit
unterschiedlichen Testaufgaben gestellt. Z.B. beschrifte die Leisten (Menubar,
Formatting Toolbar und Standard Toolbar) oder True or False: „Software is
anything you can touch“ und verbinde mit Linien Floppy Disk à A usw. trotz zwei Stunden Wiederholung vor dem Test,
den Arbeitsblättern und meinem Angebot die Unterlagen der Schüler
durchzuschauen, haben es in 5 von 6 Klassen ungefähr die Hälfte der Schuler
geschafft eine 5 oder 6 zu bekommen. Und dass obwohl ich sehr großzügig
korrigiert habe und bei vielen Klassen den Notenspiegel um ein paar Punkte
herabgesetzt habe... Aber wenn jemand bei über 30 Punkten inklusive Multiple
Choice gerade mal 4 Punkte bekommt. Das schafft man eigentlich nur, wenn man
beim Unterricht und bei der Wiederholung durchgehend schläft und sich die
Unterlagen überhaupt nicht anschaut. Was will man da machen? Hoffnung macht mir,
dass Auto 2, die bereits eine Ex bei mir geschrieben haben (die weniger
berauschend ausgefallen ist) nur zwei Fünfer und eine Sechs bekommen haben. Das
gibt mir Hoffnung, dass sie bei den End-Term-Exams in 4 Wochen doch deutlich
besser abschneiden werden. Mut macht mir auch, dass in fast jeder Klasse auch
ein paar Einser, Zweier und einige Dreier vertreten waren. –Der beste aus jeder
Klasse geht mit mir nächste Woche zum Abendessen in eine Chop Bar in der Nähe.
Dafür habe ich in 4 von 6 Klassen einen oder zwei Schüler beim Spicken erwischt.
Eins muss man ihnen lassen: Kreativ sind sie. Einer hatte das die wichtigste
Kopie unter seinem Fragenblatt versteckt und hat mir dann vergeblich versucht zu
erklären, dass diese jemand anders heruntergefallen sei und er sie zufällig
gefunden hätte und unter seinem Fragenblatt aufbewahrt hätte. In einer anderen
Klasse haben 2 Schüler das Fragenblatt ausgetauscht mit einer Frage auf der
Rückseite des Blattes. In der dritten Klasse haben zwei ganz gewöhnlich auf das
Blatt des Hintermannes geschaut. In der vierten Klasse hat jemand die Vewirrung
genutzt, als es um 12 Uhr zum Gebet geläutet hat und die halbe Klasse
aufgestanden ist um schnell zu einem Freund zu rennen und von dessen Blatt
abzuschreiben. Wie angekündigt bekamen diese Schuler 0 Punkte eine 6 und der
erste durfte bereits nach der Schule die Voluntärsküche putzen. Ein Glück dass
wir für die andern noch einen Voratsraum haben und die Küche schon wieder
schmutzig genug ist um wieder geputzt zu werden... Aber bei einem neuen Lehrer
probiert man’s halt mal. Ansonsten hatte ich auch beim korrigeren viel Spaß.
Gewertet habe ich z.B. auch mal statt „Task-Pane“ (Aufgabenleiste) das
„Task-Plane“ (Aufgabenflugzeug) oder die „Taskpain“ (Aufgabenschmerzen). Mein
absoluter Liebling war aber statt „System Tray Area“ die „Sister Tray Area“.
Punkte gab’s trotzdem.
Mid-Term Exam: http://i37.tinypic.com/sc8eq8.jpg
Wo wohnt
eigentlich...
Kurz bevor Johannes im Januar nach Deutschland zurück
geht und ich in den Wasserturm ziehe gibt es für euch auch mal ein paar Fotos
von meinem Zimmer, ein Bild von unserer Voluntärsküche, den anderen Gebäuden und
sogar einen von mir gemalten Plan wo was auf unserem Gebäude eigentlich ist.
Plan: http://i36.tinypic.com/2v9y939.gif
Hier Wohne ich (Dominic Savio): http://i38.tinypic.com/vesnkj.jpg
Mein Zimmer:
Schreibtischà http://i34.tinypic.com/118ef7s.jpg
Hier geht’s zum Bad à http://i35.tinypic.com/ejarrd.jpg
Bad à http://i37.tinypic.com/2wdu80x.jpg
Bett und Nachttisch (Man beachte die
Rhynolampe)à http://i34.tinypic.com/2jbtjzb.jpg
Schule: http://i37.tinypic.com/if0ig3.jpg
Automobile
Workshop: http://i33.tinypic.com/23wny0z.jpg
Multipurpose
Hall: http://i35.tinypic.com/zvc6mf.jpg
Water-Tower:
http://i37.tinypic.com/35lriw2.jpg
Provincial
House: http://i33.tinypic.com/16lmd7n.jpg
Community House:
http://i35.tinypic.com/fnqyb7.jpg
Ich beim Früstück (Ausnahmsweise in
Freizeitkleidung): http://i34.tinypic.com/2r5es68.jpg
Das
bisschen Haushalt...
Ist doch kein Problem. Oder doch? Jedenfalls habe ich
den Eindruck dass ich mich nach und nach zum perfekten Hausmann entwickle.
Zumindest gehören mittlerweile abspülen (bevor die Ameisen die Herrschaft über
die Küche an sich reißen) Zimmer Putzen, Wäsche sortieren und Waschen und Bügeln
zum Alltag. Wahnsinn wie viel Wäsche man in einer Woche verbraucht und dass man
dann auch noch Weiße, Schwarze und Bunte und Wäsche die man mit 30 und 60 Grad
waschen kann und so weiter hat... Auf jeden Fall ist es mir bisher immer noch
rechtzeitig gelungen dass ein weißes Hemd für den nächsten Tag im Schrank hing
oder saubere Unterwäsche für den nächsten Tag im Schrank liegt oder zumindest
über Nacht an der Leine im Zimmer trocknet, wenn man sie kurz vor dem Abendessen
in die Maschine wirft.
48 in
1
Ebenfalls erwähnenswert ist der ghanaische Film und
das ghanaische Radioprogramm. Wer wie ich dachte, das deutsche
Nachmittagsprogramm und das die Redebeiträge im deutschen Radio wären das
anspruchsloseste dass diese Medien zu bieten haben, wird in Ghana eines besseren
belehrt. Die meisten Filme und Musik werden in Nigeria aufgenommen und zumindest
die Filme kann man von der Leistung der Schauspieler mit Richter Alexander Hold
vergleichen, die Handlung erstreckt sich meist über 3-5 Stunden und mindestens
2-3 Fortsetzungen und handelt das ab, was in etwa in 7 Jahren gute Zeiten
schlechte Zeiten passiert. Inklusive 5 Minuten Schreikrampf der
Hauptdarstellerin, ein bisschen Zauberei, die Frau oder Tochter wird im Verlauf
eines Filmes in der Regel 4-5 mal aus dem Haus geworfen und auch ansonsten
streiten sich die Darsteller und schreien sich alle 30 Minuten mal an und
versöhnen sich wieder. Die Fortsetzungen machen das Ganze auch nicht unbedingt
besser und erzählen in etwa das gleiche. Aber zumindest bekommt man meist 16-32
oder 48 Filme auf einer DVD. Der große Vorteil ist: Hollywoodfilme sind auch
dabei. Immer schön thematisch sortiert. Nachdem ich mit der The-Rock/Pierce
Brosnan Collection reingefallen bin und von den 48 Filmen nur einer funktioniert
hat und auf der andern DVD 48 Szenen „Women-Erotic-Wrestling“ bzw. Schlammringen
enthalten waren, bin ich mit meinen 16 Abenteuer- und 16 Mafia-Filmen die ich
zum Ersatz für die 2 DVDs (a 4 Cedi 50) bekommen habe ganz gut gefahren. Mit
Oceans 11 und 12 bin ich fertig, Indiana Jones war auch mal wieder lustig und
sogar die Qualität ist ganz OK und nach dem ich mir den letzten Bond mal wieder
angeschaut habe freue ich mich auch schon auf Quantum of Solace. Blöd nur dass
es in Ghana keine Kinos mehr gibt. So muss ich ihn mir wohl aus Deutschland
schicken lassen. Die Musik im Radio ist entweder ebenfalls aus Nigeria oder
Amerikanischer HipHop, aber selbst der ist noch besser als die Monologe der
Moderatoren oder deren Gespräche mit Anrufern zu Themen wie: Was sagen sie zur
dritten Staffel von Big Brother Afrika...
This is
Africa
Das wichtigste für eine Veranstaltung sind eigentlich
die Lautsprecher und egal wie viele Leute kommen, man nimmt immer die größten
Lautsprecher die man bekommen kann und dreht sie voll auf. I.d.R. reichen die
dann auch um die AC/DC-Black-Ice-Tour zu beschallen, was den Ghanaer aber nicht
daran hindert sich direkt vor die Lautsprecher zu setzen.
Lautsprecher: http://i38.tinypic.com/24l67gp.jpg
Auch wenn ich auf den 7 Mal Malaria Rekord nicht
besonder scharf bin (aber mit 3 Mal ganz gut in der Zeit bin), einen anderen
Rekord habe ich schon sicher. Ich bin der erste Voluntär, der mit der
Schrotflinte des Nachtwächters schießen durfte. Mit unserem „Watch-Man“ der in
Wechselschicht als Nachtwächter oder Tagsüber vorbei schaut verstehe ich mich
besonders gut und habe z.B. auch gelegentlich mal mit einem kühlen Guinness bei
ihm vorbei geschaut und mich mit ihm unterhalten. Gestern Nacht, als ich um kurz
nach 10 mit den andern vom Drinking Spot zurück kam, habe ich ihn dann gefragt,
ob ich mit seinem Gewehr schießen dürfte und er hat gemeint dass es noch ein
bisschen zu früh sei und ob ich damit schießen kann. „Klar, ist kurz vor halb 11
OK“ und so kam es, dass ich, kurz bevor die Hunde rausgelassen wurden, mit der
Schrottflinte einen Warnschuss in die Luft abgeben durfte. (Den Lautsprecher von
der Trotrostation gegenüber habe ich leider nicht
erwischt.)
Andenken: http://i37.tinypic.com/htrxbm.jpg
Soviel hier aus Ghana, ich wuensche euch alles Gute,
liebe Gruesse nach Deutschland und wir hoeren uns im zum Weihnachtsupdate
wieder.
Alles Liebe
Daniel
Oktober 2008 –NEPA (Never Expect Power All the time)
Hallo Deutschland. So lang wie der alte, aber
vollgepackt mit neuen Infos und Umlauten erwartet euch hier der jetzt schon 4te
Newsletter aus Ghana.
3.400 Miles away, it’s
raining in
(Leicht abgewandelt: Counting Crows: Raining in
Baltimore)
Bevor ich nach Ghana kam war es für mich
unverständlich wie es möglich ist, dass bei Regen jemand einfach nicht kommt.
Bisher war das glücklicherweise kein Problem, da ich a) immer noch keine
Klassenliste bekommen habe, es also nicht auffällt, wenn neue Schüler dazu
kommen und ein paar alte Schüler nicht kommen und b) die meisten Schüler direkt
neben der Schule im Hostel wohnen. Auf jeden Fall habe ich jetzt zumindest
Verständnis für dieses Verhalten. Wer einmal durch den Knöcheltiefen Schlamm der
aufgeweichten Dustroads gelaufen ist und die sintflutartigen Regenfälle erlebt
hat, der denkt sich auch: Eigentlich ist mein Bett doch auch ganz gemütlich.
Wäre ich nicht Lehrer und hätte eine Klasse die auf mich wartet und würde ich
nicht direkt gebenüber im Hostel wohnen, ich wüsste ehrlich gesagt nicht, ob ich
tatsächlich aufstehen würde. ;-) Die starken Regenfälle vor der Türe sind
ehrlich gesagt auch der Hauptgrund, warum ich mich heute dazu entschlossen habe
den neuen Newsletter zu schreiben. :-D Abgesehen davon, dass natürlich mal
wieder eine Menge passiert ist...
Dustroad: http://i33.tinypic.com/2py86mb.jpg
Meine
Malaria und ich
Im letzten Newsletter habe ich auch von meiner
Malaria erzählt. Ganz planmäßig habe ich meinen Unterricht gehalten, bin zum
Evening Prayer gegangen und habe Abendgegessen und bis Sonntag ansonsten wenig
gemacht. Montag ging dann alles wieder seinen gewohnten Gang. Im Laufe der
letzten Woche hatte ich schon seit Montag keine Lust aufzustehen (obwohl es
keine Anzeichen von Regen gab) und die Kopfschmerzen waren wieder da. Mittwoch
habe ich dann den Entschluss gefasst an meinem unterrichtsfreien Freitag zum
Arzt zu gehen. Lediglich ein kleiner zweistündiger Gottesdienst statt 15 Minuten
Assembly, zum Geburtstag unseres Rektors haben meinen Zeitplan etwas
durcheinander gebracht, und ein, zumindest für mich völlig überraschendes
Staffmeeting um 2 Uhr, den Rest des Tages bestimmt. Nachdem ich mich dann um 10
mit dem Trotro in Richtung Dar-Bem-Clinik gemacht habe, habe ich die nächsten
Stunden bis kurz vor 3 mit einem John Grisham und einer Packung leckerer
Koch-banenchips in der Klink verbracht und war stolz auf mich, aus meinem
letzten Besuch dort gelernt zu haben. (Da hatte ich weder Plantainchips, noch
ein Buch dabei und hatte davor auch nicht ne Menge getrunken. Diesmal gabs auf
dem Hinweg 2 Packungen Wasser) Gegen halb 3 wusste ich dann: Schön meine alte
Bekannte die Malaria ist zurück. Nur ob es eine Neue ist oder die Alte konnte
mir keiner sagen. Auf jeden Fall gab’s mal wieder eine kleine Auswahl aus der
Apotheke zum mitnehmen und Essen. Und einen neuen Termin am Montag. Etwas zu
spät war ich dann beim Staff-Meeting und konnte mir in der knappen Stunde bis
zur Geburtstagsfeier noch schnell die Daten für die Anfahrt zum Voluntärstreffen
ausdrucken. Mein Rektor hat übrigens etwas verwundert darauf reagiert, dass ich
ihm erst zufällig am Freitag vom Voluntärstreffen an Samstag-Sonntag erzählt
habe. Sowas sollte ich ihm doch lange im Voraus sagen. (Ich hatte es zwar am
Samstag oder Sonntag davor beim Abendessen vor allen Fathers erwähnt, aber da
war er mal gerade wieder bei irgendeinem anderen Meeting) In dem Zusammenhang
sollte ich vielleicht erwähnen, dass die FCP-Voluntäre* (*Siehe FCP und DVD) am
Donnerstag darüber unterrichtet wurden, dass erwartet wird, dass sie Freitag
Abend zur Geburtstagsfeier kommen und ich völlig ahnungslos in den Gottesdienst
am Freitag gestolpert bin und ansonsten über Staffmeetings i.d.R. so informiert
werde: „In 5 Minuten ist Staff-Meeting in dem Raum, komm mit.“ (Was mich schon
zwei mal das Mittagessen gekostet hat) Gestern hatte ich keine Stunden hab
ausgeschlafen und zum ersten Mal ein ueberraschendes Meeting verpasst. Zum Thema
Informationen darf ich einen AOK-Philosophen und Newsletterabonnenten zitieren:
„Scheiße fließt nach unten.“ Montag waren immer noch ein paar Parasiten im Blut
zu finden, aber zumindest nur noch ganz wenige. Mit ein paar Paracetamol gegen
die Kopfschmerzen durfte ich mich nach 5 Stunden dann zu meinen letzten zwei
Unterrichtsstunden auf den Weg machen und Mittwoch kam dann die erloesende
Nachricht: Keine Parasites mehr.
Meine
kleine Reiseapotheke: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi36.tinypic.com%2F6zn2pu.jpg
Deutschland ist nah –Voluntärstreffen bei
Kokrobitey
Samstag ging ich dann, mit Reiseführer Ghana im
Gepäck, der Anfahrtsbeschreibung (Trotro nach Accra, dort zum Kaneshie-Market,
dort Richtung Kokrobitey zur Old Police Barrier, dort mit dem Sammeltaxi zur
Salem Junction), der kleinen Malariaapotheke und einer großen Vorfreude zum
Voluntärstreffen, zu dem alle deutschen Weltwärtsvoluntäre in Ghana eingeladen
waren. Wir waren eine beachtliche Zahl, knapp 30, wenn man rechnet dass nur
Weltwärtsvoluntäre, nur die die Zeit, Lust und keine allzu lange Anfahrt hatten,
dabei waren. Es sind doch deutlich mehr Voluntäre in Ghana als man denkt. Das
Treffen war in vielerlei Hinsicht interessant. Man hat eine Menge über die
Arbeit der andern Voluntäre erfahren, aber auch, dass es bei den wenigsten
Projekten heißt: „Hurra da kommt jemand um kostenlos zu arbeiten“. Die Welt
verändern wollte keiner, aber zumindest eine sinnvolle Arbeit erledigen, wollen
alle. Ein Voluntär hat sich nach dem Treffen sogar auf den Weg zureck nach
Deutschland gemacht, weil er 3 Monate nichts sinnvolles zu tun hatte und auch
keine Aussicht auf eine bessere Arbeit hatte. Auch Computerunterricht ohne einen
einzigen Computer oder eine Tastatur stelle ich mir interessant vor.
Gelegentlich ergänzt von einem Besuch mit den Schülern im Internetcafe,
natürlich aus eigener Tasche finanziert. Da kommt einem gleich der Streit um ein
paar Kopien viel weniger bedeutungsvoll vor. Mit meinen 15 Wochenstunden und
ausreichend Zeit zur Vorbereitung des Unterrichts hier am Computer (+ wohl einer
10-Finger-Schreib-Lerngruppe nach den Midterm-Exams) kann ich wohl sehr
zufrieden sein. Das hab ich den Fathers am Sonntag abend dann fairerweise auch
gesagt. Auch wenn man erfährt dass einige in Gastfamilien leben, die keinen
Wasseranschluss haben und den Rat: „If it’s yellow, let it mellow, if it’s brown
flush it down“ befolgen, weiß man auch die kalte Dusche die einen hier in
Ashaiman erwartet mehr zu schätzen. Die überraschende Tatsache dass geschätzt
die Hälfte aller Voluntäre Vegetarier sind, fand ich überraschend aber natürlich
klasse. Nach zwei Monaten: „You don’t eat meat? –Why?“ doch auch mal eine nette
Abwechslung. Vegetarismus und Ghana ist auch die ein oder andere Geschichte
wert. Das musste ich den Fathers dann natürlich auch unter die Nase binden. Die
andern Voluntäre sind allesamt wahnsinnig nett und ich habe zwei sehr
interessante Tage mit einigen Gesprächen auf der Dachterasse und am Strand bzw.
Im Meer verbracht. Und einigen Voluntären begegnet man wohl auch so wieder, bzw.
evtl. beim nächsten Treffen. Da bin ich auf jeden Fall auch wieder
dabei.
Voluntärstreffen: http://i35.tinypic.com/2ufehkh.jpg
Was ist
mit Philip? –Ghanaische Planung X
Ein Montag wie jeder andere? -Nicht ganz, unser
Computerlehrer bzw. auch mein Vorgesetzter Philip ist nicht da. Und kommt auch
den Rest der Woche nicht wieder. Nachdem ein paar Versuche ihn anzurufen seitens
der Schulleitung gescheitert sind, erzählt er meiner Lehrerkollegin am Handy,
dass er am Donnerstag wieder zurück
ist. Natürlich habe ich mich bereit erklärt seine Softwareklassen zu übernehmen,
solange er weg ist, während ein dritter Kollege seine Hardwarestunden übernimmt.
Donnerstag taucht er kurz vor Ende des Nachmittagsunterrichts auf und sagt mir,
dass er Freitag auch nicht kommen wird. Montag habe ich dann erfahren, dass er
nicht mehr kommen wird und seine Stunden auf uns drei aufgeteilt werden.
Dienstag erfahre ich dann, dass ich jetzt nicht nur ein erstes und ein zweites
Lehrjahr habe, sondern jetzt auch noch Auto 3. Heißt ich verbringe meine freien
Stunden gerade mit dem erarbeiten von Excel-blättern, wofür eigentlich Teile der
Weihnachtsferien vorgesehen waren. Jetzt kann ich teils auch die ghanaische
Lebensweise besser verstehen: Warum Pläne für morgen machen, wenn doch eh alles
anders kommt? Insofern bereite ich jetzt nur noch die nächsten Stunden vor und
lasse mich beim Rest einfach überraschen. Ansonsten ist das Leben hier aber
ziemlich angenehm.
Hier kaufen
wir unser Fruehstuecksbrot -Lecker: http://i34.tinypic.com/a0wdav.jpg
Drinking
Spot (Bar) und Geschaefte: http://i36.tinypic.com/34xqgz6.jpg
Ein echter
Ghanaer kann ueberall schlafen: http://i38.tinypic.com/8ygy2x.jpg
(haelt bis zur naechsten Kurve)
Versucht
das mal nem deutschen Polizisten zu erklaeren: http://i35.tinypic.com/ivverm.jpg
Light
off
Nachdem ich Montag nach dem Arztbesuch sowieso schon
sehr widerwillig 2 Unterrichtsstunden verpasst hatte (immerhin hab ich Bescheid
gesagt und für Ersatz gesorgt) und nicht auch noch mehr verpassen wollte (und
vor allem mit Auto 2 einen Test schreiben wollte) habe ich mich dann direkt aus
der Arztpraxis raus in das nächtbeste Taxi gesetzt. Auto 2 bescheid gesagt, dass
ich in 10 Minuten da bin und da hat sich der ghanean way of life das erste Mal
richtig gerächt: Ich hatte den Test zwar auf einem USB-Stick, der war
blöderweise aber in meinem Zimmer im Hostel und das Hostel war gerade
abgeschlossen. Also schnell an den Computer auf dem ich den Test vorbereitet
habe, der blöderweise keinen Drucker hat. Kurz einen USB-Stick ausgeliehen und
festgestellt dass im Provinzialhaus gerade Stromausfall ist (mal wieder) und mit
dem USB-Stick in die Schule gerannt. Dort habe ich dann völlig außer Atem unsere
Sekretärin gebeten mir die 2 Seiten auszudrucken und mit dem Rektor kurz
verhandelt dass ich tatsächlich 60 Seiten kopieren darf (2 Seiten a 30 Schüler).
„Nein ich werde garantiert kein Bild vom Word-Bildschirm an die Tafel malen und
die gut 30 Fragen an die Tafel pinseln um Kopien im Wert von 3 Cedi zu sparen
(1,80 Euro), die ich gerade dem Taxifahrer gegeben habe, dass er mich von der
Klinik zurück bringt. Vor allem nicht, wenn ich eh schon schauen muss, dass ich
mit dem Test rechtzeitig vor Schulende fertig werde. Ansonsten kann ich mich
über die nicht beklagen. Wir haben immerhin einen Beamer, ein Computernetzwerk,
2 Computersäle (einen dummerweise ohne Beamer, was heißt das ich gelegentlich
die Symbole und Sachen auch zeichnen darf) und die Entscheidungen von Father
Blamoh, zumindest als Rektor, sind meistens fair. Das nächste mal (wenn nicht
gerade wieder Light off ist) mache ich die Kopien halt im Provincal House und
zahle die 5 Pesewas (3 Cent) pro Kopie eben selbst.
Der Test verlief ganz gut. Auch wenn 2 Schüler -sehr
offensichtlich- abgeschaut haben und daraufhin eine 6 – 0 Punkte und die Aufgabe
nach der Schule die Voluntärsküche zu putzen bekamen. (Der fairness Halber
sollte ich dazu sagen, dass ich es im Voraus gesagt habe, die Schüler ansonsten
auch die Schule putzen, nur halt während und nicht nach der Schule und ich beide
anschließend auf ne Tasse heiße Schokolade eingeladen habe. Father Blamoh fand
die Strafe jedenfalls gut. Während sie die Küche auf Vordermann gebracht haben,
habe ich schon mal nen Teil der Tests korrigiert).
Darf ich
bitten –Shall we dance?
Seit ein paar Wochen haben wir auch Stanley, unsern
Local Ghanean Volunteer, der mir in seinem Denken teils europäischer ist als
unsere europäischen Brothers und Fathers. Sätze wie z.B.: Er macht
Voluntärsdienst, weil ihm die Don-Bosco-Kirchengemeinde vieles ermöglicht hat
und er der Gemeinschaft etwas zurückgeben möchte und vieles andere, sind für
einen Ghanaer völlig überraschend. Mit Stanley verstehe ich mich ausgezeichnet.
Jedenfalls hatte Stanley vor 2 Wochen den Abschlussball seines Tanzkurses und
Johannes und ich waren eingeladen. Ich habe mir die Gelgenheit natürlich nicht
entgehen lassen und sogar die letzte Tanzstunde mit Stanley zusammen besucht.
Und das war auch besser so. Meiner Vorfreude: „Hey du kannst da richtig mit
deinen Goldstar-Kenntnissen angeben“, folgte die Ernüchterung: „Hey die tanzen
ja fast alles anders.“ Mit ein bisschen Vorbereitung am nächsten Tag wurde der
Abschlussball dann auch für mich richtig lustig. Natürlich erst, nachdem wir auf
dem Markt auch eine Fliege besorgt haben. Ein Sakko habe ich zum Glück
mitgebracht. :-D Auch wenn ich in vielen Tänzen zumindest den ghanaischen
Grundschritt hinbekommen habe, konnte ich beim ghanaischen Highlife
(Nationaltanz) dann einige Dinge aus Cha-cha-cha, Discofox und Jive einbringen.
(Da lohnt sich der Satz aus dem Latain-Kurs, dass man bei der Merenge die Sachen
vom Discofox, statt auf 3 auf 8 Schläge tanzen kann). Jedenfalls wurde es ein
richtig schöner Abend und zur Abwechslung statt 10:30 um 2 Uhr morgens
anzukommen, hat auch was für sich.
Highlife (Musikdatei): http://www.hotshare.net/audio/88396-48696683ce.html
Stanley + Ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi35.tinypic.com%2F34g3jt4.jpg
Darf ich
bitten? http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi34.tinypic.com%2F2qrzodj.jpg
Drummer
Group: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi33.tinypic.com%2F160vi2d.jpg
Drummer
Group II: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi36.tinypic.com%2F2roovfr.jpg
Tänzerin: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi33.tinypic.com%2F2jeb8dw.jpg
Ich
und die Tänzerin: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi37.tinypic.com%2F2qd4tvr.jpg
Mit
meiner Tanzpartnerin: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi35.tinypic.com%2Fwb69.jpg
Ein Gast
aus Deutschland
Johannes hatte beim Abschlussball leider keine Zeit,
das gerade seine Freundin aus Deutschland zu Besuch ist. Auch wenn ich sie nur
ein paar Tage gesehen habe, kann ich nur Positives über sie berichten. Und das
sage ich nicht nur, weil ich über den original-Espresso-Maker aus Deutschland
unendlich froh bin. ;-) Den bekommt man hier nämlich nicht. Der Ghanaer kennt
fast nur Instant-Kaffee. Klingt komisch –Ist aber so. Und die Variante den
Pulverkaffee mit Kaffefiltern durch einen Trichter laufen zu lassen ist zwar
auch ganz nett und hat was für sich, aber so eine richtige Espressomaschine auf
dem Gasherd... mhhhm. Aber zurück zu Johannes Freundin. Irgendwie ist es ja
schon ärgerlich, wenn die Bahn zwei Stunden Verspätung hat. Wenn es aber die
Maschine der KLM nach Amsterdam ist und man seinen Flug nach Ghana verpasst und
eine Nacht in Amsterdam verbringen darf, dann ist das natürlich doppelt
ärgerlich. Einen Tag später kam sie dann in Accra an und hat sich nach ein paar
Tagen hier im Center dann, mit Johannes, auf einen Trip durchs Land gemacht. Im
Moment verbringen sie ein paar Tage in der Green Turtle Lodge am Strand.
FCP und
DVD
Wer oder was ist eigentlich das FCP? Das FCP ist der
First Contact Place für Straßenkinder in Ashaiman, ein weiteres Projekt neben
Tema-Newtown (dort arbeitet Johannes). Der Unterschied ist, dass die Kinder im
FCP auch ein Hostel mit dabei haben und sich dort den ganzen Tag um die Kinder
gekümmert wird, die oftmals keine Familie und kein zuhause haben, während Tema
Newtown eben eine Schule ist, für Kinder die durch das Schulsystem gefallen
sind. Die aber meist bei irgendwelchen Verwandten oder teils sogar Elternteilen
wohnen. Die FCP Voluntäre arbeiten auch unter dem Dach der Saleasians of Don
Bosco der NGO in Ghana, während es in Deutschland 2 verschiedene Organisationen
gibt, die Salesianer Don Boscos die Johannes und mich nach Ghana geschickt
haben, während die FCPler in Deutschland von den Oblaten betreut werden, die
sich zwar auch auf Franz von Sales berufen, aber nicht so sehr Don Bosco zum
Vorbild haben... oder so. Auf jeden Fall ist das Projekt sinnvoll und die Leute
sind nett. Auch wenn beide Seiten die Oblaten und die Salesianans of Don Bosco
vermutlich nächstes Jahr was Eigenes machen. Hindert uns natürlich nicht daran
uns auszutauschen, im Drinking Spot zu sitzen oder, jetzt wieder geplant: Einen
gemütlichen Stephen-King-DVD-Abend zu veranstalten. Die FCPler sind Hanna,
Katharina, Jonathan und Robin, die in einem eigenen kleinen Voluntärshaus in
mitten von Ashaiman wohnen und es mit einer Moschee direkt nebenan, auch nicht
besser als ich mit der Trotro-Station erwischt haben (Mit Muhezin, der jeden
Morgen, mit besonderer Inbrunst im Ramadan, von seinem Minarett schreit Vs. auf
mein Zimmer gerichtete Lautsprecher, die mit den Durchsagen auch mal um 4:30 Uhr
anfangen, aber nicht mehr aufhören).
Get a
ghanean Haircut
Einen Tag nach dem Tanzball habe ich mich dann
entschieden, dass es Zeit ist sich auch mal einen ghanaischen Haarschnitt zu
verpassen. Ganz so kurz musste er natürlich nicht sein, aber schön kurz und ein
bisschen anderer Bart durften es natürlich schon sein. Für 4,50 Cedi (2,70) kann
ich mich da nicht beklagen, obwohls einen Schnitt mit dem Rasierer auch schon ab
einem Cedi gibt. Vielleicht hab ich ja den Obroni-Preis bekommen, aber solange
die Haare noch auf dem Kopf sind, die Ohren noch da sind, der Friseur weiß was
er macht und auch noch halbwegs gut English spricht, ist mir das die 2,70 Euro
auch wert. Als Obroni (Weißer) bekommt man halt doch die „Spezialpreise“.
Vielleicht ändert sich ja was daran, wenn ich endlich mal ein paar Sätze auf Twi
gelernt habe. Zumindest kann ich auf „Obroni, Etisej“ (Weißer wie geht’s) mit
„Eje“ (Gut) antworten, was einem eigentlich bei jedem Gang über den Markt oder
durch die Straßen gut gelaunt von den Marktfrauen hinterhergerufen wird. (Stellt
euch das mal in Deutschland vor: Heeeeeey Schwarzer? –Wie geht’s?) Und einen
Satz auf Ewe kann ich mir auch ganz gut merken: „Fickende Hena?“ (Wohin gehst
du?) Ich frag mich nur woran das liegt. :-D Damit werden die FCP-Voluntäre jeden
Morgen von ihrer Nachbarin begrüßt. Die mittlerweile auch weiß was der Satz auf
Deutsch heißt und sich jedes mal köstlich darüber amüsiert. Dafür kann einer der
FCP-Voluntäre mittlerweile auch sagen: Ich muss nach Hause um ein Ei zu legen.
(angeblich hieß es: Ich muss nach Hause um mich auszuruhen). Und Stanley
antwortet auf: „Prost ihr Säcke“ auch schon auf Deutsch mit: „Prost du Sack.“
:-D Die Österreicher haben einem Ghanaer auch schon beigebracht im astreinen
wienerisch zu sagen: „Hoald’d Goschn“. Zumindest das Ziel der
Völkerverständigung von Weltwärts ist damit erreicht.
Mit neuen
Haarschnitt und Plantainchips im Trotro: http://i35.tinypic.com/2w3252h.jpg
Das wars mal wieder an News aus Ghana ich wuensche
ich dann alles Gute, liebe Gruesse nach Deutschland und wir hoeren uns im
November wieder.
Alles Liebe
Daniel
September II 2008 –Hurra, Hurra: Malaria!
Hallo Deutschland, hallo Bayern. Nicht nur die TK und
die KKH haben sich auf Partnersuche gemacht, auch die CSU darf sich jetzt auf
die Suche nach einem Koalitionspartner machen und auch wenn der letzte
Newsletter erst 2 Wochen zurück liegt, gibt es heute schon wieder einen
Newsletter, damit der nächste nicht wieder so lange wird. Es ist nämlich nicht
nur in Bayern sondern auch hier in Ghana einiges passiert.
Endlich
Unterricht:
Am 15. September war Schulanfang, zumindest waren die
meisten Schüler schon mal in der Schule. Wirklich Unterricht gab es noch nicht.
Noch nicht mal einen Stundenplan. Die erste Woche standen eh nur Ansprachen,
Vorbereitung auf den Gottestdienst usw. auf dem Programm. Und somit sieht es der
Ghanaer auch nicht ein, warum man einen Stundenplan über einen so langen
Zeitraum im Voraus erstellen sollte (evtl. um sich auf den Unterricht
vorzubereiten). Jedenfalls gab es den ersten vorläufigen Stundenplan am Freitag
Nachmittag. Das war auch das erste mal, dass ich erfahren habe, dass ich nicht
nur ersteLehrjahre sondern auch ein zweites Lehrjahr unterrichte. Meine Frage:
“Wie weit sind die vom Stoff” wurde dann auch ghanaisch geklärt: “Keine Ahnung,
Frag sie einfach.” Außerdem wurden dann noch einige Veränderungen
durchgesprochen und ich hatte mich von 13 auf 16 Wochenstunden a 60 Minuten
verbessert. Und der tatsächliche vorläufige Stundenplan würde am Montag
rauskommen. Aber ich wusste zumindest mal dass ich jetzt 2 zweite Lehrjahre hab.
Montag früh hat natürlich noch keiner Gedanken an den
Stundenplan verschwendet, zumindest niemand der einen erstellen könnte. Man hat
ja noch ein paar Stunden Gottestdienst zum Schuljahresbeginn vor sich. Der ging
dann auch tatsächlich bis kurz nach 11. Um 11:20 habe ich dann meinen
Stundenplan bekommen und hatte plötzlich nur noch 14 Stunden, aber dafür nur ein
zweites Lehrjahr und die erste Stunde um 11:15 also vor 5 Minuten. Nichts wie ab
in die erste Klasse und nach der Stunde nachgefragt, weil mir irgendwas von den
Zeiten her komisch vorkam. Ja da ist ein Fehler drin, das muss “12:45 statt
13:45 heißen”. “Aber die Stunde hier fängt um 13:45 an?” “Ja” “100% 13:45?”
“Ja”. Was soll ich sagen: 50 Minuten nach 12:45 erhielt ich von unserm andern
Computerlehrer einen Anruf, wo ich bleibe ich hab seit 50 Minuten wieder
Unterricht. Dienstag gab’s dann wieder nen neuen vorläufigen Stundenplan und 2
Klassen haben eine Computerstunde die Woche weniger, ich hab aber dafür eine
neue Klasse mit einer Wochenstunde bekommen, bin jetzt also auf 12
Wochenstunden.
Gestern (Montag) eine Woche später gab es dann den
engültigen Stundenplan, bei dem sich bei mir allerdings nichts mehr verändert
hat. Im Gegensatz zur ghanaischen Organisation macht allerdings der
Computer-Unterricht richtig Spaß. Insgesamt habe ich 5 Klassen: Auto 1 Lehrjahr,
Auto 2 Lehrjahr, Auto Proficiency, Elektroinstallation und Elektronik jeweils
das erste Lehrjahr. Auto 2 und die Installateure je 2 Wochenstunden, Auto Profy
1 Stunde, Auto 1 3 Wochenstunden und die Elektriker haben 4. Die Schulstunden
mit 60 Minuten sind in dem Fall ziemlich praktisch und der Unterricht fängt,
zumindest bei den ersten Jahren wirklich bei 0 an. Die eine Hälfte war schon mal
im Internet und kennt sich ein bisschen aus, aber wirklich Erfahrungen in Word
und Excel hat niemand. Word und Excel sind auch mein Ziel für dieses Jahr und
evtl. noch ein bisschen Internet und Power Point. Aber mal schauen wie weit wir
kommen.
Die erste Stunde sah bei allen gleich aus: Eine Power-Point-Präsentation mit Bildern aus
Deutschland, in der ich mich vorstelle und „5 Regeln für eine erfolgreiches
Jahr“. (Die Regeln waren dann: Helft euch Gegenseitig, stellt Fragen, macht euch
Notizen usw. und: Let’s make it practical). Nach diesem Motto haben wir uns dann
gleich mal der Grundausrüstung: Monitor, System Unit, Keyboard und Mouse
zugewandt und uns mit dem Unterschied zwischen Anwendungsprogrammen und
Betriebssystemen (Application Program and Operating System) beschäftigt. In der
nächsten Stunde haben wir dann einen alten Computer aufgeschraubt und uns
Prozessor, RAM und Co. mal aus der Nähe angeschaut. Die ersten Ausfragen habe
ich auch schon hinter mir. Gleich beim ersten mal hab ich nen Volltreffer
gelandet und jemanden ausgefragt, der die letzte Stunde gar nicht da war und
dann auch promt ne 5 bekommen hätte. In dem Fall hab ich die Note nicht
gewertet. Der Schüler in der andern Klasse war zwar da, hat aber auch ne 5
bekommen. In der dritten Klasse war die Ausfrage wesentlich angenehmer. Der
Schüler hatte aufgepasst, sich Notizen gemacht und obwohl wir vom Stoff schon
wesentlich weiter waren, als die andern beiden Klassen hat der gleich mal ne 2
bekommen und der Tag war gerettet (und der Unterrichtsstoff wiederholt).
Englisch macht auch keine Probleme. Teilweise ist es echt faszinierend, wenn man
sich nach 2 Stunden Unterricht denkt: Hey du hast grad 2 Stunden komplett auf
Englisch gesprochen: Cool.
Geburtstag
in Ghana
Am 23. September, dem zweiten richtigen Schultag
hatte ich dann auch schon Geburtstag. Und was für einen. Neben zahlreichen
Glückwünschen aus Deutschland (vielen Dank nochmal an alle...) gab es auch ein
paar ghanaische Überraschungen. Die erste davon gleich am Morgen beim Assembly.
(Beim Assembly versammelt sich morgens die ganze Schüler und Lehrerschaft vor
Schulbeginn um über wichtige Neugikeiten informiert zu werden und um die
Nationalhymne zu singen) Die komplette Schule hat mir ein Geburtstagsständchen
gesunden und ich hab eine auf die Schnelle irgendwo abgerissene Blume bekommen,
die zwar mehr Dornen hatte als sonst was, aber der Wille zählt. Am Abend durfte
ich dann noch eine Ansprache halten auf die ich allerdings nicht allzu scharf
war. Ich hab nach 1 ½ Monaten den ghanaischen Humor leider immer noch nicht
verstanden. Zumindest kann ich nicht einschätzen was dazu führt dass sich alle
ne halbe Stunde lang totlachen oder Totenstille herrscht. Witze fallen also
schon mal Flach. Aber dann habe ich erzählt, dass ich kurz vor meinem Abflug
mehr Bekannte, Verwandte und Freunde gesehen habe, als im ganzen Jahr zuvor und
man manchmal weit weg fliegen muss um den Leuten die man mag ganz nahe zu sein
und auch dass ich mich hier trotz des langen Fluges und meiner Erschöpfung, von
der ersten Sekunde an wie zu hause gefühlt habe und wenn ich in meinen Raum oder
in die Schule komme, das Gefühl habe zuhause zu sein. Das kam ganz gut an.
Auch ganz gut an kam das Geschenk von meinem
Mitvoluntär Johannes: Ein deutscher Salat mit Schafskäse, Dressing und Tomaten.
Echter Schafskäse...
(Muss importiert und gekühlt werden und ist damit
natürlich ziemlich teuer) Ich hab mich noch nie so über nen Salat gefreut. :D
Von der Gemeinschaft hab ich ein ghanaisches Geschenk bekommen. In Ghana ist es
Tradition Seife, Zahnpasta und Co. zu schenken, da das früher und teils auch
heute noch, ziemlich teuer ist. Hab mich natürlich trotzdem gefreut.
:-D
Eingeleutet habe ich den Geburtstag übrigens mit
einem Kompromiss: Nachdem die Hunde um 10:30 rausgelassen werden, habe ich mit
Johannes um 10 Uhr ghanaischer, aber um Mitternacht deutscher Zeit angestoßen.
Und wir waren 5 Minuten vor den Hunden zurück. Freitag kamen dann 4 Voluntäre
die im First Contact Place arbeiten, aber zumindest organisatorisch zu den
Salesianern zählen. Wir haben dann zu sechst gemütlich mit nem Kasten Star,
zuerst in der Küche und dann auf
dem Wasserturm gefeiert. Wurde ein schöner Abend, wenn auch, dank der Hunde, ein
bisschen kurz. Um kurz vor halb 11 war natürlich wieder Schluss.
Hurra,
Hurra: Malaria
Freitag morgen ging’s Johannes schon nicht so gut und
nachdem in Ghana eigentlich so ziemlich alles auf Malaria hindeuten kann, ist er
dann auch in die Klinik und: Bingo –Malaria. Heißt erst mal alle möglichen
Antimalaria und 3 mal täglich 2 Paracetanol. Damit gab’s für Johannes
logischerweise auch kein Star, sondern nur Cola am Abend. Malaria ist in Ghana
fast so wie ne Grippe, es erwischt eigentlich jeden Früher oder später mal. Zwei
Österreicher fast zeitgleich, gerade als ich sie beim Workshop in Sunyani
besucht habe, Tobias hatte sie 3 mal, ein Österreicher hält den Salesianerrekord
mit 7 mal in 10 Monaten und der Ghanaer bekommt sie wohl auch ab und an mal.
Insofern nicht tragisch. Nur halt tödlich, wenn man sie nicht behandelt. Ein
Bluttest ist auch schnell gemacht und kostet zwischen 5-12 Cedis (3-7,20 Euro)
und 20 Minuten später sieht man auf einem Feld: Malaria ja/nein oder was es
sonst sein könnte.
Heute in der Reihe: „Dinge die von denen ich nie
gedacht hätte, dass ich sie mal gut finden würde, die in Deutschland aber doch
tatsächlich ganz gut sind, wenn man die Altarnative dazu aus Ghana kennt“ –Lärm.
Wenn morgens pünktlich um 5 Uhr früh die ersten Durchsagen der Trotrostation
über den Lautsprecher geschaltet werden oder die Schulglocke egal ob Morgens um
7:30 oder um 3 Uhr in der Nacht alle dreiviertel Stunde auf vollster Lautstärke
klingelt oder der Muezin einen Morgens um halb 4 begrüßt, dann wünscht man sich
doch die freundlichen zwei Polizisten mit: „Ihre Nachbarn haben sich über
Ruhestörung beschwert.“
Gestern Morgen war aber irgendwie komisch. Ich bin um
halb 5 in der Früh aufgewacht und das Geräusch das ich gehört hab, klang ganz
wie eine Ratte die auf meinem Fenstersims herumturnt. Das ist in Ghana gar nicht
so selten, wie die zahlreichen durchgebissenen Fliegengitter bezeugen. Während
sich der Ghanaer denkt: Cool ich hab nen Stock zur Hand und muss mir schon mal
keine Gedanken über mein Mittagessen machen (kein Spaß, kann man tatsächlich
grillen und mit Sauce essen) war mir bei dem Gedanken, dass gleich eine Ratte
durch mein Zimmer spaziert nicht unbedingt wohl. Und als Tierfreund wäre es mir
am Liebsten, wenn die Ratte einfach durch die Tür abhaut und dort hin
verschwindet wo sie hergekommen ist. Ich hab mich dann aber doch dazu
durchgerungen die Fenster zuzumachen und dann mutig, aber ohne Plan ins Bad
gewagt: Keine Ratte.
Naja, weiterschlafen. Aber siedenheiß ist mir dann
noch eingefallen: Lariam (gegen Malaria nehmen). Eigentlich ja mit Wasser, aber
das einzig trinkbare Wasser ist in der Küche und dazu müsste ich mich anziehen
und durch’s Haus. Muss also ohne gehen. Irgendwie ist mir aber sofort nach dem
Lariam (wegen dem Lariam?) übel geworden. Nach ner viertel Stunde hab ich mich
dann doch kurz angezogen und bin in die Küche und hab Wasser und ne Scheibe
Toast geholt. Wurde aber nur ein bisschen besser. Während dem Unterricht hab ich
gar nicht mehr dran gedacht. Aber nachdem die Schule dann aus war hatte ich
ziemliche Kopfschmerzen. Vielleicht zu wenig getrunken? Also Wasser und Cola und
dann ein bisschen ausruhen. Das mit dem ausruhen hat dann auch nicht so
geklappt. Ich lag kaum auf dem Bett, da hat sich dann mein Magen zu Wort
gemeldet. Vermutlich war es dann doch nicht die Lariam? Kopfschmerzen? Übelkeit?
Klingt schon mal ernst. Wenn jetzt auch noch Schlaflosigkeit dazu kommt...
Fieber wäre ein ganz guter Hinweis? Wie viel Körpertemperatur ist normal...? Ich
meine ein Bluttest kostet 5 Cedi... Mal vorsichtig bei den Fathers angefragt: Ja
geh morgen früh mal zum Arzt. Weitere Nebenwirkungen wären übrigens:
Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit, Müdigkeit, obwohl man sich nicht angestrengt
hat. Appetitlosigkeit kann ich mir überhaupt nicht
vorstellen...
Aber somit stand der heutige Tagsplan auch schon
fest. Heute ist hier übrigens Feiertag: Ende des Ramadans à Fastenbrechen. Passend dazu war mir nach dem
Aufstehen immer noch kotzübel.
Aber wer sich fragt warum ist an einer katholischen
Kirche das Ende des Ramadans Feiertag? –Hier in Ghana gibt es beides,
christliche und muslimische Feiertage. Da kann man sich echt nicht beklagen.
Andererseits hab ich mir nen Feiertag natürlich auch
anders vorgestellt als von morgens nach dem Frühstück (hey immerhin um 9 Uhr
morgens) bis irgendwann nach 3 in einer Klinik zu sitzen und zu warten. Aber
wenigstens hatte ich dann um kurz nach drei als ich die Klink verlassen hatte
die Gewissheit... Und eine Tüte vollgepackt mit Paracetanol, Artemos, Malareich
und ORS. Wie sollte es anders sein: Malaria.
Ich bin mal gespannt wie’s weitergeht. Auf jeden Fall
hab ich morgen eine gute Ausrede das Assembly zu schwänzen und mal schauen ob
ich Donnerstag zumindest mal zu meinen 5 Unterrichtsstunden komme. Danach hätte
ich erst wieder am Montag Unterricht und genug Zeit mich auszuruhen.
Das mit der Ratte war wohl übrigens einfach nur ein
Nieselregen, der sich genauso angehört hat wie eine laufende Ratte. Aber
wenigstens werde ich nicht verrückt. (Und wenn dann kann ich es immer noch auf
die Nebenwirkungen von den Medikamenten schieben).
Ich hoffe euch in Deutschland geht’s allen Gut (und
mir hoffentlich auch bald wieder). Und ich melde mich mit einem neuen
Newsletter, wenn die Wirkung der ganzen Medikamente so langsam wieder
nachgelassen hat. ;-)
Alles Liebe
Daniel
September 2008 –Leben und gehen lassen!
Hallo Deutschland. Nach genau einem Monat in Ghana
gibt es heute den zweiten Newsletter. Heute war offizieller Schulbeginn,
wirklich los geht es aber erst ab Montag nächster Woche, da erst mal die
Vorstellung der Lehrer, Ankündigungen usw. auf dem Programm stehen und die
Schule (von den Schülern) geputzt wird. Zum Thema ghanaische Gelassenheit:
Irgendwann gegen Ende der Woche wird dann auch der endgültige Stundenplan
feststehen. Bisher weiß ich nur die Stundenzahl und dass eine Schulstunde seit
diesem Jahr wieder 60 Minuten hat.
Rückflug
Am 1. September hat sich Tobias von uns verabschiedet
und ist nach Deutschland zurück geflogen. Nach 10 Monaten in Ghana hatte er
natürlich ein paar Kilo mehr als die erlaubten 20 in seinem Koffer und mit 8
Kilo im Handgepack auch dort ein Kilo zu viel. Nachdem das Kilo Übergepäck ca.
45 $ gekostet hätte hat sich die Gepäckabgabe ein bisschen verzögert. Zurück zu
uns, ein paar Kilo raus aus dem Koffer, ein bisschen was raus aus dem
Handgepäck, dann zurück, Koffer eingecheckt, Handgepäck wiegen lassen und nach
der Gepäckabgabe einfach alles komplett ins Handgepäck... (das dann irgendwas
zwischen 15 und 20 Kilo hatte). :-D
Hooray!
Hooray! It's A Holi-holiday
Die Zeit bis die Schule anfängt habe ich natürlich
sinnvoll genutzt und gleich mal ein paar Tage Urlaub genommen um das Land zu
erkunden. Da Johannes’ Schule in dieser Woche nur einen Lehrer gehabt hätte
(nämlich ihn) wurde sie für eine Woche geschlossen und wir hatten Zeit für einen
spontanen Auflug von Mittwoch bis Sonntag.
Reisen in Ghana ist immer ein besonderes Erlebnis,
insbesondere wenn man mit dem Trotro unterwegs ist. Allzu viele Gedanken über
die Sicherheit in Trotros und Taxis sollte man sich nicht machen. Zumindest
nicht wenn man ruhig (im Trotro) schlafen möchte. Dass der Tacho bei so gut wie
keinem Trotro oder Taxi funktioniert ist eher noch das geringste Problem, der
Fahrer fährt eh was die Kiste her gibt. Was in Deutschland vorausschauendes
Fahren und Überholen nur auf übersichtlichen Stücken ist, wird in Ghana durch
die Hupe ersetzt. Bergauf einen LKW überholen, wenn man nicht über die Kuppe
sieht, ist an der Tagesordnung. So überholen, dass man es dank beherztem Bremsen
des Gegenverkehrs und Einschren mit Sicherheitsabstand von 2 cm zum Hintermann
gerade noch so geschafft hat, gehört auch mit dazu. Und auch die Frage wie viel
Profil ein Reifen haben muss, damit man ihn noch fahren kann wird in Ghana
anders als in Deutschland beantwortet. (Ghana bekommt nicht nur die
ausgemusterten europäischen Autos, sondern auch die ausgemusterten Reifen). Ein
Reifen wird dann aussortiert, wenn er während der Fahrt geplatzt ist. Ich möchte
mir nicht unbedingt vorstellen, was einem da passiert, wenn man unangeschnallt
(Gurte gibt’s da nicht) auf einer der Bänke sitzt die weniger Beinfreiheit
bieten als ein Billigflieger.
Tro-Tros
Während man in Deutschland einen Airbag mittlerweile
fast schon zum Standard zählt, sind in ghanaischen Taxis schon Nackenstützen
verzichtbarer Luxus. Auch sehr interessant ist die Trotro-Variante von einem
Kofferraum. Bei den meisten Trotros werden so viele Sitze reingepresst wie nur
irgendwie möglich (inkl. Klappsitze für den Gang) für einen Kofferraum bleibt da
natürlich kein Platz. Das meiste landet entweder auf dem Dach oder wird
irgendwie mit Stricken bei offener Hintertür befestigt. Wenn es regnet wird aber
auch schon mal ne Plastikfolie drüber gespannt. So wird dann wirklich alles
transportiert. Mein Liebling waren die Ziegen auf dem Dach...
Was seht ihr hier? a) Einen Krankenwagen, b) ein
Trotro: http://i33.tinypic.com/s5e89g.jpg
Und der Begriff „Überladen“ ist für Afrikaner auch
ein Fremdwort. Genauso wie der Mate (sozusagen der Beifahrer der kassiert, aus
dem Fenster schreit wo das Trotro hin fährt und dem man sagen kann wo man
aussteigen will) auch mal seinen Platz frei macht und aufs Dach steigt, wenn
noch jemand mit will. Was man irgendwo irgendwie am Trotro festmachen kann, kann
auch transportiert werden. In Benin ist sogar mal ein Flugzeug ins Meer
gestürzt, weil es völlig überladen war und nicht abheben konnte und auf der
Rückfahrt von Sunyani (kommt gleich) hatte ich auch Gelegenheit einen LKW zu
bewundern, der wegen des Gewichts buchstäblich zusammen gebrochen ist.
Umgekippte LKW, Kieslaster usw. am Straßenrand sind auch an der Tagesordnung.
Auf der Sunyani-Rückfahrt (ca. 300 km) habe ich 5 gezält.
Man kann ein Trotro nicht überladen... http://i36.tinypic.com/30tjgas.jpg
Wer längere Zeit in Ghana ist, versteht auch warum
SUVs und Pick Ups in Ghana so beliebt sind: Wenn’s Stau gibt nimmt man halt eine
Abkürzung und macht seine eigene Straße oder eröffnet eine neue Spur direkt
neben der Straße. Aber auch auf den regulären nicht geteerten Straßen (Dust Roard und das sind glaub ich
70-80% aller Straßen) gibt es gewaltige Schlaglöcher und Pfützen. Gibt es dann
mal ordentliche Straßen ohne Schlaglöcher, gibt es als adäquaten Ersatz dafür
alle 500 Meter irgendwelche Speed bumps (Ich frag mich ob die ghanaische
Regierung dafür Geld von SUV-Herstellern bekommen hat). Außer auf der Autobahn
und die ist 20 km lang, führt von Tema nach Accra und dort ist die Hälfte der
Zeit Stau.
Cape Coast
Castle
Mittwoch ging es bei uns um 8 Uhr nach Cape Coast,
zumindest saßen wir um 8 Uhr im Trotro, losgefahren ist es dann, als es voll
war, 2 Stunden später. Aber Zeit hat in Ghana einfach eine andere Bedeutung.
Cape Coast Castle ist eine der berühmtesten Sklavenburgen in Ghana und zählt zum
Unesco Weltkulturerbe. Sie wurde 1630 von den Holländern erbaut und war die
meiste Zeit jedoch im brittischen Besitz. Cape Coast Castle liegt wie der Name
sagt an der Küste und diente als Umschlagplatz für Sklaven. Insgesamt wurden
12-25 Millionen Afrikaner entführt und als Sklaven in die Karibik, nach
Südamerika, Europa und (überraschenderweise die wenigsten) nach Nordamerika und
Kanada gebracht. Ein Großteil davon starb schon bei der Überfahrt. Heute gibt es
in Cape Coast Castle das bedeutendste Museum zum Sklavenhandel weltweit und
einen Rundgang durch die Festungsanlage. In einer Führung sahen wir die
Kellerverließe in denen mehrere hundert Männer und Frauen ohne Licht bis zu 6
Monate lang auf die Schiffe warteten, die sie nach Amerika oder in die Karibik
brachten. Neben den Gang (mittlerweile zugemauert) vom Männertrakt zum Tor ohne
Wiederkehr, sahen wir noch die Bestrafungszellen, die Frauenzellen und die
zahlreichen Kanonen.
http://i33.tinypic.com/9ask8z.jpg
Skizze von einem Sklavenschiff: http://i33.tinypic.com/352fcar.jpg
Zelle für 200 Menschen: http://i34.tinypic.com/ny77rs.jpg
Door of no
Return: http://i36.tinypic.com/169er9k.jpg
Brenu
Beach
Am Abend ging es dann mit dem Taxi weiter nach Brenu
Beach, zu einem gemütlichen Hotel am Strand. Blöderweise waren wir die einzigen
Gäste und die Bar hat schon um halb 9 zugemacht. Aber das Ganze war eine gute
Gelegenheit mal ein kleines ghanaisches Dorf bei Nacht anzuschauen, auf der
Suche nach einem gemütlichen „Drinking Spot“, der noch geöffnet hatte. Auch wenn
die Menschen fast alle wahnsinnig freundlich und nett sind, allein würde ich als
Weißer Nachts nicht unbedingt durch das Dorf spazieren. Ansonsten gehen die
Meinungen der Leute da ziemlich auseinander. Die einen meinen man sollte nach
Einbruch der Dunkelheit als Weisser nicht mehr allein durch die Gegend laufen,
die andern sagen bis 10 sei es kein Problem, wieder andere sprechen von „bis
halb 12“. Da der Drinking Spot einen Fernseher hatte, war auch das halbe Dorf um
selbigen versammelt und ansonsten war komplett tote Hose.
Green
Turtle Lodge
Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Cape
Tree Point mit dem Trotro zur Green Turtle Lodge, einem beliebten Strand für
Voluntäre. Die Green Turtle Lodge ist ein Öko-Tourismus-Konzept von einem
englischen Paar, das sich u.a. für den Schutz der Schildkröten einsetzt. Und
i.d.R. ausgebucht. Wir sind dann 15 Minuten am Strand entlang zur Safari-Lodge
gewandert die noch ein Zimmer frei hatte. 10 Cedi Pro Person und Nacht (6 Euro)
und ein traumhafter Strand, da kann man sich nicht beschweren. Nur die Getränke
waren doppelt so teuer wie in der Green Turtle und das Publikum eher älter. Aber
es sind ja nur 15 Minuten Strandspaziergang....
Green Turtle Lodge: http://i35.tinypic.com/29yl2f.jpg
Kanutrip
und Turtle-Hike
Freitag konnte ich in einem kleinen Dorf eine
Kanufahrt durch die Mangrovenwälder machen. Die Affen die gelegentlich dort zu
sehen sind, haben wir leider nicht angetroffen, nur ein paar Vögel, und Krebse,
aber allein schon die Fahrt ist ein ziemliches Erlebnis. Die Schildkrötensuche
war noch weniger erfolgreich. Die Tour sollte um 8 Uhr abends starten und die
Führer haben kurz vor 8 versprochen gleich wieder da zurück zu sein um auf Tour
zu gehen. Bei einem gemütlichen Star-Bier haben wir dann am Strand bis kurz nach
10 gewartet, bevor sich dann die ersten von der Gruppe verabschiedet haben und
an der Rezeption/Bar Bescheid gesagt haben, dass sie die Tour canceln möchten.
Der Herr an der Bar war ziemlich überrascht, dass wir überhaupt noch gedacht
haben, dass die Führer zurück kommen würden. Als wir um 11 zu unserm Hotel
zurück sind waren die Führer übrigens immer noch nicht aufgetaucht. Die waren
wahrscheinlich auch längst im Bett.
Kanufahrt durch die Mangrovenwaelder: http://i33.tinypic.com/2evc6ma.jpg
http://i36.tinypic.com/11smhs8.jpg
http://i34.tinypic.com/21alj41.jpg
Samstag auf Sonntag haben wir dann noch in der Green
Turtle im Schlafraum verbracht, bevor wir uns Sonntag nach dem Frühstück auf den
Heimweg machen mussten. Von meinem Trip am Strand zum Dorf, die
Mangrovenwaldfahrt usw. hab ich mir, trotz Lichtschutzfaktor 50 einen
ordentlichen Sonnenbrand geholt. Ungefähr über den kompletten Rücken und an den
Armen bis dahin, wo normal ein T-Shirt geht. Samstag war ich knallrot und hab
ein paar Tage gebraucht, bis sich die Haut
soweit erholt hat, dass man nicht mehr bei jeder Berührung am liebsten
losschreien möchte. (Hab ich schon mal erwähnt das einem der Ghanaer gerne mal
auf den Rücken klopft oder an der Schulter anfasst...) Natürlich hab ich mir
dann Sonntag auch voll den Rücken bei Einsteigen ins Trotro
angeschlagen.
The
Ghanean Way of Life
Das Trotro das wir nach dem Frühstück in dem kleinen
Dorf erwischt haben, hat uns auch gleich eine weitere wichtige Lektion im
„Ghanean Way of life“ gezeigt. Wenn man nach einer full-speed-Fahrt durch die
Schlaglochpiste/Straße ein komisches Geräusch hört, was macht man dann: a)
Anhalten, Werkstatt rufen b) Nachschauen, weiterfahren. Nachdem es das Trotro 50
Meter bis zum nächsten Schlagloch ist dann die Feder vom Reifen gebrochen. Es
hat schon etwas für sich, wenn dann die Passagiere gemütlich aussteigen und im
Schatten darauf warten, dass das Trotro repariert wird. Und der Trotro-Driver
wäre kein echter Trotro-Driver, hätte er nicht einen Schraubenzieher und einen
Strick dabei. Damit war das Problem in 10 Minuten gelöst. Bis
zum nächsten Schlagloch. Nachdem dann eine Kurbel unten auf dem Boden hing und
sich der Hinterreifen einige Zentimeter weiter hinten, als eigentlich
vorgesehen, befand, sah es dann für die Weiterfahrt doch eher schlecht aus. Also
haben dann die meisten Passagiere die Teilstrecke bezahlt und sich auf einen
gemütlichen Spaziergang zum nächsten Dorf gemacht. Dort ist dann auch relativ
schnell ein anderes Trotro losgefahren.
Für die mehrstündige Fahrt zurück nach Ashaiman haben
wir uns dann doch einen gemütlichen großen Reisebus (STC-Bus) gegönnt, der auch
tatsächlich feste Abfahrtszeiten hat und diese auch noch halbwegs einhält. (Ein
bisschen wie die Deutsche Bahn) Nach einem Mittagessen in einem leckeren
Straßenrestaurant sind wir dann um
kurz vor 2 (Abfahrtszeit 1:30) losgefahren und waren dann, mit ein paar Staus
pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit wieder in Ashaiman.
Let’s have
a Workshop
Letzte Woche war ich beim Lehrer-Workshop in Sunyani.
Abfahrt war Mittwoch Morgen um 8:30 Uhr. Angekommen sind wir gegen 19 Uhr.
Donnerstag –Freitag war Workshop und Samstag haben wir die Heimreise angetreten,
auch wieder eine Tagesfahrt. Der Workshop selbst war absolut klasse. Es war das
erste mal, dass sich ein Thema auf dem Papier langweiliger angehört hat, als es
dann wirklich war. Unser Referent war Father Martin McCormack, ein Ire der 29
Jahre als Lehrer in Irland gearbeitet hat und jetzt seit kurzem im
englischsprachigen Westafrika Workshops fuer Lehrer macht. Das Thema „Pädagogik
Don Boscos“ hat sich dann als wirklich praxisbezogenes: „Wie werde ich ein guter
Lehrer“ herausgestellt. Tipps wie bspw. „Gruppenarbeit nie länger als 5-10
Minuten, weil danach über alles andere als über die Arbeit gesprochen wird“,
„Alternativen zum frontalen Lehrer erzählt, Schüler hört nicht zu“-Unterricht
und Sätze wie „Wir erinnern uns an 10 % von dem was wir hören 20 % von dem was
wir gezeigt bekommen und 90 % von dem was wir selbst getan haben“ mit wirklich
inspirierenden Beispielen aus seinem Alltag als Lehrer und jemand der wirklich
Charisma hatte und von Herzen sprach. (Heute kurz nachdem ich den Newsletter
getippt habe ist mir Father Martin nochmal begegnet, nachdem er morgen von Accra
nach Siera Leone weiterfliegt und ich hatte Gelegenheit mit laenger mit ihm zu
unterhalten.)
Interessant war z.B. auch die Diskussion ob man die
ganze Klasse für etwas bestrafen kann, wenn man keinen Schuldigen finden kann.
Er erzählte uns, was er früher als Schüler in der Situation gemacht hat, nämlich
der Lehrerin die Luft aus allen 4 Reifen gelassen. Und dass es wichtig sei als
Lehrer die Schüler vor ihrer Tür abzuholen und vor seiner Tür anzukommen, dass
er z.B. mit den Schülern Fußball gespielt hat, um sie dann über Fußball für die
Schule zu begeistern. Und dass es wichtig ist als Lehrer Ansprechpartner,
Vertrauensperson und ein fairer Lehrer zu sein, aber nicht die Barriere zu den
Schülern zu verlieren, dass sie einen respektieren. In den 2 Tagen habe ich
wirklich eine Menge interessanter Gedanken und Inspiration mitgenommen. Und ich
habe gelernt dass, das einzige was kindischer als eine Gruppe Schüler ist, ist
eine Gruppe Lehrer. Der Workshop hat sich echt gelohnt. In Sunyani habe ich auch
die österreichischen Voluntäre wiedergesehen, die fast zeitgleich mit mir
angekommen sind. Die ersten 2 haben schon Malaria bekommen. Ich bin bisher
verschont geblieben.
Fufu-Party
Gestern gab es dann noch eine Fufu-Party (Fufu ist
ein Brei aus gekochter Yam, einer Art großen Kartoffel, die aber ein bisschen
anders schmeckt und z.B. Kochbananen die dann in einem großen Pott mit einem
Stick zermantscht werden) Dazu gibt es dann meist eine scharfe Sauce. Schmeckt
besser als es klingt und aussieht...
Daniel beim Fufu-pownden: http://i36.tinypic.com/308ac6p.jpg
Schmeckt besser als es aussieht: Fufu mit
Ei:
http://i35.tinypic.com/2q3xkk3.jpg
Er war nicht eingeladen: http://i33.tinypic.com/5b8yg.jpg
So ich wünsche ich dann alles Gute, liebe Grüße nach
Deutschland und wir hören uns nächsten Monat, dann mit News aus den ersten
Unterrichtsstunden.
Alles Liebe
Daniel
August 2008 –Akwaaba: Willkommen in Ghana
Guten Morgen Deutschland,
Nach einer knappen Woche Ghana und mit 2 Stunden
Zeitverschiebung melde ich mich mit dem ersten Ghana-Newsletter zurück.
Ich fühle mich hier schon nach dieser kurzen Zeit wie
daheim und habe mich auch schon fast an das afrikanische Essen gewöhnt. Nachdem
ich am Freitag sicher gelandet bin und auch die Visum-geschichte und das
Abholen-lassen ziemlich problemlos über die Bühne ging, bin ich von der
Hauptstadt Accra zum Schulgelände gefahren.
Im Moment sind noch zwei andere Voluntäre in Ghana.
Johannes, der seit 2 Monaten hier ist und noch weitere 4 Monate bleibt und
Tobias, der schon gute 8 Monate hier ist und am 1. September zurück nach
Deutschland fliegt. Die beiden sind auch aus Deutschland, wahnsinnig nett und
zeigen mir auch ein bisschen die Gegend, Besonderheiten und wie man beim Brot
kaufen nicht übers Ohr gehauen wird. :D
Im Moment wohne ich noch in einem Zimmer mit
Stockbett, Schreibtisch, Schrank und eigenem Bad mit (eiskalter) Dusche und WC,
aber mir gefällt's ziemlich gut und ich fühle mich sehr wohl. Das Internet ist
übrigens auch ganz OK. Ihr könnt mir also gerne ab und an E-Mails schreiben. Ich
hab hier sogar ICQ.
Das Wetter ist erstaunlicherweise ziemlich kalt. Wir
haben hier ungefähr die gleichen Temperaturen wie in Deutschland, der August ist
hier aber auch der kälteste Monat des ganzen Jahres. Eigentlich ist jetzt gerade
Regenzeit, aber außer ein paar leichten Tropfen hab ich von dem Regen nicht viel
mitbekommen.
Samstag ging es dann mit einem Trotro (das ist ein
völlig überfüllter Kleinbus der in Deutschland bei jedem TÜV-Prüfer einen
Herzinfarkt auslösen würde, mit einem Fahrer der nicht nach Stunden bezahlt
wird, sondern danach wie oft er die Strecke schafft...) zurück in die Hauptstadt
Accra. Dort an allen möglichen kleinen Markt-Ständen vorbei, die von Schuhen
über gebrauchte Bücher, über leckere Kochbananen-Chips (lecker!) hin zu Cola
wirklich alles verkaufen. Von Accra ging es dann mit einem englischen Voluntär,
Robert, der sein letztes Wochenende in Ghana verbracht hat, mit dem Trotro
weiter zum Strand.
Am Meer wurden dann auch die gewaltigen Unterschiede
sichtbar. Kleine Hütten, zwischen Straßen die einfach aus plattgestampftem Boden
bestehen, Ziegen die Abfälle, die auf der Straße liegen, fressen und kurz
dahinter ein Strand mit einer schönen Bar zwischen Palmen und Meer. Dort haben
wir dann auf zwei Amerikanerinnen gewartet und einen gemütlichen Abend
verbracht. Ich konnte dann meine gesammelten Englischkenntnisse beim Abendessen
bei Noell an die Frau bringen und habe das berühmte ghanaische Star-Bier
kennengelernt. Noell und Alison kennen sich von der Uni, sind gerade fertig
geworden und haben nen guten Monat in einer Schule in Ghana als Voluntäre
gearbeitet und leider war es auch deren letztes Wochenende. Am nächsten Tag
haben wir dann mit Noell, Alison und Robert den Strand erkundet und eine Runde
Fußball am Strand gespielt. (Und kurze Zeit später hab ich dann am Montag auch
einen ghanaischen Optiker kennen gelernt, da meine Brille den ersten schönen
Kopfball nicht überlebt hat. :D Heute kann ich sie abholen)
Montag ging es dann ganz gemültich los, im Laufe der
Woche hab ich meinen Lehrerkollegen Philip und den Direktor der Schule Father
Blamoh kennengelernt, die mit mir die Stundenaufteilung vorgenommen haben und
mir ein paar hilfreiche Bücher für den Anfang gegeben haben. Im Moment bereite
ich mal die ersten Unterrichtsstunden (Computerunterricht, 1 Lehrjahr, absolute
Basics) vor. Ich unterrichte die ersten Lehrjahre für die Elektroinstallateure,
Elektriker und Automechaniker. Die Schule fängt allerdings erst am 15. September
wieder an. Davor gibt es noch einen Lehrer-Workshop mit allen Lehrern dieser
Schule in Sunyani, ein paar Stunden entfernt, im Landesinneren und gestern war
das erste Staff-Meeting. Montag spricht Philip mit mir den Lehrplan durch und
wir schauen uns nochmal die Stundenverteilung an. Wie gesagt im Moment ist es
ziemlich gemütlich, aber das wird sich schnell ändern, sobald die Schule wieder
anfängt.
Ansonsten hab ich gerade eine ziemlich entspannte
Zeit (ich bin so viel Freizeit gar nicht mehr gewöhnt), stehe morgens auf, schau
mir die Bücher an und mach mir Notizen dazu, gehe um 12 zum Mittagessen,
Nachmittags finden sich dann meist ein paar die ne Runde Volleyball spielen, um
18 Uhr gibt's dann ein Abendgebet (hey immerhin sind wir in ner kirchlichen
Schule) und um 18:30 dann Abendessen. Die ghanaische Küche ist ziemlich lecker
und vermutlich nur deshalb (Aussage Reiseführer Ghana) relativ unbekannt, weil
der Ghanaer leidenschaftlich gern mit jeder Menge Pfeffer kocht. Wir 3 Obronis
(Weißen) bekommen wohl ne ziemlich abgeschwächte Version, aber ohne ein Glas
Wasser in greifbarer Nähe ist es mir doch ein bisschen zu gefährlich. :D Und ich
bekomme meistens dazu eine Sauce mit Pilzen anstelle von Chicken oder Fish.
So ich wünsche ich dann alles Gute, liebe Grüße nach
Deutschland und wir hören uns im September.
Alles Liebe
Daniel