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Januar/Februar 2010 –Me Kwaba statt Akwaaba

 

nachdem meine Freundin Sheila für den Jahreswechsel leider kein Visum bekommen hat, hat sich wieder einmal das bekannte Sprichwort mit dem Berg und dem Propheten bewahrheitet und ich durfte früher als erhofft meinen Urlaub in Ghana verbringen. So habe ich Schnee und Anzüge gegen gut 30 Grad und T-Shirts und Schlappen eingetauscht, um drei wundervolle, ereignisreiche Wochen mit Sheila in Ghana zu erleben. Mit knapp 6 monatiger Verspätung jetzt auch der perfekte Anlass für einen sauberen Abschlussnewsletter. Wie der Ghanaer jetzt sagen würde: I wanted to write it, but then I had to go somewhere to do something.

 

-Ein Dorf in der Eastern-Region

 

Nachdem ich die ersten Tage bei Sheilas Familie verbracht habe und mich langsam wieder an das wundervolle ghanaische Essen gewöhnt hatte (auch das habe ich tatsächlich vermisst). Ging es für zwei Tage in ein kleines Dorf cirka 3 Stunden von Accra entfernt in dem Sheilas Großmutter lebt und in dem Sheila die ersten 8 Jahre bei selbiger aufgewachsen ist. Fernab von allen Banken, Marktfrauen und vielleicht einer Handvoll Trotros über den Tag verteilt, mit einem kleinen Tante-Emma-Shop, einer Grundschule und einem Drinking Spot bemerkt man relativ schnell, dass Englisch zwar Amtssprache, aber eigentlich nie benutzt wird. Klar in einer Gegend in der sich selten jemand von einem anderen Stamm und Touristen so gut wie nie hin verirren. Da man sich den ganzen Tag über mit allen anderen auf Twi unterhalten kann, sprechen die meisten Dorfbewohner nur sehr wenig Englisch und der häufigste Satz von mir war dann „What did he/she say?“ Mehr als einmal habe ich mir in diesen Tagen dann vorgenommen mein Sprachbuch Twi wieder herauszukramen, um mehr als nur den üblichen Smalltalk zu verstehen. Dennoch war der Ausflug ein tolles Beispiel für ghanaische Gastfreundschaft und um das Leben in einer funktionierenden Großfamilie kennen zu lernen. Gekocht wird draußen zusammen im Vorhof wo auch die Dusche steht und die Hühner und Ziegen frei spazieren gehen. Und das Leben ist im Vergleich zur hektischen Großstadt viel entspannter und ruhiger. Was natürlich nicht heißt, dass nicht auch hier Radios frühmorgens auf vollste Lautstärke aufgedreht werden oder man tatsächlich einmal ausschlafen könnte. Schön und interessant war die Zeit natürlich trotzdem. Und selbverständlich wurde ich auch gleich dem örtlichen Chief vorgestellt, der mir gute Ratschläge auf den Weg gab.

Vorplatz: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2F2zy8ny8.jpg

Das Haus: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2F1z1shty.jpg

 

-Cape Coast Castle zum Dritten

 

nach ein paar Tagen bei Sheilas Familie, einem Abend am Strand mit Raggae-Live-Band und leckerem ghanaischen Essen, ging es dann am Dienstag weiter zu Cape Coast Castle, einer der bedeutendsten Sklavenburgen in Westafrika. Für viele millionen Menschen war das „Door of no Return“ der Weg in jahrzehntelange Sklaverei oder den sicheren Tod, wenn die Kanus kenterten, die sie zu den Schiffen brachten und die mit schweren Eisenketten zusammen geketteten Sklaven ertranken oder die monatelange Überfahrt nicht überlebten. Noch heute kommen jedes Jahr zahlreiche Nachfahren nach Cape Coast oder El Mina, um dort ihre Wurzeln zu finden. Am 11. Juli 2009 stattete auch Barack Obama mit seiner Familie der Burg einen Besuch ab und legte dort einen Kranz nieder. Damit wurden nicht nur die Preise ein wenig erhöht, sondern auch eine Plakette „unveiled“ (also Obama hat den Vorhang davor beiseite geschoben) und unser Führer besser ausgebildet. Von den 3 Führungen die ich bisher mitgemacht habe, war diese jedenfalls mit Abstand die Informativste.

 

Das Castle: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2F2vkj1tv.jpg

Obama war da: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2Facexcp.jpg

Sheila: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2Fe9d7pg.jpg

Ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2Fws49qp.jpg

Sheila und ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2Fe87ndl.jpg

 

-Der Urwald von Kakum

 

Nachdem wir bereits am Abend die cirka 30 Kilometer in den Regenwald nach Kakum gefahren sind und das Restaurant bereits geschlossen war und wir ins nächste Dorf zum Wasser holen mussten, weil das dortige „Guest house“ nichts davon hält den Gästen außer Betten etwas anzubieten und auch weit und breit keine Menschenseele zu finden war, sind wir dann am nächsten Morgen erst über den Canopy Walkway, eine Hängebrücke die 30-40 Meter über den Regenwald führt, gelaufen und dann noch eine Stunde durch den Wald gestiefelt. Der Guide erklärte uns dann die verschiedenen medizinischen Nutzen der Pflanzen und was man sonst so aus den Bäumen machen kann. Z.B. Fufu-Pounding-Sticks oder den Fig-Tree, der einen anderen Baum komplett in jahrelanger Arbeit umschlingt und dann erstickt. Oder auch einen Baum an dem sich Elefanten kratzen können, der tiefe Wurzeln hat und damit nicht umkippt und dessen Baumkollege mit schwächeren Wurzeln, der auf „Kratzhöhe“ Stacheln bildet, damit ihn der Elefant nicht verwechselt und damit zu Fall bringt. Nach der Tour ging es dann für 2 Tage an den Strand von Cape 3 Points, zur Green Turtle Lodge.

 

Der Urwald: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2F20b0e4m.jpg

Der Walkway: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F30iax4k.jpg

Sheila: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2F2s7vs4n.jpg

Ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F2l2iqp.jpg

Sheila und ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F98av5w.jpg

Sheila im Urwald: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi48.tinypic.com%2Fos73as.jpg

 

-Entspannt am Strand

 

Nachdem wir am ersten Tag, nach einer Runde Billard früh ins Bett gegangen waren und den zweiten Tag mit einem gemütlichen Kaffee am Strand begonnen hatten, ging es für mich erst mal eine Runde „Wellen-Fighten“. Der Atlantik war verhältnismäßig ruhig und ich wollte unbedingt Sheilas Unterwasserkamera ausprobieren. (Angeblich wasserdicht bis 10 Meter). Verantwortungsvoll wie ich bin, habe ich natürlich versprochen vorsichtig zu sein und zuerst mit ein paar Tropfen Wasser und dann durch kurzes Unterwasserhalten, ob sie auch tatsächlich dicht ist. Was soll ich sagen. Knapp 10 Minuten später war das Ding dann komplett mit Wasser vollgelaufen und wir hatten eine Kamera weniger für den Trip. Und ich war dementsprechend gut auf den netten Verkäufer von Saturn zu sprechen der mir den Tipp gegeben hatte, das mit der Kamera im Urlaub auszuprobieren. „Die Kamera ist wirklich wasserdicht, ich hab das in meinem letzten Urlaub im Meer ausprobiert. Als Verkäufer muss ich meine Sachen ja auch ausprobieren“. Nichtsdestotrotz haben wir uns dann am Abend auf die Suche nach Schildkröten gemacht und wieder mal keine entdeckt und sind am nächsten Morgen früh aufgestanden um eine Tour in die Mangrovenwälder zu unternehmen. Anschließend ging es wieder zurück nach Accra. Samstag stand nämlich ein Besuch bei meinen Schülern zum Don Bosco Feast Day an.

 

Der Empfang: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F2qkrzmv.jpg

Das letzte Bild der „wasserdichten“ Kamera: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2F250l5b9.jpg

In den Mangrovenwäldern: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F20p7m9t.jpg

 

-Don Bosco Feast Day

 

Damit verbunden die Graduation Feier der dritten Lehrjahre an und alle Schüler waren versammelt. Bereits am Eingang wurde ich stürmisch von sicher 50 Schülern mit „Sir Daniel“ rufen begrüßt und wir haben versprochen in Kontakt zu bleiben. Manche schreiben mir ab und an auf Facebook und ich freue mich, dass von meinem Computerunterricht zumindest ein bisschen was hängen geblieben ist. Neben dem Direktor der Schule, vielen Salesianern aus der Gemeinschaft und den Lehrern war auch der Nunzius, der „Botschafter des Papstes“ an diesem Ehrentag zu Besuch. Von den Salesianern habe ich auch erfahren, dass die meisten Schüler des Abschlussjahrgangs bereits Praktika machen und viele gute Aussichten haben eine Lehrstelle zu erhalten. Ich hoffe dass ich auch in Zukunft noch viele gute Nachrichten von „meinen Jungs“ bekomme und werde einige von meinen besonderen Schülern im Auge behalten. Nachdem Sheila und ich in der Gemeinschaft dann auch zum Abendessen und Abendgebet eingeladen waren, haben wir am nächsten Morgen den Gottesdienst in der Don Bosco Kirche besucht und wieder einmal war die Kirche gerappelt voll und die Stimmung dank Brass-Band, Trommlern und tanzenden Besuchern wieder einmal klasse. Die tollen afrikanischen Kirchenlieder und die Herzlichkeit der ghanaischen Gottesdienste werden mir noch lange in Erinnerung bleiben.

 

Der Nunzius: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F2wnd2s7.jpg

Meine Jungs feiern: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi48.tinypic.com%2Ft0g6bq.jpg

 

-Was macht eigentlich... Brother Michael

 

Nicht nur die Schule läuft auch ohne mich gut weiter, sondern auch im Straßenkinderprojekt von Tema-New-Town, bin ich sehr froh, dass Brother Michael mit meinen beiden Nachfolgern: Maria und Andreas gute Fortschritte macht. Die Spielnachmittage mit den Kids sind immer noch gut besucht und Maria und Andreas unterrichten in kleinen Klassen Englisch, Mathe und Co. Maria betreut noch dazu das zum Don Bosco Feast Day letzten Jahres eingeweihte Girls' Hostel. Auch der polnische Volontär Andrew, der auch einige Monate mit mir zusammen in Ghana war und noch im Auto Workshop arbeitet und unterrichtet, fühlt sich in Ghana sehr wohl. Im Frühsommer fliegt Brother Michael übrigens zum Heimaturlaub für ein paar Wochen nach Deutschland. Der abendliche Besuch im Drinikspot gegenüber mit Michael und den Volontären war da natürlich obligatorisch. Nachdem ich es leider nicht geschafft habe mit Volontär Stanley eine Tour auf dem Volta zu machen (dort arbeitet er mittlerweile auf einem Schiff), war ich sehr froh in zumindest mal auf ein kühles Star in Accra zu treffen. Auch ihm geht es gut und ich freue mich schon auf das nächste Wiedersehen.

 

Brother Michael in Tema-New-Town: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2Fa32idf.jpg

Meine Nachfolger: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F2hwffk6.jpg (Andrew, Andreas, Maria v.l.n.r.)

 

-Goldgräberstimmung

 

Noch am selben Nachmittag, nach der Kirche, ging es weiter ins Landesinnere, Richtung Obuasi, wo eine der größten Goldminen des Landes liegt. Genauer gesagt 4 Minen, die von der Anglo Gold Ashanti, einem südafrikanisch-ghanaischem Verbund betrieben werden. Von denen wir die kleinste der 4 Minen auch tatsächlich besichtigen konnten. Normalerweise kommt man ohne eigenes Auto nur ein paar Stollen tief. Nachdem wir aber zufällig den Chef der Mine kennen gelernt haben, hat uns dieser auch in die interessanten Level mit nach unten genommen. Wo die Steine herausgesprengt, zerkleinert und nach oben gebracht werden. Wo dann aus 1 Tonne Stein 8 Gramm Gold gewonnen werden. Die Technik wie zuerst gebohrt, dann Stahlseile zur Absicherung hineinzementiert werden, dann der Stein gesprengt und mit unglaublich riesigen Maschinen zerkleinert und transportiert wird, ist wahnsinnig faszinierend. Nachdem wir uns aus Sicherheitsgründen den Prozess der Goldschmelze usw. nicht anschauen durften und mein Gepäck auf 30 kg limitiert war, wurde das mit dem Goldbarren für Zuhause nichts und ich musste nach dem Urlaub wieder zum arbeiten.

 

Da geht das Gold: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2F2iuonqb.jpg

Mehr Maschinen: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi50.tinypic.com%2F24gq3us.jpg

Wir sind reich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F4h7f5s.jpg

Sheila und ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi48.tinypic.com%2F15fj348.jpg

 

-Gut's Nächtle!

 

Nachdem die Übernachtungen im Kakum Park und am Strand verhältnismäßig ruhig waren, haben wir bei einem Zwischenstopp in Kintampo den Fehler gemacht ein Hotel direkt an der STC-Station (Busbahnhof) zu nehmen. Das ich noch vom letzten Ausflug kannte und damals die Innenseite hatte. Diesmal bekamen wir ein Zimmer an der Straßenseite und wurde regelmäßig von der freundlichen Bushupe geweckt, die den Reisenden mitteilen soll, dass der Bus weiterfahren möchte. Ich wusste gar nicht wie viele verschiedene Nachtbusse es allein auf dieser Strecke gibt. Da ist es dann von Vorteil wenn man Ghanaer ist und überall schlafen kann. Bei den freundlichen Damen in Hotel in Obuasi, die morgens um 6 damit beginnen den Flur zu fegen und einen Kronkorken und eine PET-Flasche bis 6:30 mindestens dreimal durch den kompletten Raum über den Steinboden hin und her schieben (Ja als Europäer hört man das...) ist ein gesegneter Tiefschlaf auch von Vorteil. Vermutlich ist es kein Wunder, dass mir auf Englisch spontan keine Entsprechung für das Wort Rücksichtnahme einfällt. Zumindest in Ghana hat sich das Prinzip, dass man nicht morgens um 6 durch das gesamte Haus schreit „Bist du da oben?“ „Ja ich bin da oben!“ „OK ich komm hoch!“, wenn andere noch 2 Stunden schlafen könnten nicht durchgesetzt (Danke für das Beispiel an Maria). So habe ich nach wenigen Tagen auch den kleinen Haken an meinem Begrüßungsgeschenk für die Familie, dem CD-Player mit Radiofunktion und Long-life-Batterien, erkannt: Er weckt mit täglich zwischen 5 und 6 auf. Aber zumindest kann ich sagen, dass das Geschenk gut ankam. Wobei ich nach meiner Rückkehr im August die Stille in Haus als eines der größten Geschenke empfunden habe.

 

-Die Affen von Buabeng-Fiema

 

In der nächsten Früh, nach dem zum gelegentlichen Hupen auch noch die Sonne ihren Teil dazu beigetragen hat uns zu wecken, ging es weiter nach Buabeng-Fiema. Einem Affenreservat zwischen Kintampo und Techiman. Zwei Dörfer in denen die Monameerkatzen und Weißbartstummel-Affen leben und nie gejagt wurden. Die Mona-Affen kommen morgens in die Dörfer und bedienen sich auch mal aus dem Kochtopf oder freuen sich auf europäische Touristen, die sie mit Bananen oder anderem leckeren Zeug füttern. (Muss man schon selbst nichts für tun). Die Monas fressen alles was die Menschen auch essen (außer vielleicht der ghanaischen Pepper-Soup. Die ist wirklich scharf.) und sind deswegen auch zutraulicher als die Black&White-Colobus, die sich von Blättern und Insekten ernähren und deswegen etwas scheuer sind. Jedenfalls werden die Affen als Vorfahren betrachtet und alles was man einem Affen antut, widerfährt einem selbst. Die Affen dort werden sogar bestattet wenn sie sterben und haben ihren eigenen Friedhof. Auf unserer einstündigen Tour haben wir gleich mehrere Mona-Familien mit Babys getroffen und eine Hand voll Black&White-Colobus, die sich allerdings weit oben in den Bäumen versteckt haben.

 

Die Colobus: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2F2sbnwxv.jpg

II: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2F2pt7y1d.jpg

III: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2Fvcvxva.jpg

Die verfressenen Monas: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2Fyo310.jpg

Mit Baby: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi48.tinypic.com%2F24pw07n.jpg

Erwartungsvoll: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2F1693z2h.jpg

Hübsches Kerlchen: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi46.tinypic.com%2Fkbwoph.jpg

Affenfütterung: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2F21ct3mc.jpg

 

-Die grauen Riesen und frechen Affen

 

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Tamale, ging es mit einem neuen Warte-Rekord im Trotro (4 Stunden bevor das Ding losgefahren ist. Ich hatte zu dem Zeitpunkt den Reiseführer bereits 3 Mal durchgelesen) waren wir dann gegen Abend im Mole Nationalpark und haben dort gleich ein paar deutsche Volontärinnen getroffen, die in einem Waisenhaus arbeiten und gerade Halbzeit haben. Nachdem Sheila und ich uns am Abend mit den Volos über die Projekte ausgetauscht haben, sind wir am nächsten Morgen auf 3-Stündige-Tour mit ein 2 Franzosen, 2 Holländerinnen und einem Amerikaner gegangen. Dort haben wir Gazellen, Antilopen und gleich mehrere Elefanten getroffen, die gerade auf dem Weg zum Wasserloch waren oder ein entspannendes Schlammbad genommen haben. In der Früh habe ich einen Pavian getroffen, der sich schnell etwas aus unserer Mülltonne geschnappt hat und dann schnell die eroberte Plastiktüte in Sicherheit gebracht hat. Später kam sogar ein Pavian zum Pool um sich am Tisch von 3 anderen Volontären an deren Bananenbrot zu bedienen. Glücklicherweise war jemand schnell genug am Tisch, um ihn dazu zu bewegen, zumindest das Handy dazulassen. Nachdem sich Sheila entschlossen hat, sich ein bisschen auszuruhen, habe ich am Nachmittag noch eine Tour mit ein paar anderen mit einem Auto durch den Park gemacht. Nach dem Abendessen hieß es dann: Früh ins Bett. Der einzige Bus geht um 4 Uhr Morgens. Zusammen mit unserem amerikanischen Bekannten Michael, haben wir dann von Tamale aus verzweifelt versucht mit einem Bus nach Accra zu kommen. Nachdem der nächste Direktbus erst um 4 Uhr nachmittags gefahren wäre, haben wir uns dann einen nach Kumasi genommen, der dann gegen 12 losgefahren ist und gegen 7 in Kumasi war. Der Bus nach Accra kam gegen halb 1 Nachts an und ich hätte nie gedacht, dass man sogar noch mitten in der Nacht ein Trotro nach Kasoa bekommt. Nachdem wir uns dann von Michael an der „Old Police Barrier“ verabschiedet haben, um die letzten Kilometer mit dem Taxi zurück zu legen, waren wir dann völlig fertig gegen 1 Uhr Morgens endlich wieder „zuhause“.

 

Antilope: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F2mgtbgw.jpg

II: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi50.tinypic.com%2F20ht0m8.jpg

III: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi47.tinypic.com%2Fvwykpi.jpg

Kroko: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F3520pxu.jpg

Elefant: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F10xvlmc.jpg

II: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi50.tinypic.com%2F4kwmy9.jpg

Sheila: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi48.tinypic.com%2Fxpav6r.jpg

 

-Nicht schon wieder Malaria

 

Nachdem ich diesmal krankheitstechnisch ziemlich Glück hatte, hat es diesmal Sheila erwischt und sie hat während des Trips Malaria bekommen. Damit fiel eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in Ghana „abends gemütlich mit andern Leuten zusammen sitzen und sich einfach gemütlich unterhalten“ meistens flach, weil Sheila sich natürlich schonen musste, und früh ins Bett ging, um so schnell wie möglich wieder gesund zu werden. Ich hoffe dass es ihr bald wieder besser geht und sie auch hoffentlich bald mal in Deutschland vorbei schauen kann. Zumindest haben wir den Leuten in der Deutschen Botschaft einen kurzen Besuch abgestattet und einen neuen Antrag mitgenommen.

 

-Obroni bay, bay!

 

Nachdem mein Flug freundlicherweise ein paar Stunden vorverlegt wurde (13:55 statt 18:45) hieß es dann für mich am Dienstag wieder einmal früh aufstehen und direkt zum Flughafen fahren. Wo ich dann erfahren habe, dass der Flieger doch später geht und zwar um 16 Uhr irgendwas. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber bereits keine Ghana Cedi mehr und das kleine Croissant und die Dose Coke waren die einzige Mahlzeit bis zum späten Abendessen im Flieger. (Immerhin habe ich mich diesbezüglich nicht auf die Weisheit: „Drei Weizen sind auch ein Schnitzel“ verlassen. Ich wollte ja meinen Anschlussflug in Dubai nicht verpassen. Stattdessen habe ich auf 8 Gläser Tomatensaft gesetzt um etwas im Magen zu haben) Nach dem Abschied von Sheila und Ihrer Familie am Flughafen, hieß es dann auch Abschied nehmen von Ghana. Einem Land das sich in dem halben Jahr fast gar nicht und dann aber doch verändert hat. Die Menschen, der Staub, die schreienden Radiomoderatoren die man überall auf der Straße hört. Die durch die Gegend stürmenden Menschenmassen, die Gerüche, die Stimmung, all die Momente und Dinge die man nicht beschreiben, nicht aufschreiben kann, aber doch in seinem Herzen bewahrt. Das Gefühl, dass ich gleich wieder mit dem ersten Fuß auf ghanaischem Boden hatte, hat mich nicht getrogen: Ghana wird immer ein Teil von mir sein und ein Teil von mir wird immer in Ghana bleiben.

 

Und ich freue mich schon auf den 23. Juni. Das WM-Spiel: Ghana vs. Deutschland. Die Ghana-Flagge fürs Auto ist bereits gekauft. :-D Leider hat Ghana beim Africa Cup das Finalspiel knapp gegen Ägypten verloren. Sonst hätte unser Trotro nach Obuasi wohl leichte Verspätung gehabt und der Newsletter eine Geschichte mehr.

 

Sheila und ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi49.tinypic.com%2Fayxekw.jpg

Sehr seriös: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2F33p83d0.jpg

 

-Twi für Anfänger

 

Nachdem Sheila jetzt Deutsch lernt und bereits das A2 Zertifikat hat, ist es vielleicht auch ganz gut ein bisschen Twi zu sprechen, um für den nächsten Aufenthalt in Ghana optimal gerüstet zu sein. Daher hier noch die wichtigsten Sätze auf Twi. (So wie man sie auf Deutsch aussprechen würde)

 

Etisej - Wie geht's
Eje! - Gut
Madamfo - Freund
Edien na ae koso? - Was geht ab?
Mefe woo - Ich vermisse dich
Mafe woo - Ich habe dich vermisst
Me dow paaa - I love you pleeeeenty
Daa jie - Schlaf gut
Bay bay –Tschüss!
Me ko daa - Ich gehe schlafen
Ko da! - Geh schlafen!
Me ko didi! - Ich gehe essen!
Me ko fi je! - Ich gehe nach Hause!
Me da wa se - Ich gebe dir dank (Oder einfach nur Medasse)
Me da wa se, paaaaa - Vielen Dank
Me paw tscho – Ich bitte dich
Kosse - Sorry oder "sorry, oo"
Matse - Ich hab's gehoert (Im Sinne von verstanden)
Mumbra! - Kommt alle!
Bra! -Komm!
Je kom! – Ruhe!
Je die! – Haltet die Klappe!
Me kwaba - I'm comming (Irgendwann mal oder gar nicht)
Otschina - Morgen
Akwaaba - Willkommen
Njame Adom - By god's grace (Dank Gottes Gnade geht es mir gut)
Njame - Gott
Sum sum kron kron - Heiliger Geist
Adom -Gnade
Honte Twi? - Sprichst du Twi?
Kakra Kakra - "Small, small" (Ein bisschen)
O kon he (angedeutetes n) - Wo willst du hin?
Me ko Tema – Ich gehe Tema
O fre he - Wo kommst du her?
Me fri Germany - Ich komme aus Deutschland
Diaen (angedeutetes n) -What?
Diaen eje wa saen? -What is your problem?
Me num... - Ich nehme... z.B. ein Bier
Weji me paa! - Idiot!
"Ewia bon" -Sunshine

 

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern nochmals „Njame Adom“ und bedanke mich für die Unterstützung und alle die lieben Wünsche die mich in meiner Zeit in Ghana begleitet haben.

 

Im Gedenken an meinen Opa: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi45.tinypic.com%2Fdmr6mp.jpg

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Juli 2009 -Glaube, Liebe, Hoffnung

Unter dieser Überschrift; die ich mir für einen der letzten Newsletter ausgesucht habe; gibt es wirklich alles. Große Gefühle, Diebstahl von Staatseigentum, bewaffnete Raubüberfälle und sogar Barack Obama ist in dieser Ausgabe vertreten. Dies wird voraussichtlich der letzte Newsletter sein, den ich euch von Ghana aus schreibe und ich möchte mich natürlich bei all den treuen Lesern bedanken, die es bis hierhin geschafft haben und mich durch mein Jahr in Ghana begleiten, dass so langsam dem Ende zugeht.

 

Yes we can

 

Stell dir vor der mächtigste Mann der Welt ist nur eine halbe Stunde von dir entfernt und du schaust dir das Ganze im Fernsehen an und liest später online eine Zusammenfassung in der FAZ. So ungefähr habe ich den Besuch von Barack Obama erlebt, nachdem im Vorfeld keine verlässlichen Details bekannt wurden (hält er eine Rede im Congresszentrum oder eine öffentliche Rede vor hundertausenden von Ghanaern, hält er eine Pressekonferenz am Flughafen usw.)  die einzig richtige Information war, dass er eine Sklavenburg besichtigt und zwar vermutlich Cape Coast oder El Mina. Auch das ghanaische Amt für Pressevertreter gab sich ghanaisch. Unter der angegebenen Telefonnummer, hat sich nie jemand gemeldet und öffentliche Reden usw. gab es dann tatsächlich auch nicht. Freitag abend habe ich mir zusammen mit Jonathan und einem anderen Kollegen im Drinking Spot die Ankunft am Kotoka-Airport im Fernsehen mitverfolgt. Was dabei auffällt, ist dass ein ghanaisches Fernsehstudio aus einer angemalten Wand und einem Flachbildfernseher mit davor geparkter Couch besteht. Beim Confederations-Cup-Finale Brasilien gegen die USA gab der Kommentator dann offen zu, dass er keine Ahnung habe was der brasilianische Mannschaftscaptain gerade zum Sieg seines Teams gesagt hat, weil natürlich kein Portugisisch-Übersetzer zugegen war. Nur in Punkto Diskussionsrunden können die Ghanaer locker mit dem deutschen Fernsehen mithalten. Für einen Moment fühlte man sich an eine Diskussion bei Sabine Christiansen erinnert. Mit dem Unterschied, dass die Gästeauswahl etwas bescheidener ausfiel. Aber die Vorwürfe, z.B. dass der Präsident Prof. Atta-Mills nicht genügend auf den Obama-Besuch vorbereitet war könnten auch von Guido Westerwelle stammen. Einen Tag später habe ich dann aber doch noch ein Souvenier bekommen. Bei einem Besuch im Einkaufszentrum beim 37 Hospital in Accra, kam ich an einer ganzen Reihe Akwaaba-Begrüssungsschilder vorbei, die zu diesem Zweck in den Grünstreifen, entlang der präsidialen Route, ins Gras gesteckt waren. Wenige Minuten später befanden sich 2 dieser Akwaaba-Schilder (Twi für Willkommen) in einer großen schwarzen Plastiktüte in meiner Hand. Mein Kollege Jonathan hatte bei seiner Aktion etwas weniger Glück und konnte nach einer viertel Stunde den gesetzestreuen Taxifahrer davon überzeugen, dass Obama schon weg ist und die Schilder nicht mehr gebraucht werden.

Der Präsidentenpalast: http://i28.tinypic.com/2hprs4k.jpg

 

Glaube

 

Sehr beeindruckend in Ghana ist immer wieder die religiöse Toleranz. Bei über 200 verschiedenen Kirchen allein in Ashaiman ist es kein Wunder das nur die wenigsten eine gemeinsame Kirche haben, aber das spielt in Ghana auch überhaupt keine Rolle. Jeder Mensch der glaubt ist ein guter Mensch und da sich ein Ghanaer nicht vorstellen kann, dass ein Mensch nicht an Gott glaubt sind so ziemlich alle Menschen gute Menschen. Abgesehen von persönlichen Feinden die „In the name of Jesus!“ bestraft und „in tha feijjjjaaaaa!“ brennen werden, wie man von zahlreichen Straßenpredigern gerne zu hören bekommt. Die Erwähnung dass Jesus gesagt hat, man soll für seine Feinde beten lag mir da zwar auf den Lippen, aber den meisten Ghanaern ist das alte Testament mit der Zerstörung der Feinde usw. doch etwas näher. Und da bei den meisten Kirchen keine  Kontrolle aus Rom existiert und diese im Endeffekt predigen können was sie wollen und teils „prophetische Fähigkeiten“ besitzen und sich stundenlang in Trance brüllen, wird eben gepredigt was gut ankommt und da ist ein herausgeschrienes „In the name of Jesus!“ und ein glühender Vortrag über das Höllenfeuer, dass die persönlichen Feinde erwartet natürlich spektakulärer. Da ich bisher noch keinen 21-Tages-Gebets-und-Fasten-Marathon mitgemacht habe, erlebe ich nur immer wieder unfreiwillig die Prediger die einen während einer zweistündigen Trotro-Fahrt mit einem Wortschwall auf Twi beglücken und nur gelegentlich ein paar Worte auf Englisch einstreuen. (Nyame, Kronkron und Jesu Christo kenne ich mittlerweile aber auch) Normalerweise werde ich als Obruni einfach ignoriert. Der letzte Trotro-Prediger hat mich nach einer Weile dann aber doch auf Twi angesprochen und war einigermaßen erstaunt, als ich dann mit meinen Mini-Twi-Kenntnissen antworten konnte. Danach habe ich den Vorschlag gemacht, dass er doch ein Gebet einstreuen soll, dass unser Trotro wieder funktioniert, dass gerade stehen geblieben war, woraufhin sich die Mitfahrenden ebenfalls gut amüsiert haben. Ein Kanister mit Benzin hat dann aber doch mehr zur Lösung des Problems beigetragen, als „da Feeeijjjjaaaaa of hell!“ oder die Wunderpillen die er sonst noch im Angebot hatte.

 

The comming of the Volunteers

 

Im Moment herrscht hier in Ashaiman Hochbetrieb was Volontäre und Aspiranten angeht. Nachdem erst kürzlich 2 junge Aspiranten für einen Monat zu Besuch waren, um die Gemeinschaft näher kennen zu lernen (weil diese selbst Salesianer werden wollen) ist jetzt ein weiterer Aspirant Roland für einen Monat zu Besuch und seit Freitag Abend ist auch ein polnischer Volontär, Andrew, angekommen. Der für ein Jahr im Automobile-Workshop arbeiten wird. Am 3 bzw. 5. August  kommen Maria und Thomas aus Deutschland an, um für ein Jahr in Tema-New-Town und im Girls’ Hostel zu arbeiten und dazwischen kamen noch eine Hand voll deutsche und eine Hand voll polnische Volontäre an, um für einen Monat in Sunyani eine Art Ferienprogramm zu veranstalten. Davor verbrachten sie ein paar Tage im Provincial House und natürlich habe ich den Volontären angeboten, einige Fragen zu beantworten. Nachdem diese auf dem Rückweg von Cape-Coast-Castlein vor einem reißenden Fluss / vorher Straße standen und nur mit Hilfe einiger Ghanaer, die sie kostenlos durch diesen Fluss geschoben haben, überhaupt ankamen, ergab sich nur ein kurzer Talk am vorletzten Abend. Nachdem diese das Gelände nicht verlassen durften, war ich mit der Besorgung von ein paar kühlen Getränken beauftragt und wir konnten uns darüber unterhalten, welche Eindrücke sie nach dieser kurzen Zeit gewonnen haben und wie sie sich ihre Zeit in Ghana vorstellen.

 

Die letzte Feuerprobe

 

Nachdem die Schule bereits am 28igsten ihre Pforten für die Sommerferien schließt und im englischen System gegen Ende jedes Trimesters die sogenannten End-of-Terms anstehen, heißt dass für mich, dass ich bereits mit meinem Unterricht fertig bin. Die meisten Tests sind auch schon korrigiert. Lediglich Montag und Dienstag stehen letzte Tests und Nachexamen an, bevor ich endgültig Lehrer a.D. werde. Die End-of-Terms machen tatsächlich 80% der Endnote aus und das Mid-Term-Exam hat lediglich einen Anteil von 20% somit versuche ich immer, als End-of-Term eine Gruppenarbeit zu benoten, um die Schüler zu motivieren, während dem Unterricht mitzuarbeiten. Leider funktionierte das diesmal nur in 2 Klassen: Auto 1 in Power-Point und Electronic 1 durften ihre eigenen Websites gestalten. In Auto 3 war das leider nicht möglich, da die halbe Klasse nach den externen Examen nicht mehr zum Unterricht kamen. Somit bekamen diese einen theoretischen Test über das Internet. Bei den Elektroinstallateuren und den Automechnikern im zweiten Lehrjahr, habe ich das Internet vorgezogen, weil die Zeit für Power-Point-Präsentationen zu knapp geworden wäre und habe dann mit diesen ebenfalls zeitgleich den Theorietest Internet geschrieben. Auch hier zeigten sich wieder einmal die Schwachstellen der ghanaischen Organisation, da das Assembly nicht pünktlich beendet wurde und danach ein Meeting angesetzt war, fand das Examen eine Stunde später statt und die meisten Lehrer waren natürlich nicht pünktlich in der Klasse. Die Folge dessen ist, dass ich in 3 Klassen hin und her springen musste und die Lehrer organisieren musste, um das Examen zeitgleich in 3 Klassen zu schreiben und den Schülern später erklären durfte, dass das Blatt zu ihrem großen Erstaunen auch noch eine Rückseite hat. Und wieder einmal haben die meisten Schüler eine wichtige Lektion nicht gelernt: Das richtige Abschreiben. Nachdem ich diesmal keinen beim Spicken erwischt habe, war mir im Nachhinein trotzdem klar, dass einige abgeschrieben hatten, weil nämlich in einer Klasse bei mehreren Schülern die gleiche komplett falsche Lösung für die Abkürzung „TLD“ = Top Level Domain stand, über die wir nie gesprochen hatten. Daher mein Tipp als Lehrer für alle Schüler: Wenn ihr schon abschreibt, dann bitte bei jemand der mehr Ahnung hat als ihr und nicht weniger.

 

Eine Woche voller Abschiede

 

Montag/Dienstag vor den End-of-Terms standen für mich die letzten Unterrichtsstunden bei meinen Jungs und Mädels an. Natürlich habe ich alle über das Jahr lieb gewonnen, auch wenn einige ein bisschen anstrengender und manche ein bisschen fauler als andere sind. Nachdem es für mich, im Gegensatz zu den normalen Lehrern, kein nächstes Jahr geben wird, ein besonderer Moment. Deshalb habe ich meinen Schülern einen Abschiedsbrief geschrieben. Auch damit diese meine E-Mail-Adresse und meine normale Postanschrift kennen und habe am Tag davor ein paar Süßigkeiten für alle knapp 180 Schüler besorgt. Dementsprechend positiv verliefen auch die letzten Abschiedsstunden, mit einer kurzen Motivationsrede, die in etwa auch das weiter gibt, das in meinem persönlichen Brief an die Schüler stand. Nur eben, ein bisschen ausführlicher und etwas ghanaischer mit einer Anekdote. In dieser Anekdote geht es um einen Staubsaugervertreter, der von Haus zu Haus zieht und einen Beutel Dreck ins Wohnzimmer der Leute kippt und ihnen verspricht: „Wenn der Staubsauger den Dreck nicht in 5 Minuten aufgesaugt hat, esse ich diesen Dreck persönlich.“ Eines Tages kommt er zu einer alten Dame ins Haus, kippt ihr den Dreck auf den Teppich und gibt sein Versprechen. Daraufhin meint die Dame nur: „Na dann viel Spaß! Wir haben hier nämlich keinen Strom!“ Hintergrund der Geschichte ist, dass man als Europäer mit vielen Vorstellungen und auch Vorurteilen nach Afrika kommt und dann so manche Überraschung mit der Kultur, der Planung oder auch den ständigen Stromausfällen erlebt und damit auch mal ordentlich auf die Schnauze fliegen kann. Und so ist eben auch mein Verständnis dafür gewachsen, dass in Afrika einige Dinge anders sind, aber deswegen nicht automatisch schlechter oder auch dass man als Europäer in manchen Dingen umdenken muss, was weder heißt, dass man nicht kritisch hinterfragen sollte, aber man eben trotzdem als Lehrer auch gleichzeitig immer ein Schüler bleiben wird und ich in Ghana eines gelernt habe. Ein Motto, dass ich an einer Wand in der Bücherei von Cape-Coast-Castle gefunden habe: “Your mind is like a parachute (Fallschirm) it only works if it is open!”

Abschiedsbrief: http://i30.tinypic.com/n12ekh.jpg

Cape-Coast-Bild: http://i27.tinypic.com/2u4ra6s.jpg

 

The blessing of the first floor metal gate

 

Nachdem der Wasserturm jetzt für Volontäre hergerichtet wird, bekam ich auch Besuch von einem netten Herrn der für mich etwas überraschend ein Metalltor in den ersten Stock eingebaut hat, damit die Volontäre einen abschließbaren Bereich für sich allein haben. Leider funktioniert z.B. das Toilettenschloss nicht richtig und bei einer Veranstaltung auf dem Gelände, als ich mal ein paar Stunden nicht dort war ist z.B. mein Nassrasierer verschwunden. A) Wer klaut schon einen Nassrasierer b) Ja, ich hab ihn vom Veranstalter ersetzt bekommen. Und irgendein Intelligenzbolzen hat es auch vor ein paar Tagen geschafft die Toilette halb zu verstopfen. Nun ja, vermutlich gehören diese Probleme damit der Vergangenheit an und ich hatte einen guten Grund Brother Michael am Abend auf ein Star in den Wasserturm einzuladen, um auf das neue Tor anzustoßen und wir konnten uns mal wieder für ein paar Stunden gemütlich unterhalten. Als es dann kurz nach 10 war musste Brother Michael leider zurück zum Community-House bevor die Hunde rauskommen und wir haben beschlossen, eine solche Einweihungsfeier bei Gelegenheit bald mal wieder zu veranstalten. 

The new metal gate of the first floor: http://i30.tinypic.com/4pz31e.jpg

 

Besuch und Gegenbesuch

 

Nachdem ich Sheilas Familie ja schon öfter besucht hatte und ihr Haus und die Umgebung mittlerweile ganz gut kenne, stand an einem Mittwoch, der lange vereinbarte Gegenbesuch an. Natürlich kann man in Ghana davon ausgehen, dass meistens alles anders abläuft als gedacht. Aber zumindest kann man ja mal den Wasserturm aufräumen. Dazu konnte ich mich das letzte Mal kurz vor Ostern durchringen, dank Harmatan mit Sand aus der Sahara, liegt sowieso jeden Tag neuer Staub auf dem Boden. Da lohnt es sich (die weiblichen Leser hier bitte weghören) doch eigentlich fast gar nicht, mit dem Putzen anzufangen. Diese Ausrede ist mit Beginn der Regenzeit weggefallen und irgendwann musste ich sowieso mal wieder sauber machen. Nachdem das alles nett arangiert war und sogar ein paar (Obama)-Willkommens-Schilder bereit standen, habe ich beim Friseur um die Ecke vorbei geschaut und natürlich war zu. Genauso wie natürlich das Wasser in genau dem Moment ausfallen muss, wenn man den Boden nass wischen möchte und man über das halbe Gelände laufen muss um einen zweiten Eimer Wasser zu bekommen. (Einen habe ich immer bereit stehen, man lernt ja dazu) Nun ja, der andere Friseur hat wie die meisten ghanaischen Friseure kein Verständnis für: „Nur ein bisschen was weg machen“ und man denkt sich danach: Naja, zumindest wächst es wieder nach. Dooferweise hat an diesem Tag auch überraschend der Herr vorbei geschaut, der ein neues Metalltor in den ersten Stock geschweißt hat und, obwohl er es versprochen hatte, natürlich den ganzen Dreck danach nicht weggeräumt hat. Als Sheila dann zu Besuch kam, kam nur ein netter Herr vorbei um ein paar neue Leitungen zu verlegen und hat dazu im Nebenzimmer die halbe Wand mit Hammer und Meißel bearbeitet. Ebenfalls nicht vorherzusehen war, dass das 11 Uhr-Tea-Meeting spontan auf 12 Uhr verlegt wurde, nachdem Father Blamoh etwas wichtiges in Accra erledigen musste und nachdem ich um 12 wieder umsonst hingegangen bin, wurde ich um 12:15 abgeholt um ein Kurzmeeting mitzuerleben. Das finale große Meeting von 3-5 Uhr habe ich dann leider verpasst, da mich diesmal niemand vom Wasserturm abgeholt oder angerufen hat.  Aber zumindest konnte ich ihr so das Gelände, den Wasserturm, ein paar Bilder und vieles mehr zeigen und letztlich hat dann doch noch alles funktioniert. Gegen 4 habe ich sie dann zum Trotro zurück nach Kokrobitey gebracht und schon an diesem Samstag hatte ich wieder die Gelegenheit in Kokrobitey vorbei zu schauen. Nach einem leckeren zweiten Frühstück beim Italiener in Kokrobitey, während ich auf Jonathan gewartet habe, sind wir zur Familie gelaufen und wurden erst mal wieder schon 50 Meter vor der Tür von Kwame, Junior und co, den drei Kids der Familie stürmisch begrüßt. Nach einem kurzen Talk mit der Famlie, die wie eigentlich jedes Mal, gerade etwas kocht, ging es wieder zurück zum Italiener und nach dem Mittagessen musste Jonathan auch schon wieder zurück nach Accra um seine Eltern abzuholen. Ich hatte gottseidank etwas mehr Zeit und konnte den Tag mit Sheila verbringen und dann ein Abendessen in Millys Backyard bestellen, wo jeden Samstag eine Raggae-Live-Band spielt.

Sheila: http://i31.tinypic.com/35mjju9.jpg

Die Kids: http://i32.tinypic.com/w6uzw1.jpg

Noch mehr Kids: http://i26.tinypic.com/35k5snd.jpg

 

No-Go-Area

 

Nach dem Abendessen wollte ich gegen 10 Uhr die gut 500 Meter am Strand zurück zu meinem Hotel laufen. Die drei Mädels Sheila, Lucia und Mabena hatten sich in den Kopf gesetzt mich zu begleiten und sich anschließend auf den Weg nach Hause zu machen. Der Grund dafür ist, dass der Weg am Strand entlang nicht ganz ungefährlich ist. Ansonsten hätte ich natürlich darauf bestanden die drei Damen nach Hause zu bringen und anschließend selbst zum Hotel zu gehen. Und für sie, weil sie zu dritt sind, bestünde keine Gefahr. So habe ich daraufhin eingewilligt und habe nur gesagt, wir sollten noch unbedingt einen männlichen ghanaischen Begleiter mit auf den Weg nehmen, um sicher zu gehen. Z.B. jemanden vom Hotel. Die Mädels jedoch meinten, dass sei nicht nötig und zu dritt könne ihnen nichts passieren. Und wenn ich in Ghana zwei Dinge gelernt habe, dann diese: Ein Ghanaer hat eindeutig mehr Ahnung von seinem Land als ich. Und wenn ein Ghaner läuft, weil das TroTro ein Problem hat, dann läufst du eben auch und wenn ein Ghaner sagt, dass ist sicher, dann ist das einfach so. Der zweite Punkt betrifft Frauen im Allgemeinen und ghanaische Frauen im Speziellen. Wenn du drei ghanaischen Frauen gegenüberstehst und sich diese etwas in den Kopf gesetzt haben, ist jede Diskussion ungefähr so sinnvoll wie der Versuch sich mit ausgestreckten Armen einer wütenden Elefantenherde in den Weg zu stellen.  Also fügte ich mich meinem Schicksal. Nachdem wir nur noch ca. 100 Meter von meinem Hotel entfernt waren, habe ich mich dann von Sheila, Lucia und Mabena verabschiedet und ihren Rat befolgt die letzten Meter zum Hotel zu rennen. Doch bereits nach nach ein paar Sekunden hörte ich einen lauten Schrei und tat in dieser Situation natürlich genau dass, was man von einem mutigen Retter erwartet. Ich habe meine Beine in die Hand genommen und bin zum Hotel gerannt um den Besitzer zu holen und zurück zum Strand zu rennen, gleichzeitig habe ich versucht sie anzurufen, um herauszufinden ob ihnen etwas passiert ist. Leider war die einzige Nachricht: „The number you are dialing can not be reached at the moment“ und leider macht man als Obruni die Sache vermutlich nur noch schlimmer und ein erwachsener Ghanaer, der die „armed robbers“ evtl. kennt, in jedem Fall aber zumindest Twi spricht, kann diese eventuell vertreiben, während ich vermutlich bei einem solchen Versuch nur mein Handy und meinen Geldbeutel verliere und eventuell zur Krönung noch verprügelt werde, wenn nichts schlimmeres. Jedenfalls sind wir danach sofort zu dieser Stelle zurück gerannt und sogar noch fast bis zum Ausgangspunkt zurück, bevor wir zurück zum Hotel gelaufen sind und ich versucht habe mein Handy, dessen Akku natürlich genau zum richtigen Zeitpunkt seinen Geist aufgegeben hat, wieder zum Laufen zu bringen. Nach einigen verzweifelten Versuchen (Akku raus, Akku rein, Knopf gedrückt halten, sofort wählen...) kamen die drei jedoch in Begleitung eines ghanaischen Security-Mans zum Hotel, um mich zu fragen ob mir etwas passiert sei. Tatsächlich wurden die drei ausgeraubt. Gottseidank waren alle OK und nur Sheila hat ihren Geldbeutel verloren, der aber ohne Geld, mit ID-Card usw. wieder augetaucht ist. Die Handys hatten die drei gerade bei der Ladestation und somit konnte ich sie auch nicht erreichen. Sehr wahrscheinlich handelte es sich bei dem Überfall um einen Hinterhalt, der bereits von einem Besucher bei der Raggae-Night mitgeplant wurde. Dieser ruft die „armed robbers“ mit dem Handy an, dass ein Obruni auf dem Weg ist und diese machen sich dann mit Messern und Macheten bewaffnet bereit den Obruni zu empfangen (die kommen zwar i.d.R. nicht zum Einsatz, aber eine Sylvester Stalone Befreiungsaktion fällt damit auch flach). In dem Fall wäre ein ghanaischer Begleiter tatsächlich sinnvoll gewesen und einem wird nach 11 Monaten doch noch bewusst dass, obwohl die Menschen unheimlich nett und herzlich sind und man sich in Ghana eigentlich nur wohl fühlen kann und Ghana auch ein vergleichsweise sicheres Land ist, man trotzdem immer ein Fremder bleiben wird und während ein Ghanaer Probleme lösen kann, kann man als Obruni die meisten Probleme eben doch nur dadurch lösen, dass man ein paar Cedis in der Tasche hat. Genau das habe ich natürlich auch getan und eine viertel Stunde später und 5 Cedi (2,50 Euro) weniger war mein Akku an einem Universalladekabel und ich habe etwas später erfahren, dass Sheila, Lucia und Mabena sicher zuhause angekommen sind. Dazu sagen, sollte ich wohl auch, dass ich ihnen natürlich ein Hotelzimmer angeboten habe und die drei abgelehnt haben (siehe dazu auch Elefanten-Vergleich) und ich als Hauptgrund für den Überfall, das Geld natürlich ersetzt habe. (Womit wir wieder bei der Obruni-Problemlösungsstrategie sind.) Die Polizei hat bei „armed robbers“ eine eigene Problemlösungsstrategie, die dazu führte, dass erst letzten Mittwoch im Daily Graphic über einen Schusswechsel berichtete, bei dem 8 bewaffnete Straßenräuber erschossen wurden. Diese hatten mit einer Straßensperre Autos angehalten und die Fahrer ausgeraubt. Auch von dieser Praxis liest man in Ghana die letzten Monate häufiger. Somit fällt mein Ausblick auf die Zukunft Ghanas Stichwort „Hoffnung“ nicht ganz so positiv aus, wie ich es mir wünschen möchte. Aber auch in Deutschland wird man nie 100%ige Sicherheit haben.

 Und was bleibt ist...

die Hoffnung. Die Hoffnung das meine Schüler in diesem einen Jahr eine Menge von mir gelernt haben, nicht nur über Computer, sondern auch für’s Leben. Die Hoffnung dass einer dieser Jungs und Mädels eines Tages etwas mehr erreicht als er/sie bisher gedacht hat, seine/ihre Träume verwirklicht und Ghana voran bringt. Wie Barack Obama sehr richtig erkannt hat, ist Afrika für sein Schicksal selbst verantwortlich. Mein Blick auf Afrika, auf Spendengelder, Hilfsprojekte und viele andere Dinge hat sich in diesem Jahr teils sehr drastisch geändert. Teilweise sind die Dinge wirklich sinnvoll, teilweise ist aber gut gemeint, doch das Gegenteil von gut gemacht. Und zu guten Projekten, gehört eben auch die Kultur und die Menschen zu kennen und zu respektieren, aber auch zu wissen: Wofür es sich zu kämpfen lohnt. Sei es, dass die Lehrer pünktlich zum Unterricht kommen oder die Gelder auch wirklich sinnvoll eingesetzt werden, seien es Dinge wie, z.B. dass Ghana eines der wenigen afrikanischen Länder ist, in denen komplett frei und demokratisch gewählt wird. In dem der amtierende Präsident mit seinen beiden Vorgängern friedlich zusammen sitzen kann und sich die Bevölkerung nach der Wahl gegenseitig die Köpfe einschlägt. Das ist übrigens auch einer der Gründe, weshalb Barack Obama ausgerechnet Ghana als erstes Ziel in Schwarz-Afrika ausgesucht hat. Im Moment werden alle großen Einkaufszentren und Computerläden von Libanesen und nicht von Ghanaern geleitet, Ghana-Telecom wurde von Vodafone aufgekauft und schon geht ein Ruck durch die Rechnungsabteilung und die Rechnungen werden Wochen früher zugestellt und das Geld fließt nach England. 50 Jahre nach der Unabhängigkeit gibt es in diesem Land immer noch jede Menge Dinge, bei denen man sich nur gegen den Kopf schlagen kann und die man als Deutscher nie verstehen wird. Und trotzdem habe ich mich in dieses Land verliebt. In seine Menschen in seine Kultur und in die Landschaft. In einem Jahr habe ich eine zweite Heimat gefunden, hier zwischen all den Unvollkommenheiten und Dust-roads und einer Auswahl an 7 verschiedenen Gerichten und „später“ und den Straßenpredigern, die dich auf einer zweistündigen Fahrt auf Twi zulabern, wenn du nur deine Ruhe haben willst, fühle ich mich genauso wohl wie in Deutschland. Auch wenn ich wohl immer ein Obruni bleiben werde und dieses Land immer ein Rätsel für mich bleiben wird. Me fie wo Ghana. Ich werde dich vermissen. 

Ein Morgen in Kokrobitey: http://i31.tinypic.com/2njaqv7.jpg

 

Bis zum nächsten Newsletter wünsche ich euch einmal mehr: Alles Liebe aus Ghana

 

Daniel

Zurück zum Anfang

Juni 2009 – Willkommen in der Regenzeit

 

Während sich die Welt mit den Wahlen im Iran, dem Tod Michael Jacksons und sich Barack Obama bereits im Fliegenfangen für die Moskitos in Ghana übt ist hier in Ashaiman großteils alles beim Alten. Was nicht heißt, dass die Dinge funktionieren würden, aber ich habe mich mit Moskitos, Wasser- und Stromausfällen und afrikanischer Planung mehr oder weniger arrangiert. Man gewöhnt sich an vieles und die Zeit ist jetzt doch wie im Fluge vergangen und in nicht einmal 2 Monaten habe ich wieder deutschen Boden unter den Füßen. Aber bis dahin stehen noch eine ganze Menge Schlammspaziergänge an. Denn diesen Monat heißt es: Willkommen in der Regenzeit

 

Raindrops keep falling on my head

 

Und das schon seit geraumer Zeit. Heute ist der erste Tag seit einer halben Ewigkeit, dass es nicht zumindest die meiste Zeit des Tages regnet. Was sich auch ganz gut trifft, da ich ansonsten ernsthafte Wäsche-Probleme bekommen hätte. Einen Trockner gibt es hier nämlich keinen. Das Problem an der Regenzeit ist aber auch, dass fast keine Schüler kommen, und dass man auf dem Weg zum Mittagessen und Evening Prayer durch knöcheltiefen Matsch waaten muss und ein Spaziergang über die Dustroads in dem Fall dann Mudroads auch nicht wirklich zu empfehlen ist. Somit sind auch die Möglichkeiten der Abendgestaltung etwas eingeschränkt. Noch dazu, wenn dank des Regens auch regelmäßig der Strom ausfällt. Die letzten 4 Tage hatte ich überhaupt keinen, aber die meisten andern schon. Was das Problem auf der Dringlichkeitsskala etwas zurückstuft. Vermutlich weil auch andere Teile z.B. Hostel und Teile der Schule von dem Problem betroffen waren ist es auf der Agenda gestiegen zu immerhin schon: Wir fragen mal nach, sobald jemand in der Nähe ist, der sich um das Problem kümmern könnte. Daher tippe ich diesen Teil immerhin schon wieder auf meinem Laptop. Ein Stromausfall während Examen ist mir zum Glück nur einmal untergekommen und leider mussten diese Jungs das Examen dann, nachdem der Generator an war, nochmal schreiben, weil im Computerraum die UPS-Systeme nicht funktionieren. (UPS =Uninterupted Power Supply, die einen PC bei einem Stromausfall noch 5 Minuten mit Strom versorgen, damit man seine Arbeit speichern kann und den PC herunterfahren kann oder auf den Generator umstellen kann.)

 

Jetzt auch in Ashaiman -Aquajogging: http://i44.tinypic.com/k13sl4.jpg

 

And now the end is near and I will face the final Exam...

 

Mit nunmehr 4 Wochen geht die Schulzeit bald zu Ende. Faktisch unterrichte ich aber bereit schon in 2 Wochen nicht mehr, da dann die Abschlussprüfungen anstehen. Die letzten Stunden fallen dann auch noch regelmäßig aus, aber immerhin habe ich in jeder Klasse, wenn nichts schief geht immerhin noch mindestens 2 Stunden. Und so langsam mache ich mir auch schon Gedanken über meine letzten Unterrichtstage. Tatsächlich sind mir die meisten Schüler in dieser Zeit sehr ans Herz gewachsen und auch wenn es manchmal einige harte Stunden gab, kann man keinem von ihnen so richtig böse sein. Selbst Muhammed, aus Installation 1, der es von Anfang an in meinen Tests geschafft hat, egal ob theoretisch oder praktisch, jedes mal durchzufallen und regelmäßig den letzten Platz belegt oder Auto 3, von denen nur noch die letzten Schüler da sind, nachdem die externen Examen schon geschrieben sind und nur noch die zum Unterricht kommen, die im Hostel wohnen und somit nicht anders können. All diese Schüler, auch wenn ich von meinen 180 nicht alle in Erinnerung behalten werde und mir bis heute nicht alle Namen merken kann, werde ich zumindest in meinem Herzen behalten und ich hoffe, dass ich zumindest einen großen Teil bei einem Ghana-Besuch wiedersehen werde. Was die letzten Stunden noch etwas stressvoller macht, ist dass ich geplant habe ein Don-Bosco-Computerzertifikat zu machen, dass sie zumindest eine Bestätigung bekommen, was sie alles am PC können und nicht nur eine 1 oder 2 im Zeugnis bei ICT stehen haben. Wann ich diese Prüfungen dann genau schreiben kann, weiß ich noch nicht, aber immerhin habe ich die meisten in Excel gleich mit dem Mid-Term-Exam verbinden können.

Meine Jungs: http://i40.tinypic.com/33ndfg1.jpg

 

Father Chris’ Abschiedsgeschenk

 

Nachdem Father Chris zum Dezember nach Nigeria wechselt, gab es zum Schluss noch eines der letzten Großprojekte das er in Angriff genommen hat: 20 neue Computer für den Computerraum. Leider werden diese erst zum neuen Schuljahr eingesetzt, wenn ich nicht mehr hier bin, aber dafür mit allem technischen Schnickschnack, Dual Core Prozessoren, 1 GB Arbeitsspeicher, DVD-Brenner usw. und letzte Woche wurden die ganzen Einzelteile geliefert, die Anfang August vom Hardware-Department Sunyani zusammengebaut werden. Nachdem Father Chris bereits einige Jahre in Afrika gelebt hat, war auch hier die Planung etwas anders als in Europa. Nachdem die Computer bereits auf dem Weg waren, hat man sich Gedanken gemacht, wo man die 20 überhaupt unterbringen möchte und wie das mit den Tischen funktioniert. Neue Tische sind bei der Planung nämlich nicht mehr drin. Ich hoffe allerdings dass zumindest ein paar neue Mehrfachstecker eingeplant werden, die sind im Moment nämlich meist doppelt oder dreifach belegt und immer wieder stellt sich heraus, dass ein PC nicht funktioniert, weil jemand den Stecker gerade andersweitig belegt hat oder die Mehrfach-Mehrach-Stecker einen Wackelkontakt haben und Funken schlagen. Positiv sehe ich dass auf 20 PCs 40 Mäuse und Tastaturen bestellt wurden, da diese im Computerraum nicht lange überleben. Feinmotorik ist leider keine Stärke der ghanaischen Lehrer und Schüler. So kommt es dass im Moment 5 Mäuse und 3 Uralt-Tastaturen aus Deutschland im Einsatz sind. Was in Excel das erklären nicht unbedingt einfacher macht, denn z.B. der Doppelpunkt ist auf der englischen Tastatur da, wo auf der deutschen das große Ö ist.

 

Wie Weihnachten: http://i41.tinypic.com/3345849.jpg

 

Daniel und die große ghanaische Schneiderin

 

Auch nach einem knappen Jahr in Ghana bin ich noch nicht vor Überraschungen gefeit. So wusste ich zwar, dass ein Ghanaer bei Regen nicht kommt, ein „ich komme morgen um 9“ nicht unbedingt kurz vor 9 Uhr bis viertel nach 9 Uhr heißen muss, sondern auch einfach „ich komme irgendwann vor 12“. Aber mich überraschte es dann doch etwas, dass der „Anzug“ den ich mir bei meiner Schneiderin bestellt hatte, der am Freitag fertig sein sollte, auch im Dienstag immer noch nicht fertig war. Das Ganze ist jetzt etwa einen guten Monat her, ich habe Florence heute angerufen und tatsächlich ist der Anzug jetzt, nachdem ich 3 mal umsonst hingegangen bin (jedes mal ein paar Tage später als ausgemacht), angeblich fertig. Die andern Sachen sollen Angeblich am Freitag fertig werden, aber vermutlich klingt das Wort Freitag einfach nur so schön. Und hier kommt die Überraschung: Wie ich im Gespräch mit Brother Günther im Drinking Spot erfahren habe, gibt es eine Deutsche Art der Auskunft und eine Ghanaische Art der Auskunft. Wenn ein Deutscher Schneider sagt am Freitag, dann weiß man: Er hat das kalkuliert. Er hat also im Kopf wie viele andere Dinge er noch erledigen muss und wann er fertig wird. Ein Ghanaer sagt einfach Freitag und wirft den Stoff dann auf einen Haufen. Und irgendwann wenn er Zeit und Lust hat, macht er sich daran die Sachen einmal fertig zu stellen. Freitag heißt also in diesem Fall nicht: „Irgendwann vielleicht am Montag oder Dienstag“ wie ich bisher dachte sondern einfach nur „Jetzt ist er noch nicht fertig, irgendwann wird er eventuell fertig sein.“ Die Aussage Freitag ist also nur dazu da, um nicht das unhöfliche „jetzt noch nicht“ sagen zu müssen und dass beide zufrieden sind. Der Kunde, weil er denkt dass der Anzug irgendwann fertig ist und die Schneiderin, weil sie immerhin bis Freitag ihre Ruhe hat. Getreu dem Motto: „Aus dem Augen aus dem Sinn.“ Brother Günther brachte hier einen sehr schönen bildlichen Vergleich. Ein Ghanaer versucht das Problem wie mit einer Schneeschaufel, so lange wie möglich aufzuschieben, bis es irgendwann mal so Groß wird, dass man ein Riesenproblem hat. Wenn man dann auch noch sehr viel Glück hat, ist vielleicht schon jemand anders dran mit Schippen den es erwischt. Ebenso erzählte er mir die schöne Geschichte, wie Father Riccardo zum Einkaufen in einen Supermarkt (wie alle ghanaischen Supermärkte von Libanesen geführt) ging und dort in der Fleischabteilung nach Schweinefleisch fragte. Wenn man weiß das Libanesen i.d.R. Muslime sind und kein Schweinefleisch essen, dann wird es einen nicht überraschen, dass er dort kein Schweinefleisch fand. Der (ghanaische) Verkäufer sagte aber: „Wir bekommen welches am Montag.“ Der Ghanaer deutet diese Aussage: „Es gibt kein Schweinefleisch“ und liegt damit richtig. Und vermutlich wird es in diesem Supermarkt auch bis zum Tag des jüngsten Gerichts kein Schweinefleisch in dieser Abteilung geben. Aber das Wort Montag ist in diesem Fall einfach die freundliche ghanaische Variante für ein „Nein.“ Jetzt muss ich nur noch herausfinden, was die höfliche ghanaische Variante für den tatsächlichen „Montag“ ist. Ebenfalls fehlt im ghanaischen Wortschatz das: „Ich habe keine Ahnung, tut mir leid.“ Stattdessen erhält man, auf der Suche nach einem Trotro z.B. die Auskunft: „Ja klar, da hinten in 100 Metern, hinter dem roten Auto.“ Nach einer halben Stunde und fünfmaligen Überqueren des Platzes stellt sich dann zufällig raus: Es gibt überhaupt kein Trotro dorthin, zumindest nicht auf dieser Station. Auch hier ist es mir noch nicht möglich zu sagen wann: „Gleich dort drüben“ tatsächlich heißt, dass das Trotro gleich dort drüben ist und wann es heißt: „Tut mir leid, ich weiß es nicht.“

 

 

A day at the Art Market

 

Einer der wenigen Ghanaer der tatsächlich Dienstag meint, wenn er Dienstag sagt, ist mein guter Freund Johnny vom Artmarket. Johnny ist nicht nur der talentierteste Maler, den ich bisher getroffen habe, sondern auch noch ein wahnsinnig netter Kerl. Er spielt übrigens auch gelegentlich Jazz und Highlife in einer Band, das leider weniger zuverlässig, denn bisher sind zuverlässig sämtliche Auftritte, bei denen ich hin wollte, ausgefallen oder er war gerade nicht da. Aber dafür kann ich vermutlich ein ganzes Haus stilvoll mit Bildern einrichten und bekomme als sein bester Kunde auch jede Menge Mengenrabatt. Von seiner Malkunst beeindruckt, habe ich dann auch ein Pop-Art-Portrait in Auftrag gegeben, dass er ebenfalls sehr gut hinbekommen hat, obwohl das vermutlich der erste Auftrag war der ihn jemals in eine andere Kunstart, als die „native Art“ und normale Portraits geführt hat. Bemerkenswert ist hier, dass ein „Am Dienstag sind die Änderungen gemacht“, auch tatsächlich Dienstag heißt und er sofort verstanden hat, wenn ich gesagt habe: „Ich hätte das Gesicht gerne knallrot“, auch wenn noch nie ein Gesicht so knallrot war, und dann die Komplementärfarben im Hintergrund trotzdem 100%ig gepasst haben. Da ist die Sprache der Kunst eben doch universal und Johnny ist wirklich ein Künstler.

 

Auf dem Art-Markt: http://i41.tinypic.com/nz3n8m.jpg

 

Jonathan, Lucia, Sheila & me and the deeper meaning of Apfelkuchen

 

Nachdem Jonathan an einem freien Tag am Strand in Kokrobitey Lucia, die Tochter eines protestantischen Pfarrers getroffen hat und jetzt gut mit der Familie befreundet ist, hat er mich dazu eingeladen mit ihm und Lucia zur Raggae-Night zu gehen und mit einer ihrer Schwestern zu tanzen. Ich habe das Angebot natürlich angenommen und kurze Zeit später wurde ich von drei Damen gleichzeitig, völlig unvorbereitet nach einem gemütlichen Abendessen, ins Kreuzverhör genommen. Leider habe ich dabei so ziemlich alle Infos, abgesehen von den Namen durcheinander gebracht, und hatte am Ende keine Ahnung mehr wer was gesagt hat und wer wie alt war. Was erst besser wurde als ich mich dann eine Weile mit Sheila unterhalten habe und dann mit ihr den Abend über zur Lifemusik getanzt habe. Sheila ist in vielerlei Hinsicht ganz besonders: Sie ist intelligent, weltoffen, hat eine liebenswürdige Art und strahlt Lebensfreude aus. An diesem Abend habe ich von ihr viel über das Leben in Ghana, die Probleme in den staatlichen Schulen und viel von ihren Ansichten und ihrem Verständnis von Ghana erfahren. Ich möchte fast sagen, sie ist die intelligenteste Ghanaerin die ich bisher kennengelernt habe und selbst im europäischen Vergleich ganz weit vorn (Ich kenne natürlich mehr Europärinnen). Sie weiß nicht nur eine ganze Menge, sondern ist auch an vielem interessiert und sieht im Gegensatz zu vielen auch die kulturellen Unterschiede. (Bei vielen Ghanaern stößt man da einfach auf Unverständnis.) Und als wir uns ein paar Tage später mit einem Belgier über ghanaische Politik unterhalten haben, meinte dieser anschließend nur bewundernd, sie solle Jura studieren und in die Politik gehen. Sie hat aber gerade andere Pläne. Sie hat zum Sommer hin das ghanaische Gymnasium abgeschlossen, muss ein paar Monate auf ihr Zeugnis warten und möchte sich dann für ein Krankenschwestern-Studium bewerben. Am Nachmittag habe ich übrigens die gesamte Familie kennengelernt und kann nur sagen: Sie sind einfach nett. Mit den „Small-boys“ den Kids der Familie habe ich mich auf Anhieb verstanden und schon nach wenigen Minuten war ich vollauf beschäftigt mit „Flugzeug spielen“ (Einer von den Jungs auf die Schulter und dann so schnell im drehen, bis einem von uns beiden schlecht wird oder ich irgendwann umfalle. :D)

 

Ein Wochenende später haben wir beide dann einen kurzen Tagesausflug nach Kokrobitey gemacht, um die Familie zu besuchen und mit den Mädels ein bisschen schwimmen zu gehen. Das wurde dann auch ganz lustig. Die beiden können leider nicht wirklich schwimmen und so hat Jonathan versucht der Lucia das Schwimmen beizubringen, während ich dasselbe bei Sheila getan habe. Das ging dann auch ganz gut, ich habe sie über Wasser gehalten und versucht sie bei den größeren Wellen oben zu halten. (Die Strömung war an diesem Tag ziemlich stark) Es hat natürlich auch richtig Spaß gemacht und ging gut. Zumindest ging das so lange ganz gut, bis ich dank der starken Strömung plötzlich mit einem Schritt in einem riesen Sandloch im Meer gelandet bin und wir beide mit einem Mal „weg waren“. Nachdem es ein großes Sandloch war und ich keinen Halt gefunden habe, habe ich dann versucht zusammen mit ihr so schnell wie möglich raus aus dem Meer und an Land zu kommen (Allein ist so ein Sandloch ja kein Problem, aber Sheila oben halten und festen Boden unter die Füße zu bekommen, bei der Strömung eben schon...). Damit hatte meine Karriere als Schwimmlehrer ein apruptes Ende gefunden. Dafür gab es anschließend eine kleine Entschädigung beim Italiener um die Ecke, in Form von leckerem Apfelkuchen. Wobei Johnathan und ich uns ungefähr so unterhalten haben: „I’d relly like to have an Apfelkuchen!“ „Yeah that’s a good idea, maybe I will take a Schokoladenkuchen. What about you Sheila: Do you like to have an Apfelkuchen?“ Somit wussten die beiden, bis die Bestellung kam nicht, was denn der ominöse „Apfelkuchen” ist.  Geschmeckt, hat er uns allen natürlich trotzdem.

 

Nachdem Sheila mir gottseidank nicht böse ist, dass wir beinahe zusammen untergegangen wären ;) habe ich mich am Sonntag zu einem Kurzbesuch nach der Kirche entschlossen. Zum Evening Prayer um 6:30 abends wollte ich wieder zurück sein. Tema-New-Town fiel aus, da Brother Michael etwas Wichtiges in Sunyani erledigen musste und Jonathan, fiel Meeting-bedingt ebenfalls aus. Somit habe ich kurz der Familie hallo gesagt und wir mussten relativ schnell ins Haus flüchten, da ein starker Regen einsetzte. Nachdem der Regen aufgehört hatte, sind wir durch einen reißenden Fluss (in der Trockenzeit auch bekannt als Straße) gewatet, um am Ende trotzdem total nass zu werden, weil der Regen nach 5 Minuten wieder eingesetzt hatte. Lucia, Sheila und ich hatten dann doch noch eine Menge Spaß und der beste Italiener Ghanas in Kokrobitey bekam mal wieder Besuch von uns. (Für gewöhnlich heißt ein Besuch meiner Wenigkeit, dass der arme Kerl erstmal den Notizblock für meine Bestellung holen muss, in dem Fall gab es aber nur ein paar Getränke und Bruchettas, war ja nur ein Kurzausflug.) Nachdem ich ein ghanaisches Klopfspiel gelernt hatte, die beiden das Partyspiel mit den überkreuzten Armen gelernt haben (einmal klopfen im Uhrzeigersinn, zweimal klopfen = Rückwärts) und wir dann noch ein paar lustige und schöne Bilder gemacht haben, musste ich mich um 4 Uhr schon wieder verabschieden. Aber gemäß der Verabschiedung „Mε hu wo okyεna“ (Wir sehen uns morgen) kamen wir bereits am Dienstag wieder. Mittwoch war nämlich ein Feiertag und somit bot es sich an, sofort nach Schulende in Richtung Kokrobitey zu fahren, dort beim Italiener zu übernachten und am Folgemittag wieder zurück zu fahren. Das gemeinsame Abendessen war sehr schön, nur leider etwas hektisch, nachdem der Italiener, gleich nachdem ich ankam (kurz nach 8) gesagt hat, er möchte die Küche schließen. Es ist ja immerhin Ghana und noch dazu ein normaler Wochentag. Da wird der nicht vorhandene Bürgersteig schon gerne etwas früher hochgeklappt. Wir haben uns trotzdem einen schönen Abend gemacht und durften auch bis ca. 11 Uhr bleiben, als Sheila und Lucia dann wieder nach Hause mussten. (Hauptsache der Koch kann heim :D)

 

Sheila: http://i40.tinypic.com/2h5s2vt.jpg
Sheila und ich:
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Beim Lieblingsitaliener:
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It’s better to fall in a Gutter and to break your foot…

 

…than to fall in love and break your heart.

Dieser Satz gehört neben: “The heavy noise the sea makes, cannot prevent the fish from sleeping.” (sprich Lärm kann einen Ghanaer nicht vom Schlaf abhalten) zu meinen ghanaischen Lieblingssprichwörtern. Und tatsächlich hatte ich seit Beginn meiner Arbeit zwei Dinge erwartet die vor meinem Abflug eintreten werden: Ich werde tatsächlich einmal in ein Gutter fallen. (Das sind offene Abwassergräben am Straßenrand, manchmal mit Steinplatten abgedeckt, manchmal muss man sie mit Holzbrettern überqueren und manchmal einfach drüberhüpfen. Es gibt Gutters in allen Größen und Formen, vom normalen Graben über eine Betonwanne usw.) Die  zweite Befürchtung war, dass ich irgendwann in der Nacht ausgeraubt werde und mein Handy und meinen Geldbeutel verliere. Von beidem bin ich bisher zum Glück verschont geblieben. Im letzten Monat habe ich tatsächlich einmal mein Handy in einem Taxi verloren aber wieder zurück bekommen. Dazu später mehr. Und einmal ist eine Steinplatte direkt unter meinen Füßen weggebrochen, aber ich konnte mich Indiana-Jones-mäßig noch einmal retten. Soweit so gut. Nachdem am Dienstag sowieso schon so ziemlich alles schief ging, was nur schief gehen konnte, habe ich mich zumindest in der Nacht nach einem schönen Abendessen und einem anschließenden Besuch an einer Strandbar, halbwegs mit der Welt versöhnt, mit Jonathan auf den Rückweg gemacht. Es war kurz nach Mitternacht und selbverständlich stockdunkel. Grund genug eigentlich langsam zu gehen. Nicht jedoch für mich. Wird schon nicht schief gehen und so wäre ich beinahe über einen Stein gestolpert, konnte mich aber nochmal abfangen und wir kamen an einen nicht mal hüfthohen Holzzaun an. Ich weiß noch genau, wie ich auf die Worte: „Vorsichtig.“ mit einem „Ja klar, das ist doch kein Problem“ oder so antwortete und mit einem siegessicheren Selbstbewusstsein über den Zaun gehüpft bin. Leider befand sich direkt hinter diesem Zaun eines der vorhin erwähnten berühmten Gutter in der Großvariante aus Beton und ich habe mir bei meinem Abflug + harter Landung nicht nur die Luft weggeblieben, sondern ich habe mir auch noch heftig den Zeh angestoßen und das Schienbein aufgeschrammt. Nachdem ich dann wieder halbwegs Luft bekommen habe und gesagt habe, es sei alles in Ordnung. (Jonathan nur: „Du hörst dich aber nicht so an“) Noch im Gutter habe ich zu Jonathan gesagt: „Ich hab doch gewusst dass ich irgendwann in ein Gutter fallen würde.“ Woraufhin wir beide lachen mussten. Ein paar Sekunden später ist mir dann das schöne Sprichwort: „Hochmut kommt vor dem Fall“ eingefallen, woraufhin wir uns vor lachen nicht mehr halten konnten. Leider ist mir dann das Lachen wieder vergangen, als mir der Zeh am nächsten Morgen immer noch ziemlich weh getan hat und ich kaum laufen konnte. Zum Glück ist er nicht gebrochen, aber ich humple im Moment wie ein alter Mann mit einem Spazierstock durch die Gegend und hoffe dass Morgen/Übermorgen alles wieder in Ordnung ist. Aber wenigstens sieht der Chief-Stock den ich aus meinem Fundus ausgegraben habe, und als Gehstock verwende, ziemlich cool aus.

 

Ein formschönes Gutter aus Beton: http://i40.tinypic.com/2mfhol.jpg

 

Was für ein Tag

 

Nachdem es in der Früh geregnet hat, waren ganze drei Schüler in Auto 3 anwesend. Was eine Zusammenfassung für die End-of-Term-Exams nicht unbedingt sinnvoll erscheinen lässt. Somit habe ich die 2 Stunden damit verbracht mit diesen 3en ein improvisiertes, praktisches Examen über Computergrundlagen zu machen. Die Ergebnisse variierten stark. Anschließend habe ich mich auf eine Stunde mit Installation 1 gefreut, die gerade etwas über die Grundlagen des Internets lernen. Zumindest habe ich mich solange darauf gefreut, bis mir ein Lehrer mitteilte, dass er in dieser/meiner Stunde gerne ein Mid-Term-Examen schreiben möchte. Immerhin schon das dritte Mid-Term-Exam über das ich 5 Minuten vor Beginn der betreffenden Stunde informiert werde. Damit hatte ich eine Freistunde, in der ich mich auf die nächste Stunde in Auto-Proficiency vorbereitet habe. Als ich um 11 Uhr auf dem Weg zu dieser Klasse war, wurde ich aber von einer Lehrerin abgefangen und direkt zu einem Überraschungsmeeting mit Father Blamoh und den Lehrern gebracht, das als Ersatz für das Tee-Meeting gedacht war, das normalerweise am Mittwoch stattfindet und meist ca. 1-2 Stunden dauert. Dieses Meeting dauerte bis 3:20 also gute 4 Stunden, wobei mein Mittagessen, eine Freistunde und die letzten zwei Unterrichtsstunden auch noch drauf gingen. Damit war der Tag unterrichtsmäßig natürlich gelaufen. Und ich hatte die zweite große Überraschung in immerhin nur 2 Tagen. Montag war nämlich ein Überraschungsgottesdienst zu „Peter and Paul“ von dem ich kurz nach Beginn erfahren habe, dadurch dass ich zufällig vorbei kam und alle Schüler in der Multipurpose Hall beim Gottesdienst saßen. Bei der Aussage: „We have to improve our communication from top to down and from down to top and verticallyhab ich dann nur zustimmend genickt. Nun ja, wie’s der Teufel will wurde ich bei diesem Meeting über jede Menge Meetings und Outings informiert und die Lösung für die „Kommunikationsprobleme“ wird ebenfalls in der Einführung neuer Meetings gesehen. Leider betreffen die Meetings über die ich informiert wurde nahezu meine gesamte Restzeit in Ghana: 3 Juli Verabschiedung der Brüder, 5. Juli Parents-Teacher-Association-Meeting, 10. Juli Staff Recollection, 25. oder 26. Juli „Parents-Day“=Tag der offenen Tür, 28. Juli School Closing, 30-31. Juli und 3. August Meetings um über das vergangene Jahr zu diskuttieren, erst in den 4 Departments, dann Gesamt. (Blöd nur, dass ich 3 verschiedene Departments unterrichte) 4. August: Staff Outing (Wegfahren und Spiele) Mein Einwand, dass am 3 August die deutsche Volontärin kommt und ich sie einlernen muss und ich damit am 4. August anfangen sollte, weil ich schon am 8. August fliege wurde nicht wirklich beachtet. Da das Outing auch meine Verabschiedung beinhaltet fällt schwänzen wohl flach, ebenso wie sämtliche Urlaubspläne für die Restzeit. Dann wurden die restlichen 3 Stunden die üblichen Themen diskutiert, ohne eine wirkliche Lösung zu finden. Danach stand mir noch eine 4 stündige Fahrt durch die Rush-Hour bevor. Mit dem Sturz in das Gutter fand der Tag dann doch  noch ein würdiges Ende.

 

Aller guten Dinge sind Drei

 

Zum würdigen Wochenabschluss, erwartete mich nach dem Überraschungsgottesdienst am Montag, dem Überraschungsmeeting am Dienstag auch noch die Überraschungsfarewell-Party am Freitag. Ich wusste zwar, dass am Freitag die Ordensbrüder Brother Anthony, Edmond und Philip verabschiedet werden und war pünktlich beim Assembly um viertel vor 8 anwesend und habe dann die Zeit bis 11 im Provincial House verbracht, da um 11 das Programm beginnen sollte. Kurz nach 11 bekam ich einen aufgeregten Anruf auf dem Handy ich solle sofort herkommen, da ich jetzt plötzlich ebenfalls mitverabschiedet werde. Und tatsächlich wurde das ganze auch innerhalb von 2 Stunden meine Mitverabschiedungsfeier und ich durfte spontan eine Rede halten. Die Rede wurde dank dem einzigen passenden Twi-Wort dass mir auf die Schnelle eingefallen ist:  „Mada wa se“ (Vielen Dank ) dann doch noch ein voller Erfolg und ich habe es sogar geschafft unsere Computerlehrerin zum erröten zu bringen, mit meiner Aussage: Und ich möchte mich besonders bei Chief Korsah bedanken, dafür dass er mir die Ghanaische Kultur näher gebracht hat, indem er mich z.B. zu einer Verlobungsfeier eingeladen hat und Madam Marian dafür dass sie mich in den Drinking Spot einladen möchte. (In Wahrheit, wollten Stanley und ich Madam Marian seit Ewigkeiten in den Drinking Spot einladen) Was neben dem „Mada wa se“-Teil zu den größten Lachern geführt hat. Und selbverständlich habe ich mich bei der Community, bei allen Lehrern und bei allen Schülern bedankt, obwohl ich eigentlich noch gar nicht das Gefühl habe, bald abzureisen. Ist ja noch eine Weile hin. Anschließend durfte ich als Ehrengast am Hightable zusammen mit den andern 3 Ehrengästen die Spiele verfolgen und fühlte mich ein bisschen wie im alten Rom. Zumindest so lange, bis noch ein bisschen Tanzen und die anschließende Verabschiedung im Konferenzraum stattfand. Und ein schönes ghanaisches Shirt habe ich auch noch bekommen. Eigentlich könnte man mich ruhig öfters verabschieden.

 

Madam Marian will nicht in den Drinking Spot: http://i40.tinypic.com/69j5lc.jpg

 

Ist doch nur ein Kratzer

 

Auf der Rückfahrt von Kokrobitey nach Ashaiman, habe ich einen der kleineren Nachteile der ghanaischen Fahrweise kennen gelernt. Da jeder seine eigene Spur am Straßenrand eröffnet und sich dann irgendwann in die kleinste sich bietende Lücke quetscht heißt die Vorfahrtsregel: Wer zuerst nachgibt/bremst hat verloren. Das geht natürlich so lange gut, bis einmal keiner nachgibt, was weniger gut ist, wenn man in einem der beteiligten Wagen sitzt. In meinem Fall Trotro vs. LKW. Nachdem die beiden einen Lackabtausch vorgenommen hatten. Also ungefähr die gesamte untere Hälfte der Fahrertür des LKWs mit dem Mittelteil des Trotros auf der Beifahrerseite bekanntschaft gemacht hatten und sich so langsam das Metall zu verbiegen drohte, haben die beiden die Kommunikation aufgenommen. Zuerst mal durch abwechselndes Hupen, dann durch die geöffneten Fenster. Und als Deutscher dachte ich mir schon: „Ach du Sch... jetzt stehst du die nächsten Stunden hier, bis die sich geeinigt haben“ Nachdem dann aber der LKW ein Stück zurück gefahren ist (also aus dem Trotro raus sozusagen) und das Trotro dann „Vorfahrt“ hatte war der Fall erledigt und die beiden sind einfach weitergefahren als ob nichts gewesen wäre. Soviel zur Schadensregulierung auf ghanaische Art.

 

Ghanaischer Stau: http://i44.tinypic.com/34r8wgg.jpg

 

No matter if your black or white (oder eine Fürbitte für Michael Jackson)

Der Tod Michael Jacksons hat mich zwar trotzdem noch über die deutschen Nachrichten erreicht. Internet sei dank. Doch vermutlich wusste in jedem kleinen Dorf mit nur einem Fernseher, spätestens am Abend das der Sänger an Herzversagen gestorben war. Wohin man die letzten Tage auch geht irgendwo hört man immer einen Michael Jackson Song. Sei es im Radio im Trotro oder im Fotoladen um die Ecke, bei dem sich ein paar Ghanaer Jackson-Youtube-Videos angeschaut haben. Und erst hier in Ghana ist mir bewusst geworden, welchen Einfluss er auf die afrikanischen Bevölkerung tatsächlich hatte. Nämlich, als eine Gruppe Schüler als Thema bei einer Power-Point-Präsentation Michael Jackson wählten, obwohl die Themenauswahl völlig frei war. (Sprich: 50 Cent gab’s also auch, auch wenn ich der Gruppe dann bei der Präsentation erklären musste, wer oder was eigentlich Run DMC ist, das Geschichtswissen ist also auch in Punkto HipHop etwas beschränkt....) Um aber auf Michael Jackson zurück zu kommen. Trotz aller Skandale und des „bleichen lassens“ das hier natürlich auch alle doof finden, ist er für viele immer noch einer der ersten großen „schwarzen“ Superstars außerhalb des Sports und Jazz’. Und so kam es, dass Father Blamoh beim Evening Prayer tatsächlich sogar eine Fürbitte für Michael Jackson gesprochen hat. Was bleibt mir da anderes übrig als zu sagen: Amen!

Zurück zum Anfang

Mai 2009 –Zwischen Tradition und Alltag

 

Hallo Deutschland,

Freitag habe ich die magischen 9 Monate überschritten und ¾ meiner Zeit in Ghana sind schon vorbei. Somit steht nicht nur ein neuer Weltwärtsbericht an, sondern auch bald mein Rückflug nach Deutschland. Während ich am Anfang tatsächlich ein wenig Heimweh hatte, habe ich mich mittlerweile vollkommen an das ghanaische Leben gewöhnt und habe das Gefühl, dass es eigentlich ewig so weiter gehen könnte. Natürlich vermisse ich viele Menschen aus und ein paar Dinge an Deutschland (und verpasse AC/DC und Heaven & Hell in dieser Zeit!)  und ich freue mich schon wahnsinnig zurück zu kommen. Nur ist Ghana ein Stück weit eine zweite Heimat und sogar mein Alltag geworden. Zu dem natürlich auch der regelmäßige Kontakt zu meinen Eltern, Freunden und auch der Newletter gehört. Aber auch ein guter Grund diesen Alltag, das Leben und den ganzen Rest einmal gründlich zu hinterfragen. (Die großen Themen Spenden und Religion habe ich auf nächsten Monat vertagt. Wird eh wieder viel zu lang :D ) Die Schwierigkeit dabei ist, dass einiges für mich mittlerweile völlig normal ist, (inklusive der englischen Tastatur, ich brauche vermutlich ein paar Wochen bis ich wieder auf der deutschen mit 10 Fingern tippen kann) wo ich noch vor 9 Monaten lachend den Kopf geschüttelt hätte. Um nur mal ein Beispiel zu nennen: Wenn man sich ein heißes Essen ohne Verpackung einfach in eine normale schwarze Plastiktüte packen lässt und dann mit den Fingern aus der Tüte ist. Aber eine Styropor-Verpackung kostet 50 Pesewas extra und die meisten haben sowieso keine da. Grund genug also einmal den eigenen Alltag zu durchläuchten, in einem Land voller Gegensätze, mitten zwischen Tradition, Moderne, Alltag und dem Besonderen.

 

Die Internetseite hab ich bei der Gelegenheit auch gleich noch ein bisschen geupdatet. Viel Spaß beim Lesen.

 

Wer ist eigentlich?

 

Father Blamoh

Ist der Rektor der Salesianischen Gemeinschaft in Ashaiman und der Direktor der Schule. Nebenher ist er auch noch als Pfarrer in einer Kirche in Michelcamp eingesprungen. Hauptsächlich trifft man ihn aber in seinem Büro in der Schule an. Father Blamoh kümmert sich vor allem um die administrativen Aufgaben. Für den Unterricht ist der Vizerektor Mr. Brown zuständig. Father Blamoh stammt aus Liberia, einem Land das ebenfalls zur Provinz „englischsprachiges Westafrika“ gehört. Erst kürzlich kam ein indischer Salesianer, der Rektor einer Schule in Liberia ist zu uns und hat uns die Situation in Liberia geschildert. Das Land ist immer noch sehr stark vom Bürgerkrieg geprägt und auch die Wertevorstellungen und die Kriminalität im Land müssen große Probleme bereiten. Da ist man dann echt froh hier in Ghana zu sein.

 

Ein typischer Satz von Father Blamoh beinhaltet mindestens ein „Whaaa?“

Z.B. “You have to be careful about the Whaaaa? –The candles. And because of Whaaaa? –The fire!”

 

Father Blamoh: http://i40.tinypic.com/10d9t0y.jpg

 

Father Chris

Stammt aus Polen und ist seit einigen Jahren hier in der Gemeinschaft in Ashaiman für die Finanzen zuständig. Nebenbei kümmert er sich auch noch um viele andere Aufgaben die anfallen und ist für uns Voluntäre der Ansprechpartner. Er ist immer freundlich, zuverlässig und hilfsbereit, wenn auch gelegentlich ziemlich gestresst und ich mag ihn wirklich sehr. Erst vor wenigen Tagen kam er von einer viermonatigen Reise nach Europa zurück. Unter anderem hat er auch Deutschland als ehemalige „Mutterprovinz Ghanas“ und natürlich seine Heimat Polen besucht.

 

Father Chris hat einen interessanten polnischer Akzent. Er spricht das h immer als ch aus z.B. Chow can I chelp you? Und verwendet zum Beispiel auch gerne das Wort „Tschaaaa“. Im Sinne vom deutschen „Tja“. Seine melodische Sprechweise ist schwer zu beschreiben. Mich erinnert sie ein bisschen an die Paten-Filme. Jedenfalls ist es unter uns Voluntären der zweitbeliebteste Dialekt nach dem coolen britischen Akzent von Father Roy.

 

Father Chris: http://i39.tinypic.com/33lp3wx.jpg

 

Father Roy

Ist über 80 Jahre alt, aber meist findet man ihn vor dem PC im Internet surfen und er ärgert sich dass die „bloody internet connection“ heute wieder so langsam ist. Wenn er nicht gerade im Internet surft schreibt er Artikel für die Salesianischen Zeitschriften oder hält den Gottesdienst im Provincial House. Der nur 45 Minuten dauert. Father Roy stammt ursprünglich aus England und hat immer noch diesen wahnsinnig coolen britischen Akzent. Er hat in Deutschland studiert und war bereits, vor er bei den Salesianern war einige Jahre in Afrika. Ich glaube mit der Armee. Leider sehe ich Father Roy nur sporadisch.

 

Die drei Herren vom Provincial House: http://i40.tinypic.com/14kgrkg.jpg

 

V.l.n.r. Fr. Roy, Fr. Riccardo (Provincial) und Br. Günter:

 

Father Joe

Ist einer der wenigen gebürtigen Ghanaer in der Gemeinschaft und ist der Pfarrer der Don Bosco Kirche, 15 Minuten von unserem Gelände entfernt in Golf City. Dort verbringt er auch die meiste Zeit, entweder bei Gottesdiensten oder bei Meetings mit dem Kirchenrat usw. Father Joe ist wahnsinnig nett, nur seine Predigten sind manchmal ein bisschen lang. (Ungefähr so lang wie in Deutschland ein ganzer normaler Sonntagsgottesdienst)

 

Father Joe: http://i40.tinypic.com/kchy89.jpg

 

Brother Michael „Obolo“ Schmitz

Unser deutscher Ordensbruder. (Ein Bruder in der Gemeinschaft ist ein vollwertiges Ordensmitglied, mit dem einzigen Unterschied, dass er kein Pfarrer ist) Brother Michael ist Schulleiter in der Straßenkinderschule in Tema-New-Town und veranstaltet jeden Nachmittag einen Spielenachmittag für die Kids in der Umgebung. Dort können sie Puzzles lösen, 4-Gewinnt spielen oder Fußball spielen. Sonntags fahre ebenfalls mit ihm nach Tema-New-Town. Davor war Brother Michael knapp 15 Jahre in Sunyani und hat dort den Spielenachmittag betreut. Das erste mal gesehen habe ich ihn sogar bevor ich nach Ghana kam, nämlich an Ostern bei seinem Urlaub in Turin bei den Salesianischen Headquarters. Mit Brother Michael verstehe ich mich absolut super und kann ihn auch oftmals um seinen Rat fragen und gehe immer mal wieder mit ihm zusammen in den Drinking-Spot gegenüber. Brother Michael ist übrigens auch mein Firmpate.

 

Mit Brother Michael: http://i44.tinypic.com/105s3zt.jpg

 

Brother Günter

Stammt aus Österreich und ist für die Fiananzen der ganzen Westafrikanischen Provinz zuständig. Nebenher ist er mein Ansprechpartner für Kopien und man kann sich gelegentlich mit ihm auf Deutsch unterhalten. Unter anderem im Drinking Spot. Mit ihm verstehe ich mich auch ganz gut.

 

Brother Edmond, Brother Anthony, Brother Philip und Brother Thaddeus

Sind für ein paar Jahre hier in der Gemeinschaft, nachdem sie das Novinziat abgeschlossen haben und bereiten sich darauf vor Fathers zu werden und werden vermutlich zum Sommer die Gemeinschaft in Ashaiman wieder verlassen, um zu studieren. Abgesehen von Brother Edmond der aus Ghana kommt, stammen alle Brüder aus Nigeria. Brother Thaddeus unterrichtet in TNT, die andern Brüder sind in der Schule bzw. im Automobile-Workshop und für das Hostel zuständig.

 

Gruppenfoto: http://i43.tinypic.com/2vazatg.jpg

Von links nach Rechts:

Ich, Fr. Chris, Br. Michael, Fr. Joe, Br. Thaddeus, Fr. Blamoh, (Heinrich*) Br. Edmond

Kniend: Br. Anthony, (Stanley*), (Johannes*), Br. Philip (*=nicht mehr in Ghana)

 

A day in Ghana

 

Wie ich erst kürzlich errechnet habe, bin ich die wenigste Zeit in Ghana im Urlaub, auch wenn die Schilderungen im Newsletter deutlich mehr Platz einnehmen (wenn man meinen Urlaub nach deutschem Standard rechnet, also Wochenende und Feiertage raus, komme ich bisher auf weniger als 25 Tage. Die meisten Feiertage haben noch dazu christlichen Ursprung. Was i.d.R. einen mehrstündigen Kirchenbesuch oder Sonderprogramm an diesem Tag bedeutet) Die meiste Zeit verbringe ich also tatsächlich in der Schule. Grund genug einmal einen typischen Tagesablauf zu schildern:

 

6:40 –Der Wecker klingelt und wird zum ersten mal ignoriert.

6:50 -„On Her Mayestys Secret Service“ weckt mich schon wieder auf, wird aber wieder ignoriert.

7:00 –Ich stehe tatsächlich auf und entscheide mich für ein ghanaisches Hemd und eine bequeme ghanaische Hose. (Man muss das Hemd nicht bügeln und kann dazu passende Flip-Flops anziehen, außerdem geht’s schneller)

7:05 –So langsam habe ich mich an die kalte Dusche gewöhnt. Ich sollte mich beeilen, wird eh wieder knapp mit Frühstück

7:20 –Frühstück mit Cornflakes, heißer Schokolade und Marmelade- und Ernussbutterbrot. Lecker, die einzige „europäische“ Mahlzeit des Tages.

7:40 –Mist die Schüler singen schon. Ich muss mich beeilen. Der Kakao ist noch heiß.

7:50 –Hat jemand bemerkt dass ich etwas zu spät bin? Naja wir sind eh erst beim Vater Unser...

 

Typischer Assembly Ablauf (täglich vor der Unterrichtsbeginn für alle Schüler und Lehrer 20-30 Min.)

-2 Ghanaische Gospel-Lieder

-1 Vater Unser

-1 Ave Maria

-Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist...

-Nationalhymne (God bless our homeland Ghana)

-Treueschwur (I promise to my motherland...)

-Ankündigungen und Monologe von Lehrern und Fr. Blamoh

-evtl. Geburtstagswünsche und sonstiges

-Don Bosco Song

 

8:00-12:10 –Unterricht (eine Schulstunde hat 60 Min. Zwischen 11-11:10 kurze Pause)

12:10 –Halbe Stunde Mittagessen im Community House

12:40-15:40 –Der Unterricht geht weiter

 

15:40 –Geschafft. Gut 2 Stunden Freizeit. (E-Mails checken, Schlafen, Unterricht vorbereiten, Kopien)

18:00 –Evening Prayer

18:30 –Abendessen

19:30 –Die Glocke läutet zum Rosenkranz. Mhhm ich war schon letzte Woche mal, muss ich schon wieder?

Jetzt kann man evtl. mit Brother Michael in den Drinking Spot gehen, oder einen Film auf dem Laptop anschauen. 

 

22:30 –Die beiden Schäferhunde Rambo und Beta kommen raus.

 

Montag:

6:40 Gottseidank passiert gar nichts, ich hab die erste Stunde frei und verzichte auf das Assembly.

8:00 Der Wecker klingelt. Vgl. Typischer Tagesablauf. Ich habe aber nur 4 Unterrichtsstunden.

 

Mittwoch:

7:45 Departmental Assembly (wie war das nochmal? Das Computerdepartment ist eigentlich gar kein Department?)

Unterrichtsfrei. Ich muss aber da sein.

11:00 –Teameeting aller Lehrer mit Father Blamoh bis kurz nach 12. Vgl. Ghanaische Meetings und typischer Tagesablauf. –Kein Rosenkranz

 

Freitag:

7:45 Ich gehe gelegentlich zum Assembly. Wenn ich mal wieder Malaria habe, schlafe ich aus.

Heute: Unterrichtsfrei. Ich muss aber da sein.

Hauptsächlich zur Unterichtsvorbereitung, Weltwärtsberichte, Newsletter, Kopien usw.

Und es gibt ein gemütliches Frühstück (Schlecht: Wenn man verschläft und von 11-12 frühstückt hat man um 12 keine Lust auf Mittagessen ;-) )

Abends kann man sich mit den FCP-Voluntären treffen. Evtl mit Brother Michael in den Drinking Spot, Film schauen, Buch lesen usw.

 

Samstag:

Mein freier Tag.

18:30 Evening Prayer

19:00 Abendessen im Community House

Evtl. Treffen mit FCP-Voluntären oder Drinking Spot, Film, Buch usw.

 

Sonntag:

6:00 –Mist heute ist Sonntag. Wecker klingelt noch früher als sonst

6:20 –Verdammt wird wieder knapp. Aufstehen

6:40 –Sehr kurzes Frühstück

6:55 –Entweder in den Gottesdienst im Provincial House oder nach Golf City oder erst um 7:30 in der Schule zum Gotesdienst. Vgl. Großer Kirchenvergleich in einem der Newsletter

Je nach Kirche kann man sich nochmal kurz schlafen legen, nochmal frühstücken oder gleich zum Mittagessen. Dauer der Gottesdienste: Provincial House: Ca. 45 Min Golf City: 3-3 ½ Stunden.

12:00 –Mittagessen

14:00 –Mit Brother Michael nach Tema-New-Town für den Spielenachmittag mit den dortigen Kindern.

18:00 –Rückkehr aus Tema-New-Town

18:30 –Evening Prayer

19:00 –Abendessen in der Community -Shadrack kocht! Es gibt entweder Reis mit verkochtem Gemüse, Yam mit verkochtem Gemüse oder Reis mit Tomatensauce und weil’s Sonntag ist gibt es Softdrinks und Bier.

FCP-Voluntäre haben wieder Nachtschicht, ich muss morgen wieder arbeiten. Übliche Auswahl.

22:30 –Rambo und Beta schauen vorbei.

 

Wichtig: Es handelt sich um einen typischen Tagesablauf. Kurzfristig gibt es auch mal Gottesdienste, Sponsorenbesuche mit 3 stündigem Sonderassembly oder Meetings in dieser Zeit. Dann gibt’s auch wieder Anwesenheitspflicht.

 

Knallharter Arbeitstag: http://i44.tinypic.com/e5pbtx.jpg

 

School time

 

Nachdem den größten Teil des Tagesablaufs nimmt also der Unterricht ein. Montags 4 x 60 Minuten, Dienstags und Donnerstag unterrichte ich 6 Stunden pro Tag. In meinen 6 Klassen habe ich gerade 4 unterschiedliche Themen: Word, Excel, Power-Point und in Electronic 1 und Auto 3 das Internet. In Word und Excel erkläre ich das neue Thema (z.B. Rahmen und Schattierungen) meist erst mal theoretisch im Klassenzimmer, mit Beispielen und zeichne die Dinge Schritt für Schritt an der Tafel auf und erkläre wozu das Ganze nützlich ist. (Die Stunde ist im Klassenzimmer, weil sonst viele in der Zeit mit dem Computer rumspielen und nicht aufpassen) Dann erkläre ich das Ganze in der nächsten Stunde im Computerraum mit dem Projektor und anschließend können die Schüler das Ganze selbst ausprobieren und fragen stellen. In Power-Point gibt es Projektarbeit. Ich erkläre den Schülern die ersten Stunden im Klassenzimmer wie Power-Point funktioniert, worauf es in einer guten Präsentation ankommt, zeige ihnen dann eine Präsentation und sie können in Gruppenarbeit ein Thema ihrer Wahl vorbreiten (mit Bildern aus dem Netz und Infos von Wikipedia) und diese Präsentation wird als Schularbeit (End of Term Exam) gewertet. In den meisten Fällen also learning by doing, wobei ich natürlich immer rumgehe, bei Fragen helfe und Tipps gebe (und schaue, dass die Gruppe auch tatsächlich arbeitet). Beim Thema Internet gibt es ein paar Theoriestunden (Geschichte des Internets, was ist ein Browser, was ist ein Modem/ISDN/DSL usw.), dann praktische Tipps und eine Liste mit wichtigen Websites die ich ihnen vorstelle und im Internet zeige (von ebooksbay.org über youtube und wie finde ich etwas bei google/yahoo). Anschließend lernen die Schüler Grundlagen in HTML und wie man eine eigene Website erstellt. Nach ein paar Stunden wird auf Frontpage umgestellt und die Jungs erarbeiten wieder in Gruppenarbeit ein Projekt, dass dann ins Internet gestellt wird. Das Projekt zählt ebenfalls als End-of-Term-Exam für den letzten Term. 

Meine Unterrichtsunterlagen: www.dthe.net/Handout.htm (auf English aber gut :-D)

Im Computerraum: http://i39.tinypic.com/1tq7eo.jpg

 

Ernährungsberatung a la Nestle

 

Wenn mal wieder mitten in der Stunde spontan Bescheid gesagt wird, dass die Schüler in 5 Minuten zu Versammlung kommen sollen, dann kann das mehrere Gründe haben. Dieser war auch nach 9 Monaten Ghana für mich neu: Das Nestle-Promotion-Team kam spontan zu Besuch, um kostenlos „gesunden“ Zucker an die Schüler zu verteilen. Nachdem sich die Schüler alle in der großen Assembly-Hall versammelt hatten, bekamen sie eine kurze Ernährungsberatung vom Promotion-Team. Im Kofferraum hatten sie ein paar Kartons des neuen „Milos“, das sie den Schülern vorstellen wollten. Milo ist eine Art ghanaischer Kaba. (Nachdem Ghana jedes Jahr gewaltige Mengen Kakao exportiert, kann man auch günstig reines Kakaopulver kaufen und sich eine gute heiße Schokolade machen, aber daran kann sich Nestle natürlich keine goldene Nase verdienen) Deswegen kostet Milo ein vielfaches, besteht aber hauptsächlich aus Zucker, Milchpulver, Malz und ein bisschen Kakao und beigemischten Vitaminen (in genau dieser Reihenfolge). Gut 300 Schüler sind natürlich ein perfektes Forum für einen Spontanbesuch, der Firma, die ich persönlich dafür verantwortlich mache, dass man in fast ganz Ghana keinen anständigen Kaffee, sondern nur das verdammte Nescafe-Instant-Zeug bekommt. Und auch das natürlich zu einem unverschämt hohen Preis, gerade wenn man bedenkt, dass in Ghana auch Kaffee angepflanzt wird. Der einzig richtige Kaffee, den man aber bekommt ist meist der italienische aus den großen Supermärkten, zu teils über 20 Euro pro 250 Gramm.

 

Jedenfalls zurück zu Nestle: Das Team hielt einen kurzen Vortrag, dass Milo der Drink der zukünftigen Champions sei. (Der Spruch dürfte übrigens geschützt sein) Und dass man jeden Tag mindestens ein Milo trinken sollte. Gerade nach dem Sport um wieder Energie zu tanken. Ich tippe eher darauf, dass man durch den vielen Zucker kurzfristig aufgeputscht wird, aber die von Nestle wissen das sicher besser. Jedenfalls sei Milo sehr gesund, wegen der vielen Vitamine,die Nestle unter dem Namen „Actigen E“ zusammengefasst (und das Wort praktischerweise auch gleich patentiert) hat. Anschließend gab es dann ein kleines Quiz mit Fragen, warum Milo so gesund sei und natürlich gab es viele Milo Probierpacks zu gewinnen. Ich hab, wenn auch nur unter größten Anstrengungen, die Klappe gehalten. Und pünktlich zur Mittagspause haben sich die Jungs und Mädels von Nestle dann wieder verabschiedet und ich hatte zwei Beutel Milo in der Hand, die zusammen einen halben Liter Milo mit Wasser ergeben und knapp einen Cedi kosten (600 Gramm reiner Kakao kostet übrigens 3 Cedi und schmeckt mit Milchpulver deutlich besser).

 

Nestle zu Besuch: http://i41.tinypic.com/xmj4oz.jpg

 

Mehr von Nestle, MTN, Onetouch, Ecobank Tigo und Co.

 

Sehr praktisch in Ghana sind übrigens die kleinen Märkte um die Ecke. Sie sind nicht nur praktisch sondern auch noch dazu sympathisch, günstig, direkt gegenüber und man hat schnell eine persönliche Beziehung zu den Verkäufern aufgebaut. Dort bekommt man von Kakao, Marmelade, Cola, Tomatenmark, Telefonkarten usw. fast alles, das man zum Leben braucht. Nur für Dinge wie ein „gutes“ Brot, Käse, Jogurt und anderes Zeug, das kaum ein Ghanaer kauft, muss man in die großen Supermärkte, die meist von Libanesen geführt werden. Ähnlich wie die meisten Computergeschäfte von Libanesen geführt werden. Was vermutlich daren liegt, dass dieser die Ersatzteile bestellt bevor sie ausgehen und nicht erst zwei Wochen, nachdem der erste Kunde das Ersatzteil braucht. Ähnlich wie kaum ein Ghanaer auf Vorrat kauft. Als Deutscher schaut man in den Kühlschrank und stellt fest: Die Marmelade ist aus, aber der Kaffe, das Milchpulver, die Erdnussbutter und das Brot ist auch fast alle. Dann bringe ich das auch gleich mit und wenn ich eh schon hinfahre kann ich mir auch gleich noch ein Buch aus der Buchhandlung gegenüber kaufen. Während ein Ghanaer dann typischerweise nur die Marmelade kauft und morgen wegen der Erdnussbutter fährt. (Wobei beide Methoden ihre Vor- und Nachteile haben. Auf die Art lernt man auch mehr Menschen kennen.) Nun ja, jedenfalls ist das vermutlich der Grund weshalb die Ghanaer meist nur die kleinen Märkte haben und meist auch nur dort einkaufen. Ein anderer Grund könnte sein, dass von vielen Verkäufern Service und Freundlichkeit zum Kunden auch nicht unbedingt als Umsatzfördernd eingeschätzt werden und meist darauf verzichtet wird. Aber aus Deutschland ist man das ja schon gewohnt.

 

Was aber durchaus beunruhigend ist, ist dass selbst die wenigen, in Ghana hergestellten Produkte, in den wenigsten Fällen, von ghanaischen Firmen hergestellt werden. So gibt es zwar eine Milchpulverfabrik in Ghana, die gehört aber einem belgischen Konzern. (Richtige Milch gibt es übrigens auch, ebenfalls von einem belgischen Konzern, aber Made in Germany!) Die meisten Banken sind britisch und die Fischerreirechte hat der letzte Präsident auch schon verkauft und zwar an die Chinesen, um den neuen Präsidentenpalast zu finanzieren. Nestle als schweizer Konzern habe ich ja bereits erwähnt und erst kürzlich kam ein neuer „Global Player“ dazu:

 

Vor wenigen Wochen wurde die Ghana Telecom und deren kleine Mobilfunktochter Onetouch von Vodafone übernommen. Die Ghana jedenfalls mit einer gigantischen Werbeaktion mit Plakaten, Fähnchen, Aufklebern und Trucks mit lauter Musik und Handyverträgen überfallen haben. In knapp 2 Wochen haben sie in punkto Werbung die seit Jahren ansäßige, in ganz Afrika vertretene, MTN fast komplett übertrumpft. Ich bin nicht wirklich traurig darüber, da MTN ständig mit Netzwerkausfällen zu kämpfen hat. Nicht umsonst behaupten unsere Schüler, dass MTN für „More Trouble Network“ steht. Z.B. war Sunyani mal ein paar Wochen lang nicht zu erreichen und ich habe mir, nachdem mal wieder eine halbe Stunde nichts mit MTN ging, einfach einen Tigo-Chip für 2 Cedi (ca. 1,20 Euro) gekauft, was in Ghana genauso problemlos an der Straße funktioniert, wie rezeptpflichtige Medikamente in der Apotheke zu kaufen (siehe nächster Punkt). Jedenfalls habe ich bei dieser Gelegenheit herausgefunden, dass man mit Tigo auch wesentlich günstiger nach Deutschland telefoniert und nutze jetzt MTN nur noch, um meine Kollegen die ebenfalls MTN haben anzurufen. Dank dieser Netzwerkprobleme aber passt die Vodafone-Werbekampagne wie die Faust aufs Auge: „Experience a Network that works.“ Nun ja die meisten Ghanaer scheinen die Netzwerkprobleme nur am Rande zu interessieren. Man kennt das mit den Ausfällen ja schon vom Strom. Nicht umsonst gilt in Afrika auch das Motto „NEPA“: Never Expect Power All the time.

 

So macht Einkaufen Spass: http://i44.tinypic.com/30jmbnr.jpg

Telefonkarten kaufen: http://i39.tinypic.com/10yfjme.jpg

 

Mit Malaria

 

Im heutigen Newsletter gibt es wieder mal ein Malaria-Update. Nachdem ich jetzt einen Monat Ruhe hatte, habe ich etwas abgewartet und mich nach einigen Tagen doch dazu durchgerungen und dem Apotheker um die Ecke mal wieder „Hallo zu sagen“. Nachdem die Höflichkeiten ausgetauscht waren und er um 3 Cedi 80 (ca. 2 Euro) reicher war, hatte ich 8 neue Tablatten für 2 Tage in der Tasche. Grund genug mich einmal näher mit meiner alten Bekannten zu beschäftigen. Ich habe mich, erst hier in Ghana ausführlich mit dem Thema Malaria beschäftigt (ich dachte mit der Prophylaxe wäre das eigentlich geklärt). Der Vorteil der Prophylaxe ist, dass ich keine besonders starke Form der Malaria habe und auch mit der Malariaart ziemlich Glück habe. Meine befällt verhältnismäßig wenig Blutkörperchen, im Gegensatz zur Malaria Tropica, die nahezu alle roten Blutkörperchen zerstört.

 

Malaria wird durch Stechmücken übertragen, die nach Einbruch der Dämmerung, millionenfach hier herumschwirren. Ein Grund dafür, dass es so viele Mücken gibt sind u.a. die offenen Kanalisationen hier in Ghana und natürlich das Klima. Trotz Fliegengittern an den Fenstern, Mückenspray (im Raum und am Körper), einem Moskitonetz über dem Bett und Prophylaxe gibt es keinen 100 prozentigen Schutz. Die Viecher kommen überall hin. Erst kürzlich hatte ich in meinem mit Fliegengittern versehenem Zimmer, 3 Moskitos in meinem Moskitonetz, das über dem Bett hängt, sitzen. Ihr Pech war, dass sie mich, gut sichtbar, am Eingang empfangen wollten. Ich habe sie dann in einer halbstündigen Aktion mit dem (vermutlich nicht ganz ungiftigen) Spray erlegt. Was die Jagd schwierig gestaltet ist, dass die Kerlchen verdammt klein sind, wahnsinnig flink, teilweise schneller als das Auge und sich z.B. an der Seite am Boden des Netzes ganz gut verstecken können. Im normalen Raum habe ich mittlerweile die Fähigkeit erlernt, die Viecher relativ zielsicher mit der bloßen Hand zu erlegen. Wobei die Kerle eindeutig in der Überzahl und im Vergleich zu Deutschland auch noch fast lautlos sind und man ihre Sticher erst merkt, wenn sie längst wieder verschwunden sind. Ein im Moskitonetz gefangener Moskito sticht einen übrigens fieserweise die ganze Nacht über wieder und natürlich jedes Mal an einer anderen Stelle.

 

Die Malaria selbst ist fast noch fieser. Die Parasiten überfallen die roten Blutkörperchen und lassen diese Platzen, somit gibt es nicht mehr genügend rote Blutkörperchen die für den Sauerstofftransport verantwortlich sind. Andere Leute bekommen dazu auch noch Fieber, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Ich stopfe mir bei Malaria fast noch größere Mengen rein (der Körper will ja Energie tanken), aber auch ansonsten sind bei mir die Symptome ziemlich untypisch: Ich bemerke eigentlich nur den Blutmangel, der Kopfschmerzen verursacht, ich schlafe ziemlich schlecht, wache bei fast jedem Geräusch auf und davon gibt es in Ghana in der Nacht genügend, kann ab frühmorgens nicht mehr einschlafen und bin den ganzen Tag müde und habe keine Lust irgendetwas zu tun. Eigentlich möchte man die ganze Zeit nur ins Bett und eine Runde schlafen, wobei man dann nicht schlafen kann, aber die Kopfschmerzen und die Lustlosigkeit verhindern, dass man ein Buch liest oder irgendetwas anderes macht. Wirklich schlimm wird es mit der Reaktionszeit. In Ghana kann man zwar, ähnlich wie Schafe und Kühe gemütlich ueber die Strasse laufen, aber wenn man dann angehupt hat und den Fahrer mit Kuhblick anschaut, bis einem klar wird, was Sache ist, macht einem das schon Angst. (Obwohl ich keine Appettitlosigkeit habe, muss ich mich aber dazu zwingen ausreichend zu trinken. Sobald der Körper nämlich genügend Wasser hat, fängt er mit den Kopfschmerzen an sich zu beschweren, habe ich Wassermangel ist er vermutlich beschäftigt den Wassermangel zu managen und hat keine Zeit für Kopfschmerzen).

 

Ein großer Vorteil in Ghana ist, dass man die ganzen verschreibungspflichtigen Medikamente (zu einem Bruchteil des deutschen Preises) einfach so in der Apotheke bekommt. Das spart einem einen halben Tag im Wartezimmer (wenn man sowieso schon genau weiß was man hat) und hat für den Apotheker den Vorteil, dass man bei ihm kauft. Eine Win-Win-Situation sozusagen. Die meisten Kliniken haben nämlich eine eigene Apotheke, somit macht der Apotheker mit Rezepten kein Geschäft. Für manchen Leser dürfte auch das ghanaische Krankenversicherungssystem interessant sein ;-): In Ghana gibt es seit ca. einem Jahr eine staatliche Krankenversicherung, bei der jeder Bürger unabhängig von seinem Einkommen für 11 Cedi (ca. 6,10 Euro) pro Jahr gegen die meisten Krankenheiten abgesichert ist. Kinder müssen ebenfalls Beiträge bezahlen, eine weniger gute Lösung, da gerade auch die armen Familien in Ghana meist Kinder im hohen einstelligen bis zweistelligen Bereich haben. Gerade im ärmeren Norden oder in den Slums, sind viele Kinder dann nicht versichert. Zeitgleich mit Einführung der Versicherung wurden aber auch die Behandlungskosten für Nichtversicherte, teils kräftig erhöht. Für viele Arme ist die Frage, ob sie sich und ihre Kinder versichern oder nicht, so zu einem gefährlichen Roulettespiel geworden. Behandeln lassen kann man sich entweder in den staatlichen Krankenhäusern oder in privaten Kliniken. In etwa das was in Deutschland eine Arztpraxis ist. Ich als (in Ghana) Privatpatient, kann mich z.B. auch bei einer ghanaischen Ärztin, die in Deutschland studiert hat und jetzt in Ghana eine Klinik hat, behandeln lassen. Ich müsste nur die ganzen Rechnungen aufheben und bei der Versicherung in Dtl. einreichen. Wenn man an seinem freien Tag nicht früh aufstehen, nach Accra fahren, 3 Stunden warten und 20 Cedi bezahlen möchte, entscheidet man sich (sowieso ziemlich faul und lustlos wegen der Malaria) dann doch gelegentlich zu der Variante mit der Apotheke gegenüber und dem gleichen Medikament für 3,80 Cedi. Das nächste Mal sage ich vielleicht tatsächlich wieder „Hallo“ Miss Ansafo-Mensah spricht nämlich tatsächlich noch Deutsch.

 

Tradition und Moderne oder ist mein Friseur eigentlich schwul?

 

Auch wenn in viele Lebensbereiche die Regeln der globalen Gesellschaft Einzug gehalten haben, so gibt es dennoch, auch gerade von diesen westlichen Erfindungen eine „afrikanische“ Variante. So z.B. bei den Meetings. Wie bereits in einem anderen Newsletter erwähnt hält den Weltrekord im Dauerreden ein Afrikaner und in der ghanaischen Kultur ist es nicht möglich etwas Wichtiges „kurz zu sagen“. Ein wichtiger Punkt muss grundsätzlich in aller Ausführlichkeit breitgetreten werden und mit Beispielen untermalt werden und wenn es nur darum geht dass z.B. die Schüler früher ins Bett gehen sollen. Erst dadurch dass er 5 mal ausgeführt wird, wird er wichtig:

„And when you are going to bed early, you are fit, but when you are going to bed late, you are What? –You are tired. And when you are tired, you can not follow the lesson. So when you want to follow the lesson you have to go to bed early? Do you want to follow the lesson? Yes. So you know you have to go to bed early. Only if you go to bed early, and I mean every day early, then you are able to follow the lesson. Otherwise you will sit in the classroom like this (hier folgt eine kurze pantomimische Einlage als schlafender Schüler). And then you are not able to follow the lesson. Do you get me? So you have to do what? You have to go to bed early.“ (Je nach Wichtigkeit des Punktes kann er hier noch weiter ausgeführt werden.)

Mindestens genauso wichtig, wie lang die Ausführung ist, ist auch, von wem der Punkt stammt. So ist es, unabhängig davon ob das Argument Sinn ergibt oder nicht, automatisch dadurch besser dass es entweder von einer älteren Person, einer Person mit mehr Jahren im Job oder auch von einer ranghöheren Person genannt wird. Das erklärt dann auch zwei Dinge: Warum Afrikaner absolut unkritisch gegenueber Wunderheilerkirchen sind und warum Europäer eigentlich immer versuchen afrikanische Meetings zu vermeiden.

 

Aber auch abgesehen von Meetings und Chiefs, gibt es in Ghana noch ein paar Traditionen von denen man wissen sollte: Man gibt den Personen (egal wie wichtig oder alt sie sind) immer von Rechts nach Links die Hand und man gibt Dinge auch niemals mit der Linken. So ist es für mich mittlerweile selbverständlich beim bezahlen mit einer Hand die Ware entgegenzunehmen und das gleichzeitig Geld zu geben. Statt wie in Deutschland, wenn man z.B. gerade etwas trägt oder den Garten umgegraben hat, die „Linke von Herzen“ zu geben, hält man in Ghana das rechte Handgelenk hin.  Hintergrund hierfür ist, dass die Linke „unrein“ ist, was damit zusammenhängt das Klopapier immer noch wahnsinnig teuer ist und noch nicht in allen Haushalte Einzug gehalten hat. Na gut, ich tippe das über 90 % aller Haushalte heute Klopapier haben, aber die Tradition hält sich trotzdem noch am Leben. Übrigens auch in Restaurants und Chop-Bars. Dort ist es, zumindest in vielen Chop-Bars, immer noch üblich mit der rechten Hand und ohne Besteck zu essen. (Auch Suppe, was übrigens erstaunlich gut funktioniert) Hierzu wird eine Schale zum Händewaschen gereicht und nach dem Essen eine neue Schale mit Seife und Handtuch. Am Tisch findet sich auch immer ein kleines Handtuch, das allerdings dazu dient sich den Schweiß abzutupfen. Wer einmal eine ghanaisches Essen, das mit ordentlich Pepper gekocht wurde, gegessen hat, kann auch das gut nachvollziehen. Bitte und Danke ist in der ghanaischen Kultur übrigens auch eher unüblich.

 

Bei all dieser Tradition ist es auch nicht verwunderlich, dass in Ghana immer noch ein Gesetz in Kraft ist, dass gegen die Menschenrechte verstößt. (Ghana befindet sich hier übrigens in guter Gesellschaft mit zwei unserer größten Handelspartner den USA und China, während in diesen beiden Ländern u.a. die Todesstrafe und Folter die Gründe sind, aber dass nur so am Rande) stellt Ghana immer noch „homosexuelle Handlungen“ unter Strafe. Von einem Ghanaer angesprochen, wurde das Thema beim letzten Meeting, als es darum ging, ob die Internatsschüler am Nachmittag eine Stunde Siesta bekommen. Dort meinte dann Father Blamoh, dass man dann, in dieser Zeit, auch Aufpasser ins Hostel schicken müsse, wegen der Gefahr homosexueller Handlungen. Dies war das erste mal, dass das Thema von einem Ghanaer angesprochen wurde. Das erste mal darauf aufmerksam wurde ich aber bei der Aufsicht über eine Religionsklausur in Sunyani, die ich vertretungsweise beaufsichtigt habe. Dort gab es dann auch eine Frage was gute und was schlechte Sexualität sei. Die Lösung für die schlechte Sexualität war unter anderem Homosexualität. Da habe ich mir das erste mal gedacht: In Deutschland bekäme die Religionslehrerin vermutlich ziemlich schnell Besuch aus dem Kultusministerium. Aber gut in Afrika hat die Kirche auch noch einen anderen Stellenwert, als in Deutschland. Unter den Voluntären sorgt das Thema ebenfalls gelegentlich für Gesprächsstoff. Denn das völlige Unverständnis für Homosexualität in Afrika führt zu durchaus, für Europäer, amüsanten Situationen. Während sich in Deutschland kaum jemand freiwillig in einem knallpinken T-Shirt auf die Straße trauen würde, gehört das für normale Jugendliche in Ghana zum Alltag. Ebenfalls hört ein Großteil der Ghanaer (männlich wie weiblich) neben Hip-Hop und ghanaischem Highlife auf für sein Leben gerne Celin Dion und Boy-Groups wie Westlife, die Backstreetboys oder oder Whitney Houston. Und ein Voluntär aus dem Norden meinte neulich, dass ein Verkäufer in seiner Stadt sämlichen westlichen Klisches über Schwule entspräche: Stimme, Verhalten, Kleidung (und vermutlich auch homosexuell ist) Nur dass sich in der ganzen Stadt kein Afrikaner etwas dabei denkt. „Wieso, der ist doch ganz normal?“ Getreu dem Motto: Was nicht sein darf, kann auch nicht sein. Bei meinem Friseur um die Ecke frage ich mich schon die ganze Zeit ob er schwul ist, kann es aber nicht mit Bestimmtheit sagen.

 

Typisch in der ghanaischen Tradition ist übrigens auch, dass man sich jede Menge Geschenke macht, z.B. wenn man den Chief besucht, wenn man Freunde besucht usw. diese schöne Tradition wird heute auch von der Polizei, beim Zoll und bei Behörden gerne weitergeführt, weswegen man mit einer kleinen „Geste von Herzen“ z.B. ein paar Cedi auch ohne Führerschein TroTro fahren kann oder Anträge beschleundigt.

 

Alles Liebe aus Ghana

 

Daniel

 

PS: Ganz besonders liebe Grüße an alle Azubis die jetzt die Abschlussprüfung hinter sich haben und viel Glück bei der Mündlichen.

 

PPS: Deutsch-Ghanaischer-Freundschaftstag in Stuttgart: 30 Mai 2009 –Angeblicher Beginn 15 Uhr. (Ghanaische Zeit)

 

PPPS: Am 10-11 Juli kommt Barack Obama zu Besuch. Vermutlich nicht in unserer Schule, aber nach Accra. Vielleicht habe ich ja die Chance spontan vorbei zu schauen.

 

PPPPS: Happy Towel Day (Nicht vergessen 25. Mai): http://i41.tinypic.com/npezox.jpg

 

PPPPPS: Jetzt ist aber Schluss :D

 

Zurück zum Anfang

April 2009 -Zwischen Göttern und Königen

 

Hallo Deutschland, bisher von der Schweinegrippe verschont aber dafür mit allen möglichen anderen Tieren in Kontakt gekommen melde ich mich (mit kleiner Verspätung) aus dem Urlaub zurück und begrüße euch zum vermutlich längsten Ghana-Newsletter überhaupt. Aber dafür gibt es jede Menge News von Land, Leuten und vor allem Elefanten, Affen, Krokodilen und sogar Göttern und Chiefs. Viel Spass beim Lesen.

 

The End (of Term) is near

 

Um Problemen mit unserer Schulsekretärin bei den End of Term Exams aus dem Weg zu gehen habe ich beschlossen meine End of Terms einfach eine Woche früher zu schreiben und zwar mit praktischen Tests. Auch dieses Vorhaben hat sich etwas problematischer als gedacht herausgestellt. Wir wären ja nicht in Ghana, wenn nicht überraschend ein bis zwei Schultage ausfallen würden und man den Schülern mitteilen darf, dass die erste Häfte der Klasse die Examen heute und die andere Hälfte Morgen schreibt und wir wären ebenfalls nicht in Ghana, wenn dann nicht ein paar Schüler fehlen würden, von denen ich den letzten am Sonntag nach der Kirche erwischt habe und das Examen auf meinem Laptop schreiben lassen habe. Die üblichen anderen Kleinigkeiten: Meist über 30 Schüler in der Klasse, aber nur 12 PCs von denen immer mal wieder einer ausfällt und Stromausfälle, kamen natürlich auch vor. Aber im großen Ganzen waren die Examen zu Word und Excel erfolgreich. (Auch wenn einige immer noch Probleme haben sich zu merken dass man um ein Bild einzufügen zuerst auf „Einfügen“ und dann auf „Bild“ und „aus Datei“ klicken muss) 2 Klassen durften als End of Term Exam ihre Power Point Präsentationen, die sie in Gruppenarbeit erstellt haben, vorführen. Auch hier zeigen sich gravierende Unterschiede: Während eine Gruppe eine 30 seitige perfekt ausgearbeitete Präsentation über Barack Obama und den US-Wahlkampf  ablieferte, zeigen andere 3-4 aus Wikipedia kopierte Seiten über Bob Marley die noch dazu so gut wie nicht animiert sind. Bei mehreren Wochen Vorbereitungszeit sind das dann natürlich 15 von möglichen 80 Punkten und ein „failed.“ Die besten Projekte sind dann gegen Ende des letzten Terms auch auf den Internetseiten der Klassen zu finden, die sie in diesem Term als Projekt erstellen werden. Immer noch fasziniert bin ich von den Elektronikern die in weniger als einem Jahr eine ganze Menge über Computer, Word, Excel und Power Point gelernt haben. Viele kennen nach 3 Jahren Schule gerade einmal Computerbasics, Word und Excel.

 

Barak Obama Präsentation: http://www.dthe.net/The%20History%20of%20Barack%20Obama.ppt

 

Was machen eigentlich .... Ludwig, Benedict, Marian, Maria und Lisa –Ein Kurzbesuch in Sunyani

 

Nachdem ich dann eine Woche vor den offziellen Examen fertig war und diese auch korrigiert und benotet hatte, konnte ich nach einiger Überzeungsarbeit meine Kolleginnen und Kollegen aus Österreich in der Don-Bosco-Schule in Sunyani besuchen. Gerade als Voluntär ist es sinnvoll und wichtig sich, gerade mit Kollegin die genau das gleiche Thema und die gleichen Probleme haben, auszutauschen und auch Unterrichtsunterlagen zu vergleichen und natürlich auch eine ganze Menge zu lernen. Viele von den Schülern in Sunyani lernen genausowenig wie ein Teil von unseren Jungs und haben genauso Probleme mit dem Verständnis-lernen.

 

Durch das Englische Schulsystem lernen die Schüler hauptsächlich nur auswendig und verstehen teilweise gar nicht was sie lernen. Viele Lehrer schreiben die Sätze einfach an die Tafel, die Schüler schreiben sie ab und beim Test muss man den Satz einfach auswendig gelernt zu Papier bringen. Wer irgendetwas umformuliert bekommt Punkte abgezogen. Kein Wunder also, dass viele Schüler auch im Computerunterricht einfach nur auf Sätze zum auswendig lernen warten und nicht damit rechnen auch mal selbst mitdenken zu müssen.

 

Lustig und interessant war es natürlich trotzdem. Gerade wenn man sieht dass viele Tests fast genauso aussehen wie die eigenen und mit den Voluntären am Abend zusammen zu sitzen oder etwas ghanaisches zu Abend zu kochen. Auch konnte ich das Boys Home in der Innenstadt besichtigen und mir den Spielplatz und die Kirche etwas außerhalb anzuschauen. Wir hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß. Schade dass ich bereits am Freitag zurück sein musste, weil am Freitag das Closing Meeting der Schule stattfinden sollte. Wie sollte es anders sein fiel das dann natürlich ins Wasser und wurde diesen Montag nachgeholt.

 

Ein gemütlicher Abend in Ghana: http://i42.tinypic.com/dnir0n.jpg

 

Palmsonntag

 

Nachdem mein ursprünglicher Plan den Palmsonntag wörtlich zu nehmen und unter Palmen am Strand zu verbringen leider ins Wasser gefallen ist, bin ich dann doch kurz vor halb 7 aufgestanden und habe die Jucka-Palme vor dem Haus der Gemeinschaft überfallen um mich mit einem Palmwedel auszustatten. Gegen 7 ging es dann ausnahmsweise zu Fuß und ausnahmsweise nicht in Richtung Kirche, sondern zu einem Versammlungsplatz, wo uns auch schon eine große Anzahl von Kirchenmitgliedern und unsere Brassband erwarteten. Die ghanaischen Kirchenlieder sind sowieso in der Regel fröhlicher als die deutschen Kirchenlieder und besonders wenn sie von einer gutgelaunten Band mit jeder Menge Blechblasinstrumenten und Trommel gespielt werden und hunderte Menschen mit Palmwedeln zur Kirche tanzen. In der Kirche ging es dann ebenfalls gut gelaunt weiter und die gut 3 Stunden Gottesdienst vergingen wie im Flug.

 

Daniel tanzt: http://i42.tinypic.com/j79eaf.jpg

Video: http://tinypic.com/player.php?v=23h516x&s=5

 

Karfreitag

Verständlicherweise weniger fröhlich war der Karfreitagsgottesdienst. Nachdem wir bereits jeden Freitag der Fastenzeit die 14 Stationen des Kreuzwegs auf dem Schulgelände mit den Schülern abgegangen sind stand am Karfreitag ein besonderer Kreuzweg mit einem Jesusdarsteller der ein Kreuz getragen hat (Oberammergau lässt grüßen), sowie ein Gottesdienst mit einem Theaterstück über die ersten Meartyrer auf dem Programm. Die Kirchenlieder wurden ohne Instrumentenbegleitung gesungen und alle trugen die rot-schwarzen Kleidungsstücke, die sie sonst nur zu Beerdigungen tragen. Nach einer guten Stunde Kreuzweg der um 3 Uhr begann ging der klassische Karfreitags-Gottesdienst seinen Gang. Ohne Wandlung dafür aber mit der Enhüllung und Berührung des Kreuzes und bis in die Abendstunden. Als wenig intelligent hat sich meine spontane Entscheidung herausgestellt am Karfreitag den ganzen Tag zu fasten und nur Wasser zu trinken. Ich hatte den ganzen Tag über Hunger und habe eine Menge Chop-Bars und Geschäfte mit Lebensmitteln gesehen, die mir bisher noch nicht aufgefallen sind. Aber auch nur einen Tag zu hungern ist eine Erfahrung die mir hilft zu verstehen, wie sich manche Schüler fühlen müssen, die gegen Monatsende kein Geld mehr haben und hungrig zum Unterricht kommen. Und die mir auch zeigt wie sinnvoll die Schulspeisung für die Straßenkinder in Brother Michaels Projekt in Tema-New-Town ist.

 

Finally confirmed

Die Osternacht war für mich ein besonderer Tag. Nachdem ich in Deutschland von Württemberg nach Bayern gezogen bin, habe ich irgendwie meine Firmung verpasst. (In Württemberg wird man später als in Bayern gefirmt, bis ich das herausgefunden habe wäre ich aber schon wesentlich älter als die andern Firmlinge gewesen) Als in unserer Schule zu Schuljahresbeginn gefragt wurde wer sich Taufen oder Firmen lassen möchte oder die Erstkommunion erhalten möchte habe ich mich gemeldet und in der Osternacht war es dann soweit: Ich sollte gefirmt werden. Dank einer Sondergenehmigung des Erzbischofs von Accra war es Father Blamoh möglich alle drei Sakramente in dieser Nacht zu erteilen. Zusammen mit vielen meiner Schüler stand ich dann mit meinem Firmpaten Brother Michael vor dem Altar der St. Michaels-Kirche in Michael Camp und wurde gefirmt. Ostersonntag spielte dann die Brassband wieder und ich konnte mit ausgelassenem Tanzen in der Kirche gingen für mich die Osterfeierlichkeiten zu Ende und der Urlaub begann.

 

Ich mit meinem Firmpaten Brother Michael Schmitz: http://i44.tinypic.com/105s3zt.jpg

(Das Bild von der Firmung selbst muss ich einscannen lassen)

 

Gründonnerstag im Grünen statt Palmsonntag unter Palmen

 

Wie bereits geschrieben habe ich Palmsonntag tatsächlich in der Kirche verbracht. Um mich aber vor der Firmung vom Stress des Schulalltags zu erholen, habe ich mit meiner Reisepartnerin Johanna beschlossen zu den Wasserfällen in Kofuridua (etwa 3 Stunden von Accra entfernt) zu fahren. Sobald man die Hauptstadt hinter sich gelassen hat ist man in einer anderen Welt. Kleine Häuser, eine wundervoll grüne Landschaft,  Urwälder und dann: Wasserfälle. Wunderschön in einer grünen Oase befindet sich ein Wasserfall und eine kleine Lagune. Dank des fließenden Wassers herrscht auch keine Gefahr sich Bilharziose zu holen. Nur mit der Mischung aus Steinen und Sand muss man ein bisschen aufpassen, wo man hin tritt. Ein entspanntes Bad unter diesem erfrischenden Wasserfall in der traumhaften Umgebung und ein paar entspannte Stunden auf dem heißen Stein sind eine optimale Vorbereitung auf die letzten Tage in der Gemeinschaft bevor es dann am Montag 2 Wochen in den Urlaub geht.

 

Die Landschaft: http://i40.tinypic.com/2lvq5c.jpg

Der Wasserfall: http://i41.tinypic.com/21ov712.jpg

Und Ich: http://i42.tinypic.com/250kz9u.jpg

 

Auf alle Fälle Mehr Wasserfälle

 

Am ersten Tag unserer Reise ging es 500 Kilometer weit nach Norden und wir kamen erst am Abend an. Am nächsten Morgen gab es dann gleich zwei verschiedene Wasserfälle: Größer, beeindruckender aber man konnte nicht ganz so gut darin baden. Wir haben es trotzdem gemacht und hatten eine Menge Spaß. Aber seht selbst.

 

Nochmal ein Wasserfall: http://i43.tinypic.com/2dv3pnd.jpg

 

Ich wollt ich wär ein Hippo

 

Flusspferde hatten wir ebenfalls gleich zwei mal auf unserer Tour. Einmal in Bui, einem wunderschönen Nationalpark mit riesigen Waldflächen die bald teils einem großen Staudammprojekt, zur Stromversorgung, zum Opfer fallen. Dann nocheinmal weiter im Norden. Dort ist dann auch mein Entschluss gereift in meinem nächsten Leben ein Hippo werden zu wollen. Ein entspannteres Leben kann man sich kaum vorstellen. Sobald es heiß wird bewegt sich die Hippofamilie (Mann, Frau und evtl. Kinder) in Richtung Fluss, wo sie den ganzen Tag mit Baden und Tauchen verbringt. Viel mehr als den Kopf sieht man meistens nicht. Außer das Hippo legt sich mal auf einen Stein zum ausruhen von dem vielen Tauchen und Baden. Gelegentlich schüttelt es sich das Wasser aus den süßen Ohren oder gähnt. Wenn es dunkel wird kommen die Nilpferde wieder aus dem Wasser, fressen etwas und legen sich schlafen. Schön für das Hippo, weniger schön für denjenigen der gerne ein Foto von ihm hätte. Nachdem das der Hippo-Familie aber relativ egal ist gibt es jetzt ein Foto von einer badenden Flusspferdfamilie.

 

Na wo ist der Hippo? http://i44.tinypic.com/ws8k0x.jpg

 

Heilige Affen?

 

Etwas fotofreudiger sind die Affen von Buabeng Fiema. Zumindest die Affen die sich mit Bananen bestechen lassen. Es gibt in Buabeng und Fiema zwei bzw. drei Arten von Affen. Die Affen leben seit Jahrhunderten in friedlicher Koexistenz mit den Dorfbewohnern und das aus einem besonderen Grund: Die Dorfbewohner fanden zur Zeit, als die Missionare in Ghana noch weniger zu sagen hatten, einen Schrein. Dieser Schrein wurde von Affen bewacht und die Bewohner nahmen ihn mit. Am nächsten Morgen fanden sie die Affen in dem Haus in dem der Schrein stand. Daraufhin bekamen sie eine Botschaft: Wenn sie den Schrein behalten möchten, dürfen sie die Affen nicht jagen und müssen mit ihnen friedlich zusammen leben. Heute stehen die Affen und das Reservat unter Schutz und die Bewohner können keine Lebensmittel draußen stehen lassen, ohne Gefahr zu laufen, dass sich die Affen ebenfalls daran bedienen. Zumindest die Affenart die auch Bananen frisst. Die anderen Affen fressen nur Blätter und sind deswegen auch schwerer aus den Bäumen zu locken. Es gibt im Wald sogar einen Affenfriedhof auf dem die Affen wie Menschen beerdigt werden. Das Dorft und die Unterkunft vor Ort (mit einem amerikanischen Voluntär und mehreren Studenten aus Amerika und Kanada die die Affen studieren) sind wahnsinnig sympathisch. Bei einer Tour durch das Dorf kann man sogar Bananen kaufen und an die Affen verteilen. Nur ist es schwer ein Trotro aus dem Dorf zu bekommen, wenn nicht gerade Markttag ist. 

 

Affenfütterung: http://i44.tinypic.com/drazo7.jpg

 

Endlich Elefanten

 

Nachdem wir am Nachmittag in Mole ankamen und die Abendtour gemacht haben, hatten wir wieder kein Glück mit den Elefanten und noch dazu wurden die Preise leicht erhöht: Die Eintrittspreise wurden mehr als verdoppelt und die Preise für die Führung sogar genau vervierfacht. Und das passend zum 1. April. Gesehen haben wir die üblichen Verdächtigen: Antilopen, Affen und Co. Am nächsten Morgen hatten wir mehr Glück. Zum einen habe ich eine Voluntärskollegin aus der Nähe von Accra zufällig wieder gesehen. Bei der Tour hatten wir dann Gelegenheit 3 Elefanten aus allernächster Nähe zu sehen, die durch die Gegend zogen, um Gräser und Äste zu fressen. Die Elefanten waren sehr fotogen und haben sich erst nach einer halben Stunde dazu entschlossen weiter zu ziehen. Später haben wir dann eine andere Gruppe Elefanten im Wasserloch gesehen, die ausgiebig gebadet haben. Die Savannaelefanten sind eigentlich schwarz, bewerfen sich aber nach dem Baden mit Dreck um sich vor der Sonne und Fliegen zu schützen. Je nach Farbe des Drecks wirken sie dann wesentlich heller, als sie eigentlich sind.  In jedem Fall sind Elefanten beeindruckende und liebenswerte Tiere und die Reise nach Mole hat sich in jedem Fall gelohnt.

 

Elefanten: http://i40.tinypic.com/m73wn8.jpg

Daniel und der Elefant: http://i43.tinypic.com/2eusp6g.jpg

Badende Elefanten: http://i43.tinypic.com/2evfc00.jpg

 

See you later Alligator –After a while Crocodile

 

In Paga, einer Stadt direkt an der Grenze zu Burkina Faso gibt es zwei große Teiche mit mehreren hundert Krokodilen. Die Krokodile sind nicht nur heilig, sondern auch so nett die Kinder die in den beiden Seen baden nicht zu fressen. Dafür werden sie aber auch von den Dorfbewohnern und Touristen gefüttert. Auch Krokodile in Ghana sind relativ faul und liegen die meiste Zeit am Seeufer und haben den Mund geöffnet um sich ein bisschen Kühlung zu verschaffen (oder ein Hähnchen abzugreifen). Das besondere in Paga ist, dass man sich auch mit den Krokodilen fotografieren lassen kann. Bzw. auf dem Kerlchen sitzen kann und es sogar am Schwanz ziehen kann, ohne dass man Angst um den betreffenden Arm haben muss. Nur sollte man nicht vor dem Krokodil herumlaufen.

 

Da lacht Daniel –Noch hat er beide Arme: http://i40.tinypic.com/2vljlol.jpg

Hüja!: http://i40.tinypic.com/2mrbep2.jpg

 

Sklavenmarkt

 

Eine weitere Attraktion von Paga ist der Sklavenmarkt. Die meisten Sklaven kamen aus dem Norden des Landes bzw. aus den angrenzenden Ländern Burkina Faso, der Elfenbeinküste und aus Togo. Das überraschende ist, dass die meisten Sklavenjäger selbst Schwarze waren, aber von verfeindeten Stämmen. Meist wurden die Kriegsgefangenen aus diesen Stammeskämpfen verschleppt und machten in Camps wie Paga halt, bevor sie sich zu Fuß auf den mehrere hundert Kilometer langen Marsch zur Küste machten, den viele nicht überlebten. Der Sklavenmarkt von Paga ist eigentlich ein steiniges Gelände mit einer Menge Bäumen, an die die Sklaven festgebunden wurden. Da viele Sklaven mehrere Monate dort verbrachten gab es auch einen Essensplatz. (Steine in die Kuhlen geschlagen wurden) und sogar „musikalische Steine“. Diese Steine wurden benutzt um die Sklaven wieder „aufzumuntern“. Unterteilt in die verschiedenen Stämme wurden sie zu den Steinen gebracht, wo 3-4 Gefangene aus diesem Stamm mit kleineren Steinen auf die großen Musiksteine schlagen mussten und dazu sangen. Ebenfalls zu besichtigen sind die Massengräber für die Gefangenen die noch vor ihrem langen Marsch starben und der „Aussichtsstein“ auf dem die Wächter saßen.

 

Der Sklavenmarkt: http://i43.tinypic.com/25rgz9e.jpg

 

Over the Hills and far away (Wasserfälle zum dritten uuuuuund verkauft)

 

Als vorletzte Station der Reise standen die höchsten Wasserfälle Ghanas in Hohoe auf dem Program. Tatsächlich dauert der Aufstieg zu den höheren Wasserfällen gute 2 Stunden und ist ziemlich beschwerlich. Aber die Aussicht, die Landschaft und vor allem die Wasserfälle entschädigen für alles. Man läuft mitten durch einen Trampelpfad im Urwald, der einen den Berg hinauf führt und gegenüber hat man eine Aussicht auf Berge die man sonst nur aus der Volvic-Werbung kennt. Das Wasser das auf einen einprasselt ist erfrischend kühl, nachdem man völlig kaputt vom Bergsteigen und der 20 Meter breiten Ameisenstraße oben ankommt. Blöderweise muss man dann auch noch wieder runter. Die Unteren Wasserfälle sind zwar etwas höher als die Oberen aber dafür hat man oben seine Ruhe. Und das Wasser klatscht von beiden mit einer Gewalt auf einen ein, dass man es nicht allzu lange unter dem Wasserfall aushält.

 

Die Landschaft: http://i39.tinypic.com/9tlj5i.jpg

Die Wasserfälle: http://i43.tinypic.com/2j17xcn.jpg

 

Alles wird goat

 

Tiere gehören in Ghana zum Alltagsbild. Nicht nur grasen gelegentlich vor unserem Center einige Kühe, die dann jeden Abend wieder über die Straße zu ihrem Gehege getrieben werden, auch begegnet man in der Stadt immer wieder frei herumlaufenden Ziegen und Hühnern, die sich einen schönen Tag machen. Die wenigsten Tiere sind ständig eingesperrt oder angebunden. Sie springen frei im Dorf herum, treffen z.B. auf andere Ziegen und werden Abends hereingeholt. Oftmals findet man z.B. auch Ziegen mit einem Halsband oder z.B. einem Band um den Fuß, damit man weiß, wem die Ziege gehört. Schweine findet man ab und zu, wenn auch eher selten. Auch wenn die Bevölkerung oft sehr Arm ist und die Ziegen auf dem Müll nach etwas essbarem suchen müssen, habe ich den Eindruck dass das Leben den Tieren mehr Spaß macht als z.B. eingesperrt in einem deutschen Stall.

 

Die Ziege fühlt sich pudelwohl: http://i42.tinypic.com/jph1kn.jpg

 

Ghana sucht den Super-Obroni –Eine Tour im TroTro durch den Osten

 

Unsere Tour nach Hohoe ging über die Schotterpiste durch den Osten des Landes am Voltasee entlang. Die meisten größeren Busse fahren die Hauptstrecke über Accra. Deshalb haben vermutlich die meisten Kinder noch nie einen Weißen gesehen, was zu durchaus interessanten Szenen führt, wenn man im Trotro an den Dörfern vorbei fährt. Fast alle Kinder winken einem zu, tanzen und schreien: „Obroni“ und freuen sich wie wahnsinnig wenn man antwortet und zurückwinkt. Irgendwie wird man während der Fahrt das Gefühl nicht los im Tourbus einer Rockband mitzufahren. Nur dass man selbst der Leadsänger ist. Falls man vor hat berühmt zu werden ist Ghana eine gute Gelgenheit das Gefühl einmal auzuprobieren. Auf Dauer ist es aber vermutlich ziemlich anstrengend.

 

Die Götter müssen entzückt sein

 

In Tenzug haben Besucher die Möglichkeit nicht nur die traditionellen Häuser, sondern auch noch die berühmten „Schreine“ zu besuchen. Ein Schrein in den afrikanischen Naturreligionen ist der Ort an dem ein Gott lebt. Dieser Gott ist ein Vorfahre der Familie und versucht zu helfen und sie vor Unglück zu bewahren. Ein bisschen wie ein Schutzengel. An diese Vorfahren kann man sich auch bei Problemen wenden und um Hilfe bitten. Im Gegenzug dazu werden an diesem Ort auch Tiere geopfert. Meist Hühnchen, aber auch Ziegen, Kühe und was die afrikanische Tierwelt noch so her gibt. Es gibt aber auch zwei unterschiedliche Arten von Opfer. Wenn der Gott das Opfer behalten möchte, muss man es liegen lassen. Ansonsten kann man z.B. die Ziege auch essen und nur das Blut und die Knochen da lassen. Der Vorfahre kann aber auch z.B. seinen Schrein verlassen und an jeden beliebigen Ort der Welt kommen um später sofort wieder zum Schrein zurückzukehren. Jede Familie hat einen Caretaker für den Schrein, der nach dem Tod des Vorgängers von dessen Geist bestimmt wird. Der Caretaker lebt meist direkt neben dem Schrein und muss nach seinem Tod in einen bestimmten Raum gebracht werden um selbst Ahne zu werden. In den Bergen gibt es dann auch noch den „Hauptschrein“ des Ortes. Um diesen zu besichten muss man sich bis auf die Unterwäsche ausziehen (Frauen sogar den BH). Sollte man als unwissender Tourist gegen diese Regeln verstoßen muss man ein Hühnchen kaufen, mit dem sich die Dorfbewohner bei diesem Gott entschuldigen und um Vergebung bitten. Was für ein Glück dass ich diese Probleme nicht hatte. Aber wer schon mal versucht hat in kurzen Hosen in Italien eine Kirche zu besichtigen wird hier seine helle Freude haben. Andere Länder, andere Sitten. Solltet ihr einmal dort hin kommen und einen Schrein finden, auf dem Tofu und Blumenkohl finden, habe ich mich dort niedergelassen. ;-)

 

Hier wohnt ein Gott: http://i41.tinypic.com/2vb1pwz.jpg

 

Meet the Chief

 

Am letzten Tag ging es dann weiter zu einem kleinen Dorf auf dem Weg in dem es Kalksteinhöhlen mit Stalaktiten und Stalakmiten geben sollte. Leider hat uns der TroTro-Fahrer im falschen Dorf abgesetzt, die blöderweise alle gleich heißen. Rausgefunden haben wir dies, weil wir die ersten Besucher ihrer Höhlen waren. Aber dafür hat sich dieses Dorf wahnsinnig gefreut und wir durften wieder Bergsteigen. Angefangen haben wir zu zweit mit einem Führer. Nachdem wir im Dorf angekommen waren gab es für die Gäste erst mal Wasser und Bananen mit gerösteten Erdnüssen als Geschenk und wir wurden sehr herzlich begrüßt. Sogar meine Flip-Flops von denen sich die Sohle gelöst hat wurden mir repariert. Die Dorfbewohner hatten gerade erst die Höhlen ins Internet gestellt und waren haben sich riesig gefreut dass jemand kam um selbige zu besuchen. Nur Eintritt haben sie keinen verlangt. Mit einem weiteren Führer machten wir uns dann auf den Weg in das Dorf mit den Höhlen. Dort wurden wir vom Chief persönlich begrüsst. Jedes Dorf hat eine quasi Königsfamilie und ein Sohn aus dieser Familie wird von der Mutter des vorherigen Chiefs ausgewählt um neuer Chief zu sein. Der Chief ist eine Art Bürgermeister und jeder Besucher muss den Chief begrüssen und ihm eigentlich eine Flasche Schnaps mitbringen. Ich habe noch gefragt ob wir eine Flasche Schnaps mitnehmen sollen, aber unser Führer meinte: Ne braucht ihr nicht. Der Chief spricht normalerweise nicht direkt mit den Besuchern sondern hat einen „Linguisten“ der für ihn spricht und zu dem die Besucher sprechen. Die Bewohner waren ebenfalls sehr nett und hilfsbereit und als wir uns dann, mittlerweile zu zehnt, auf den Weg zu den Höhlen gemacht hatten und diese besichtigt hatten, ging es zurück zum Chief. Die Höhlen selbst waren zwar interessant, aber nicht besonders spektakulär. Nur die Haut einer grünen Mamba, die diese zurückgelassen hat, hat mir einen kleinen Schrecken eingejagt. Zurück im Dorf bekamen wir dann vom Chief einen Schnaps geschenkt um ihm diesen zurück zu schenken, sowie ein paar Soft-Drinks für uns und jede Menge Bananen. Der Schnaps wurde dann von unserer Runde gekippt und es gab ein Abschiedsfoto. Eigentlich wollten sie uns gar nicht mehr gehen lassen. Nachdem einer der Führer dann gemeint hatte, dass es bald dunkel wird und wir noch den halbstündigen Abstieg vor uns haben, mussten wir uns auf den Heimweg nach Ashaiman machen, wo wir gegen Mitternacht ankamen.  In jedem Fall interessanter als die Höhlen die wir eigentlich besichtigen wollten, war es mal die richtige ghanaische Gastfreundschaft zu erfahren, in einem Dorf dass noch nicht von Touristen überrant wurde und in dem die Menschen noch natürlich und wahnsinnig freundlich sind.

 

Gruppenfoto: http://i42.tinypic.com/r2jmmv.jpg

(Der Mann mit dem gelben T-Shirt ist der Linguist, der Mann mit dem Leopardentuch ist der Chief, der Herr Links davon ist Dorfältester)

 

Verkehrsmittel im Norden

 

Allgemein werden die Verbindungen im Norden schlechter und abenteuerlicher. In Larabanga gibt es immerhin die Wahl zwischen Motorrad und Fahrrad, wobei ich bei der Rückfahrt sogar selbst das Motorrad fahren durfte und der eigentliche Fahrer hinten saß. Einen Führerschein für das Motorrad hatte er vermutlich ebenfalls nicht. Um aus Larabanga herauszukommen gab es dann einen LKW-Bus. Sprich: Ein ganz normaler LKW nur dass er statt Zementsäcken Menschen auf der Ladefläche transportiert. Bei den Schlaglochpisten auf denen er fährt ist ein gefederter Sitz natürlich angenehmer. Bei jedem Schlagloch etwa 30 Zentimeter nach oben geworfen zu werden und mit einer Arschbombe auf dem Metallboden zu landen ist nach dem 5ten Schlagloch auch nicht mehr allzu lustig. Aber zum Glück werden dann nach und nach auch noch jede Menge Säcke mitgenommen, auf denen es sich dann bequemer sitzt. Nachdem man den LKW geschafft hat erwartete uns gleich die nächste Überraschung: Ein Personenrekord im TroTro. Ein TroTro ist ein mit vielen Sitzen ausgerüsteter Kleinbus. Normalerweise mit vielleicht 16 Passagieren. In unserem TroTro waren am Ende 30 Personen + 2 Leute auf dem Dach die nicht eingerechnet wurden. Bei einer Taxifahrt saßen insgesamt 9 Leute + Kinder im Auto bzw. 2 davon im offenen Kofferraum mit dem Deckel auf dem Schoß. 2 auf dem Beifahrersitz und 4 + die Kinder hinten. Leider hat der Rückritt auf Eseln aus einem Dorf nicht geklappt. Weil der Besitzer aus unerfindlichen Gründen keine Lust hatte uns die Esel auszuleihen. (Die Kinder die uns mit den Eseln begleiten wollten und dann die Esel zurück geritten hätten, hatten die Esel schon geholt, aber der Fremdenführer hat gemeint: Ne der Besitzer der Esel will es einfach nicht verstehen und ein Ghanaer kann manchmal sogar sturer sein als seine Tiere.)

 

Ein Menschenbus: http://i42.tinypic.com/34sjzmc.jpg

 

Die feine ghanische Art

 

Wenn man weiter in den Norden fährt trifft man auch auf mehr Metro-Mass-Transport Busse. Diese fahren in der Regel gegen 5 Uhr morgens oder am Nachmittag und zwar von einer größeren Stadt im Norden zur nächsten. Für längere Entfernungen oft die beste Alternative. Der Nachteil ist dass man spätestens gegen 4:30 Uhr da sein sollte und damit um 3:30 in der Nacht aufstehen muss und mit dem Taxi zur Station, Tickets vorbestellen, wie bei STC geht leider auch nicht. Nachdem wir uns das tatsächlich angetan hatten und um kurz nach 4 an der Station waren gab es für diesen Bus tatsächlich schon eine Schlange und wir haben uns brav hinten angestellt bzw. gesetzt. Die nachfolgenden Mitreisenden haben ebenfalls höflich gefragt wo das Ende der Schlage ist und irgendwann ist die versammelte Schlange sogar nach vorne gerückt usw. Die englischen Kolonialherren haben also nicht nur Einfluss auf die Küche. Wir wären allerdings nicht in Ghana wäre dass das Ende der Geschichte. Irgnedwann, auf irgendein mir verborgen gebliebenes Zeichen stürmte nämlich die gesamte Meute los, wie beim Einlass zu einem AC/DC-Konzert. Nur dass es in diesem Fall keine Ordner gab. Die Türen gingen auf und damit auch das Gedrängle und Geschubse mit Ellbogeneinsatz. Sitzplätze haben wir tatsächlich doch noch bekommen und meine Tasche mit getöpferten Tassen hat es auch überlebt. Angeblich passiert das bei den Metro-Mass-Bussen immer. Ebenfalls einfach: Typisch Ghana.

 

Metro-Mass: http://i43.tinypic.com/11ax0uu.jpg

 

Männer und Technik und Ghanaische Gastfreundschaft

 

Während des Urlaubs habe ich es auch geschafft irgendwie meine Urlaubsfotos in der Kamera zu formattieren. Fragt mich nicht wie, auf jeden Fall waren die Bilder weg. Und das passierte natürlich in der fast nördlichsten Stadt Ghanas, wo die Chancen auf einen Computerladen zu treffen entsprechend gering sind. Tatsächlich ist es mir am Morgen um 9 in Bolgatanga dann gelungen einen Pendrive zu kaufen und einen Card-Reader für die Kamera auszuleihen (den der Computerverkäufer von einem Freund abgeholt hat, weil seine ausverkauft waren). Ausgestattet mit einer Recovery-Software, die ich ebenfalls dort ausgeliehen habe bin ich also in ein Internetcafe. Leider hat die Recoverysoftware nicht geholfen, aber dafür eine andere die ich mir aus dem Internet geladen und dann kaufen musste. Ebenfalls leider, hat so ziemlich jeder Computer in Ghana einen Virus oder meist gleich mehrere Computerviren. Besonders im Internetcafe. Somit waren die Bilder zwar um 11 Uhr morgens auf dem PC. Aber um 1 Uhr nachmittags immer noch nicht auf dem Pendrive. Also durfte ich den Pendrive umtauschen und wollte wenn möglich die Bilder auch noch auf einer (etwas sichereren) CD gebrannt haben. Daraufhin bot sich ein Kunde des Internetcafes an: Er habe einen Brenner und ich könnte sie bei ihm brennen. Ich habe mich lange mit ihm unterhalten (wir hatten dann auch insgesamt 7 Stunden Zeit dazu). Er hat mich dann zu sich nach Hause gebracht und nachdem wir ins Internetcafe zurück gegangen sind, ich ihm eine Anti-Viren-Software heruntergeladen und installiert habe, ist es uns dann sogar gelungen die Bilder in 2 Stunden auf CD zu brennen. (Während des Brennvorgangs waren wir dann kurz im Drinking Spot) Nach insgesamt 13 Stunden Arbeit waren die Bilder dann gegen 10:30 Uhr abends auf CD und ich konnte mich in unser Nachtquartier verabschieden.

 

Hurra, hurra die Schule brennt

 

In Sunyani kam es im Boys Home zu einem eher unschönen Zwischenfall: Die freistehende Küche ist komplett abgebrannt, was für die Schüler hieß, dass das Essen die letzten Tage vor den Ferien im Freien gekocht wurde, was in Ghana kein großes Problem darstellt. Jetzt läuft eine große Spendenaktion um die Küche wieder aufzubauen. Das Feuer wurde relativ bald bemerkt und die Jungs aus dem Boys-Home und meine Voluntärskolleginnen haben natürlich versucht die Feuerwehr zu alarmieren. Blöderweise erreicht man die Feuerwehr nur aus dem Festnetz oder aber mit Onetouch. Einer neben MTN und Tigo eher unbedeutenden Mobilfunkgesellschaft. Wie die Feuerwehr betonte (die dann per Fahrrad von einem Schüler alarmiert wurde) trifft sie aber keine Schuld, sie haben ja im Radio regelmäßig angekündigt, dass man sie nur vom Festnetz oder mit Onetouch anrufen kann. Wenn man aus einem Land kommt in dem man die 112 von einem fremden Handy aus kostenlos sogar ohne PIN anrufen kann irgendwie befremdlich. Aber immerhin hatte die Feuerwehr zufällig gerade Wasser im Tank und kam zum Löschen vorbei.

 

Ebenfalls einen großen Einsatzeifer zeigte die Ghanaische Polizei im Norden. Dort wäre ein Voluntärskollege mit dem großen Reisebus beinahe in einen bewaffneten Raubüberfall verwickelt worden. Eine mit Maschinengewehren bewaffnete Bande wollte mit einer Straßensperre den Bus zum Anhalten zwingen und die Fahrgäste überfallen. Der Busfahrer hat glücklicherweise umsichtig reagiert, rechtzeitig angehalten und ist im Rückwärtsgang mit dem Bus geflüchtet und zur nächsten Polizeistation gefahren. Diese wusste bereits von der Straßensperre und den Räubern, aber das Polizeiauto wurde gerade repariert und erst nach einigen Diskussionen mit dem Busfahrer erklärte sie sich bereit, sich ein Auto auszuleihen. Der Besitzer hat sich zunächst auch gesträubt, aber nachdem eine halbe Stunde diskutiert wurde und  dem Besitzer ein paar Cedi bezahlt wurden machte sich dann der Bus mit Polizeieskorte auf den Weg. Die Strassenräuber waren in der Zwischenzeit natürlich über alle Berge. (Mittlerweile sind die 30 Bandenmitglieder, vermutlich von etwas diensteifrigeren Polizisten, gefasst worden. )

 

Sprachführer Ghana

 

Hier noch einige Sprachtipps um in Ghana zu überleben

 

To chop – Essen. In Twi steht das Wort chop für essen, während es im normalen englischen Sprachgebrauch schlagen heißt. Das hindert den Ghanaer nicht daran den Satz: „Let’s go chop something“ zu sagen. Die Restaurants in Ghana heißen übrigens „Chop Bars“ Das Wort Chop ist in gewisser Hinsicht ein Universalwort und kann auch für betrügen oder stehlen verwendet werden. Z.B. im Satz: „He chopped my money“ –Er hat mein Geld gestohlen.

 

Spoiled – Kaputt. Spoiled ist ebenfalls ein Universalwort. I’m normalen Englisch heißt „spoiled“ einfach verfault. In Ghana kann aber auch ein Radio, Computer, Auto oder eine Holzmaske mit Kratzer „spoiled“ sein. Z.B. „This car is spoiled!“

 

Ade gokam oder I’m comming – Ich bin kurz weg und komme gleich wieder (Ade gokam ist übrigens Harbour English für I do go and come)

 

How? –Ersetzt die Frage: „How are you doing“ und wird mit –Fine beantwortet. Kann in Ghana als vollwertige Begrüßung verwendet werden: „How?“ „-Fine“

 

„Good Morning“ -„Fine!“ – Es ist kein Problem auf „Good Morning“ oder “Hello” auch mit “Fine” zu antworten und somit die Frage “How?” vorwegzunehmen.

 

Sorry, oo! Das wichtige ist hier das nachgehaengte oo. Sprich: Sorryoo. Das oo ist im Twi ein Ausdruck der Höflichkeit und des Respekts, wie z.B. das deutsche sie. Wird aber auch bei guten Freunden verwendet. Bei „Aorry, oo!“ ist es Pflicht, bei anderen Worten z.B. „Bye, bye, oo!“ wird es aber auch gern gebraucht. Gilt übrigens auch in der Mehrzahl.

 

Buy me bisquits – Kauft meine Kekse. Auch wenn es im britischen Englisch heißt: „Kauf mir Kekse“ ist es im Harbour English als Aufforderung zu verstehen, die Kekse der Marktfrau zu kaufen und nicht der Marktfrau die Kekse zu kaufen.

 

Beachte: In vielen ghanaischen Sprachen gibt es keine Geschlechtsunterscheidung, d.h. kein er/sie/es sondern nur eine Form. Deswegen entscheidet sich der Ghanaer relativ früh für einen geschlechtsspezifischen Artikel, den er dann beibehält. D.h. dass er immer entweder he oder she verwendet, egal ob die Person jetzt männlich oder weiblich ist. „My friend, she is comming“ sagt also nichts aus, ob der Freund jetzt männlich oder weiblich ist.

 

Sehr beliebt ist das Füllwort „This thing“ dass für Gegenstände und für Personen verwendet wird, wenn einem der Name nicht sofort einfällt. Bspw. in: „This thing, er, Brother Michel...“

 

Sehr schön ist der folgende Satz den ein Schüler zu mir gesagt hat: You know -this thing, er my mother, he said, that I schould ask you... (Weißt du, dieses Ding, äh, meine Mutter, er hat gesagt, ich soll dich fragen...)

 

Äääääähääääa (sehr langgezogen) – Wird entweder verwendet um klar zu machen, dass man etwas verstanden hat oder um einen gerade selbst erläuterten Punkt zu unterstreichen.

 

What is this??? – Was soll dass den? Bspw. Wenn der Taxifahrer einen zu hohen Preis verlangt.

 

Are you sure?Höflichere Variante von „What is this?“ Die ebenfalls bei fast jeder Gelegenheit verwendet wird. „How much is it?“ „50 Tausand.“ „Are you sure?“ Are you sure kann aber auch bei fast jeder anderen Gelegenheit verwendet warden.

 

Ahhhh – (Das Ahhh wird verächtlich und das h sehr hart ausgesprochen) Passt sehr gut zum vorherigen Satz „Ahhhh, what is this???“ und dient dazu die Wirkung zu verstärken.

 

Kssssssssss – Ersetzt wahlweise das „Entschuldigung“ in der Chop Bar oder im Drinking Spot um die Kellnerin zu rufen oder um sich im TroTro ein Wasser oder ähnliches von der Straßenverkäuferin kommen zu lassen.

 

Excuse – Entschuldigen sie. Wird in Ghana grundsätzlich ohne das „me“ verwendet und meist um z.B. im TroTro den Weg nach vorne zu bahnen oder wenn man über die engen Marktgassen geht.

 

Tschuschu –Zauber. Wie in vielen afrikanischen Ländern ist auch in Ghana der Glaube an Zauberer und übernatürliche Kräfte sehr präsent. Ein Magier ist ein Tschuschu-man.

 

Obroni – Weißer Mann. Wird bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit gerufen um den weißen Mann zu grüßen oder ihm etwas zu verkaufen.

 

 

Bevor der längste Newsletter zu Ende geht noch ein kurzer Hinweis:

 

Reiseführer Ghana Vs. Per Anhalter durch die Galaxis

 

Gute Dienste während der Reise leistet nicht nur das empfehlenswerte Buch das jeder deutsche Voluntär in Ghana dabei hat, sondern auch Douglas Adams Anhalter mit seinen 4 Fortsetzungen, an dessen letzter ich gerade lese. Danke nochmal an die neue Buchhandlung die erst kürzlich in der Accra-Mall eröffnet hat. Zum Gedenken an den Autor findet am 25. Mai der Towel Day statt. Der Tag an dem zu Douglas Adams Gedenken jeder ein Handtuch um die Schultern tragen sollte.

 

Jetzt aber: Ich wünsche euch alles Liebe und beste Wünsche aus Ghana. Ich freue mich schon darauf euch wieder zu sehen und ich melde mich Ende Mai wieder bei euch.

 

Alles Liebe und bye, bye, oo.

 

Daniel

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März 2009 –Im Westen (Afrikas) nichts Neues

 

Abgesehen davon dass der Papst seine Reise nach Afrika angetreten hat, die Verwendung von Kondomen verteufelt, allerdings überraschenderweise dem Wasserturm keinen Besuch abstatten wird, gibt es von meiner Seite aus keine großen Überraschungen. Der Unterricht verläuft, zumindest meistens, normal und mit paarwöchiger Verspätung habe ich so gut wie alle Mid-Term-Exams hinter mich gebracht. Normalerweise gibt es zur Mitte jedes Terms ein paar Tage Ferien, die sind diesmal ausgefallen, dafür gibt es dann aber über 3 Wochen Osterferien. Erstmals in diesem Term haben fast alle Klassen praktische Mid-Term-Exams am PC geschrieben. Auto 2tes Lehrjahr und die Elektroinstallateure vom 1. Lehrjahr über Word und die Auto erstes und drittes Lehrjahr, sowie die Elektroniker 1 LJ über Excel. Bei den Mid-Tem-Examen kann man bis zu 20 Punkte holen, die dann zu den maximal 80 aus dem End-of-Term-Exam addiert werden. Und von 0 bis 20 Punkten war auch diesmal alles wieder dabei. Die Aufgaben stammten aus allen Themenbereichen von Word bzw. Excel, so zum Beispiel: Füge ein Bild ein, ändere die Größe, ändere die Schriftart der Überschrift, füge einen Kasten um ein wichtiges Wort ein oder setze Aufzählungszeichen für diesen Teil ein. In Excel durften die Klassen dann Diagramme einfügen, Die Autosumme bilden oder die Spaltenbreite ändern. Wer sich die beiden Tests einmal anschauen (oder auch ausprobieren möchte) findet die Aufgaben am Ende dieses Artikels. Der Nachteil der praktischen Aufgaben war, dass nur 12 Schüler auf einmal den Test im Computerraum schreiben konnten und somit bis zu 3 Gruppen je Klasse hintereinander die Exams schreiben mussten. Und wir wären nicht in Ghana, wenn nicht pünktlich zu Beginn der Mid-Terms ein paar Schüler nach Hause geschickt würden, um 30 Cedi Schulgebühren zu bezahlen. Das klingt auf den ersten Blick ein bisschen hart, aber ohne hartes Durchgreifen der Schulleitung in diesem Fall, hätte wohl der größte Teil bis heute noch keine Schulgebühren bezahlt. Nur der Zeitpunkt ist denkbar ungeschickt, weil so in manchen Klassen bis zu 8 Schüler die Tests nachschreiben mussten. Nachdem ich jetzt so gut wie mit den Mid-Term-Exams fertig bin stehen nächste Woche auch schon die End-of-Term-Exams an. Ich möchte meine nämlich gerne in der vorletzten Woche schreiben, um nicht mit unserer Sekretärin um einen Platz für meine Klassen in der normalen Woche kämpfen zu müssen.

 

Mid-Term-Exam-Word: www.dthe.net/Word.doc

Mid-Term-Exam-Excel: www.dthe.net/Excel.doc

 

Überraschung Oder „Happy Independence Day Ghana“

 

Ein paar freie Tage zwischendurch gab es dann aber trotzdem. Dank dem ghanaischen Unabhängigkeitstag. Nachdem Ghana im vorletzten Jahr groß die 50 Jahre Unabhängigkeit von den Briten gefeiert hat ging es in diesem Jahr etwas ruhiger zu. Teils gibt es bis heute noch keine genauen Berichte über die Finanzen, weil die meisten Mitarbeiter nur bis Ende der Feiern bezahlt wurden und dann logischerweise aufgehört haben zu arbeiten und nach Hause gegangen sind. Die Büros stehen jetzt voll möbliert leer und kein Mensch hat einen genauen Überblick über die Akten. Dafür hat Ghana jetzt einen anderen Präsidenten, der versucht die Mitarbeiter wiederzufinden und zu klären wie viel das eigentlich gekostet hat. Aber ich möchte Ghana nicht zu sehr kritisieren: Im Gegenzug dazu fehlen uns in Deutschland jetzt ja eine ganze Menge Akten, die unter den Trümmern des Kölner Stadtarchivs begraben sind. Da frage ich mich ob man da durch Austausch von Experten nicht das beste von beiden Systemen rausholen könnte. Die Ghanaer übernehmen bei uns die Buchführung in der Finanzkrise und wir bauen ihnen eine U-Bahn durch die Innenstadt. Hätte den Vorteil dass wir wenn die Krise vorüber ist, nicht wissen wie viel sie gekostet hat. Jedenfalls hat Ghana am letzten Freitat wieder einmal die Unabhänigkeit gefeiert und das mit stundenlangem marschieren durch die Stadt. Mitmarschieren durfte natürlich auch unsere Schule und zwar in Ashaiman und wir wären nicht in Ghana, wenn das nicht erst in letzter Minute bekannt würde. So wurde die Schule am Mittwoch darüber informiert, dass sie am Freitag marschieren darf und so kam es, dann ich am Donnerstag 5 Minuten nach Unterrichtsbeginn darüber informiert wurde, dass ich jetzt keinen Untericht halte, sondern die Schüler marschieren üben. Wie lange das dauert konnte auch keiner sagen und so hieß es dann: Abwarten und Kakao trinken für mich. Tatsächlich habe ich an diesem Tag dann noch 3 Unterrichtsstunden gehalten, bis die Schüler weiter marschieren mussten. Nachdem ich mir das marschieren zu Marschmusik auf dem Sportplatz am Donnerstag angesehen habe, habe ich auch beschlossen, dass ich mir das keinen ganzen Vormittag lang antun muss. Mein Kollege Johnathan hatte diesen Vorteil nicht und hat beschlossen sich am Freitag das ganze Spektakel in der Hauptstadt anzuschauen und ist nach ein paar Stunden vorzeitig wieder zurück gefahren.

 

Ebenfalls typisch Ghana ist auch die folgende Überlegung: Wenn die Schüler am Freitag marschieren müssen, haben sie ja nichts von ihrem Feiertag. Dann müssen sie am nächsten Tag dafür frei bekommen, damit sie auch einen Feiertag haben. Wenn der Tag auf einen Samstag fällt, haben sie ja sowieso frei. Dann ist das ja kein Feiertag. Der nächste freie Tag ist ein Montag. Dann bekommen sie dafür am Montag frei. Wir wären aber wiederum nicht in Ghana, wenn diese Entscheidung zu Planungszwecken (Ich habe 4 freie Tage, dann kann ich wegfahren und mir etwas anschauen oder Montag schreibe ich ein Mid-Term mit dieser Klasse.) bereits im Voraus feststehen würde. Vielmehr gibt es seit Wochen ein Gerücht, dass dann am Donnerstag Abend bestätigt wird. (Auch wenn Donnerstag Morgen noch verkündet wird: Montag ist Schule!) Jedenfalls kann man die vier freien Tage dann doch irgendwie nutzen. Zum Beispiel zum Karten spielen.

 

Unsere Schule übt marschieren: http://i42.tinypic.com/2wd63yh.jpg

 

Die Natter und der Baron: Das unschlagbare Team

 

Nach Johannes Abreise ist mit Brother Michael nur noch ein Deutscher in der Gemeinschaft ist und Stanley hat als Mitglied der Kirchengemeinde fast jeden Abend andere Verpflichtungen (Ja Meetings sind in Ghana sogar noch beliebter als in Deutschland). Zum Glück gibt es da noch die 4 FCP-Voluntäre, mit denen man St. Patricks Day feiern kann, DVDs schauen kann oder sich am Wochenende zu einer gemütlichen Runde Doppelkopf treffen kann. So kann man dann auch die 4 freien Tage dazu nutzen bis spät in die Nacht zusammen zu sitzen und bei einem Club oder Stone Karten zu spielen und nebenher darüber zu diskutieren welche Folgen die Rücknahme der Exkomminikation der Piusbrüder für die Kirche hat oder wie es gerade in den verschiedenen Projekten aussieht. Wenn man dann auch noch die Erfolgsallianzen schmiedet z.B. die des Barons und der Natter (Beim Doppelkopf spielt man meist in zweier Teams, weiß aber zumindest zu Beginn nicht mit oder gegen wen man in dieser Runde spielt) ist so ein langes Wochenede viel zu schnell wieder vorbei.

 

Hit the road Jack... oder Jazzclub –der frühe Vogel fängt den Wurm (kein Halleluja dank Fastenzeit*)

 

Am vergangenen Wochenende haben dann Jonathan und ich entschieden in einen Jazzclub in der Hauptstadt zu gehen. Von der es laut Reiseführer Ghana eine knappe handvoll gibt. Leider gab bei nur bei einem Club eine dazugehörige Telfonnummer und da ging dann keiner ran. Also haben wir uns auf einen Jazzclub konzentriert, der laut Reiseführer am Samstag und Sonntag Livemusik bietet und der tatsächlich auch noch im Plan verzeichnet war. Nachdem wir dann das halbe Viertel ein paar mal abgegrast hatten ca 30 Ghanaer gefragt haben und dabei auf ein halbes Dutzend unterschiedliche Clubs gestoßen sind (die aber frühestens zwischen 10 und 12 öffnen und keine Livemusik bieten) haben wir dann endlich einen Ghanaer getroffen der das Mapees kannte und uns den Weg beschreiben konnte. Als wir dann in besagtem Hinterhof ankamen, haben wir erfahren dass es den Jazzclub mittlerweile gar nicht mehr gibt und wir sind per Trotro in Richtung anderer Jazzclub gefahren, diesmal gab es zwar wieder ewiges in der Gegend rumlaufen und suchen, aber wir haben den Jazz-Optimist gar nicht erst gefunden. Also haben wir uns auf die Suche nach irgendeinem Club gemacht der evtl. Live-Musik hat und haben ein paar Ghanaer danach gefragt. Es gab dann einen der wusste dass es im Tropicana tatsächlich eine Liveband gibt und wir haben dann sowohl das Tropicana als auch die Liveband gefunden. Die hat dann auch noch u.a. Jazz gespielt. Neben Merengue, Salsa und spanischen Rhythmen, sowie ghanaischem Highlife. Der Sänger der Band erinnerte ein bisschen an Chuck Berry. Der schaft jetzt zwar auch fast nicht mehr allein den Weg vom Backstagebereich zum Mikro und kann sich kaum auf den Beinen halten, hat dann aber am Mikro sichtlich Spaß. Leider hatte er keine allzu kräftige Stimme mehr. Dafür aber eine Besucherin des Clubs die mit einer Stimme die Aretha Franklin Konkurrenz machen könnte einige Jazzklassiker zum Besten gab. Kurzum die Stimmung war klasse und ich konnte endlich mal wieder meine Standard- und Lateinkenntnisse an die Frau bringen, während Johnatan später am Abend zur Gitarre griff und mit der Sängerin mit Aretha Franklin-Stimme und Band eine passable Version von Hit the Road Jack, Summertime und ein paar anderen Songs spielte. Gegen Eins haben wir uns dann mit dem Taxi auf den Heimweg gemacht.

 

*Nach fast täglichem Abendgebet lernt man auch die Feinheiten und Tücken des katholischen Stundenbuchs kennen. Und weiß dass sich das Kirchenjahr in Ordinary Time, lent season (jetzt gerade), Christmas Tide usw. aufteilt. Und in der Fastenzeit gibt’s kein Halleluja.

 

Der große Kirchenvergleich

 

In Ghana gehört der sonntägliche Kirchenbesuch dazu, wie in Deutschland zum letzten Mal im Mittelalter. Ähnlich wie Wagner in seinen Meistersingern von Nürnberg die Begegnung von Walther von Stolzing mit Eva Pogner in der Kirche schildert, kann man sich das auch in Ghana vorstellen. Die Kirche ist mehr als nur Gottesdienst. Es gibt tanzbare Musik, gute Stimmung man trifft sich danach und unterhält sich und man kann sogar bei den Charity-Auktionen mit seinem (evtl. vorhanenden) Vermögen protzen und einen Ziegelstein oder ein Glas Wasser für 100 Cedi (ca 60 Euro) kaufen. Das dann für den Bau einer Multipurpose Hall oder einer neuen Kirche verwendet wird. Kein Wunder also, dass es allein in unserem Vorort von Tema ca. 200 verschiedenen Kirchen gibt. Allein in einem Umfeld von 100 Metern habe ich 5 verscheidene Kirchen gezählt. Für mich als Katholiken gibt es hier 4 verschiedene Gottesdienst-Möglichkeiten am Sonntag. Zeit also für den großen Kirchenvergleich:

 

Don Bosco Catholic Church –Golf City

Abfahrt: 7 Uhr auf dem Don Bosco Gelände

Gottesdienst: 7:30 Uhr

Dauer: 2 1∕2 bis 3 Stunden

Vorteile: Die Kirche in der man die meisten Salesianer und Bekannten trifft. Die besten Lieder und eine ausgelassene Stimmung, man kann gut tanzen. Die offizielle Kirche der Gemeinschaft. Betreut von Father Jo.

Nachteile: Der längste Gottesdienst, teilweise sehr lange Predigt. Man muss gefahren werden und evtl. verquatscht sich derjenige der einen zurück fahren soll. Rückkehr gegen 11 Uhr.

 

Blessed Clementina –Ashaiman

Abfahrt: 6:30 vom Don Bosco Gelände oder 6:55 vom FCP-Voluntärshaus loslaufen

Gottesdienst: 7:00 Uhr

Dauer: 2 Stunden

Vorteile: Nicht ganz so lang wie die Don Bosco Church. Man Trifft die FCP-Voluntäre. Optimal wenn man dort übernachtet hat. Richtiges Kirchengebäude. Afrikanische Lieder und Trommeln.

Nachteile: Nicht ganz so gute Stimmung wie in der Don Bosco Church. Wenn man von unserem Gelände kommt muss man 30 Minuten früher aufstehen. Man kennt nicht so viele Leute.

 

Schulgottesdienst –Schulgelände

Loslaufen: 7:25

Gottesdienst: 7:30

Dauer: 1 1∕2 Stunden

Vorteile: Spätester Gottesdienst. Mit Trommeln und afrikanischen Liedern. Kürzer als Don Bosco und Blessed Clementina. Fast alle Schüler sind dort.

Nachteile: Überfüllt, heiß und stickig, da im Keller der Mehrzweckhalle. Nicht so gute Stimmung wie in Don Bosco und Blessed Clementina. Es wird nicht getanzt. Und er findet nicht immer statt. Z.B. wenn Father Blamoh verhindert ist.

 

Provincial House –Schulgelände

Loslaufen: 6:55 Uhr

Gottesdienst: 7:00 Uhr

Dauer: 45 Minuten

Vorteile: Kürzester Gottesdienst. Man kann danach wieder schlafen gehen. Interessanteste Predigt dank Father Roy. Sehr persönlich da meist unter 10 Teilnehmer.

Nachteile: Nur europäische Lieder, keine Instrumente. Beginn früher als Schulgottesdienst. Man trifft kaum Leute und Gottesdienst wie in Europa.

 

Open Air Gottesdienst: http://i42.tinypic.com/1116rlx.jpg

 

Eine Seefahrt die ist lustig...

 

Was macht man mit einem überraschend freien Montag? Richtig man besucht mit seinem Voluntärskollegen Stanley einen Tag der offenen Tür und zwar nicht irgendeinen Tag der offenen Tür, sondern den bei der ghanaischen NAVY. Das Ganze habe ich spontan mit Stanley am Vorabend ausgemacht und er wollte alle Details abklären. Kurzes Frühstuck um 7 und dann ging es auch schon ab Richtung Hafen. Bis zu diesem Zeitpunkt ging ich noch davon aus, dass es sich nur um eine Bootsfahrt handle und das Boot pünktlich um 8 ablegen würde. Als wir dann um kurz nach 8 am Hafen ankamen, hatten die Leute dort keine Ahnung und haben uns aber mal zu einem anderen Hafen geschickt. Nachdem wir auch beim dritten Hafen keinen Erfolg hatten und den ersten Hafen zum zweiten Mal besucht haben, haben wir beschlossen zum NAVY Gelände zu fahren, wo einige Leute darauf warteten, dass das Vorprogramm so langsam mal los geht. Wir hatten den Vorteil, dass Stanley seine Ausbildung dort gemacht hat und ihn noch einige kannten, wir konnten also statt draußen in der Sonne gemütlich in einem kühlen Raum mit Getränken darauf warten, dass es denn endlich los geht. Auf dem Gelände waren einige Waffen (Maschinengewehre, Pistolen eine Kanone die für Festzwecke eingesetzt wird usw.) ausgestellt ein Schlauchboot, ein Parcours mit Mauer, einem Seil zum hochklettern usw. wo die Soldaten dann eine Übung zeigten. Nach einer halben Stunde Übung in der nicht mehr viel passierte sind wir dann wieder in den kühlen Raum mit den kühlen Getränken gegangen, wo wir auch prompt den Bus zum Schiff verpasst haben und erneut zwei Häfen nach dem Schiff absuchen durften. Irgendwann sind wir auch tatsächlich angekommen und haben erlebt, was es heißt: Es gibt etwas kostenlos. Mittlerweile war übrigens bereits Nachmittag. Das Boot war bereits das erste mal ausgelaufen und kehrte gerade mit schätzungsweise 600 Menschen in den Hafen zurück, woraufhin dann am Hafen ein unglaubliches Chaos ausbrach und sich alle schön geordneten Schlagen in Nichts auflösten. Man ist ja von größeren Konzerten einges gewöhnt, aber selbst die zahlreichen Ordner konnten nur das schlimmste verhindern und das auch nur unter Androhung von Gewalt und indem sie die Massen gemeinsam zurückdrängten. Irgendwann waren wir dann auf dem Boot und konnten uns in einem halbstündigen Trip die vor dem Hafen liegenden Boote und Selbigen einmal von der anderen Seite ansehen. In den beiden Häfen Takoradi und Tema herrscht tatsächlich rund um die Uhr Hochbetrieb und eine ganze Menge Schiffe warten darauf endlich ihre Ladung löschen zu können. Zusammen mit ein paar andern konnte ich dann sogar einen kleinen Ausflug in den Maschinenraum machen und mir die beiden großen Dieselmotoren ansehen mit denen das Boot betrieben wird. Ein spätes Mittagessen in einem Restaurant um die Ecke rundete den Tagesausflug dann ab.

 

Am Hafen: http://i42.tinypic.com/fw1s05.jpg

Unser Boot: http://i39.tinypic.com/17zhvs.jpg

 

(L)auf zu neuen Wegen

 

Seit einem guten Monat habe ich beschlossen mal wieder ein bisschen Sport zu treiben, da man außer gelegentlichem Volleyball spielen auf dem Hof kaum Bewegung hat. Jetzt laufe ich ca. Jeden zweiten Tag eine dreiviertel Stunde 10 Runden um unser Gelände und kann mich an den Gewichten Marke eigenbau hinter dem Hostel austoben. Die Gewichte und die Bank wurden von dem mittlerweile eingestellten Zweig der Schweißer gefertigt und bestehen aus einer Eisenstange mit einem Kübel festgetrocknetem Beton auf jeder Seite. Die Bank ist ordentlich geschweißt und hat ein Holzbrett in der Mitte, ist nur etwas kurz. Aber das Training macht Spaß. Gelegentlich läuft auch mal ein Schüler mit. (Leider mϋssen die aber meist zu dieser Zeit lernen) Wenn man das Ganze in den Stunden nach dem Abendessen macht ist es auch angenehm kühl und man kann frisch geduscht noch eine Folge Dr. House anschauen und dann ins Bett.

 

1. McFit-Filliale in Ghana: http://i44.tinypic.com/f20rdi.jpg

 

Dr. Wolf

 

Nach meinen 7 Monaten in Ghana habe ich nicht nur die ersten drei Staffeln von Dr. House durch, sondern auch bereits eine ganze Reihe neuer Spitznamen bekommen, darunter Dandihno, Dan, Daniels, „Sir Daniel“ und neuerdings auch Dr./Mr. Wolf oder General. Während sich das „Sir“ relativ schnell erklären lässt: Als Lehrer wird man von den Schülern fast ständig mit Sir angesprochen, hat das Dr. Wolf einen besonderen Hintergrund. Ich habe mich hier in einem Internetforum unter diesem Pseudonym eingeloggt, was Stanley mitbekommen hat und seither habe ich auch diesen Spitznamen weg. Nachdem ich Stanley gelegentlich „Commander Stanley“ nenne, bin ich jetzt „General Wolf.“

 

Dr. Wolf: http://i42.tinypic.com/2n0suxf.jpg

 

Daniel in der Krabbelgruppe

 

Seit Brother Michael in Tema-New-Town arbeitet baut er auch systematisch eine Wochenendbetreuung für die Kinder und Jugendlichen in diesem Armenviertel aus. Samstag und Sonntag nachmittag können sie dort z.B. ihre Motorik mit Holzpuzzlen, oder Riesenpuzzlen oder Mosaiklegen verbessern und z.B. mit 4 Gewinnt oder Memory ihr Gedächtnis trainieren oder im Garten Fußball spielen. Seit mittlerweile ebenfalls gut einem Monat bin ich jetzt jeden Sonntag mit Brother Michael in Tema-New-Town und passe auf die zwischen 20-30 Kinder und Jugendlichen auf. Vom 2-3 jährigen Ruben der gerade das Laufen lernt, bis zum 17 Jährigen ist eigentlich jeder dabei. Im afrikanischen Spiel Oware sind die Kleinen unschlagbar (irgendwie ist es ein blödes Gefühl von einer 8 Jährigen abgezockt zu werden), wenn es aber darum geht ein Holzauto in die dafür vorgesehene Öffnung zu legen, kann dass auch mal falschrum versucht werden und es wird versucht das Auto reinzuklopfen. Doch schon nach wenigen Malen üben erzielt man beträchtliche Erfolge. Richtig schön war auch das Bilder malen, als die Kinder teils zum ersten Mal ein Bild zum Ausmalen mit Buntstiften bekamen und richtig schön ausmalten. Kreativität und Motorik sind in Ghana teils leider immer noch Fremdwörter und so kommt es auch im Alltag immer wieder zu amüsanten Szenen, wenn z.B. ein Ghanaer versucht mit roher Gewalt ein Fenster zu öffnen und ihm selbiges entgegenkommt. Auf jeden Fall macht die Zeit am Sonntagnachmittag in TNT richtig Spaß.

 

Willsch a Gug, Buale?

 

Während man im schwäbischen noch liebenswürdig gefragt wird, gibt es in Ghana keine Alternative. Man bekommt eine Tüte, ob man nun will oder nicht. Argumente wie: Ich kaufe nur ein Toastbrot und wohne 50 Meter weg helfen da auch nicht. Der typische Dialog läuft dann so ab: „That’s 15 Thousand.“ „Ok. I don’t need bag.“ „Let me pack it for you.“No No, it’s not necessary. I don’t need a bag. I can manage.“ Und bis man fertig erklärt hat , hält man schon die Tüte mit dem bereits in Folie eingepackten Brot in der Hand. Die einzige Alternative ist, selbst eine Tüte mitzubringen. Wenn man z.B. Pfandflaschen zurück bringt. Während alles andere achtlos weggeworfen und verbrannt wird, ist es in Ghana wahnsinnig schwer ein paar Flaschen zu bekommen. Entweder man trinkt sie direkt vor Ort oder man muss seine alten Flaschen mitbringen. Zum Glück haben es unsere Vorgänger irgendwann mal geschafft einen Kasten zu ergattern, wo man dann z.B. 4 Flaschen entnimmt, um sie gegen 4 Volle einzutauschen. Hat man mal keine Flaschen wird es richtig schwer. In unserem Spot um die Ecke gelingt es dann meist durch mehrminütiges Bitten und Beteuern sie am nächsten Morgen zurück zu bringen, doch noch ein paar Flaschen abzustauben. Ansonsten wird es tatsächlich schwer. Ganz anders wie gesagt beim Plastik. Das Wasser wird in kleinen Beuteln verkauft zu einem Preis von umgerechnet ca. 3 Cent und ist in meinen Augen zehn mal praktischer als die 0,5er Flaschen für die man in Deutschland ein Vermögen kostet. Hier kosten die Ebenfalls das 10 fache der Bags. Leider landet die Tüte dann entweder auf dem Trotro-Boden oder verschwindet aus dem Fenster. Ebenso alle möglichen anderen Verpackungen z.B. für Eis. Im normalen Haushalt werden die dann einmal auf einen Haufen geworfen und verbrannt. (Müllverbrennung 1.0) Zugegebenermassen sind wir mit unseren Verbrennungsanlagen wo dann anschließend der Filter verbrannt wird auch nicht viel besser. Aber ob jetzt das Plastik am Wegesrand herumliegt oder verbrannt wird macht das Kraut wohl auch nicht mehr fett. Mit Recycling ließe sich in dem Fall aber tatsächlich ein Vermögen verdienen. Bisher sind die Versuche –Mehr Mülleimer –Pfand auf die Water-Bags usw. versandet oder eingestellt worden. Trotzdem hätte ich diese Pure-Water-Bags auch gerne in Deutschland. Revolutionär, wie genial ist auch die ghanaische Idee des Drive-By. Man fährt einfach mit dem Auto durch die Stadt und das Wasser, Wattestäbchen und andere nützliche Dinge werden einfach an einem vorbei getragen.

 

Pjuuuuuuuuuuur-waaaaaaata: http://i41.tinypic.com/6r3fo7.jpg

Individuelles Verkaufsgespräch –Teleshopping live: http://i43.tinypic.com/5tz5lc.jpg

 

PS: Für alle Nicht-Schwaben: Auf Hochdeutsch übersetzt lautet der Satz übrigens: Möchtest du eine Tüte Junge.

 

Public Transport

 

In meinen 7 Monaten in Ghana bin ich bisher nur ein einziges Mal selbst Auto gefahren und tatsächlich: Es funktioniert. Während ich mich in Deutschland nur ungern auf die öffentlichen Verkehrsmittel verlassen habe, vermisse ich mein Auto überhaupt nicht. In Ghana stellt man sich einfach an den Rand der Hauptstrasse und zeigt mit dem Finger an in welche Richtung man fahren möchte. Nach spätestens 5 Minuten erwischt man dann ein Trotro in die richtige Richtung. Bei uns vor dem Haus gibt es Trotros in drei Richtungen –Richtung Michell Camp (braucht man nur auf dem Heimweg) –Ashaiman (Innenstadt) und Tema (Hafen bzw. Umsteigemöglichkeit nach Accra). Mit diesem System ist man in einer viertel Stunde in Ashaiman und in einer Dreiviertelstunde in der Hauptstadt. Und auch dort kann man sich bis 10-11 Uhr abends problemlos in jeden Stadtteil bringen. Und das zu Preisen von 20-30 (10-15 Cent) Pesewas nach Ashaiman bzw. 60-70 Pesewas (35-40 Cent) nach Accra. Das sind immerhin 30 Kilometer. Dafür kommt man von Neu-Ulm nicht mal zum Ulmer Bahnhof und man muss auf einen Fahrplan achten. Bis spät in die Nacht bekommt man immer noch eins der zahlreichen Taxis die es entweder als Sharing oder Dropping Taxis gibt. Die Sharing Taxis fahren immer eine feste Strecke ab, wie das Trotro, bekommt man aber mit Glück auch später und man muss an den offiziellen Stations nicht so lange warten, bis sie voll sind. Zwar ca. doppelt so teuer wie ein Trotro, aber mit den Cent beträgen immer noch ein Witz. Das Taxi von der Hauptstadt kostet 10-12 Cedi (6-7 Euro) und von Ashaiman 1,50-2 Cedi, also gerade Nachts eine super Aktion. (Besonders wenn einen der Taxifahrer an den Hunden vorbei direkt am Wasserturm aussteigen lässt.) Für längere Fahrten gibt es dann entweder die Langstrecken-Trotros, STC-Busse (feste Abfahrtszeiten) und z.B. mit Metro-Mass-Transport auch einige andere private Anbieter mit großen Bussen. In jedem Fall ist das Reisen in Ghana wenn man sich keine Gedanken über die Sicherheit macht, sehr angenehm.

 

Klassisches Trotro: http://i41.tinypic.com/2lu7720.jpg

 

Ganz zum Schluss noch das monatliche Malaria-Update:

Meine deutschsprachige Ärztin meint das Labor hat diesmal keine Parasiten entdeckt und ich habe keine Malaria, sondern nur Blutmangel. Ich persönlich bin mittlerweile anderer Ansicht. Nachdem das ganze trotz Eisentabletten nach knapp zwei Wochen immer noch nicht besser geworden ist nehme ich dann wohl doch wieder die Malaria-Medikamente und wenn’s hilft mache ich den siebten Strich auf meiner Malaria-Liste.

 

Die Praxis: http://i42.tinypic.com/167jy9h.jpg

 

In Erinnerung an "Dana" und an meinen Onkel Andres.

 

Ich wünsche euch natürlich einmal wieder ganz liebe Grüsse aus Ghana und Alles Gute

 

Daniel

 

Zurück zum Anfang

 

Februar 2009 –News from the Water-Tower

 

Herzlich willkommen pünktlich zur Halbzeit zum Ghana-Newsletter für Februar. Während es in Deutschland 20 Zentimeter Neuschnee, einen neuen Wirtschaftsminister und bald die 5te Jahreszeit gibt, gibt es bei uns gerade die Harmatan-Season, einen Umzug einen Wegzug und was sonst so alles in den letzten Wochen passiert ist.

 

Die Projekte und die Schule

 

Da ich in den letzten Newslettern hauptsächlich Land und Leute beschrieben habe, gibt es im heutigen Halbzeit-Newsletter auch ein paar  Informationen über die verschienden Projekte, meine Klassen und meinen Unterricht. Die Salesianer sind in Ghana in zwei Regionen (vergleichbar mit Bundesländern) vertreten. In Sunyani (ca. 400 Kilometer von hier entfernt) und in Ashaiman-Tema.

Plan: http://i36.tinypic.com/2v9y939.gif (Plan und Bilder sind hier teils die gleichen wie im November Newsletter)

 

Provincial House: Zufällig auf dem gleichen Gelände wie die Schule und das Haus der Gemeinschaft Ashaiman, hat aber faktisch nichts mit der Gemeinschaft zu tun. Das Provincial House ist die oberste Stelle für alle Salesianischen Häuser im englischsprachigen Westafrika (Ghana, Siera Leone, Nigeria und Liberia)

Provincial House: http://i33.tinypic.com/16lmd7n.jpg

 

Das Community House: Das Wohnhaus der Salesianischen Gemeinschaft in Ashaiman. Der Boss der Gemeinschaft ist Father Blamoh, der zufällig auch Direktor in meiner Schule ist. Dort gehen wir zum Abendgebet und holen uns aus der Küche unser Abendessen ab. Samstag/Sonntag sind wir dort zum gemeinsamen Abendessen eingeladen.

Community House: http://i35.tinypic.com/fnqyb7.jpg

 

Die Schule: Befindet sich ebenfalls auf dem gleichen Gelände und bildet als „Technikal Institute“ (Berufsschule) Automechaniker, Elektroinstallateure, Elektroniker und Sekretärinnen aus. Alle Ausbildungen dauern derzeit 3 Jahre und finden praktisch und theoretisch statt. Normalerweise sind Lehrer für ein Department zuständig. Lediglich die Computerlehrer (Madam Marian, Simon und ich) werden in allen Departments, also für alle Klassen, eingesetzt. Direktor ist ebenfalls Father Blamoh.

Schule: http://i37.tinypic.com/if0ig3.jpg

 

Der Automobile-Workshop: Eigentlich eine normale Autowerkstatt, die den Salesianern gehört, die sogar Gewinn macht, aber gleichzeitig befinden sich die Klassenzimmer für die Automechaniker dort und die praktische Ausbildung findet dort statt.

Automobile Workshop:  http://i33.tinypic.com/23wny0z.jpg

 

Das Boys Hostel: Ebenfalls auf dem gleichen Gelände. Das Boys Hostel umfasst drei Gebäude (Dominic Savio, Don Rua und Don Vigano) die als Dreieck nebeneinander gestellt sind und einen kleinen Innenhof. In den drei Häusern gibt es verschiedene Schlafsäle mit jeweils 8 Betten und im Dominic Savio befindet sich der TV-Raum und die Voluntärsküche in der wir frühstücken und unser Abendessen essen.

Hostel: http://i38.tinypic.com/vesnkj.jpg

 

Das Girls Hostel: Ein paar hundert Meter von der Schule entfernt und erst vor ein paar Monaten fertig gestellt gibt es das Girls Hostel, für Mädchen die die Schule besuchen. Die Mädchen und Jungs bekommen Mittags ein Mittagessen aus der Kantine und kümmern sich selbst um ihr Abendessen. (Mit kleinen Kohleöfen)

Girls Hostel: http://i40.tinypic.com/25q6vyo.jpg (neues Foto)

Die Parish (Kirchengemeinde): Die Kirche der Salesianer. Sie befindet sich ca. 15 Autominuten von diesem Gelände entfernt, in einem anderen Stadtteil von Ashaiman, nämlich in Golf City. Golf City ist einer der besseren Stadtteile Ashaimans und viele Kirchenbesucher sind auch besser situiert als z.B. in Ashaiman direkt. Der verantwortliche Pfarrer für die Gemeinde ist Father Jo, der die meiste Zeit dort verbringt und in der Regel den sonntäglichen Gottesdienst dort abhält. Die Parish entstand aus einem alten Hühnerstall, der den Salesianern geschenkt wurde und besteht mittlerweile aus der Kirche, (Betonboden, Holzbänke, ein Wellblechdach und das alles wird von Stahlstangen gehalten) der Kapelle (eine richtig schöne kleine Kirche aus Steinen mit Turm) und der Mulitpurpose Hall (Mehrzweckhalle) die sich allerdings noch im Bau befindet.

Parish: http://i40.tinypic.com/24vrz1d.jpg (neues Foto)

 

Tema-New-Town -TNT: Das eine Straßenkinderprojekt der Salesianer. Direkt am Fischerhafen von Tema befindet sich die Schule von TNT. Die Kinder dort haben im Gegensatz zum FCP ein zuhause, sind also keine Straßenkinder im eigentlichen Sinn, haben aber keinen familiären Rückhalt. D.h. die Eltern kümmern sich entweder nicht um die Kinder, oder sie sind bei Tanten oder anderen Verwandten untergebracht, die den Kindern zwar Essen und einen Schlafplatz geben, aber ansonsten sind die Kinder auf sich alleine gestellt. In 2-3 Jahren sollen die Kinder rechnen, lesen und schreiben lernen, um ihnen den Besuch einer weiterführenden Schule zu ermöglichen. Im Gegenzug dass die Eltern oder Verwandten die Kinder zur Schule schicken (statt sie auf der Straße Dinge verkaufen zu lassen) bekommen sie dort eine warme Mahlzeit und wenn sie die Schule erfolgreich abschließen teilweise finanzielle Unterstützung für die weiterführenden Schulen. Seit ein paar Monaten wird das Projekt von Brother Michael Schmitz geleitet, der dort auch einen Spielenachmittag für Straßenkinder am Sonntag eingeführt hat und auch Abendklassen für Erwachsene plant.

Ausblick von TNT: http://i41.tinypic.com/2vdmng2.jpg (neues Foto)

 

First Contact Place –FCP: Befindet sich mitten in Ashaiman und wird von einem Sozialpädagogen und den 4 FCP-Voluntären aus Deutschland betreut. Die 4 Voluntäre wurden von den Oblaten von Franz von Sales nach Ghana geschickt, während Johannes und ich von den Salesianern Don Boscos kamen. Das Projekt FCP wird ebenfalls von den Oblaten aus Deutschland finanziert. Da die Oblaten in Ghana allerdings keine eigene Organisation haben, untersteht das Projekt formal der Community Ashaiman. Evtl. wird das ab nächstem Jahr aber geändert. Jedenfalls handelt es sich hier um ein „echtes“ Straßenkinderprojekt. Da die Kinder keinen Schlafplatz und keine Familie haben und von den Voluntären im Boys- bzw. Girlshostel in Wechselschichten betreut werden. Tagsüber sind die Jungs und Mädels in verschiedenen Schulen und bekommen im First Contact Place warme Mahlzeiten und einen Schlafplatz. 

Kein Foto vom FCP, dafuer aber von Robin, Jonathan und Katharina: http://i42.tinypic.com/eak4rd.jpg

(Hannah war dafuer im letzten Newsletter zu sehen...)

 

Schule und ich

 

Als Computerlehrer habe ich 6 Klassen, darunter alle drei Lehrjahre. 3 erste Lehrjahre, die Elektroinstallateure (Installation 1), die Elektroniker (Electronics 1) , die Automechaniker (Auto 1) und dazu Auto Proficiency, eine Klasse für Schüler ohne Schulabschluss mit Schwerpunkt auf der Praxis, sowie das zweite und das dritte Lehrjahr der Automechaniker (Auto 2 + 3). Mit einer 10-Fingerschreib-Klasse (Inst. 1) komme ich auf 16 Wochenstunden a 60 Minuten, verteilt auf 3 Tage: Montag, Dienstag und Donnerstag. Die andern Tage kann ich dazu nutzen meinen Unterricht vorzubereiten, Kopien zu besorgen, Schulaufgaben zu schreiben/korrigieren usw. Mittwochs gibt es um 11 ein Tea-Meeting dass in der Regel 2 Stunden dauert. Ansonsten wird auch Mittwoch und Freitag zumindest meine Anwesenheit auf dem Gelände erwartet.

 

Pünktlich zu den Halbjahreszeugnissen in Deutschland gibt es heute auch von mir ein Halbjahreszeugnis für meine Klassen:

 

Auto Proficiency: Nur eine Wochenstunde a 60 Minuten und etwas langsam. Mit ca. 20 Schülern meine kleinste Klasse und noch dazu sind die Schüler ziemlich nett. Die letzten 2 Wochen haben wir mit Microsoft Word angefangen, davor habe ich mit Ihnen die Computergrundlagen besprochen. 

 

Inst. 1: 2 Wochenstunden und wirklich am Unterricht interessiert. Gut 30 Schüler, aber verhältnismäßig ruhig und sehr interessiert. Hier macht das Unterrichten auch wirklich Spaß und die Schüler wollen vieles ganz genau wissen und von daher nicht so weit wie andere Klassen, aber dafür bekommen sie einen tieferen Einblick in die Themen und lernen gründlicher. In den nächsten Wochen schließe ich mit Ihnen Word ab und mache mit Excel weiter.

 

Auto 2: Mit ebenfalls 2 Wochenstunden und schon im zweiten Lehrjahr ziemlich langsam. Gut 30 Schüler und machmal etwas anstrengend. Die Schüler sind ungefähr gleich weit wie die Schüler aus Installation 1, aber bereits im zweiten Lehrjahr. Nachdem der Lehrer im vergangenen Jahr teils Themen wie MS-Dos und worauf achte ich beim Kauf eines Monitors (ich bezweifle dass die jemals mit MS-Dos arbeiten werden oder einen Monitor kaufen werden) behandelt hat, durfte ich nochmal ganz von Anfang anfangen und werde mit ihnen die nächsten Wochen ebenfalls mit Excel anfangen.

 

Auto 1: 3 Wochenstunden und mit ca 35 Schülern eine der größten Klassen. Die Schüler sind teils am Unterricht interessiert und wir sind gerade mitten in Excel. Die Akustik im Klassenraum ist richtig schlecht (man muss regelrecht schreien um ganz hinten verstanden zu werden und besonders schön ist es wenn dazu röhrende Motoren aus dem Auto-Workshop zur Unterstützung kommen) Teilweise kommt man in der Klasse richtig gut voran, teilweise erklärt man auch mal eine halbe Stunde lang was das Wort Durchschnitt bedeutet (Average). „Also ihr bekommt von euren Eltern am Anfang des Monats 80 Cedi für’s Abendessen und der Monat hat 4 Wochen, damit ist euer Durchschnitt für jede Woche 20 Cedi. Alles Klar?“ „OK, stellt euch vor eure Eltern geben euch einen Monat 150 Cedi und im nächsten Monat 50 und im Dritten Monat 100 Cedi. Wie viel habt ihr dann durchschnittlich pro Monat?“ Nach dem 10ten Versuch hat es glaube ich zumindest die eine Hälfte der Klasse verstanden. Und teilweise muss man doch an jedem PC einzeln vorbeilaufen und jedem Schüler die Excelfunktion z.B. Auto-Fill-Funktion einzeln erklären. Zeitaufwendig, aber effektiv.

 

Elec. 1: 4 Wochenstunden und mit gut 30 Schülern ebenfalls groß. Die Klasse ist eine der ruhigsten und als Elektroniker ziemlich schnell in der Auffassung. Nachdem wir über die Computergrundlagen regelrecht geflogen sind, haben wir uns ein paar Monate mit Word aufgehalten, Excel in einer guten Woche behandelt und sind jetzt gerade dabei in Gruppen Power-Point-Präsentationen zu erstellen. (Die dann als End-of-Term-Exam gewertet werden) Nachdem ein Teil der Klasse Excel aber schon fast wieder vergessen hat muss ich das Thema Excel nochmal intensiv wiederholen.

 

Auto 3: 3 Wochenstunden gut 20 Schüler, aber die deutlich anstrengendste und schlimmste Klasse. Ich habe die Klasse in den ersten Wochen von Madam Marian übernommen, nachdem Mr. Philip nicht mehr aufgetaucht ist und sie waren gerade mitten in Excel. Jetzt sind sie ebenfalls dabei Power-Point-Präsentationen zu erstellen, aber viele ziehen es vor Lärm zu machen oder zu schlafen. Dass die Schüler die Unterrichtszeit nutzen um zu schlafen ist zwar in allen Klassen und bei allen Lehrern der Fall, aber mit Auto 3 haben so ziemlich alle Lehrer Probleme. Wie unser stellvertretender Rektor Mr. Brown so schön meinte: „They have absolutely no interest in learning“. Die Tests fallen dementsprechend auch schlecht aus. Der Fairness halber sollte ich erwähnen, dass die allerwenigsten am Tag vor einem Computertest lernen, aber sich zumindest an einen Teil des Unterrichts erinnern. Letzte Woche kam der Großteil der Klasse 25 Minuten zu spät zur Stunde, der Rest kam dann 5 Minuten später und ansonsten verschenkt man auch meistens eine gute viertel Stunde, während des Unterrichts um die Klasse zu beruhigen oder dazu zu bringen aufzupassen. Nachdem sie am Computer zu beginn sowieso nur Power-Point geöffnet haben um Hintergründe zu gestalten, oder versucht haben ins Internet zu gehen, gab es dann ein paar Stunden nur Theroie, bis wir bei Power-Point angelangt waren. Mit den Präsentationen und Themen die sie sich aussuchen durften habe ich gehofft dass ich sie dazu motivieren kann etwas zu lernen. Mal sehen was daraus wird. Ein Schüler hat den damit verbundenen Internetzugang auf jeden Fall gleich dazu genutzt sich Pornobilder herunterzuladen.

 

Wer sich stattdessen lieber meine Arbeitsblätter herunterladen möchte (von Computer-Basics bis Microsoft Office) kann das auf meiner Homepage tun. Unter www.dthe.net/Handout.htm findet ihr alle Seiten meiner Kopien mit kurzer Inhaltsbeschreibung. (Natürlich alles auf Englisch.)

 

Schule und Arbeitszeit

 

Während ein Lehrer in Deutschland zuhause Schulaufgaben erstellt und korrigiert und nach der Schulzeit Besprechungen im Lehrerzimmer hat, gibt es in Ghana eine etwas andere Auffassung. Wieso sollte ich einen Test daheim korrigieren? –Ist doch keine Arbeitszeit. Also fällt die letzten Tage vor den Ferien der Unterricht aus und die Schüler können entweder die Schule putzen oder auch rumsitzen und nichts tun, während die Lehrer ihre Schulaufgaben korrigieren. Das Problem mit den Meetings wurde auch sehr geschickt gelöst. Es gibt ein morgendliches Assembly, dass wegen längerer Unterrichtsstunden (60 statt 45 Minuten) auf 15 Minuten verkürzt wurde, bei dem die Schüler die Nationalhymne singen, ein Vater unser und ein Ave Maria beten, dann gibt es die Ankündigungen des Tages und pünktlich um Acht beginnt der Unterricht. Zumindest laut gutem Vorsatz zu Beginn des Schuljahres. Je nachdem wie lange die Ankündigungen dauern kann es auch mal viertel nach 8 oder noch später werden. Ist ja nur Unterricht. Ein wöchentliches Meeting für Lehrkräfte gibt es auch, dass in der Pause zwischen 11 und 11:10 Uhr stattfindet und tatsächlich eigentlich immer erst kurz vor 13 Uhr endet. Die Unterrichtsstunde von 11:10-12:10 und die Mittagspause von 12:10-12:40 fällt also regelmäßig aus und wird von den Lehrern in der nächsten Stunde nachgeholt. De facto fallen also bei diesen Klassen jede Woche knapp 2 Stunden aus. Was für ein Glück dass ich Mittwoch keine Klassen habe. Oder es wird mal spontan ein Meeting einberufen, dass dann die erste Unterrichtsstunde lang dauert. Noch lustiger wird es aber nach den Ferien, zu Beginn des neuen Trimesters. Die ersten Tage wird erst mal die Schule geputzt und die Schüler trudeln so nach und nach ein. Genau wie die Lehrer. In einer Klasse waren z.B. von 25 Schülern am ersten Tag nach den Ferien tatsächlich 5 anwesend. Nach vielleicht einer guten Woche sind dann die meisten Schüler und sogar die meisten Lehrer wieder da und es kann weiter gehen. Außer es ist gerade kurz vor dem Don Bosco Feast Day. Der Feiertag an dem Don Boco heilig gesprochen wurde (31. Januar) und wichtigster Feiertag für die Salesianer im Jahr. Dieses Jahr wurde das Girls-Hostel geweiht dazu kamen der Bischoff und ein paar Ehrengäste zu Besuch. Dass an diesem Tag alles glatt läuft muss man natürlich auch eine Generalprobe mit Schulband, allen Schülern und Lehrern veranstalten und das natürlich auch (für mich völlig überraschend) am Donnerstag während der Schulzeit. Damit nicht zu viel Unterricht ausfällt fand dann tatsächlich zwischendrin mal eine Stunde statt und danach würde der Gottesdienst das zweite mal durchgespielt. Da auch nach der Mittagspause die Band weiterspielte und auf meine Frage ob es heute noch mit Unterricht weiter gehe mit „Nein“ geantwortet wurde, wollte ich mich dann nach Ashaiman auf den Weg zur Post machen, als danndoch noch die Schulglocke geläutet wurde und das für Lehrer und Schüler überraschend hieß: Ach der Unterricht geht ja doch weiter. Also Unterlagen geholt und 2 Stunden Unterricht in Auto 1, bei denen die eine Hälfte den Kopf öfter auf dem Tisch hatte, als Richtung Tafel. „Sir we are all tired.“ Na gut, dann wiederholen wir das Zeug nächste Woche nochmal und wenn ihr halbwegs aufpasst hören wir 10 Minuten früher auf. Darauf kommt’s jetzt auch nicht mehr an.

 

Tea-Meeting & Meeting Miss Ghana

 

Nachdem der Don Bosco Feast Day und das Tea-Meeting bereits erwähnt wurden, möchte ich gleit nahtlos daran anknüpfen. Die Tea-Meetings finden immer Mittwochs um 11 Uhr statt und dauern in der Regel bis kurz vor 1 Uhr. Beim Tea-Meeting werden Dinge angesprochen wie der Schulbus der unbedingt benötigt wird, wann das nächste PTA (Parents-Teacher-Association)-Meeting ansteht und die letzten Tea-Meetings standen ganz im Zeichen des Don Bosco Feast Days. Da das Computer-Department meist nicht betroffen ist, ich in keinem dieser wichtigen Gremien sitze und der Schulbus erst ein paar Jahre nachdem ich wieder in Deutschland bin kommen wird, habe ich meist nicht viel zu sagen. Die letzten paar Wochen stand das Tea-Meeting ganz im Zeichen des Don-Bosco-Feast-Days und es wurde 30 Minuten beratschlagt wo sich der Bischoff umziehen könne, wo die VIPs und wo die VVIPs (Very, Very Important Persons) und wo die Invited Guests und wo die Schuler sitzen sollen und wer Chairperson des Ganzen ist und wer in welchem „Comity“ ist und was die Aufgaben des einzelnen Comitys seien. Eine der VVIPs war Miss Ghana 2004, die damals den Bau des Girls Hostels massiv unterstützt hat und die Frage war ob sie kommen könne. Nachdem dann das 10te Comity abgehandelt wurde, habe ich mich dann zum ersten mal zu Wort gemeldet und gefragt ob ich „Vorsitzender des Comitys zur Unterhaltung von Miss Ghana“ sein könne, woraufhin alle zu lachen begannen. Das ganze wurde dann von Father Blamoh beim nächsten Meeting wieder aufgegriffen und hat sich seither zu einem Running-Gag entwickelt. Um es kurz zu machen Miss Ghana 2004 war leider zu dem Zeitpunkt in England, hat als Vertretung allerdings Miss Ghana 2005 geschickt.

 

Ich und Miss Ghana 2005: http://i39.tinypic.com/2wg7q6s.jpg

Wir haben uns super verstanden: http://i43.tinypic.com/2ngcv40.jpg

 

Don Bosco Feast Day

 

Der Don-Bosco-Feast-Day umfasste 3 Programmpunkte: Einen Gottesdienst mit dem Bischoff, die anschließende Segnung des Girls-Hostels und die Ubergabe der Zeugnisse für die Abschlussklassen des letzten Jahres. Unser Bischof Charles –Erzbischof von Accra, den ich schon am 26. Dezember beim „Treffen für die religiösen Co-Worker“ getroffen habe, war auch dieses mal wieder gut drauf. Er hielt eine ziemlich offen/direkte Predigt in der er davon sprach dass Jesus die Menschen mit einer Schafherde und nicht mit einer Zigenherde vergleicht. Der Unterschied sei, dass bei der Schafherde der Schäfer voran geht und die Schafe folgen und bei der Ziegenherde die Ziegen vom Schäfer getrieben werden müssen. Und einige Schüler seien wie Ziegen. Als er dann eine kurze Improvisation gab, wie sich eine Ziege für schlau hält und durch die Gegend hüpft, hatte er das Publikum endgültig für sich gewonnen. Gerade hier in Ghana gehören Ziegen-, Schaf- und Kuhherden zum Alltag. Passend dazu bekam der Bischof auch eine Ziege als Gastgeschenk. Nach dem Gottesdienst durfte der Bischoff zusammen mit Miss Ghana und weiteren Ehrengästen das Band durchschneiden und das Gebäude weihen. Anschließend ging es mit dem dritten Tagesordnungspunkt, der Graduation -Zeugnisübergabe. Nach diesen Punkten gab es natürlich laute Musik und ich musste feststellen, dass ich nicht zu den VVIPs zähle, sondern nur zum „gewöhnlichen Staff“ –der sein Essen nicht im Provincial House, sondern beim Girls Hostel bekam. Die FCPs hatten es da besser. 2 Abgesandte des FCPs waren VVIPs, (wer VVIP und wer Invited Guest war, durften die unter sich ausmachen) so durfte ich dann mit Hannah und Katharina im Girls Hostel essen.

 

Der Bischof segnet Girlshostel: http://i41.tinypic.com/6jd7q1.jpg

Bishof Gabriel Charles Palmer Buckle: http://i41.tinypic.com/28me4ue.jpg

Girls Hostel: http://i40.tinypic.com/2yyqgt5.jpg

 

Eine ghanaische Verlobung

 

Direkt danach ging es dann für mich weiter zu einer ghanaischen Verlobungsfeier. Dazu wurde ich von einem Lehrer –Chief Corsah, eingeladen. Die Feier fand ca. 500 Meter von der Schule entfernt statt und ich war nach dem Essen im Girls Hostel ein klein wenig spät dran und somit einer der ersten Gäste. Bei einer ghanaischen Engagement-Feier gibt es ein paar Dinge die man relativ schnell merkt: Wie üblich ist so gut wie niemand pünktlich, es klingelt alle 5 Minuten irgendein Handy mit einem schrecklichen Klingelton, das meiste läuft auf Twi ab und mein Twi beschränkt sich auf ein paar wichtige Sätze und zu guter Letzt: Man kann sich definitiv 2 Stunden lang mit dem Bändel einer Digitalkamera beschäftigen, während man darauf wartet dass etwas passiert. Die Verlobung selbst war dann ziemlich interessant. Zuerst stellen sich alle Anwesenden vor, dann werden die Geschenke vom Paar entgegengenommen, anschliesend wird sich die ewige Treue versprochen, es werden die Ringe ausgetauscht und zum Schluss bekommt das Paar von beiden Familien gute Ratschläge auf den Weg. Nach dem offiziellen Teil gibt es dann noch Getränke und was zu essen und ich hatte Gelegenheit mich mit den Familien zu unterhalten. Der Vater der Braut fliegt in ein paar Monaten nach Deutschland und das Paar kommt aus völlig verschiedenen Regionen und hat sich kennengelernt, nachdem er sie mit dem Auto mitgenommen hat.

 

Engagement: http://i40.tinypic.com/dgts04.jpg

 

Eine Nacht mit Malaria

 

Püntklich zum neuen Newsletter habe ich jetzt zum sechsten Mal Malaria bekommen und wieder ein neues Medikament genommen. Wer weiß, wenn die Malariaerreger gegen alle Medikamente resistent werden, wird vielleicht bald eine neue Malariaart nach mir benannt. Jedenfalls hat Malaria nicht nur den Nachteil dass man einen Mangel an roten Blutkörperchen bekommt (Mittlerweile ist mein HB Wert wieder im grünen Bereich) und die ganze Zeit einfach nur Müde ist, Kopfschmerzen bekommt und einem die ganze Zeit schlecht ist, sondern auch, dass man nicht oder nur sehr leicht schlafen kann. (Wahnvorstellungen, Gliederschmerzen und Fieber hatte ich glücklicherweise nicht) Aber auch eine Nacht mit leichtem Schlaf ist in Ghana interessant. Eingeleitet wird die Nacht vom Arschlochvogel. Der wissenschaftliche Name des Vogels ist mir leider nicht bekannt, ich weiß nicht mal wie er aussieht. Ich weiß nur dass er jede Nacht am Wasserturm vorbei fliegt und über mehrere Minuten wahnsinnig laut schreit. Teilweise auch über eine halbe Stunde hinweg. Nachdem man den Vogel ausreichend verflucht hat und sich wieder schlafen legt, wird man dann von lauten Schüssen und Hundegebell geweckt. Nachdem sich dann nach einigen Minuten der Herzschlag wieder beruhigt hat und man sich die Frage stellt: Habe ich das Vorhängeschloss am Wasserturm zugemacht? –Gut kann man wieder ein paar Stunden schlafen bis der Muhezin einer benachbarten Moschee wach wird und mit seinen Kollegen „Allah Akhubar“ um die Wette singt. Mit ihrem Gesangstalent würden die Jungs zwar bei DSDS auch nicht besser abschneiden als der Arschlochvogel, das hintert sie aber nicht daran sogar noch länger zu singen als der Vogel. Richtig nett wird es über die Nacht aber erst dann, wenn sich zufällig Moskitos in das Moskitonetz verirrt haben und immer wieder mit einem Sssssst direkt am Ohr vorbei fliegen. Um kurz nach halb 5 hatte ich dann genug und habe das Licht angemacht und mich auf Moskitojagd begeben und insgesamt 6 Stück erlegt. (Am nächsten Tag habe ich dann ein Stück Draht besorgt und den Eingang besser gesichert) Nicht zu unterschätzen ist dann auch der ghanaische Verkehr. Die beliebteste und universelle Kommunikationsmöglichkeit ist nämlich die Hupe. Zum Überholen, von Taxi- und Trotro-Fahrern als Zeichen, dass man noch einen Platz frei hat oder einfach wenn man um eine Kurve oder über eine Kuppe fährt und Angst vor Gegenverkehr hat. Aber zumindest bin ich seit ein paar Wochen die Trot-Tro-Station mit ihren Lautsprechern los. Falls man dann auch noch richtig Pech hat gibt es dazu noch krähende Hähne, Gottesdienste bis spät in die Nacht oder einfach nur laute Musik. In einem solchen Fall bereut man es dann richtig, dass man als Lehrer leider nicht während seines eigenen Unterrichts schlafen kann.

 

Es wird Nacht im Wasserturm: http://i40.tinypic.com/259yas1.jpg

 

By By Johannes

 

Der aufmerksame Leser fragt sich jetzt sicher wie ich die Tro-Tro-Station losgeworden bin. Die Antwort hat nichts mit einem nächtlichen Ausflug, einer Schere und einer Leiter zu tun, sondern damit dass ich im Januar in den Wasserturm umgezogen bin. Ende Januar hat sich mein Mitvoluntär Johannes auf den Heimweg richtig Deutschland gemacht, wo er (laut letzter E-Mail) friert wie ein Schneider. Johannes kam bekanntlich einen Monat vor mir an und blieb für 6 Monate hier in Ghana. In dieser Zeit hat er in Tema-New-Town als Lehrer gearbeitet und ich muss sagen, ich bin echt froh dass er hier war. Johannes hat mir ziemlich geholfen mich hier in Ghana einzuleben und die gemeinsamen Abende im Drinking Spot oder wenn wir gemeinsam auf dem Laptop DVDs angeschaut haben, oder unsere Unterhaltungen beim Frühstück werden mir fehlen. Die letzten Wochen kamen seine Eltern zu besuch und er ist mit ihnen ein bisschen durch’s Land getourt. Die Tage vor seinem Abflug waren Johannes, Brother Michael, Brother Günter und ich dann noch beim Chinesen, bevor wir uns mit einem letzten Star am Flughafen von ihm verabschiedet haben. 2 Tage später bin ich dann in den Water-Tower gezogen, der erst mal ordentlich geputzt wurde und dann von mir ein bisschen umgeräumt wurde. Dank des Harmatans ist aber sowieso alles schon wieder staubig. Der Harmatan sorgt dafür dass jetzt während der Trockenzeit die Nächte kühler sind und der feine rote Wüstenstaub überall rein kommt. So könnte man eigentlich jeden Tag putzen und am nächsten Tag ist alles wieder mit einer Staubschicht überzogen. Deswegen wische ich nur die wichtigsten Dinge ab und warte für den Rest bis der Harmatan wieder vorbei ist.

 

Johannes: http://i41.tinypic.com/4jukud.jpg

The new Water Tower:

So sieht’s aus wenn ihr rein kommt: http://i39.tinypic.com/2v2tz4h.jpg

Bett (jetzt Moskitosicher) und Sitzecke: http://i41.tinypic.com/dpxzrm.jpg

Hier geht’s wieder raus: http://i40.tinypic.com/a3la8j.jpg

 

Kirche, Predigt und mehr

 

Seit ich hier in Ghana bin ist nicht nur meine Einstellung zu Spenden, sondern auch zur Religion etwas kritischer geworden. Während man in Deutschland als Christ brav seine Kirchensteuern bezahlt und es egal ist was man am Sonntag in den Klingelbeutet wirft und auch sonst keiner Geld von einem will, ist die Beziehung zwischen Religion und Geld in Ghana eine etwas andere. Der fairness halber muss man dazu sagen, dass es in Ghana keine Kirchensteuer gibt und auch niemand gezwungen wird etwas zu bezahlen. Wenn man dann allerdings hört dass die jährlichen Beiträge von der Diezöse Accra auf 6 Cedi für Erwachsene, 4 Cedi für Jugendliche und 2 Cedi für Kinder erhöht werden und Geld für die Taufe, Erstkommunion, Firmung und Ehe verlangt wird, fragt man sich doch, ob dann z.B. eine arme Familie ihr Kind eben nicht taufen lässt. Wenn ein paar Cedi teilweise schon zu viel sind um ein Kind krankenversichern zu lassen. So kommt man dem erklaerten Ziel des Bischofs mehr Menschen zum katholischen Glauben zu bringen nicht wirklich naeher. Auch die verschiedenen Harvests (Youth-Harvest, Men-Harvest, Women-Harvest und wenn einem nichts mehr einfaellt General-Harvest) mehrstuendige Versteigerungen, bei denen der High-Table mit den finanzkraeftigsten Gemeindemitglieder, gegen die Gemeinde z.B. um ein Glas Wasser bietet. „12 Cedi vom High-Table fuer ein Glas Wasser –Ah 15 Cedi aus der Gemeinde“, sind nicht wirklich mein Ding. Abgesehen davon, dass der Gottesdienst dann statt drei sagenhafte 5 Stunden dauert. Und ebenfalls sehr beliebt sind eine zweite und dritte Collection, bei der fuer einen anderen Zweck einfach nochmal gesammelt wird. Waehrend in Deutschland vermutlich jeder einfach zweimal die Haelfte gibt, kommt so in Ghana tatsaechlich deutlich mehr Geld zusammen. Mit Sicherheit wird das Geld fuer viele sinnvolle Dinge eingesetzt, um den Armen zu Helfen oder eine neue Kirche zu bauen. Aber das Geld das mit dem Ablasshandel verdient wurde, wurde ja auch eingesetzt um den Petersdom zu bauen. Und bisher wollte so ziemlich jeder Pfarrer, egal wo in Ghana, den ich getroffen habe eine Kirche oder eine Mulitpurpose-Hall bauen. Liegt denen wohl im Blut. Zum Schluss noch eine kleine Anekdote, denn manchmal hat der Zufall auch einen feinen Sinn fuer Ironie, wenn während Father Blamoh beim Assembly darauf hinweist, dass Handys für Schüler verboten sind und jetzt die Taschen durchsucht werden, im selben Moment sein eigenes Handy klingelt.

 

Vegetarier in Ghana

 

Seit 2ten Februar bin ich seit 12 Jahren Vegetarier. Grund genug den vegetarischen Alltag in Ghana einmal zu beschreiben. Während es hier in der Küche keine Probleme gibt und die Köchin Sharon mein Essen ohne Fisch und Fleisch einfach separat kocht, wird es unterwegs, wenn man eigeladen ist, in der Chop Bar und z.B. bei der Eröffnung des Girls Hostels schon etwas schwieriger. Mein Lieblingsdialog spielt sich in der Regel so ab:

 

Ich: „Is there meat or fish in it?“

A: “You want meat or fish?”

Ich: “No, no. No meat! No fish!”

A: „You want chicken?“

Ich: „No! No fish! No chicken! No meat!“

A: „You want fish?“

Ich: „No! I don’t eat fish or meat!“

A: „You want rice?“ (Anm: Es gibt auch fried rice und da ist z.B. manchmal Hühnchen drin.)

Ich: „Is it prepared with meat?“

A: “You want meat?”

Ich: “Arguagaha. Forget it. I take plain rice and salad.”

 

Gelegentlich bekommt man dann tatsächlich etwas zu essen und kann schauen ob z.B. Fleisch oder Wurst im Salat ist oder ob der Reis ohne Fleischstücke ist. Bei der Girlshostel-Eröffnung gab es dann für mich normalen Reis mit baked Beans aus der Dose und Salat, am Folgetag gab es essen von der Parish. In weiser Voraussicht habe ich mir Reis und eine Dose baked Beans eingepackt, die ich am Ende auch gegessen habe, nachdem sogar im Salat englisches Dosen-Rindfleisch war. Aber bei meinem letzten Arztbesuch habe ich in Accra ein vegetarisches Restaurant entdeckt, das Jah sei dank, ziemlich gut besucht ist (die meisten Rastas sind Vegetarier) und noch dazu wahnsinnig gut. Dort wurde auf meine Frage: „There is no meat or fish inside?“ zum ersten mal geantwortet: „No meat, no fish, no egg!“ Und mit 3,50 Cedi für den Teller auch ziemlich günstig. Da schaue ich gern mal wieder vorbei.

 

Halbjahresbilanz –Die neue Entdeckung der Gelassenheit

 

Da  ich am 15ten Februar genau ein halbes Jahr hier in Ghana bin ist es zum Abschluss des Newsletters Zeit für eine kurze Halbzeitbilanz. Nachdem ich am Anfang hochmotiviert mit der Unterrichtsvorbereitung angefangen habe und mich über meine jetzt 16 Stunden richtig gefreut habe, bzw. sogar noch mehr genommen hätte, kamen dann mit Beginn der Schule gleich die ersten Ernüchterungen. Die sauber vorbereiteten Unterrichtsstunden mit: Da mache ich eine Präsentation, da zeige ich das am Projektor, dann verteile ich diese Kopie usw. wurden relativ früh zunichte gemacht. Mal ist der Computerraum von einer anderen Klasse besetzt, dann anderer Computerraum ohne Projektor. Hier funktioniert der USB-Stick nicht, dort fährt die Hälfte der Computer nicht hoch, dann die Probleme mit den Kopien. (Die eine Hälfte der Schuler haben noch immer nicht bezahlt. Und auch keine Kopien bekommen.) Dazu kam, dass immer mal wieder Stunden ausfallen oder eben dass man Malaria hat und trotz aller Vorbereitungen mit Ersatzlehrer usw. der Unterricht doch ausfällt und die Schüler nicht wussten, dass ich wegen Malaria eine Woche ausfalle usw. Und nicht zuletzt die Geschichte mit den überraschenden Meetings und sonstigen Veranstaltungen und die teils schlafenden und uninteressierten Schüler. Nach einigen Monaten bin ich jetzt etwas lockerer geworden und habe gelernt die Dinge etwas langsamer angehen zu lassen. Die Hälfte die für die Kopien bezahlt hat bekommt die Kopien, wer schläft wird mit einer lauten Glocke oder einen auf den Tisch knallenden Holzbrett aufgeweckt und wer nach 5 Minuten weiter schläft, steht eben auf. Mein Unterricht findet nicht mehr ständig im Computerraum statt, sondern die erste Hälfte im Klassenzimmer, wo ich, ohne dass die Schüler Kartenspiele am PC spielen können, erst mal alles an der Tafel erkläre, bevor ich es ihnen dann im Computerraum am Projektor zeige und es sie dann selbst machen lasse. Auch habe ich kein bestimmtes Ziel mehr während dem Unterricht, wie z.B. ich muss Seite 16-18 schaffen, sondern schaue einfach wie weit ich während der Stunde komme und wenn etwas wiederholt werden muss, dann wird es eben wiederholt. Und wenn eine Unterrichtsstunde ausfällt und ich das nicht ändern kann, dann kommt das Thema eben nächste Woche dran. Genauso wie man eben bei einem Stromausfall, kurz etwas improvisiert. Oder wenn die Klasse mal eine viertel Stunde brüllt, dann brüllt sie eben 15 Minuten. Und wenn jemand ein Stück Kreide in den Ventilator wirft, um mich zu provozieren oder während dem Unterricht ein Kartenspiel aufruft, dann haben wir, je nach Schwere der „Tat“ einen kurzen Besuch bei Father Blamoh, oder eine frisch geputzte Voluntärsküche. Ein halbes Jahr auf der anderen Seite des Klassenzimmers prägt und ich bin mittlerweile Verfechter vieler Regeln geworden, die ich früher selbst für sinnlos gehalten habe. Und meine alten Lehrer tun mir teilweise leid.

 

Alles Liebe nach Deutschland und besondere Glückwünsche an die beiden Geburtstagskinder: Meine Mum und meinen Dad.

 

Daniel

 

PS: Wer mich nicht in Ghana besuchen kann, kann zumindest zum Afrikafestival in meine alte Heimat Böblingen / Sindelfingen gehen und sich dort was Afrikanisches anschauen: Freitag 31.07. bis Sonntag, 02.08.09. Mehr Infos: http://www.afrikafestival-boeblingen.de/

 

Zurück zum Anfang

 

Januar 2009 –Heiße Weihnacht

 

Herzlich willkommen zum ersten Ghana Newsletter im Neuen Jahr. Und 2009 hat genausogut angefangen, wie das alte Jahr geendet hat: Nämlich mit Urlaub. Während in Bayern gerade die Fachärzte streiken und eisige Minusgrade herrschen haben wir in Ghana um die 30 Grad Plus und Montag gingen die Weihnachtsferien mehr oder weniger zu Ende.

 

Oh come let us adore him- Weihnachten in Ghana

 

Die drei Weihnachtstage habe ich in der salesianischen Gemeinschaft verbracht und war, wie in Ghana üblich, die meiste Zeit in der Kirche. Am 24. Dezember war Christmette, die um 8 Uhr Abends angefangen hat und irgendwann kurz nach Mitternacht zu Ende ging. Die erste Stunde wurde eigentlich nur getanzt, danach gab es ein paar Geschichten aus der Bibel über schwangere Frauen. Natürlich durfte auch die Krippe nicht fehlen und die Kirche war richtig schön mit bunten Tüchern und Luftballons geschmückt. Kirche in Ghana macht aber auch richtig Spaß. Man nutzt die Lieder um zu tanzen und zu feiern, man trifft sich in der Kirche um sich vorher und danach zu unterhalten und hat eine Menge Spaß. Anschließend trafen wir uns noch auf ein paar Getränke im Community House, bevor wir uns dann zum Schlafen verabschiedet haben. Am 25igsten ging es dann um 9 Uhr mit dem Gottesdienst weiter. Am 26igsten gab es dann ein Treffen aller katholischen Organisationen in Accra im Garten des Erzbischoffs von Accra. Auch dort natürlich ein kurzer Gottesdienst gefolgt von Musik und Buffet. Neben Johannes und mir war noch eine österreichische Voluntärin Johanna dabei, mit der ich mich dann den Nachmittag über unterhalten habe. Ansonsten gibt es an Weihnachten in Ghana nur zwei Besonderheiten: Die geschmacklosesten Plastiktannenbäume und Lichterketten der Welt und viele Menschen verkleiden sich und laufen in ihren Kostümen durch die Straßen. 

 

Am 25igsten in der Kirche: http://i40.tinypic.com/2e0r9tw.jpg

 

Silvester in der Green Turtle Lodge

 

Am 27igsten habe ich mich dann auf meinen Weg zur Green Turtle Lodge gemacht, wo ich mich zwischen den Jahren ein wenig erholt habe. Ich kam am 29gisten Dezember zeitgleich mit 3 unserer österreichischen Voluntäre (Ludwig, Maria und Lisa) an und so konnten wir gemeinsam auf das neue Jahr anstoßen. Zeitgleich waren noch einige Weltwärsvoluntäre in der Green Turtle Lodge, die ich schon vom Weltwärtstreffen kannte. Pünktlich um Mitternacht gab es dann ein paar kleine Raketen und ein großes Lagerfeuer am Strand. Dort haben wir dann auch eine Flasche Sekt geköpft, das Feuer betrachtet und uns gemütlich unterhalten.

 

Feuer: http://i42.tinypic.com/30a969y.jpg

 

Cape Coast Castle Part II

 

Bevor ich bei der Green Turtle Lodge angekommen bin, habe ich noch einen Tag und eine Nacht in Cape Coast verbracht. Neben dem Castle, bei dem ich diesmal auch das komplette Museum besichtigen konnte und noch eine Führung mitgemacht habe, habe ich diesmal auch die beiden Forts, ein paar hundert Meter entfernt, stragisch günstig auf 2 Bergen gelegen, betrachtet. Fort Williams und Fort Viktoria. Das eine Fort ist komplett verlassen und kann nur über einen Trampelpfad durch den Wald besichtigt werden, das andere ist von zahlreichen Menschen bewohnt, die ihre Kleidung zwischen den Kanonen zum Trocknen aufgehängt haben und mir für einen Cedi gerne den Turm zeigten. Beim unbewohnten Fort war ich wahnsinnig dankbar dafür, dass mich ein Ghanaer begleitet hat. Ansonsten hätte ich wohl gar nicht erst hingefunden und allein als Weißer an einer Gruppe mit 15 betrunkenen Jugendlichen mitten in der Wildnis, mit einer Digitalkamera und ein bisschen Bargeld in den Taschen vorbeizulaufen ist wohl auch keine gute Idee.

 

Cape Coast Castle: http://i41.tinypic.com/24onm7o.jpg

In einem der beiden Forts: http://i42.tinypic.com/211scnd.jpg

 

Are you afraid of the dark? Oder -Lessons to be learned.

 

Am selben Abend habe ich mich mit ein paar anderen Voluntären aus Deutschland, die zufällig auch gerade in Cape Coast waren, in einem Restaurant mit Livemusik, getroffen. An der Bar habe ich dann einen Ghanaer -Charlie getroffen, der seit einigen Jahren in Deutschland lebt und einmal im Jahr nach Ghana kommt um seine Familie zu besuchen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen in Ghana war es interessant zu hören, dass selbst ihn nach ein paar Jahren in Deutschland, ein paar Dinge in Ghana stören.  Die drei Dinge die er mir genannt hat, hätte ich auch sofort unterschreiben können. Zum einen genießt er die Stille, dass man einfach mal für ein paar Stunden Ruhe hat, dann freut er sich darauf eine Diskussion mit rationellen Argumenten führen zu können. (Später mehr zum Themag ghanaisches Diskutieren) Und auch die ghanaische Arbeitsweise kann ihn manchmal in den Wahnsinn treiben. Wenn z.B. die Schrauben beim Fliegengitter von den Arbeitern nicht hineingeschraubt, sonden hineingehämmert werden und es dann heißt: „Was willst du denn, hält doch“ bzw. „dass die Schraube ein bisschen krumm ist macht doch nichts“. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man weiss dass noch jemand so denkt. Im weiteren Verlauf des Abends habe ich dann einen Ghanaer getroffen, der in Deutschland bei Afrika-Afrika auftritt. Er ist immer für ein halbes Jahr in Deutschland und hat dann ein halbes Jahr frei. An diesem Abend ist er mit seiner Feuershow dort aufgetreten und hat mich gefragt ob ich ihm 5 Cedi leihen könne. Er werde gleich nach seinem Aftritt bezahlt. Ich war natürlich so blöd. Nach seinem Auftritt hieß es dann, er werde nach dem Konzert bezahlt. Um 2 Uhr Nachts habe ich dann die Hoffnung aufgeben und bin zurück zum Hotel. So langsam habe ich jetzt aber gelernt wann ein „Ja“ heißt: „Ich kümmere mich wirklich darum“ und wann es heißt: „Ich sag zwar mal ja, aber ich mache einfach gar nichts.“ Die beiden anderen Deutschen haben leider beschlossen um 2 noch in einen Club zu gehen und somit musste ich dann den knappen Kilometer allein zum Hotel laufen. Selbst um 2 Uhr nachts ist in Ghana immer noch etwas los. Nachdem ich vielleicht 200 Meter mit einem muligen Gefühl an einer Gruppe Jugendlicher vorbei gelaufen bin und an einigen Menschen die in eine Decke eingewickelt bei Hauseingängen schlafen, war ich dann gottfroh, dass gerade ein Taxi vorbeigefahren ist und mich für 2 Cedi zum Hotel gebracht hat. Tagsüber fühle ich mich in Ghana allein fast immer sicher, nachts habe ich aber allein wirklich ein ungutes Gefühl. 

 

Cape Coast von oben: http://i43.tinypic.com/2q1ba89.jpg

 

6 Tage Kreuzzug

 

Seit ich hier in Ghana bin, wundert es mich nicht mehr dass der Weltrekord im Dauerreden von einem Afrikaner aufgestellt wurde. Im Trotro bekommt man in schöner Regelmäßigkeit Verkäufer die bspw. igendwelche Tabletten anbieten und einen, in bester Teleshopping-Manier, von der Wirkung dieser Medikamente überzeugen. Wer gerade sonst nichts zu verkaufen hat, verkauft eben Jesus. Mal schnell zwei Bibelstellen mit auswendig gelernt und schon kann man eine leidenschaftliche einstündige Predigt im Trotro halten, dazu ein paar Amen und wird von den einheimischen Fahrgästen mit einer Spende belohnt. Auch eine normale Predigt in der Kirche dauert mindestens eine dreiviertel Stunde. Noch professioneller sind aber die 3- bzw. 6-day-Crussades. Die Ausstattung erinnert stark an ein Open-Air-Konzert: Mit überdachter Bühne, Videoleinwänden, Bestuhlung, Rednerpult und Chor, können sich Gastpfarrer dann an 6 Abenden über mehrere Stunden hinweg richtig austoben und leidenschaftliche Predigten halten. Da AC/DC und die meisten anderen Bands leider nur auf Europa- und Amerikatournee nicht aber auf Afrikatourne gehen, sind diese Veranstaltungen bei vielen Ghanaern sehr beliebt und immer gut besucht. Richtig lustig wird es aber erst wenn zwei Ghanaer miteinander diskutieren. Da wird dann zuerst leidenschaftlich eine halbe Stunde der eigene Standpunkt erklärt. Dann erklärt der zweite eine halbe Stunde: „I think what you mean is that....“ Woraufhin der erste meint: “That’s a good point, but what I wanted to say is that…”. Einmal habe ich mich mit einem Ghanaer auf die Diskussion eingelassen, ob ein Erziehungssystem ohne Gott funktionieren kann. Sein Punkt war, dass es nicht möglich ist mit der Begründung: „Wenn du mir ein Glas Wasser anbietest und sagst, du bietest es mir an, weil du mich magst, dann glaube ich dir nicht. Wenn du aber sagst: <Ich glaube an Gott und biete dir dieses Glas Wasser an, weil ich dich mag.> Dann glaube ich dir.“ Nach einer halben Stunde in der mindestens 10 mal das Glas Wasser erwähnt wurde, habe ich dann aufgegeben und wir haben uns darauf geeinigt, dass es in Europa funktionieren kann, nicht aber in Afrika. Wie mir Charlie erklärt hat, diskutiert man in Afrika nicht rational, sondern emotinal. Was es umso schwerer macht mit jemandem zu diskutieren und ihn inhaltlich zu kritisieren ohne ihn tödlich zu beleidigen. Allgemein ist das Leben in Afrika viel offener und emotinaler als in Deutschland. Natürlich mit allen Emationen: „Freude, Hilfsbereitschaft aber auch Wut und Beleidigt sein.“ Deswegen wird in nigerianischen Filmen auch in jedem zweiten Satz geschrien und mit Händen und Füßen diskutiert. Man findet aber auch nach 2 Minuten einen Freund für’s Leben.

 

Drei Tage Kreuzzug: http://i40.tinypic.com/2a0glkp.jpg

 

El Mina

 

Nach Cape Coast Castle habe ich mir am übernächsten Tag El Mina Castle angeschaut. El Mina ist die erste europäische Festung in Ghana und sogar ganz Schwarzafrika. Sie wurde 1482 von den Portugiesen erbaut und gut 150 Jahre später von den Holländern erobert. Nach 5 gescheiterten Versuchen. Ähnlich wie in Cape Coast wurde mit der lokalen Bevölkerung kooperiert und die meisten Sklaven wurden nicht von den Europäern gefangen, sondern von anderen Afrikanern gefangen und dorthin gebracht. Z.B. von verfeindeten Stämmen. Tatsächlich gab es ein Verbot für die Versklavung von Menschen im Umkreis von 50 Kilometern. In El Mina Castle befinden sich zwei der ältesten noch existierenden Kirchen Ghanas. Eine portugiesische und eine niederländische.

 

El Mina I: http://i42.tinypic.com/347dv8g.jpg

El Mina II: http://tinypic.com/view.php?pic=vh6yq8&s=5

 

Kakum Nationalpark

 

Früh morgens bin ich mit dem Trotro von Cape Coast zum Kakum-Nationalpark gefahren. Der riesige Nationalpark ist mitten im Regenwald und hat zwei Hauptatriaktionen. Den Canopy Walkway, eine teilweise über 40 Meter hohe Hängebrücke über und den Spaziergang durch den Urwald. Aus 40 Meter Höhe auf den Urwald hinunterzublicken ist echt ein phantastisches Gefühl. Die wackelige Hängebrücke besteht aus vertikal verlegten Leitern die mit Holzböden versehen werden, ist aber absolut sicher. Bei meinem späteren einstündigen Spaziergang durch den Regenwald habe ich einige Bäume gesehen, eine schwarze Mamba die sich zwei Meter vor uns über den Weg geschlängelt hat und eine große Spinne. Ansonsten war der Wald leider zu dicht um andere Tiere zu sehen. Unter anderem gibt es dort auch Affen und sogar Waldelefanten. Die Affen habe ich aber nur gehört. Am Abend habe ich dann nochmal einen geführten Nachtspaziergang gemacht. Anschließend ging es in meine bequeme Urwaldunterkunft.

 

Der Urwald von Kakum: http://i41.tinypic.com/35kii2p.jpg

Der Walkway: http://i39.tinypic.com/23uv1tu.jpg

Der Walkway und ich: http://i39.tinypic.com/1huq1j.jpg

 

Hoffentlich klauen mir die Affen die Schuhe nicht -Eine Nacht allein im Urwald

 

Eine Besonderheit in Kakum ist, dass man eine Nacht im Dschungel verbringen kann. Soweit ich das verstanden habe, sollte man eigentlich von einem Guide begleitet werden, der hat sich aber nicht daran erinnert. So durfte ich den 10 Minuten Fußweg in den Urwald alleine gehen, bis zu einem Platz mit einem kleinen Holzboden und einem Wellblechdach. (Ein bisschen wie ein Carport) Dort befinden sich zwei Matratzen und ein aufgehängtes Moskitonetz. Knapp 100 Meter weiter gibt es sogar eine Toilette und zwei Duschen, ansonsten liegt der Platz aber mitten im Urwald. Dass ich gerade meine 5te Malaria hatte (und man bei Malaria gelegentlich Wahnvorstellungen bekommt) macht die Sache nicht unbedingt besser aber zumindest interessanter. Das Moskitonetz ging auch nicht ganz auf allen 4 Seiten um die Matratze und ich habe stark gehofft, dass die schwarze Schlange nicht über 2 Matratzen springen kann und mich in der Nacht besuchen kommt. Irgendwann bin ich dann aufgewacht und habe gespürt dass eine große Spinne auf meiner Brust sitzt. Ich habe sie mit einer Handbewegung weggewischt und als ich dann endlich die Taschenlampe gefunden habe, war keine Spinne mehr da. Vielleicht hab ich mir das aber auch nur eingebildet. Abgesehen davon war es ein wirklich schönes Erlebnis mitten in der Wildnis mit den urwald-typischen Geräuschen im Hintergrund einzuschlafen. Sonst habe ich erstaunlich gut geschlafen und hatte nur Angst dass mir die Affen über Nacht die Schuhe klauen. (Die völlig ungeschützt neben der Matratze lagen.) Die Affen haben sich aber darauf beschränkt um 5 Uhr morgens auf meinem Wellblechdach herum zu turnen und Früchte darauf zu werfen. Als ich dann kurz nach Sonnenaufgang aufgestanden bin, habe leider ich keinen mehr gesehen. Nachdem ich kurz geduscht habe, habe ich dann einen halbstündigen Umweg zurück zum Ausgang gemacht und bin weiter nach El-Mina. 

 

Meine Unterkunft: http://i41.tinypic.com/nycl0j.jpg

 

Wo sind die Affen (Ein Kanutrip durch die Mangrovenwälder)

 

Affen habe ich dann doch noch gesehen und zwar in den Mangrovenwäldern bei der Green Turtle Lodge. Kurz nach 6 Uhr am Morgen ging es von der Green Turtle Lodge zu einem Fluss und dann mit dem Kanu mitten in die Mangrovenwälder. Dort gibt es Affen, Salamander, Krebse und alle möglichen anderen Tiere. Die Affen kommen meistens nur Morgens kurz nach Sonnenaufgang zu einer bestimmten Stelle in den Mangrovenwäldern, wo sie Früchte und kleine Krebse essen. Wenn man viel Glück hat kommen sie auch nochmal zum Mittagessen vorbei. Die Fahrt mit dem Kanu dauert ungefähr 2 Stunden und ist eine etwas wacklige Angelegenheit. Was die Ghanaer aber nicht daran hindert auch ihre Kanus völlig zu überladen. In unserem Fall mit Plastikstühlen und großen Lautsprechern für eine Beerdigung. Mitten in den Mangrovenwäldern gibt es tatsächlich ein kleines Dorf dass nur auf dem Wasserweg zu erreichen ist und dort gab es dann auch tatsächlich am gleichen Tag eine Beerdigung. (Eine ghanaische Beerdigung ist eine große Feier mit lauter Musik und jeder Menge Alkohol. Die meisten Beerdigungen finden Samstags statt.) Die Affen haben sich davon nicht stören lassen und sind tatsächlich durch die Mangrovenwälder geturnt. Auf dem Rückweg haben wir dann noch zwei Affen von einem Baum über den Fluss auf die andere Seite springen sehen. Leider waren sie aber, wie die Maus, zu schnell für ein Foto. (Stattdessen gibt es aber gute Affenbilder aus Mole.)

 

Alles im Lot auf dem Boot: http://i39.tinypic.com/bfkhso.jpg

 

Auf zur Turtle-Jagd

 

Am Abend ging es dann zu einem Turtle-Night-Hike. Einer gemütlichen Nachtwanderung am Strand. In den letzten Monate und in den kommenden Monaten hat man dabei die Chance eine Schildkröte bei der Eiablage zu beobachten. Das Ganze kann sich gute 1 ½ Stunden hinziehen und ist die einige Gelegenheit die Schildkröten zu Gesicht zu bekommen. Den Rest der Zeit lebt diese Schildkrötenart nämlich im Wasser. Die Männchen kommen überhaupt nicht an Land. Den Turtle-Night-Hike kann man auch in der Green Turtle Lodge buchen und man hat den Vorteil, dass der Guide die Nacht über patrolliert und ggf. aufweckt, wenn er eine Schildkröte findet. Wir haten an diesem Abend leider kein Glück.

 

Keine Schildkröten: http://i42.tinypic.com/33u6df9.jpg

 

Auf nach Cape’3’Point

 

10 Kilometer von der Lodge entfernt befindet sich Cape Three Point, das Kapp der drei Spitzen. Cape’3’Point ist der südlichste Punkt Ghanas und man kann sich für 2 Cedi den dortigen Leuchtturm anschauen. Der wurde bereits 1925 von den Engländern erbaut und ist heute noch in einem gutem Zustand. Zusammen mit den 3 österreichischen Kollegen habe ich mich nach dem Frühstück auf den Weg dorthin gemacht. Die Landschaft ist absolut traumhaft und wir haben unterwegs für zahlreiche Fotos angehalten. Nach 3 Stunden kamen wir dann beim Leuchtturm an, haben eine kurze Verschnaufpause gemacht uns mit dem Leuchtturmwärter unterhalten und haben 3 deutsche aus Stuttgart getroffen, die uns mit ihrem gemieteten Trotro mitgenommen haben.

 

Der Leuchtturm: http://i42.tinypic.com/24fbmzn.jpg

Der Wärter: http://i40.tinypic.com/2s9onx0.jpg

 

And the winner is…

 

Am 3. Januar habe ich mich dann mit einer anderen deutschen Voluntärin, Johanna, auf den Rückweg gemacht, die zufällig Jonathan in Ashaiman besuchen wollte. Johanna arbeitet ebenfalls als Computerlehrerin, allerdings in einer Taubstummenschule in der Nähe von Kumasi. Unterwegs haben wir dann das Wahlergebnis der Präsidentenwahl erfahren. Nicht etwa über das Radio, sondern über die zahlreichen NDC-Anhänger die in NDC-T-Shirts mit NDC-Regenschirmen (dem Logo der Partei) und sogar mit einer Brass Band in fast allen Dörfern auf dem Weg gefeiert haben. Am 28 Dezember waren die Stichwahlen zwischen der Regierungspartei NPP mit ihrem Neuen Präsidentschaftskandidaten Nana Akufo-Addo und der größten Oppositionspartei der NDC mit ihrem Kandidaten Prof. John Evans Atta-Mills. Dieser hat sich am Ende mit 50.23 % im Run-off durchgesetzt. Glücklicherweise verlief die Wahl friedlich und ohne größere Zwischenfälle. Nur eine Wahlurne ist verschwunden und es gab eine handvoll Tote. Die befürchteten Unruhen danach blieben aber aus. Am 7. Januar wurde Atta-Mills in Accra vereidigt. Ich wünsche dem neuen Präsidenten alles Gute während seiner vierjährigen Amtszeit.

 

Congratulations: http://i41.tinypic.com/29ofrsp.jpg

 

Die Moschee von Larabanga

 

Nachdem ich das Wochenende zuhause in Ashaiman verbracht habe, ging es dann Dienstag zusammen mit Johanna weiter nach Mole. Die Fahrt ins Landesinnere nach Tamale dauert mit dem Bus 12 Stunden, dann geht es nochmal 3 Stunden über eine Dustroad nach Larabanga. Wir haben den STC-Bus um 3 Uhr Nachmittgs genommen, der dann um 4:30 Uhr losgefahren ist und um 4:30 Uhr morgens in Tamale ankam. Anschließend ging es mit einem Bus um 5 Uhr morgens weiter nach Larabanga, wo wir uns erstmal die älteste Moschee Ghanas mit einem Guide angeschaut haben. Die Moschee wurde 1421 errichtet und gehört wie die Sklavenburgen zum UNESCO Weltkulturerbe. Sie wird jedes Jahr neu gekalkt und renoviert, da die starken Regenfällen während der Regenzeit den Lehmwänden stark zusetzen. Leider kann man sie, ohne zum Islam zu konvertieren, nur von außen anschauen.

 

Die Moschee: http://i40.tinypic.com/2el7bcn.jpg

Unser Guide und ich: http://i43.tinypic.com/bh0zft.jpg

 

Ein magischer Stein und die Feuer-Taufe

 

Die zweite Sehenswürdigkeit von Larabanga ist ein großer, magischer Stein. Dieser wurde einer Legende nach beiseite geräumt um eine Straße zu errichten, kam dann aber auf magische Weise, über Nacht, wieder an seinen ursprünglichen Ort zurück. Daraufhin wurde die Straße in einem Bogen um den Stein herum gebaut. Dem Stein werden noch heute magische Kräfte zugeschrieben und gerade zum Feuerfestival ist der Stein gut besucht. Man kann eine Münze auf den Stein legen und sich dann etwas wünschen. Mal schauen ob’s funktioniert. Am Abend erwartete uns dann das Feuerfestival. Das Festival ist eine islamische Tradition in Larabanga und in den Orten in der näheren Umgebung. Nach Einbruch der Dunkelheit laufen alle Bewohner des Ortes mit brennenden Fackeln aus getrocknetem Gras ein paar mal vom Ortseingang bis zum Stein und wieder zurück. Viele Kinder peitschen sich auch gegenseitig mit den brennenden Fackeln. Das Zeug schlägt zwar Funken, wenn man einen Wisch durch’s Gesicht abbekommt, ist das aber erstaunlicherweise schmerzfrei, wie ich durch meine „Feuertaufe“ erfahren habe. Nur meinen Fotoapparat habe ich dabei fallen lassen.

 

Mehr Feuer: http://i42.tinypic.com/105pdhx.jpg

 

Mole Nationalpark

 

Larabanga hat neben der Moschee auch noch einen weiteren Vorteil. Larabanga liegt nur eine gute viertel Stunde mit dem Fahrrad vom Mole Nationalpark entfernt. Mole ist der zweitgrößte und einer der bedeutendesten Nationalparks Ghanas und während der Trockenzeit hat man gute Chancen einige Elefanten zu treffen. Blöderweise hat sich die Trockenzeit ein bisschen nach hinten verschoben und wir haben bei der Abendtour und bei der Tour am nächsten Morgen keinen einzigen Elefanten gesehen. Dafür haben wir aber jede Menge Antilopen, Busch-Schweine („Hakuna-Matata“), ein Krokodil und zahlreiche Affen gesehen. Die Landschaft in Mole ist ebenfalls traumhaft schön. Dazu hat man dank der Savanne den Vorteil, dass man die Tiere besser sieht als im Urwald von Kakum. Das Klima ist wesentlich trockener und Abends wird es im Norden richtig kühl. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist das ghanaische Management des Parks. Die besten Affenbilder kann man nämlich bei den brennenden Müllhaufen hinter den Staff-Hütten machen. Dort haben wir dann einige Affen gefunden, die zusammen mit den Buschschweinen im Müll nach etwas Essbarem gesucht haben und wir haben einen Affen beobachtet, der genüsslich eine Glasscherbe abgeschleckt hat. Die wilden Affen im Park waren leider wieder mal zu schnell für ein Foto.

 

Daniel (1.v.l.): http://tinypic.com/view.php?pic=x1kcio&s=5

Guck mal wer da ist: http://i39.tinypic.com/2882po1.jpg

Was will der denn von mir?: http://i39.tinypic.com/durux.jpg

Mole: http://tinypic.com/view.php?pic=1572hp1&s=5

 

Die Welt ist ein Dorf

 

Während man in Accra-Tema-Ashaiman eigentlich nur feste Häuser und Häuser aus Schiffscontainern kennt, trifft man weiter weg von der Haupstadt dann auch noch auf zahlreiche Hütten mit Lehmwänden, Holz- bzw. Bambusstangen und einem Strohdach. Die Bauweise ist überraschend robust und die Strohdächer halten bis zu 5 Jahre. Wird das Haus dann auch noch bemalt kann man kaum einen Unterschied zu einem Ziegelhaus feststellen. Während man im Süden eher auf die viereckige Hausform trifft. Findet man im Norden Tamala-Mole fast nur die Rundhütten.

 

Dorf: http://i39.tinypic.com/rhny3m.jpg

 

Zu Gast bei Maria und Hendrik

 

Nach der Tour am nächsten Morgen haben wir uns dann von einem Privatauto mit zum nächsten Ort, nach Damongo bringen lassen. Der Fahrer hätte mit seinem orangefarbenen Outfit, dem Hut aus Kuhfell und der goldenen Brille, den Ehrenpreis Zuhälter-Outfit-des-Jahres verdient. Hat aber mit einer Goldmine das große Geld gemacht und fährt einen neuen Wagen, hat ein I-Phone, eine Ray-Ban-Sonnenbrille und hat zu unserem Angebot einer Fahrkostenbeteiligung gemeint: „I don’t wan’t your shit-money!“ Auf jeden Fall hat er uns nach Damongo mitgenommen, wo wir zwei weitere deutsche Voluntäre getroffen haben, die wir über einen ehemaligen Voluntär, der ebenfalls gerade in Ashaiman zu Besuch war, kannten. Hendrik und Maria waren wahnsinnig nett. Maria hat uns vom Bahnhof abgeholt und beide haben uns dann von ihren Projekten erzählt. Beide arbeiten in einem Krankenhaus. Hendrik darf 4 Stunden pro Tag das Gewicht der Patienten von der Wage ablesen und auf die Patientenkarte eintragen. Maria arbeitet in der Apotheke und darf Tabletten in kleine Tüten umpacken. Je länger ich in Ghana bin und je mehr Voluntäre ich kennen lerne, desto besser gefällt mir mein Projekt. Jedenfalls haben uns die beiden zur Jahresabschlussfeier des Krankenhauses eingeladen und nach ein paar Stunden Ansprachen und Grußworten gab es dann noch ein Abendessen und eine nette Party. Leider mussten wir am nächsten Morgen schon kurz nach 4 aufstehen, um den Bus oder ein Trotro nach Tamale zu bekommen. Dort haben sich dann Johannas und meine Wege getrennt. Ich bin zurück nach Accra, Johanna ist weiter nach Tamale gefahren. Die verbleibenden Stunden haben wir dann genutzt um Pito zu probieren. Ein ghanaisches Hirsebier, dass es nur fast nur im Norden gibt, und dass privat gebraut und verkauft wird. Ansonsten sind wir noch gemütlich über den Art-Markt gelaufen. Dort habe ich mir dann auch eine große Trommel mit dazugehöriger Trommeltasche gekauft, von der ich keine Ahnung habe, wie ich sie nach Deutschland transportieren soll (Die Trommel, nicht die Tasche).

 

Hendrik(l), Daniel(r), Johanna(l) und Maria(r): http://i42.tinypic.com/11gpth4.jpg

 

Eine Busfahrt die ist lustig... 12 Stunden im STC

 

Um 4 Uhr Nachmittags ging es dann mit dem STC-Bus zurück nach Accra. Die STC-Busse sind zwar minimal teurer als ein Trotro, haben aber den Vorteil dass man die 12 Stunden nicht in einer Sardinenbüchse verbringt, sondern in einem halbwegs bequemen Reisebus. Es gibt halbwegs regelmäßige Abfahrtszeiten (vielleicht mal ne Stunde Verspätung oder so, aber das kennt man ja von der Deutschen Bahn ;-O) und die Busse sind einfach auch um einiges sicherer. Für längere Fahrten auf jeden Fall empfehlenswert. Der einzige Nachteil ist, dass laut ungeschriebenem STC-Gesetz selbst bei Nachtfahrten keine einzige Sekunde Ruhe herrschen darf. Entweder wird das Radio auf vollster Lautstäre eingeschaltet oder es gibt ghanaischen Highlife (der im Gegensatz zur Musik im Radio wenigstens nicht alle 2 Sekunden vom Moderator unterbrochen wird) und bei jeder Fahrt gibt es mindestens einen 4-stündigen nigerianischen Film zu sehen. Alle drei Stunden macht der Bus dann an einem Rastplatz 15 Minuten Pause. Ich habe somit bei der gesamten Fahrt kein Auge zugemacht. Und mich als allererstes am nächsten Morgen bis zum Mittagessen schlafen gelegt.

 

So das war’s mal wieder von meiner Seite aus. Montag ging der Unterricht wieder und damit wird der News-Letter auch wieder etwas weniger „urlaubslastig“. Zu guter Letzt wünsche ich allen Lesern ein gutes und erfolgreiches Jahr 2009. Bleibt gesund und wir lesen uns im Februar wieder.

 

Alles Liebe

 

Daniel

 

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Dezember 2008 –Sex Drugs and Primadol

 

Herzlich willkommen zum letzten Newsletter in diesem Jahr und mal wieder gibt es einige Neuigkeiten. Da in Ghana Musik allgegenwärtig ist, habe ich mir gedacht diesen Newsletter ganz ins Zeichen der Musik zu stellen und habe mir die entsprechenden Überschriften ausgedacht. Das Motto des 6ten Ghana-News-Letters lautet:

 

Sex, Drugs and Primadol

 

Ich fange einfach mal mit Primadol an, ein ghanaisches Paracetamol, dass man bei so ziemlich allen Krankheiten mitbekommt. So auch bei Malaria. Meine mittlerweile vierte Malaria habe ich diesmal mit etwas stärkerem bekämpft. Artisonate und Amodiaquin. Bleiben noch Sex and Drugs:

 

Das letzte Wochenende vor Weihnachten (20-23. Dezember ) habe ich spontan mit ein paar Österreichischen Kollegen in Kokrobitey am Strand verbracht und wir haben dort ein paar interessante Dinge erlebt. Sonntag abend saßen wir gemütlich auf einer Bank am Strand als zuerst ein Rasta, von der örtlichen Rasta Community angesprochen hat, sich spontan zu uns gesetzt hat und etwas zu rauchen angeboten hat. Gras wird in Ghana relativ häufig angebaut und ist auch entsprechend billig. Natürlich verboten und in den etwas angeseheneren Schichten verpönt, aber trotzdem leicht zu bekommen. Ich habe natürlich abgelehnt. Etwa eine halbe Stunde später haben ich dann zwei Damen zu uns gesetzt und uns angeboten: „We can make you happy...“. Auch hier haben wir natürlich dankend abgelehnt, die Damen sind aber noch eine Weile geblieben. Von daher weiß ich auch, dass eine der Damen aus Ghana stammt und die zweite aus Liberia. Die erste hat ihre Eltern verloren und wird von ihren Verwandten nicht unterstützt. Schicksale wie dieses machen einem wieder einmal klar, an wie vielen Stellen in Ghana etwas getan werden müsste: Häusliche Gewalt, Kinderarbeit und Verkehrssicherheit um nur ein paar zu nennen. In Ghana wird dem Alter immer noch ein wahnsinnig hoher Stellenwert beigemessen, was aber auch heißt, dass die Kinder von kleinauf im Haushalt mithelfen müssen, auf der Straße Pure-Water oder auf dem Gemüse verkaufen und deshalb teils nicht die Schule besuchen können. Mit der Zeit stellt man aber auch fest, dass viele Ghanaer mit ihrem Leben aber gar nicht so unzufrieden sind. Hat man z.B. in Deutschland einen schönen Tisch mit einem Kratzer, freut man sich nicht über den schönen Tisch, sondern muss die ganze Zeit an den Kratzer denken. In Ghana ist das einfach ein schöner Tisch.

 

Nach 4 Monaten hat man sich auch voll an die herumspringenden Ziegen und Hennen mit den kleinen Küken die hinterherspringen gewöhnt. Ebenso an die Staubstraßen und man weiß, dass für für viele Afrikaner ein kleines Haus nicht tragischer als ein kleines Auto ist. Schlicht weil sich das meiste Leben auf der Straße mit Nachbarn und Bekannten abspielt. Man kocht draußen, man unterhält sich draußen und ist eigentlich nur zum Schlafen in der Wohnung. Wobei ein gestampfter Boden nicht gerade die Optimallösung ist. Vor allem nicht in der Regenzeit.

 

Gewaltige Unterschiede: http://i44.tinypic.com/30ax5px.jpg

 

Leise rieselt der Sand:

 

Kokrobitey liegt vielleicht gute 2 Stunden von uns mit dem Trotro entfernt und hat einen wunderschönen Strand und gutes Essen zu bieten. Das abolut beste Essen in den letzten Monaten gab es beim dortigen Italiener. Nudeln mit Auberginen und draufgestreutem Parmesan und Knoblaucholivenöl mit eingelegten Kräutern und den meinen ersten Espresso mit Crema seit 4 Monaten. Und das für zusammen 8 Cedi, aktueller Stand 5 Euro. Aber auch die Gemüselasagne in Millys Backyard mit einer ghanaischen Liveband war absolut klasse. Übernachtet haben wir im Black Star in zwei Doppelzimmern und haben 4 Cedi pro Nacht/Person bezahlt (2,50 Euro). Dafür gibt es einen Raum, ein Bett und eine Eimerdusche. :D Am letzten Tag sind wir zu zwei absolut coolen Ghanaern gezogen, die ein rosa-gestrichenes Hotel betreiben und uns ein klasse Angebot gemacht haben. 7,50 Cedi (4.70 Euro) pro Person mit Frühstück und sie kochen mit uns zusammen das Abendessen. Das Hotel heißt Me and Crown-Prince. Oder für uns: The Pink Panther. :D Die Zimmer waren richtig cool, die Dusche hat zwar auch nicht funktioniert, aber dafür konnte man auf der Verande sitzen und das Meer anschauen. Die Jungs waren richtig cool und wir haben uns viel mit Ihnen unterhalten. Sie arbeiten eigentlich in Accra, bauen aber gerade noch das Hotel auf, z.B. gibt es noch keine Küche, aber kein Problem wenn man einen kleinen Kohleofen hat. Die beiden verbringen die meiste Zeit im Hotel und sind die einzigen beiden Ghaner die ich kenne, die rauchen. Ansonsten ist rauchen in Ghana absolut verpönt. Außerdem haben wir alle den Verdacht, dass die beiden an der Hotelbar selbst ihre besten Kunden sind. :D Heute morgen zum Frühstück um 9 Uhr hat uns einer der Brüder einen gewaltigen Joint angeboten und dann selbst geraucht. Wir hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß mit Ihnen. Wir vier haben uns alle geschworen auf jeden Fall wieder vorbei zu schauen.

 

Strand: http://i40.tinypic.com/2ef8hzd.jpg

Auch das ist Ghana: http://i40.tinypic.com/wgu7io.jpg

 

Let’s have a party: Die Don-Boscos-Voluntäre aus Westafrika treffen sich.

 

Dienstag/Mittwoch war ein Treffen aller Voluntäre aus dem englischsprachigem Westafrika. Knapp 20 Voluntäre aus Sunyani/Ghana (Insgesamt 4 Österreicher) eine Polin aus Siera Leone, 3 Österreicherinnen die zuerst in Sambia waren und jetzt nach Sunyani wechseln, 3 lokale Nigerianische Voluntäre, Stanley, Johannes und ich (Evtl. hab ich noch jemanden vergessen). Das Treffen fand bei uns im Provincial House statt und man fühlte sich dank Power-Point-Vorträgen und Evaluationsrunden und der Frage wie war es bisher, was hätte man besser machen können usw. fast an ein deutsches Seminar erinnert. (Fit im Umgang mit Konflikten. :-D) Das freie-Gedankensharing im Drinking Spot und das Kennenlernen der anderen Voluntäre war eine super Sache. Die Vorträge waren im großen ganzen auch hilfreich und interessant. Sehr bewegend war der kurze Ausflug zu den Sisters of Mercy, dem Mutter-Teresa-Orden, die gleich nebenan eine Einrichtung Waisenkinder und Aidskranke haben. Die Aufopferungsbereitschaft und die Hingabe der Schwestern hat mich wirklich bewegt.

 

Voluntärstreffen: http://i41.tinypic.com/e061b8.jpg (spannender Vortrag)

 

Es fährt ein Schiff nach Nirgendwo:

 

Die beiden Österreicherinnen aus Sambia kamen bereits zwei Tage vor dem Treffen am Flughafen an und konnten so zwei Tage bei uns in Ashaiman verbringen. Den ersten Tag haben wir natürlich zu einem Gedankensharing im Drinking-Spot genutzt und uns über unsere Projekte ausgetauscht. Auch hier zeigt sich wieder, dass nicht alle Projekte mit Voluntären reibungslos verlaufen. In dem Fall haben die zwei nach 4 Monaten das Projekt gewechselt und arbeiten jetzt 8 Monate in einem Krankenhaus in Sunyani. Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug in Ashaimans Innenstadt auf den Markt gemacht. Geld wechseln (Dank dem gescheiterten Autopaket der USA ist mein Euro jetzt wieder 1,60 statt 1,50 wert. 15 Cedi mehr im Monat. Hurra.) und am Nachmittag bin ich mit einer der beiden nach Tema zum Hafen gefahren. Dort wurden wir erst mal von einem netten Herrn vom Immigration nach unserer Aufenthaltsgenehmigung gefragt und nachdem ich nett meine Kopie der Aufenthaltsgenehmigung gezeigt habe und erklärt habe dass meine Kollegin gerade erst angekommen ist und der Aufenthalt gerade verlängert wird und was wir machen war er wahnsinnig nett. Er ist mit uns zu dem Büro gefahren, bei dem man eine Besuchserlaubnis bekommt und hat mit uns anschließend einen Hafenrundgang gemacht. Wir durften uns sogar das Achterdeck eines Bootes anschauen (den Rest nicht, weil es gerade beladen wurde). Nur Fotos waren leider verboten. Interessant war es zu erfahren, wie viele Schiffe täglich nach Ghana komemn und was so alles exportiert wird. Das Schiff dass wir besucht haben, wurde gerade mit Stapelweise Bananen beladen und kommt nach Holland. Auf dem Hinweg bringt es meistens alte Autos und elektronische Geräte.

 

Hafen: http://i41.tinypic.com/20gidee.jpg

 

The final Countdown

 

Die letzten Wochen vor den Ferien standen die End-of-Term-Exams an.

 

In Ghana gibt es drei Terms:

1. Sommer-Weihnachten

2. Weihnachten-Ostern

3. Ostern-Sommer

In jedem dieser Terms gibt es ein Mid-Term-Exam und ein End-of-Term-Exam.

Die Mid-Term-Exams zählen zu 20 % und die End-of-Term-Exams 80 %. Der Einfachheit halber kann man sich somit im Mid-Term 20 Punkte holen und im End-of-Term 80. Maxmial also 100 Punkte. Hat jemand 15 im Midterm und 70 im End-of-Term hat er also 85 von 100, wäre also relativ gut. In meinem Fall hat mir dass mit den 20-80-Punkten niemand gesagt, aber dafür gibt es dann zum Glück Excel. Auch nicht gesagt hatte man mir, dass in den Wochen der Unterricht nicht normal weiter-läuft, sondern ein neuer Stundenplan aufgestellt wird. Natürlich erst Montag morgen. Und dass man die Exams nicht selbst schreibt, sondern einen Lehrer als Aufsicht hat. Ebenfalls weniger vorteilhaft war, dass kein einziges meiner Examen eingetragen war. Die Aussage der Sekretärin: Dann schreibst du die alle Dienstag nachmittag war auch nicht die beste. Da war ich nämlich beim Voluntärstreffen. Somit gab es dann einige Verschiebungen für die Schüler und zwei Klassen durften völlig unvorbereitet ein End-Of-Term-Exam am Montag schreiben. Die andern vier waren wenigstens angesagt, fielen aber auch nicht besser aus. Zumindest großteils. Viele kommen leider insgesamt unter 50 Punkte (in Dtl. wären 50 Punkte grad noch ne 4) und einer hat es sogar geschafft von 100 Möglichen insgesamt 7,5 Punkte zu bekommen. (Das schafft man normalerweise nicht mal wenn man das Exam mit 2 Promille schreibt und seinen Kopf davor ein paar mal gegen die Wand schlägt). Besonders interessant ist dass einige Fragen 1 zu 1 aus dem Mid-Term übernommen wurden und mindestens 3 mal wiederholt wurden. Dafür gab es aber auch zwei mit 84,5 bzw. 87,5 von 100 und ein Schüler hat sagenhafte 97 Punkte erreicht.

 

Der Term-inator: http://i43.tinypic.com/33m4api.jpg

 

You know my name (James Bond kommt nach Accra)

 

Eine Woche nach der offiziellen Deutschlandpremiere haben wir uns auf die Suche nach dem neuen Bond Film Quantum of Solace gemacht. Blöderweise gibt es in ganz Ghana keine Kinos mehr, weil der Ghanaer ja auch 48 in 1 Filme zu allem möglichen Zeug für 5 Cedi bekommt und Samstag-Sonntag lieber in die Kirche statt ins Kino geht. Deshalb sind die alten Kinos jetzt auch in Kirchen umgewandelt worden. Aber antscheinend hat es doch seine Vorteile, wenn man einen guten Draht zu dem da oben hat ;-). Jedenfalls habe ich beim Mittagessen zufällig die Zeitung aufgeschlagen und festgestellt, dass am nächsten Tag in Accra ein riesiges Kino eröffnet und zur Premiere der neue Bond gezeigt wird. Somit haben sich die FCP-Voluntäre, Johannes und ich kurz auf den Weg nach Accra gemacht und konnten im Kinosessel bei Popcorn und Cola den neuen Bond anschauen. Natürlich auch zu europäischen Preisen. Letzte Woche habe ich ihn aber auch schon auf dem 48-in-1-Markt gesehen.

 

James Bond kommt nach Accra: http://www.dthe.net/bilder_files/image027.jpg

Noch ein Bond-Fan: http://www.dthe.net/bilder_files/image026.jpg

 

Alles nur geklaut

 

Während es völlig normal ist bei Weißen zu hohe Preise zu verlangen (was aber nur funktioniert, wenn man die Preise nicht kennt) ist Diebstahl in Ghana fast so schlimm wie Mord. Da das Vertrauen in die Polizei eher gering ist und diese im Ruf steht die Diebe gegen Geld laufen zu lassen, gibt es eine rege Selbstjustiz. Ich saß an einem freien Tag gemütlich auf meinem Minibalkon und habe in der Sonne ein Buch gelesen, als einige Schüler auf die Mauer geklettert sind und sich etwas angeschaut haben. Ich habe mich also kurzerhand dazu gesellt und gefragt was da gerade los ist. „Ja die verfolgen einen Dieb“ anschließend hat mir ein Schüler erklärt dass der Typ mit dem großen Stein in der Hand, der dem Dieb hinterher rennt, diesen damit steinigen will. Ich hoffe nur, dass der Kerl einen großen Vorsprung hatte. Weniger Glück hatte ein Dieb in der Nähe von Johannes Schule. Dort sind die Schüler aus dem Schulgebäude gestürmt um zu beobachten wie ein Dieb mit großen Eisenstangen verprügelt wird. (Das ist das übliche Verfahren) Er hat es nicht überlebt. Ebenso kann es vorkommen, dass ein Fahrer der ein Kind unabsichtlich überfährt von der Menge gelyncht wird. Wozu ein funktionierendes Polizeisystem doch so alles gut ist.

 

Unfälle passieren oft: http://www.dthe.net/bilder_files/image018.jpg

 

Hier kommt die Maus

 

Nachdem ich vor kurzem eine eher unschöne Erfahrung mit einem Ameisenhügel mitten in meinem Zimmer gemacht habe und mithilfe eines hochgiftigen Insektensprays in den Kampf bezogen habe, gab es gleich den zweiten Mitbewohner. Wir haben eine Maus in der Küche. Abends ist sie mir schon ein paar mal begegnet. Schafft es aber immer wieder sich so zu verstecken, dass man sie nicht mehr finden kann. Weniger lustig ist, dass sie jetzt einen unserer Schubladenböden gefressen hat und auch schon mal eine, über die Nacht auf dem Tisch vergessene Scheibe Brot hergefallen ist. Ich frage micht ob man in Ghana eine Lebenfalle bekommt. Süß ist sie nämlich schon die Maus.

(Die Maus war leider zu schnell für ein Foto)

 

The winner takes it all

 

Vor ein paar Tagen waren in Ghana auch Wahlen und nachdem über mehrere Tage hinweg statt Prozentrechnungen die einzelnen Ergebnisse aus jedem Wahllokal veröffentlicht wurden: NPP 234.324 NDC 233.358 usw. stand fest. Gewonnen hat: Niemand. In Ghana wird der Präsident nämlich direkt gewählt. Die Präsidentschaft dauert 4 Jahre. Eine Wiederwahl ist möglich. In dem Fall hat der jetzige seine 8 Jahre hinter sich, es kommt in jedem Fall ein Neuer. Man hat die Wahl zwischen den beiden Großen NPP Nana Akufo Addo (Regierungspartei) und NDC Prof. Atta Mills und ein paar kleineren Parteien. Die kleineren kamen alle bis auf eine auf 0 Komma irgendwas Prozent. Die CPP kam auf 1 Komma irgendwas. Nachdem aber auch NDC und NPP nur nicht auf über 50 Prozent kamen, kommt es jetzt am 28.12 zu Stichwahlen. Bisher blieb alles ziemlich friedlich. Ich hoffe dass es auch nach dem 28igsten Dezember so bleibt.

 

Wahlplakat: http://i40.tinypic.com/24o683s.jpg

 

Santa Claus is Comming to Town

Gestern gibt es ein leckeres Essen mit Johannes und Stanley. Wir haben Kässpätzle gekocht. Heute gibt es die Weihnachtsfeier in der Gemeinschaft und am 25.12 sind wir im Provincial House eingeladen. Danach geht es für mich an der Küste entlang, wieder an den Strand, Nationalpark und Sklavenburgen anschauen usw. In Cape Tree Point treffe ich auch die Österreicher wieder. Wenn alles friedlich bleibt nutze ich die restlichen Ferien für einen Ausflug ins Landesinnere um mir die Elefanten in Mole anzuschauen.

 

Santa: http://i43.tinypic.com/9s5a3n.jpg

Damit ihr wisst wo ich ueberall bin und hingehe. Hier eine kleine Karte: http://i44.tinypic.com/a9ptug.gif

 

Money, money, money

 

Nachdem ich im ja bereits in den vergangenen Newslettern öfters über den Cedi geschrieben habe, bekommt er jetzt auch einen eigenen Beitrag. Der Ghana-Cedi existiert seit 2007 und hat den alten Cedi ersetzt. Einfacher ausgedrückt man hat einfach 4 Nullen gestrichen und neue Geldscheine und Münzen gedruckt. Früher war die höchste Note 20.000 Cedi. Heute sind das genau 2 neue Cedi. Ein großes Bier kostet gegenüber 1,50 Cedi. Mittlerweile gibt es 5, 10, 20 und 50 Pesewas Münzen und eine 1 Cedi Münze, sowie 1, 5, 10, 20 und 50 Cedi Scheine. Mit einem 50er in Ghana zu bezahlen ist allerdings so gut wie unmöglich. Schon ein Zwanziger macht bei Beträgen unter 10 Cedi Probleme. Die Kunst besteht in Ghana nicht, wie in Deutschland das Kleingeld loszuwerden, sondern welches zu bekommen. Nach ein paar mal üben habe ich den Bogen mittlerweile heraus und bin ein richtiger Experte im Kleinmachen geworden. Wenn man im Trotro 20 Pesewas bezahlen muss, kann man gerade noch mit einer 1 Cedi Note bezahlen und bekommt damit 80 Pesewas in Münzen zurück. Beim Einkaufen in großen Supermärkten kann man dann auch mal 20 Cedi klein machen, im schlimmsten Fall sogar mal einen Fünfziger. Im kleinen Laden kann man dann auch mal 2,40 Cedi mit einem 5er bezahlen oder 6,20 Cedi mit einem Zehner. Das lustige ist, dass so gut wie niemand in der (leichteren) neuen Währung rechnet, sondern die moisten immer noch 5.000 (50 Pesewas) für eine Packung Plantain (Kochbananen-chips) verlangen oder man 15.000 für ein Bier bezahlt. Ich bin mit der alten Währung mittlerweile genaus familiär wie mit der neuen. Wenn man also merkt, dass das Gegenüber einen völlig falschen neuen Betrag in der neuen Währung sagt, rate ich dann den gemeinten Betrag in der Alten. Teilweise kommen die Verkäufer aber mit beiden Währungen nicht richtig klar, dass man mal eine Null in der alten Währung zu viel oder zu wenig hat. Richtig genial wird es dann, wenn beide Währungen vermischt werden. 10 Cedi and 19.000. Heißt die 10 Cedi der neuen Währung + 19.000 macht 1 Cedi und 90 Pesewas also 11 Cedi 90. Deswegen verwenden die meisten Ghanaer mit Shops selbst bei 2 Artikeln für z.B. 2,30 und 1,80 einen Taschenrechner.

 

Money: http://i39.tinypic.com/xcebp.jpg

 

Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band

 

Die beiden Wachhunde Beta und Rambo haben, nachdem ihr Kollege Gritschu eingeschläfert werden musste (weil er zu agressiv wurde), Verstärkung bekommen. Der kleine süße Kerl heißt Pepper und lebt im Provincial House, wo er mit uns gelegentlich fangen spielt oder sich auch mal entspannt am Bauch kraulen lässt. Natürlich hat sich Pepper auch nicht die Gelegenheit entgehen lassen bei unserem Voluntärstreffen vorbei zu schauen. Mit den andern beiden, den großen Schäferhunden, verstehe ich mich leider weniger gut.

 

Hey: Hier kommt Pepper: http://i40.tinypic.com/slpn54.jpg

 

Die Top 5 der Foltercharts

 

Dem Beispiel einer Menschenrechtsorgansiation folgend habe ich auch die Top 5 der Foltercharts zusammengestellt. Morgens 5:40 es ist Samstag. Der einzige Tag der Woche andem man ausschlafen könnte. Man liegt friedlich in seinem Bett bis mit einem gewaltigen Knall die Soundanlage des Hostels loslegt und die Schüler und mich aus dem Schlaf reißt. Und statt 1 Lied zum Aufstehen zu spielen hört die Anlage nicht mehr auf und spielt teilweise über 2 ½ Stunden. Und natürlich werden auch jeden Schultag die Schüler gut eine Stunde vor mir geweckt. Und wenn man viel Glück hat wird Sonntags die Anlage auch noch durchgehend angeworfen. An ein Buch lesen oder Ausschlafen ist da nicht zu denken. Bevor ich im Januar dann in den Wasserturm ziehe jetzt noch schnell die Top5 der am meist gespielten Lieder die mich vom Schlafen abhalten:

 

1. My heart will go on –Celine Dion

2. Mary must be honored –Gospel

3. Mary is the woman I love so much –Gospel

4. You are the most high God…-Gospel

5. Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii will always love you –Whitney Houston

 

Zum Abschluss bleibt mir nur zu sagen:
We wish you a merry Christmas and a happy New-Year

Viel Glück, Erfolg und Gesundheit im Neuen Jahr. Feiert schön und erholt euch gut und ich denke an euch.

 

Gruppenfoto: http://i43.tinypic.com/2vazatg.jpg

 

Alles Liebe aus Ghana

 

 

Daniel (Ganz Ghanaisch) http://i39.tinypic.com/15efkpd.jpg

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November 2008 -E(lection)-Day

Hallo Deutschland, nachdem Ypsilanti in Hessen doch nicht gewählt, Obama tatsächlich gewählt wurde und auch hier am 7 Dezember gewählt wird gibt es auch hier in Ghana ein paar Neuigkeiten die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Ghana News Nr. 5.

 

Malaria zum Dritten (statt Elefanten)

 

Wenn ich hier in Afrika ein deutsches Sprichwort lieben gelernt habe, dann ist es definitiv: „Mache einen Plan, mache einen neuen Plan“ (Brecht). So auch bei meiner Planung in den kurzen „Mid-Term-Holidays“ ins Landesinnere zu fahren. Eigentlich sollten die Mid-Term-Holidays ja vom fünften bis zum zehnten November dauern. Nachdem sich allerdings wichtiger Besuch für den sechsten angekündigt hatte, wurden diese Planungen dann wieder verworfen und die Ferien auf Freitag den siebten verlegt und die Schule ging, wie ich dann Mittwoch erfahren habe schon am Dienstag, nicht erst Mittwoch weiter. Somit hätte ich nur noch Freitag bis Montag gehabt, für meine Reise ins Landesinnere nach Mole, einem Nationalpark mit Elefanten, Antilopen, angeblich auch Löwen und einigen anderen Tieren. Mit dem Reisebus nach Tamale (vgl. Karte) und von dort mit dem Trotro weiter nach Mole. Die Fahrt nach Tamale ist ein ein Tages Trip und man darf dort übernachten. Am nächsten Tag geht es weiter nach Mole. Dann hat man einen Tag in Mole und kann morgens um 3 mit den Öffentlichen wieder zurück. Dann käme man am selben Abend oder in der selben Nacht wieder in Accra an. 4 Tage sind auf jeden Fall knapp. Jedenfalls habe ich mich dann am Mittwoch wegen Husten und anderen Erkältungssyntomen dann mal wieder in die Dar-Bem-Clinik begeben, und wie sollte es anders sein: Malaria zum dritten. Donnerstag gab mir Father Blamoh dann die Empfehlung nicht nach Mole zu fahren und ich habe meinen Rucksack wieder ausgepackt und einen großteil meiner 4 freien Tage im Bett verbracht.

 

Neue Medikamente: http://i38.tinypic.com/r27xgj.jpg

 

In Afrika angekommen...

 

Wenn ich euch diesen Newsletter zuschicke, bin ich bereits 3 Monate hier in Ghana, und ¼ meines Jahres sind bereits vorbei. Zeit für einen kurzen Rückblick: Welche Eindrücke habe ich von diesem Land, wie fühlt man sich so z.B. als einziger Weißer mitten auf einem Markt umgeben von hunderten Schwarzen. Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht so leicht. Man läuft bei einer kleinen Lücke im Verkehr über die Straße, man sitzt im Trotro, weiss wie man Guttern, der offenen Kanalisation, ausweicht und wie man sich durch die Stadt bewegen kann ohne ständig auf den Boden zu achten und fühlt sich eigentlich ganz normal. Dann fährt ein Trotro mit einem Weißen vorbei und genau wie alle Schwarzen schaut man erst mal verwundert rüber, bis einem dann nach einem kurzen Moment bewusst wird, dass man selbst als Weißer in einem Trotro sitzt. Und auch wenn man über den Markt läuft, vergeht eigentlich keine Minute in der man nicht daran erinnert wird, dass man ein Weißer ist: „Obroni, Etisey“ (Weißer, wie geht’s) wird einem von freundlichen Marktfrauen zugerufen, und sie freuen sich tatsächlich wie Bolle, wenn man mit „Eje“ (gut) antwortet. Kleine Kinder freuen sich noch mehr, wenn man auf ein „Obroni, obroni“ mit „Etisey“ antwortet. Ein bisschen kommt man sich vor, wie ein Star auf der Tour durch die Fußgängerzone. Blöderweise eher wie ein Star z.B. von Tokio Hotel. Natürlich ist man nicht bei allen Menschen beliebt, aber rassistisch sind eigentlich die wenigsten. Das Problem sind eher die Vorurteile: Alle Weißen sind unendlich reich und haben keine Ahnung von den Preisen und Deutschland ist das Paradis. Woher diese Vorurteile kommen sieht man dann bei einem kurzen Blick in die Broschüren in der deutschen Botschaft, oder auch wenn einem klar wird, dass fast alle Weißen hier entweder Voluntäre oder Urlauber sind, die 2-3 Wochen lang das Geld mit vollen Händen ausgeben. Und verhältnismäßig haben wir natürlich tatsächlich viel Geld. Die wenigsten Lehrer bekommen mehr als meine 150 Euro Kindergeld (wobei man der Fairnesshalber dazu sagen sollte, dass auch die wenigsten Lehrer die Uni besucht haben). Insofern kann man dem Klischee des reichen Weißen nicht ganz wiedersprechen. Und auch die wenigsten Ghanaer haben in ihrem Leben so viel vom eigenen Land gesehen wie ich nach einem Jahr über Ghana gesehen haben werde. Und auch ist es schwer einen Eindruck vom gesamten Leben und der gesamten Kultur in Ghana zu bekommen. Hier in Ashaiman sieht man nur einen kleinen Ausschnitt und das Leben ist sicher in Tema und Accra ein ganz anderes als irgendwo im Norden in kleinen Dörfern.

 

“Barack, Barack, Barack Obama” Und: Wahl in Ghana

 

Die Wahl in Amerika geht natürlich auch hier nicht spurlos vorbei. 40 Jahre nach Aufhebung der Rassentrennung ist es jetzt soweit und der mächtigste Mann der Welt ist ein Schwarzer. Der Zufall will es, dass Barack Obama der, genau wie ich, eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater hat 100 % Schwarzer ist und ich hier als 100 % Weißer angesehen werde. Diesen Augenblick hier in Afrika mitzuerleben hat schon etwas ganz besonderes, auch wenn ich das Wahlergebnis erst am nächsten Morgen aus den BBC-News im Radio mitbekommen habe. Zumindest unsere Schule hier, besonders unser Rektor Father Blamoh waren schon Wochen vorher im Obama Fieber. Ich weiss nicht genau wie viele Obama-T-Shirts Father Blamoh von seinem US-Trip mitgebracht hat. Auf jeden Fall hat er Übergepäck bezahlt. Natürlich liegt eine ganz besondere Hoffnung auf diesem Mann, der 1 Jahr in Kenia verbracht hat und sich seiner afrikanischen Wurzeln durchaus bewusst ist, auch wenn die ersten durchaus realistisch sehen: „Dass sich hier alle freuen weil Obama ein Schwarzer ist, aber er wird zuerst seinem eigenen Land Amerika helfen müssen, bevor er sich Gedanken über die Hilfe für Afrika macht.“ Ein gewaltiges Problem hier ist die Inflation. Der Cedi ist an den Dollar gekoppelt und der verliert gerade gewaltig an Wert, heißt das hier bei uns die Preise steigen. Blöderweise sinkt gerade auch noch der Eurokurs im Vergleich zum Dollar und ich bekomme statt 1.65 pro Euro nur noch 1.48 und das bei steigenden Preisen. Das einzige was gerade billiger wird ist Benzin. Doof nur dass ich hier kein Auto habe...  Im Dezember ist übrigens auch hier in Ghana Wahl. Der Kandidat der Regierungspartei der NPP Nana Akufo Addo ist hier auf Plakaten und auch bei Wahlkampfauftritten dauerpräsent doch auch die Opposition schläft nicht. Die größte Sorge ist daß nach den Wahlen Unruhen ausbrechen. Wenn dann aber wohl eher im Landesinneren. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

 

Plakate sind auch sonst sehr beliebt: http://i36.tinypic.com/ilkc42.jpg

 

Mid Term Exams

 

Im ghanaischen Schulsystem gibt es drei Terms der erste startet im September und geht bis Weihnachten, der zweite verläuft zwischen Weihnachten und Ostern und der dritte  von Ostern bis zu den Sommerferien. In der Mitte jedes Terms gibt es dann ein paar Tage Ferien und die Woche davor die Mid-Term-Exams. Der erste Test für meine 6 Klassen. Natürlich habe ich mir für diesen Test besonders Mühe gegeben und für jede Klasse ein oder zwei Seiten mit unterschiedlichen Testaufgaben gestellt. Z.B. beschrifte die Leisten (Menubar, Formatting Toolbar und Standard Toolbar) oder True or False: „Software is anything you can touch“ und verbinde mit Linien Floppy Disk à A usw. trotz zwei Stunden Wiederholung vor dem Test, den Arbeitsblättern und meinem Angebot die Unterlagen der Schüler durchzuschauen, haben es in 5 von 6 Klassen ungefähr die Hälfte der Schuler geschafft eine 5 oder 6 zu bekommen. Und dass obwohl ich sehr großzügig korrigiert habe und bei vielen Klassen den Notenspiegel um ein paar Punkte herabgesetzt habe... Aber wenn jemand bei über 30 Punkten inklusive Multiple Choice gerade mal 4 Punkte bekommt. Das schafft man eigentlich nur, wenn man beim Unterricht und bei der Wiederholung durchgehend schläft und sich die Unterlagen überhaupt nicht anschaut. Was will man da machen? Hoffnung macht mir, dass Auto 2, die bereits eine Ex bei mir geschrieben haben (die weniger berauschend ausgefallen ist) nur zwei Fünfer und eine Sechs bekommen haben. Das gibt mir Hoffnung, dass sie bei den End-Term-Exams in 4 Wochen doch deutlich besser abschneiden werden. Mut macht mir auch, dass in fast jeder Klasse auch ein paar Einser, Zweier und einige Dreier vertreten waren. –Der beste aus jeder Klasse geht mit mir nächste Woche zum Abendessen in eine Chop Bar in der Nähe. Dafür habe ich in 4 von 6 Klassen einen oder zwei Schüler beim Spicken erwischt. Eins muss man ihnen lassen: Kreativ sind sie. Einer hatte das die wichtigste Kopie unter seinem Fragenblatt versteckt und hat mir dann vergeblich versucht zu erklären, dass diese jemand anders heruntergefallen sei und er sie zufällig gefunden hätte und unter seinem Fragenblatt aufbewahrt hätte. In einer anderen Klasse haben 2 Schüler das Fragenblatt ausgetauscht mit einer Frage auf der Rückseite des Blattes. In der dritten Klasse haben zwei ganz gewöhnlich auf das Blatt des Hintermannes geschaut. In der vierten Klasse hat jemand die Vewirrung genutzt, als es um 12 Uhr zum Gebet geläutet hat und die halbe Klasse aufgestanden ist um schnell zu einem Freund zu rennen und von dessen Blatt abzuschreiben. Wie angekündigt bekamen diese Schuler 0 Punkte eine 6 und der erste durfte bereits nach der Schule die Voluntärsküche putzen. Ein Glück dass wir für die andern noch einen Voratsraum haben und die Küche schon wieder schmutzig genug ist um wieder geputzt zu werden... Aber bei einem neuen Lehrer probiert man’s halt mal. Ansonsten hatte ich auch beim korrigeren viel Spaß. Gewertet habe ich z.B. auch mal statt „Task-Pane“ (Aufgabenleiste) das „Task-Plane“ (Aufgabenflugzeug) oder die „Taskpain“ (Aufgabenschmerzen). Mein absoluter Liebling war aber statt „System Tray Area“ die „Sister Tray Area“. Punkte gab’s trotzdem.

 

Mid-Term Exam: http://i37.tinypic.com/sc8eq8.jpg

 

Wo wohnt eigentlich...

 

 

Kurz bevor Johannes im Januar nach Deutschland zurück geht und ich in den Wasserturm ziehe gibt es für euch auch mal ein paar Fotos von meinem Zimmer, ein Bild von unserer Voluntärsküche, den anderen Gebäuden und sogar einen von mir gemalten Plan wo was auf unserem Gebäude eigentlich ist.

Plan: http://i36.tinypic.com/2v9y939.gif

 

Hier Wohne ich (Dominic Savio): http://i38.tinypic.com/vesnkj.jpg

Mein Zimmer:

Schreibtischà http://i34.tinypic.com/118ef7s.jpg

Hier geht’s zum Bad à http://i35.tinypic.com/ejarrd.jpg

Bad à http://i37.tinypic.com/2wdu80x.jpg

Bett und Nachttisch (Man beachte die Rhynolampe)à http://i34.tinypic.com/2jbtjzb.jpg

 

Schule: http://i37.tinypic.com/if0ig3.jpg

Automobile Workshop:  http://i33.tinypic.com/23wny0z.jpg

Multipurpose Hall: http://i35.tinypic.com/zvc6mf.jpg

Water-Tower: http://i37.tinypic.com/35lriw2.jpg

Provincial House: http://i33.tinypic.com/16lmd7n.jpg

Community House: http://i35.tinypic.com/fnqyb7.jpg

Ich beim Früstück (Ausnahmsweise in Freizeitkleidung): http://i34.tinypic.com/2r5es68.jpg

 

 

 

Das bisschen Haushalt...

 

Ist doch kein Problem. Oder doch? Jedenfalls habe ich den Eindruck dass ich mich nach und nach zum perfekten Hausmann entwickle. Zumindest gehören mittlerweile abspülen (bevor die Ameisen die Herrschaft über die Küche an sich reißen) Zimmer Putzen, Wäsche sortieren und Waschen und Bügeln zum Alltag. Wahnsinn wie viel Wäsche man in einer Woche verbraucht und dass man dann auch noch Weiße, Schwarze und Bunte und Wäsche die man mit 30 und 60 Grad waschen kann und so weiter hat... Auf jeden Fall ist es mir bisher immer noch rechtzeitig gelungen dass ein weißes Hemd für den nächsten Tag im Schrank hing oder saubere Unterwäsche für den nächsten Tag im Schrank liegt oder zumindest über Nacht an der Leine im Zimmer trocknet, wenn man sie kurz vor dem Abendessen in die Maschine wirft.

 

48 in 1

 

Ebenfalls erwähnenswert ist der ghanaische Film und das ghanaische Radioprogramm. Wer wie ich dachte, das deutsche Nachmittagsprogramm und das die Redebeiträge im deutschen Radio wären das anspruchsloseste dass diese Medien zu bieten haben, wird in Ghana eines besseren belehrt. Die meisten Filme und Musik werden in Nigeria aufgenommen und zumindest die Filme kann man von der Leistung der Schauspieler mit Richter Alexander Hold vergleichen, die Handlung erstreckt sich meist über 3-5 Stunden und mindestens 2-3 Fortsetzungen und handelt das ab, was in etwa in 7 Jahren gute Zeiten schlechte Zeiten passiert. Inklusive 5 Minuten Schreikrampf der Hauptdarstellerin, ein bisschen Zauberei, die Frau oder Tochter wird im Verlauf eines Filmes in der Regel 4-5 mal aus dem Haus geworfen und auch ansonsten streiten sich die Darsteller und schreien sich alle 30 Minuten mal an und versöhnen sich wieder. Die Fortsetzungen machen das Ganze auch nicht unbedingt besser und erzählen in etwa das gleiche. Aber zumindest bekommt man meist 16-32 oder 48 Filme auf einer DVD. Der große Vorteil ist: Hollywoodfilme sind auch dabei. Immer schön thematisch sortiert. Nachdem ich mit der The-Rock/Pierce Brosnan Collection reingefallen bin und von den 48 Filmen nur einer funktioniert hat und auf der andern DVD 48 Szenen „Women-Erotic-Wrestling“ bzw. Schlammringen enthalten waren, bin ich mit meinen 16 Abenteuer- und 16 Mafia-Filmen die ich zum Ersatz für die 2 DVDs (a 4 Cedi 50) bekommen habe ganz gut gefahren. Mit Oceans 11 und 12 bin ich fertig, Indiana Jones war auch mal wieder lustig und sogar die Qualität ist ganz OK und nach dem ich mir den letzten Bond mal wieder angeschaut habe freue ich mich auch schon auf Quantum of Solace. Blöd nur dass es in Ghana keine Kinos mehr gibt. So muss ich ihn mir wohl aus Deutschland schicken lassen. Die Musik im Radio ist entweder ebenfalls aus Nigeria oder Amerikanischer HipHop, aber selbst der ist noch besser als die Monologe der Moderatoren oder deren Gespräche mit Anrufern zu Themen wie: Was sagen sie zur dritten Staffel von Big Brother Afrika...

 

This is Africa

 

Das wichtigste für eine Veranstaltung sind eigentlich die Lautsprecher und egal wie viele Leute kommen, man nimmt immer die größten Lautsprecher die man bekommen kann und dreht sie voll auf. I.d.R. reichen die dann auch um die AC/DC-Black-Ice-Tour zu beschallen, was den Ghanaer aber nicht daran hindert sich direkt vor die Lautsprecher zu setzen.

 

Lautsprecher: http://i38.tinypic.com/24l67gp.jpg

 

Auch wenn ich auf den 7 Mal Malaria Rekord nicht besonder scharf bin (aber mit 3 Mal ganz gut in der Zeit bin), einen anderen Rekord habe ich schon sicher. Ich bin der erste Voluntär, der mit der Schrotflinte des Nachtwächters schießen durfte. Mit unserem „Watch-Man“ der in Wechselschicht als Nachtwächter oder Tagsüber vorbei schaut verstehe ich mich besonders gut und habe z.B. auch gelegentlich mal mit einem kühlen Guinness bei ihm vorbei geschaut und mich mit ihm unterhalten. Gestern Nacht, als ich um kurz nach 10 mit den andern vom Drinking Spot zurück kam, habe ich ihn dann gefragt, ob ich mit seinem Gewehr schießen dürfte und er hat gemeint dass es noch ein bisschen zu früh sei und ob ich damit schießen kann. „Klar, ist kurz vor halb 11 OK“ und so kam es, dass ich, kurz bevor die Hunde rausgelassen wurden, mit der Schrottflinte einen Warnschuss in die Luft abgeben durfte. (Den Lautsprecher von der Trotrostation gegenüber habe ich leider nicht erwischt.)

 

Andenken: http://i37.tinypic.com/htrxbm.jpg

 

Soviel hier aus Ghana, ich wuensche euch alles Gute, liebe Gruesse nach Deutschland und wir hoeren uns im zum Weihnachtsupdate wieder.

Alles Liebe

Daniel

 

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Oktober 2008 –NEPA (Never Expect Power All the time)

Hallo Deutschland. So lang wie der alte, aber vollgepackt mit neuen Infos und Umlauten erwartet euch hier der jetzt schon 4te Newsletter aus Ghana.

 

3.400 Miles away, it’s raining in Africa what more could I say?

(Leicht abgewandelt: Counting Crows: Raining in Baltimore)

 

Bevor ich nach Ghana kam war es für mich unverständlich wie es möglich ist, dass bei Regen jemand einfach nicht kommt. Bisher war das glücklicherweise kein Problem, da ich a) immer noch keine Klassenliste bekommen habe, es also nicht auffällt, wenn neue Schüler dazu kommen und ein paar alte Schüler nicht kommen und b) die meisten Schüler direkt neben der Schule im Hostel wohnen. Auf jeden Fall habe ich jetzt zumindest Verständnis für dieses Verhalten. Wer einmal durch den Knöcheltiefen Schlamm der aufgeweichten Dustroads gelaufen ist und die sintflutartigen Regenfälle erlebt hat, der denkt sich auch: Eigentlich ist mein Bett doch auch ganz gemütlich. Wäre ich nicht Lehrer und hätte eine Klasse die auf mich wartet und würde ich nicht direkt gebenüber im Hostel wohnen, ich wüsste ehrlich gesagt nicht, ob ich tatsächlich aufstehen würde. ;-) Die starken Regenfälle vor der Türe sind ehrlich gesagt auch der Hauptgrund, warum ich mich heute dazu entschlossen habe den neuen Newsletter zu schreiben. :-D Abgesehen davon, dass natürlich mal wieder eine Menge passiert ist...

 

Dustroad: http://i33.tinypic.com/2py86mb.jpg

 

Meine Malaria und ich

 

Im letzten Newsletter habe ich auch von meiner Malaria erzählt. Ganz planmäßig habe ich meinen Unterricht gehalten, bin zum Evening Prayer gegangen und habe Abendgegessen und bis Sonntag ansonsten wenig gemacht. Montag ging dann alles wieder seinen gewohnten Gang. Im Laufe der letzten Woche hatte ich schon seit Montag keine Lust aufzustehen (obwohl es keine Anzeichen von Regen gab) und die Kopfschmerzen waren wieder da. Mittwoch habe ich dann den Entschluss gefasst an meinem unterrichtsfreien Freitag zum Arzt zu gehen. Lediglich ein kleiner zweistündiger Gottesdienst statt 15 Minuten Assembly, zum Geburtstag unseres Rektors haben meinen Zeitplan etwas durcheinander gebracht, und ein, zumindest für mich völlig überraschendes Staffmeeting um 2 Uhr, den Rest des Tages bestimmt. Nachdem ich mich dann um 10 mit dem Trotro in Richtung Dar-Bem-Clinik gemacht habe, habe ich die nächsten Stunden bis kurz vor 3 mit einem John Grisham und einer Packung leckerer Koch-banenchips in der Klink verbracht und war stolz auf mich, aus meinem letzten Besuch dort gelernt zu haben. (Da hatte ich weder Plantainchips, noch ein Buch dabei und hatte davor auch nicht ne Menge getrunken. Diesmal gabs auf dem Hinweg 2 Packungen Wasser) Gegen halb 3 wusste ich dann: Schön meine alte Bekannte die Malaria ist zurück. Nur ob es eine Neue ist oder die Alte konnte mir keiner sagen. Auf jeden Fall gab’s mal wieder eine kleine Auswahl aus der Apotheke zum mitnehmen und Essen. Und einen neuen Termin am Montag. Etwas zu spät war ich dann beim Staff-Meeting und konnte mir in der knappen Stunde bis zur Geburtstagsfeier noch schnell die Daten für die Anfahrt zum Voluntärstreffen ausdrucken. Mein Rektor hat übrigens etwas verwundert darauf reagiert, dass ich ihm erst zufällig am Freitag vom Voluntärstreffen an Samstag-Sonntag erzählt habe. Sowas sollte ich ihm doch lange im Voraus sagen. (Ich hatte es zwar am Samstag oder Sonntag davor beim Abendessen vor allen Fathers erwähnt, aber da war er mal gerade wieder bei irgendeinem anderen Meeting) In dem Zusammenhang sollte ich vielleicht erwähnen, dass die FCP-Voluntäre* (*Siehe FCP und DVD) am Donnerstag darüber unterrichtet wurden, dass erwartet wird, dass sie Freitag Abend zur Geburtstagsfeier kommen und ich völlig ahnungslos in den Gottesdienst am Freitag gestolpert bin und ansonsten über Staffmeetings i.d.R. so informiert werde: „In 5 Minuten ist Staff-Meeting in dem Raum, komm mit.“ (Was mich schon zwei mal das Mittagessen gekostet hat) Gestern hatte ich keine Stunden hab ausgeschlafen und zum ersten Mal ein ueberraschendes Meeting verpasst. Zum Thema Informationen darf ich einen AOK-Philosophen und Newsletterabonnenten zitieren: „Scheiße fließt nach unten.“ Montag waren immer noch ein paar Parasiten im Blut zu finden, aber zumindest nur noch ganz wenige. Mit ein paar Paracetamol gegen die Kopfschmerzen durfte ich mich nach 5 Stunden dann zu meinen letzten zwei Unterrichtsstunden auf den Weg machen und Mittwoch kam dann die erloesende Nachricht: Keine Parasites mehr.

 

Meine kleine Reiseapotheke: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi36.tinypic.com%2F6zn2pu.jpg

 

Deutschland ist nah –Voluntärstreffen bei Kokrobitey

 

Samstag ging ich dann, mit Reiseführer Ghana im Gepäck, der Anfahrtsbeschreibung (Trotro nach Accra, dort zum Kaneshie-Market, dort Richtung Kokrobitey zur Old Police Barrier, dort mit dem Sammeltaxi zur Salem Junction), der kleinen Malariaapotheke und einer großen Vorfreude zum Voluntärstreffen, zu dem alle deutschen Weltwärtsvoluntäre in Ghana eingeladen waren. Wir waren eine beachtliche Zahl, knapp 30, wenn man rechnet dass nur Weltwärtsvoluntäre, nur die die Zeit, Lust und keine allzu lange Anfahrt hatten, dabei waren. Es sind doch deutlich mehr Voluntäre in Ghana als man denkt. Das Treffen war in vielerlei Hinsicht interessant. Man hat eine Menge über die Arbeit der andern Voluntäre erfahren, aber auch, dass es bei den wenigsten Projekten heißt: „Hurra da kommt jemand um kostenlos zu arbeiten“. Die Welt verändern wollte keiner, aber zumindest eine sinnvolle Arbeit erledigen, wollen alle. Ein Voluntär hat sich nach dem Treffen sogar auf den Weg zureck nach Deutschland gemacht, weil er 3 Monate nichts sinnvolles zu tun hatte und auch keine Aussicht auf eine bessere Arbeit hatte. Auch Computerunterricht ohne einen einzigen Computer oder eine Tastatur stelle ich mir interessant vor. Gelegentlich ergänzt von einem Besuch mit den Schülern im Internetcafe, natürlich aus eigener Tasche finanziert. Da kommt einem gleich der Streit um ein paar Kopien viel weniger bedeutungsvoll vor. Mit meinen 15 Wochenstunden und ausreichend Zeit zur Vorbereitung des Unterrichts hier am Computer (+ wohl einer 10-Finger-Schreib-Lerngruppe nach den Midterm-Exams) kann ich wohl sehr zufrieden sein. Das hab ich den Fathers am Sonntag abend dann fairerweise auch gesagt. Auch wenn man erfährt dass einige in Gastfamilien leben, die keinen Wasseranschluss haben und den Rat: „If it’s yellow, let it mellow, if it’s brown flush it down“ befolgen, weiß man auch die kalte Dusche die einen hier in Ashaiman erwartet mehr zu schätzen. Die überraschende Tatsache dass geschätzt die Hälfte aller Voluntäre Vegetarier sind, fand ich überraschend aber natürlich klasse. Nach zwei Monaten: „You don’t eat meat? –Why?“ doch auch mal eine nette Abwechslung. Vegetarismus und Ghana ist auch die ein oder andere Geschichte wert. Das musste ich den Fathers dann natürlich auch unter die Nase binden. Die andern Voluntäre sind allesamt wahnsinnig nett und ich habe zwei sehr interessante Tage mit einigen Gesprächen auf der Dachterasse und am Strand bzw. Im Meer verbracht. Und einigen Voluntären begegnet man wohl auch so wieder, bzw. evtl. beim nächsten Treffen. Da bin ich auf jeden Fall auch wieder dabei.

 

Voluntärstreffen: http://i35.tinypic.com/2ufehkh.jpg

 

Was ist mit Philip? –Ghanaische Planung X

 

Ein Montag wie jeder andere? -Nicht ganz, unser Computerlehrer bzw. auch mein Vorgesetzter Philip ist nicht da. Und kommt auch den Rest der Woche nicht wieder. Nachdem ein paar Versuche ihn anzurufen seitens der Schulleitung gescheitert sind, erzählt er meiner Lehrerkollegin am Handy, dass er am  Donnerstag wieder zurück ist. Natürlich habe ich mich bereit erklärt seine Softwareklassen zu übernehmen, solange er weg ist, während ein dritter Kollege seine Hardwarestunden übernimmt. Donnerstag taucht er kurz vor Ende des Nachmittagsunterrichts auf und sagt mir, dass er Freitag auch nicht kommen wird. Montag habe ich dann erfahren, dass er nicht mehr kommen wird und seine Stunden auf uns drei aufgeteilt werden. Dienstag erfahre ich dann, dass ich jetzt nicht nur ein erstes und ein zweites Lehrjahr habe, sondern jetzt auch noch Auto 3. Heißt ich verbringe meine freien Stunden gerade mit dem erarbeiten von Excel-blättern, wofür eigentlich Teile der Weihnachtsferien vorgesehen waren. Jetzt kann ich teils auch die ghanaische Lebensweise besser verstehen: Warum Pläne für morgen machen, wenn doch eh alles anders kommt? Insofern bereite ich jetzt nur noch die nächsten Stunden vor und lasse mich beim Rest einfach überraschen. Ansonsten ist das Leben hier aber ziemlich angenehm.

 

Hier kaufen wir unser Fruehstuecksbrot -Lecker: http://i34.tinypic.com/a0wdav.jpg

Drinking Spot (Bar) und Geschaefte: http://i36.tinypic.com/34xqgz6.jpg

Ein echter Ghanaer kann ueberall schlafen: http://i38.tinypic.com/8ygy2x.jpg (haelt bis zur naechsten Kurve)

Versucht das mal nem deutschen Polizisten zu erklaeren: http://i35.tinypic.com/ivverm.jpg

 

Light off

 

Nachdem ich Montag nach dem Arztbesuch sowieso schon sehr widerwillig 2 Unterrichtsstunden verpasst hatte (immerhin hab ich Bescheid gesagt und für Ersatz gesorgt) und nicht auch noch mehr verpassen wollte (und vor allem mit Auto 2 einen Test schreiben wollte) habe ich mich dann direkt aus der Arztpraxis raus in das nächtbeste Taxi gesetzt. Auto 2 bescheid gesagt, dass ich in 10 Minuten da bin und da hat sich der ghanean way of life das erste Mal richtig gerächt: Ich hatte den Test zwar auf einem USB-Stick, der war blöderweise aber in meinem Zimmer im Hostel und das Hostel war gerade abgeschlossen. Also schnell an den Computer auf dem ich den Test vorbereitet habe, der blöderweise keinen Drucker hat. Kurz einen USB-Stick ausgeliehen und festgestellt dass im Provinzialhaus gerade Stromausfall ist (mal wieder) und mit dem USB-Stick in die Schule gerannt. Dort habe ich dann völlig außer Atem unsere Sekretärin gebeten mir die 2 Seiten auszudrucken und mit dem Rektor kurz verhandelt dass ich tatsächlich 60 Seiten kopieren darf (2 Seiten a 30 Schüler). „Nein ich werde garantiert kein Bild vom Word-Bildschirm an die Tafel malen und die gut 30 Fragen an die Tafel pinseln um Kopien im Wert von 3 Cedi zu sparen (1,80 Euro), die ich gerade dem Taxifahrer gegeben habe, dass er mich von der Klinik zurück bringt. Vor allem nicht, wenn ich eh schon schauen muss, dass ich mit dem Test rechtzeitig vor Schulende fertig werde. Ansonsten kann ich mich über die nicht beklagen. Wir haben immerhin einen Beamer, ein Computernetzwerk, 2 Computersäle (einen dummerweise ohne Beamer, was heißt das ich gelegentlich die Symbole und Sachen auch zeichnen darf) und die Entscheidungen von Father Blamoh, zumindest als Rektor, sind meistens fair. Das nächste mal (wenn nicht gerade wieder Light off ist) mache ich die Kopien halt im Provincal House und zahle die 5 Pesewas (3 Cent) pro Kopie eben selbst. 

 

Der Test verlief ganz gut. Auch wenn 2 Schüler -sehr offensichtlich- abgeschaut haben und daraufhin eine 6 – 0 Punkte und die Aufgabe nach der Schule die Voluntärsküche zu putzen bekamen. (Der fairness Halber sollte ich dazu sagen, dass ich es im Voraus gesagt habe, die Schüler ansonsten auch die Schule putzen, nur halt während und nicht nach der Schule und ich beide anschließend auf ne Tasse heiße Schokolade eingeladen habe. Father Blamoh fand die Strafe jedenfalls gut. Während sie die Küche auf Vordermann gebracht haben, habe ich schon mal nen Teil der Tests korrigiert).

 

Darf ich bitten –Shall we dance?

 

Seit ein paar Wochen haben wir auch Stanley, unsern Local Ghanean Volunteer, der mir in seinem Denken teils europäischer ist als unsere europäischen Brothers und Fathers. Sätze wie z.B.: Er macht Voluntärsdienst, weil ihm die Don-Bosco-Kirchengemeinde vieles ermöglicht hat und er der Gemeinschaft etwas zurückgeben möchte und vieles andere, sind für einen Ghanaer völlig überraschend. Mit Stanley verstehe ich mich ausgezeichnet. Jedenfalls hatte Stanley vor 2 Wochen den Abschlussball seines Tanzkurses und Johannes und ich waren eingeladen. Ich habe mir die Gelgenheit natürlich nicht entgehen lassen und sogar die letzte Tanzstunde mit Stanley zusammen besucht. Und das war auch besser so. Meiner Vorfreude: „Hey du kannst da richtig mit deinen Goldstar-Kenntnissen angeben“, folgte die Ernüchterung: „Hey die tanzen ja fast alles anders.“ Mit ein bisschen Vorbereitung am nächsten Tag wurde der Abschlussball dann auch für mich richtig lustig. Natürlich erst, nachdem wir auf dem Markt auch eine Fliege besorgt haben. Ein Sakko habe ich zum Glück mitgebracht. :-D Auch wenn ich in vielen Tänzen zumindest den ghanaischen Grundschritt hinbekommen habe, konnte ich beim ghanaischen Highlife (Nationaltanz) dann einige Dinge aus Cha-cha-cha, Discofox und Jive einbringen. (Da lohnt sich der Satz aus dem Latain-Kurs, dass man bei der Merenge die Sachen vom Discofox, statt auf 3 auf 8 Schläge tanzen kann). Jedenfalls wurde es ein richtig schöner Abend und zur Abwechslung statt 10:30 um 2 Uhr morgens anzukommen, hat auch was für sich. 

 

Highlife (Musikdatei): http://www.hotshare.net/audio/88396-48696683ce.html

Stanley + Ich: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi35.tinypic.com%2F34g3jt4.jpg

Darf ich bitten? http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi34.tinypic.com%2F2qrzodj.jpg
Drummer Group: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi33.tinypic.com%2F160vi2d.jpg
Drummer Group II: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi36.tinypic.com%2F2roovfr.jpg
T
änzerin: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi33.tinypic.com%2F2jeb8dw.jpg
Ich und die T
änzerin: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi37.tinypic.com%2F2qd4tvr.jpg
Mit meiner Tanzpartnerin: http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fi35.tinypic.com%2Fwb69.jpg

 

Ein Gast aus Deutschland

 

Johannes hatte beim Abschlussball leider keine Zeit, das gerade seine Freundin aus Deutschland zu Besuch ist. Auch wenn ich sie nur ein paar Tage gesehen habe, kann ich nur Positives über sie berichten. Und das sage ich nicht nur, weil ich über den original-Espresso-Maker aus Deutschland unendlich froh bin. ;-) Den bekommt man hier nämlich nicht. Der Ghanaer kennt fast nur Instant-Kaffee. Klingt komisch –Ist aber so. Und die Variante den Pulverkaffee mit Kaffefiltern durch einen Trichter laufen zu lassen ist zwar auch ganz nett und hat was für sich, aber so eine richtige Espressomaschine auf dem Gasherd... mhhhm. Aber zurück zu Johannes Freundin. Irgendwie ist es ja schon ärgerlich, wenn die Bahn zwei Stunden Verspätung hat. Wenn es aber die Maschine der KLM nach Amsterdam ist und man seinen Flug nach Ghana verpasst und eine Nacht in Amsterdam verbringen darf, dann ist das natürlich doppelt ärgerlich. Einen Tag später kam sie dann in Accra an und hat sich nach ein paar Tagen hier im Center dann, mit Johannes, auf einen Trip durchs Land gemacht. Im Moment verbringen sie ein paar Tage in der Green Turtle Lodge am Strand.

 

FCP und DVD

 

Wer oder was ist eigentlich das FCP? Das FCP ist der First Contact Place für Straßenkinder in Ashaiman, ein weiteres Projekt neben Tema-Newtown (dort arbeitet Johannes). Der Unterschied ist, dass die Kinder im FCP auch ein Hostel mit dabei haben und sich dort den ganzen Tag um die Kinder gekümmert wird, die oftmals keine Familie und kein zuhause haben, während Tema Newtown eben eine Schule ist, für Kinder die durch das Schulsystem gefallen sind. Die aber meist bei irgendwelchen Verwandten oder teils sogar Elternteilen wohnen. Die FCP Voluntäre arbeiten auch unter dem Dach der Saleasians of Don Bosco der NGO in Ghana, während es in Deutschland 2 verschiedene Organisationen gibt, die Salesianer Don Boscos die Johannes und mich nach Ghana geschickt haben, während die FCPler in Deutschland von den Oblaten betreut werden, die sich zwar auch auf Franz von Sales berufen, aber nicht so sehr Don Bosco zum Vorbild haben... oder so. Auf jeden Fall ist das Projekt sinnvoll und die Leute sind nett. Auch wenn beide Seiten die Oblaten und die Salesianans of Don Bosco vermutlich nächstes Jahr was Eigenes machen. Hindert uns natürlich nicht daran uns auszutauschen, im Drinking Spot zu sitzen oder, jetzt wieder geplant: Einen gemütlichen Stephen-King-DVD-Abend zu veranstalten. Die FCPler sind Hanna, Katharina, Jonathan und Robin, die in einem eigenen kleinen Voluntärshaus in mitten von Ashaiman wohnen und es mit einer Moschee direkt nebenan, auch nicht besser als ich mit der Trotro-Station erwischt haben (Mit Muhezin, der jeden Morgen, mit besonderer Inbrunst im Ramadan, von seinem Minarett schreit Vs. auf mein Zimmer gerichtete Lautsprecher, die mit den Durchsagen auch mal um 4:30 Uhr anfangen, aber nicht mehr aufhören).

 

Get a ghanean Haircut

 

Einen Tag nach dem Tanzball habe ich mich dann entschieden, dass es Zeit ist sich auch mal einen ghanaischen Haarschnitt zu verpassen. Ganz so kurz musste er natürlich nicht sein, aber schön kurz und ein bisschen anderer Bart durften es natürlich schon sein. Für 4,50 Cedi (2,70) kann ich mich da nicht beklagen, obwohls einen Schnitt mit dem Rasierer auch schon ab einem Cedi gibt. Vielleicht hab ich ja den Obroni-Preis bekommen, aber solange die Haare noch auf dem Kopf sind, die Ohren noch da sind, der Friseur weiß was er macht und auch noch halbwegs gut English spricht, ist mir das die 2,70 Euro auch wert. Als Obroni (Weißer) bekommt man halt doch die „Spezialpreise“. Vielleicht ändert sich ja was daran, wenn ich endlich mal ein paar Sätze auf Twi gelernt habe. Zumindest kann ich auf „Obroni, Etisej“ (Weißer wie geht’s) mit „Eje“ (Gut) antworten, was einem eigentlich bei jedem Gang über den Markt oder durch die Straßen gut gelaunt von den Marktfrauen hinterhergerufen wird. (Stellt euch das mal in Deutschland vor: Heeeeeey Schwarzer? –Wie geht’s?) Und einen Satz auf Ewe kann ich mir auch ganz gut merken: „Fickende Hena?“ (Wohin gehst du?) Ich frag mich nur woran das liegt. :-D Damit werden die FCP-Voluntäre jeden Morgen von ihrer Nachbarin begrüßt. Die mittlerweile auch weiß was der Satz auf Deutsch heißt und sich jedes mal köstlich darüber amüsiert. Dafür kann einer der FCP-Voluntäre mittlerweile auch sagen: Ich muss nach Hause um ein Ei zu legen. (angeblich hieß es: Ich muss nach Hause um mich auszuruhen). Und Stanley antwortet auf: „Prost ihr Säcke“ auch schon auf Deutsch mit: „Prost du Sack.“ :-D Die Österreicher haben einem Ghanaer auch schon beigebracht im astreinen wienerisch zu sagen: „Hoald’d Goschn“. Zumindest das Ziel der Völkerverständigung von Weltwärts ist damit erreicht.

 

Mit neuen Haarschnitt und Plantainchips im Trotro: http://i35.tinypic.com/2w3252h.jpg

 

Das wars mal wieder an News aus Ghana ich wuensche ich dann alles Gute, liebe Gruesse nach Deutschland und wir hoeren uns im November wieder.

Alles Liebe

Daniel

 

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September II 2008 –Hurra, Hurra: Malaria!

Hallo Deutschland, hallo Bayern. Nicht nur die TK und die KKH haben sich auf Partnersuche gemacht, auch die CSU darf sich jetzt auf die Suche nach einem Koalitionspartner machen und auch wenn der letzte Newsletter erst 2 Wochen zurück liegt, gibt es heute schon wieder einen Newsletter, damit der nächste nicht wieder so lange wird. Es ist nämlich nicht nur in Bayern sondern auch hier in Ghana einiges passiert.

 

Endlich Unterricht:

 

Am 15. September war Schulanfang, zumindest waren die meisten Schüler schon mal in der Schule. Wirklich Unterricht gab es noch nicht. Noch nicht mal einen Stundenplan. Die erste Woche standen eh nur Ansprachen, Vorbereitung auf den Gottestdienst usw. auf dem Programm. Und somit sieht es der Ghanaer auch nicht ein, warum man einen Stundenplan über einen so langen Zeitraum im Voraus erstellen sollte (evtl. um sich auf den Unterricht vorzubereiten). Jedenfalls gab es den ersten vorläufigen Stundenplan am Freitag Nachmittag. Das war auch das erste mal, dass ich erfahren habe, dass ich nicht nur ersteLehrjahre sondern auch ein zweites Lehrjahr unterrichte. Meine Frage: “Wie weit sind die vom Stoff” wurde dann auch ghanaisch geklärt: “Keine Ahnung, Frag sie einfach.” Außerdem wurden dann noch einige Veränderungen durchgesprochen und ich hatte mich von 13 auf 16 Wochenstunden a 60 Minuten verbessert. Und der tatsächliche vorläufige Stundenplan würde am Montag rauskommen. Aber ich wusste zumindest mal dass ich jetzt 2 zweite Lehrjahre hab.

 

Montag früh hat natürlich noch keiner Gedanken an den Stundenplan verschwendet, zumindest niemand der einen erstellen könnte. Man hat ja noch ein paar Stunden Gottestdienst zum Schuljahresbeginn vor sich. Der ging dann auch tatsächlich bis kurz nach 11. Um 11:20 habe ich dann meinen Stundenplan bekommen und hatte plötzlich nur noch 14 Stunden, aber dafür nur ein zweites Lehrjahr und die erste Stunde um 11:15 also vor 5 Minuten. Nichts wie ab in die erste Klasse und nach der Stunde nachgefragt, weil mir irgendwas von den Zeiten her komisch vorkam. Ja da ist ein Fehler drin, das muss “12:45 statt 13:45 heißen”. “Aber die Stunde hier fängt um 13:45 an?” “Ja” “100% 13:45?” “Ja”. Was soll ich sagen: 50 Minuten nach 12:45 erhielt ich von unserm andern Computerlehrer einen Anruf, wo ich bleibe ich hab seit 50 Minuten wieder Unterricht. Dienstag gab’s dann wieder nen neuen vorläufigen Stundenplan und 2 Klassen haben eine Computerstunde die Woche weniger, ich hab aber dafür eine neue Klasse mit einer Wochenstunde bekommen, bin jetzt also auf 12 Wochenstunden.

 

Gestern (Montag) eine Woche später gab es dann den engültigen Stundenplan, bei dem sich bei mir allerdings nichts mehr verändert hat. Im Gegensatz zur ghanaischen Organisation macht allerdings der Computer-Unterricht richtig Spaß. Insgesamt habe ich 5 Klassen: Auto 1 Lehrjahr, Auto 2 Lehrjahr, Auto Proficiency, Elektroinstallation und Elektronik jeweils das erste Lehrjahr. Auto 2 und die Installateure je 2 Wochenstunden, Auto Profy 1 Stunde, Auto 1 3 Wochenstunden und die Elektriker haben 4. Die Schulstunden mit 60 Minuten sind in dem Fall ziemlich praktisch und der Unterricht fängt, zumindest bei den ersten Jahren wirklich bei 0 an. Die eine Hälfte war schon mal im Internet und kennt sich ein bisschen aus, aber wirklich Erfahrungen in Word und Excel hat niemand. Word und Excel sind auch mein Ziel für dieses Jahr und evtl. noch ein bisschen Internet und Power Point. Aber mal schauen wie weit wir kommen.

 

Die erste Stunde sah bei allen gleich aus: Eine  Power-Point-Präsentation mit Bildern aus Deutschland, in der ich mich vorstelle und „5 Regeln für eine erfolgreiches Jahr“. (Die Regeln waren dann: Helft euch Gegenseitig, stellt Fragen, macht euch Notizen usw. und: Let’s make it practical). Nach diesem Motto haben wir uns dann gleich mal der Grundausrüstung: Monitor, System Unit, Keyboard und Mouse zugewandt und uns mit dem Unterschied zwischen Anwendungsprogrammen und Betriebssystemen (Application Program and Operating System) beschäftigt. In der nächsten Stunde haben wir dann einen alten Computer aufgeschraubt und uns Prozessor, RAM und Co. mal aus der Nähe angeschaut. Die ersten Ausfragen habe ich auch schon hinter mir. Gleich beim ersten mal hab ich nen Volltreffer gelandet und jemanden ausgefragt, der die letzte Stunde gar nicht da war und dann auch promt ne 5 bekommen hätte. In dem Fall hab ich die Note nicht gewertet. Der Schüler in der andern Klasse war zwar da, hat aber auch ne 5 bekommen. In der dritten Klasse war die Ausfrage wesentlich angenehmer. Der Schüler hatte aufgepasst, sich Notizen gemacht und obwohl wir vom Stoff schon wesentlich weiter waren, als die andern beiden Klassen hat der gleich mal ne 2 bekommen und der Tag war gerettet (und der Unterrichtsstoff wiederholt). Englisch macht auch keine Probleme. Teilweise ist es echt faszinierend, wenn man sich nach 2 Stunden Unterricht denkt: Hey du hast grad 2 Stunden komplett auf Englisch gesprochen: Cool.

 

Geburtstag in Ghana

 

Am 23. September, dem zweiten richtigen Schultag hatte ich dann auch schon Geburtstag. Und was für einen. Neben zahlreichen Glückwünschen aus Deutschland (vielen Dank nochmal an alle...) gab es auch ein paar ghanaische Überraschungen. Die erste davon gleich am Morgen beim Assembly. (Beim Assembly versammelt sich morgens die ganze Schüler und Lehrerschaft vor Schulbeginn um über wichtige Neugikeiten informiert zu werden und um die Nationalhymne zu singen) Die komplette Schule hat mir ein Geburtstagsständchen gesunden und ich hab eine auf die Schnelle irgendwo abgerissene Blume bekommen, die zwar mehr Dornen hatte als sonst was, aber der Wille zählt. Am Abend durfte ich dann noch eine Ansprache halten auf die ich allerdings nicht allzu scharf war. Ich hab nach 1 ½ Monaten den ghanaischen Humor leider immer noch nicht verstanden. Zumindest kann ich nicht einschätzen was dazu führt dass sich alle ne halbe Stunde lang totlachen oder Totenstille herrscht. Witze fallen also schon mal Flach. Aber dann habe ich erzählt, dass ich kurz vor meinem Abflug mehr Bekannte, Verwandte und Freunde gesehen habe, als im ganzen Jahr zuvor und man manchmal weit weg fliegen muss um den Leuten die man mag ganz nahe zu sein und auch dass ich mich hier trotz des langen Fluges und meiner Erschöpfung, von der ersten Sekunde an wie zu hause gefühlt habe und wenn ich in meinen Raum oder in die Schule komme, das Gefühl habe zuhause zu sein. Das kam ganz gut an.

 

Auch ganz gut an kam das Geschenk von meinem Mitvoluntär Johannes: Ein deutscher Salat mit Schafskäse, Dressing und Tomaten. Echter Schafskäse...

(Muss importiert und gekühlt werden und ist damit natürlich ziemlich teuer) Ich hab mich noch nie so über nen Salat gefreut. :D Von der Gemeinschaft hab ich ein ghanaisches Geschenk bekommen. In Ghana ist es Tradition Seife, Zahnpasta und Co. zu schenken, da das früher und teils auch heute noch, ziemlich teuer ist. Hab mich natürlich trotzdem gefreut. :-D

 

Eingeleutet habe ich den Geburtstag übrigens mit einem Kompromiss: Nachdem die Hunde um 10:30 rausgelassen werden, habe ich mit Johannes um 10 Uhr ghanaischer, aber um Mitternacht deutscher Zeit angestoßen. Und wir waren 5 Minuten vor den Hunden zurück. Freitag kamen dann 4 Voluntäre die im First Contact Place arbeiten, aber zumindest organisatorisch zu den Salesianern zählen. Wir haben dann zu sechst gemütlich mit nem Kasten Star, zuerst in der Küche und  dann auf dem Wasserturm gefeiert. Wurde ein schöner Abend, wenn auch, dank der Hunde, ein bisschen kurz. Um kurz vor halb 11 war natürlich wieder Schluss.

 

Hurra, Hurra: Malaria

 

Freitag morgen ging’s Johannes schon nicht so gut und nachdem in Ghana eigentlich so ziemlich alles auf Malaria hindeuten kann, ist er dann auch in die Klinik und: Bingo –Malaria. Heißt erst mal alle möglichen Antimalaria und 3 mal täglich 2 Paracetanol. Damit gab’s für Johannes logischerweise auch kein Star, sondern nur Cola am Abend. Malaria ist in Ghana fast so wie ne Grippe, es erwischt eigentlich jeden Früher oder später mal. Zwei Österreicher fast zeitgleich, gerade als ich sie beim Workshop in Sunyani besucht habe, Tobias hatte sie 3 mal, ein Österreicher hält den Salesianerrekord mit 7 mal in 10 Monaten und der Ghanaer bekommt sie wohl auch ab und an mal. Insofern nicht tragisch. Nur halt tödlich, wenn man sie nicht behandelt. Ein Bluttest ist auch schnell gemacht und kostet zwischen 5-12 Cedis (3-7,20 Euro) und 20 Minuten später sieht man auf einem Feld: Malaria ja/nein oder was es sonst sein könnte.

 

Heute in der Reihe: „Dinge die von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie mal gut finden würde, die in Deutschland aber doch tatsächlich ganz gut sind, wenn man die Altarnative dazu aus Ghana kennt“ –Lärm. Wenn morgens pünktlich um 5 Uhr früh die ersten Durchsagen der Trotrostation über den Lautsprecher geschaltet werden oder die Schulglocke egal ob Morgens um 7:30 oder um 3 Uhr in der Nacht alle dreiviertel Stunde auf vollster Lautstärke klingelt oder der Muezin einen Morgens um halb 4 begrüßt, dann wünscht man sich doch die freundlichen zwei Polizisten mit: „Ihre Nachbarn haben sich über Ruhestörung beschwert.“

 

Gestern Morgen war aber irgendwie komisch. Ich bin um halb 5 in der Früh aufgewacht und das Geräusch das ich gehört hab, klang ganz wie eine Ratte die auf meinem Fenstersims herumturnt. Das ist in Ghana gar nicht so selten, wie die zahlreichen durchgebissenen Fliegengitter bezeugen. Während sich der Ghanaer denkt: Cool ich hab nen Stock zur Hand und muss mir schon mal keine Gedanken über mein Mittagessen machen (kein Spaß, kann man tatsächlich grillen und mit Sauce essen) war mir bei dem Gedanken, dass gleich eine Ratte durch mein Zimmer spaziert nicht unbedingt wohl. Und als Tierfreund wäre es mir am Liebsten, wenn die Ratte einfach durch die Tür abhaut und dort hin verschwindet wo sie hergekommen ist. Ich hab mich dann aber doch dazu durchgerungen die Fenster zuzumachen und dann mutig, aber ohne Plan ins Bad gewagt: Keine Ratte.

 

Naja, weiterschlafen. Aber siedenheiß ist mir dann noch eingefallen: Lariam (gegen Malaria nehmen). Eigentlich ja mit Wasser, aber das einzig trinkbare Wasser ist in der Küche und dazu müsste ich mich anziehen und durch’s Haus. Muss also ohne gehen. Irgendwie ist mir aber sofort nach dem Lariam (wegen dem Lariam?) übel geworden. Nach ner viertel Stunde hab ich mich dann doch kurz angezogen und bin in die Küche und hab Wasser und ne Scheibe Toast geholt. Wurde aber nur ein bisschen besser. Während dem Unterricht hab ich gar nicht mehr dran gedacht. Aber nachdem die Schule dann aus war hatte ich ziemliche Kopfschmerzen. Vielleicht zu wenig getrunken? Also Wasser und Cola und dann ein bisschen ausruhen. Das mit dem ausruhen hat dann auch nicht so geklappt. Ich lag kaum auf dem Bett, da hat sich dann mein Magen zu Wort gemeldet. Vermutlich war es dann doch nicht die Lariam? Kopfschmerzen? Übelkeit? Klingt schon mal ernst. Wenn jetzt auch noch Schlaflosigkeit dazu kommt... Fieber wäre ein ganz guter Hinweis? Wie viel Körpertemperatur ist normal...? Ich meine ein Bluttest kostet 5 Cedi... Mal vorsichtig bei den Fathers angefragt: Ja geh morgen früh mal zum Arzt. Weitere Nebenwirkungen wären übrigens: Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit, Müdigkeit, obwohl man sich nicht angestrengt hat. Appetitlosigkeit kann ich mir überhaupt nicht vorstellen...

 

Aber somit stand der heutige Tagsplan auch schon fest. Heute ist hier übrigens Feiertag: Ende des Ramadans à Fastenbrechen. Passend dazu war mir nach dem Aufstehen immer noch kotzübel.

 

Aber wer sich fragt warum ist an einer katholischen Kirche das Ende des Ramadans Feiertag? –Hier in Ghana gibt es beides, christliche und muslimische Feiertage. Da kann man sich echt nicht beklagen.

 

Andererseits hab ich mir nen Feiertag natürlich auch anders vorgestellt als von morgens nach dem Frühstück (hey immerhin um 9 Uhr morgens) bis irgendwann nach 3 in einer Klinik zu sitzen und zu warten. Aber wenigstens hatte ich dann um kurz nach drei als ich die Klink verlassen hatte die Gewissheit... Und eine Tüte vollgepackt mit Paracetanol, Artemos, Malareich und ORS. Wie sollte es anders sein: Malaria.

 

Ich bin mal gespannt wie’s weitergeht. Auf jeden Fall hab ich morgen eine gute Ausrede das Assembly zu schwänzen und mal schauen ob ich Donnerstag zumindest mal zu meinen 5 Unterrichtsstunden komme. Danach hätte ich erst wieder am Montag Unterricht und genug Zeit mich auszuruhen.

 

Das mit der Ratte war wohl übrigens einfach nur ein Nieselregen, der sich genauso angehört hat wie eine laufende Ratte. Aber wenigstens werde ich nicht verrückt. (Und wenn dann kann ich es immer noch auf die Nebenwirkungen von den Medikamenten schieben).

 

Ich hoffe euch in Deutschland geht’s allen Gut (und mir hoffentlich auch bald wieder). Und ich melde mich mit einem neuen Newsletter, wenn die Wirkung der ganzen Medikamente so langsam wieder nachgelassen hat. ;-)

Alles Liebe

Daniel

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September 2008 –Leben und gehen lassen!

Hallo Deutschland. Nach genau einem Monat in Ghana gibt es heute den zweiten Newsletter. Heute war offizieller Schulbeginn, wirklich los geht es aber erst ab Montag nächster Woche, da erst mal die Vorstellung der Lehrer, Ankündigungen usw. auf dem Programm stehen und die Schule (von den Schülern) geputzt wird. Zum Thema ghanaische Gelassenheit: Irgendwann gegen Ende der Woche wird dann auch der endgültige Stundenplan feststehen. Bisher weiß ich nur die Stundenzahl und dass eine Schulstunde seit diesem Jahr wieder 60 Minuten hat.

 

Rückflug

 

Am 1. September hat sich Tobias von uns verabschiedet und ist nach Deutschland zurück geflogen. Nach 10 Monaten in Ghana hatte er natürlich ein paar Kilo mehr als die erlaubten 20 in seinem Koffer und mit 8 Kilo im Handgepack auch dort ein Kilo zu viel. Nachdem das Kilo Übergepäck ca. 45 $ gekostet hätte hat sich die Gepäckabgabe ein bisschen verzögert. Zurück zu uns, ein paar Kilo raus aus dem Koffer, ein bisschen was raus aus dem Handgepäck, dann zurück, Koffer eingecheckt, Handgepäck wiegen lassen und nach der Gepäckabgabe einfach alles komplett ins Handgepäck... (das dann irgendwas zwischen 15 und 20 Kilo hatte). :-D

 

Hooray! Hooray! It's A Holi-holiday

 

Die Zeit bis die Schule anfängt habe ich natürlich sinnvoll genutzt und gleich mal ein paar Tage Urlaub genommen um das Land zu erkunden. Da Johannes’ Schule in dieser Woche nur einen Lehrer gehabt hätte (nämlich ihn) wurde sie für eine Woche geschlossen und wir hatten Zeit für einen spontanen Auflug von Mittwoch bis Sonntag.

 

Reisen in Ghana ist immer ein besonderes Erlebnis, insbesondere wenn man mit dem Trotro unterwegs ist. Allzu viele Gedanken über die Sicherheit in Trotros und Taxis sollte man sich nicht machen. Zumindest nicht wenn man ruhig (im Trotro) schlafen möchte. Dass der Tacho bei so gut wie keinem Trotro oder Taxi funktioniert ist eher noch das geringste Problem, der Fahrer fährt eh was die Kiste her gibt. Was in Deutschland vorausschauendes Fahren und Überholen nur auf übersichtlichen Stücken ist, wird in Ghana durch die Hupe ersetzt. Bergauf einen LKW überholen, wenn man nicht über die Kuppe sieht, ist an der Tagesordnung. So überholen, dass man es dank beherztem Bremsen des Gegenverkehrs und Einschren mit Sicherheitsabstand von 2 cm zum Hintermann gerade noch so geschafft hat, gehört auch mit dazu. Und auch die Frage wie viel Profil ein Reifen haben muss, damit man ihn noch fahren kann wird in Ghana anders als in Deutschland beantwortet. (Ghana bekommt nicht nur die ausgemusterten europäischen Autos, sondern auch die ausgemusterten Reifen). Ein Reifen wird dann aussortiert, wenn er während der Fahrt geplatzt ist. Ich möchte mir nicht unbedingt vorstellen, was einem da passiert, wenn man unangeschnallt (Gurte gibt’s da nicht) auf einer der Bänke sitzt die weniger Beinfreiheit bieten als ein Billigflieger.

 

Tro-Tros

 

Während man in Deutschland einen Airbag mittlerweile fast schon zum Standard zählt, sind in ghanaischen Taxis schon Nackenstützen verzichtbarer Luxus. Auch sehr interessant ist die Trotro-Variante von einem Kofferraum. Bei den meisten Trotros werden so viele Sitze reingepresst wie nur irgendwie möglich (inkl. Klappsitze für den Gang) für einen Kofferraum bleibt da natürlich kein Platz. Das meiste landet entweder auf dem Dach oder wird irgendwie mit Stricken bei offener Hintertür befestigt. Wenn es regnet wird aber auch schon mal ne Plastikfolie drüber gespannt. So wird dann wirklich alles transportiert. Mein Liebling waren die Ziegen auf dem Dach...

Was seht ihr hier? a) Einen Krankenwagen, b) ein Trotro: http://i33.tinypic.com/s5e89g.jpg

 

Und der Begriff „Überladen“ ist für Afrikaner auch ein Fremdwort. Genauso wie der Mate (sozusagen der Beifahrer der kassiert, aus dem Fenster schreit wo das Trotro hin fährt und dem man sagen kann wo man aussteigen will) auch mal seinen Platz frei macht und aufs Dach steigt, wenn noch jemand mit will. Was man irgendwo irgendwie am Trotro festmachen kann, kann auch transportiert werden. In Benin ist sogar mal ein Flugzeug ins Meer gestürzt, weil es völlig überladen war und nicht abheben konnte und auf der Rückfahrt von Sunyani (kommt gleich) hatte ich auch Gelegenheit einen LKW zu bewundern, der wegen des Gewichts buchstäblich zusammen gebrochen ist. Umgekippte LKW, Kieslaster usw. am Straßenrand sind auch an der Tagesordnung. Auf der Sunyani-Rückfahrt (ca. 300 km) habe ich 5 gezält.

Man kann ein Trotro nicht überladen... http://i36.tinypic.com/30tjgas.jpg

 

Wer längere Zeit in Ghana ist, versteht auch warum SUVs und Pick Ups in Ghana so beliebt sind: Wenn’s Stau gibt nimmt man halt eine Abkürzung und macht seine eigene Straße oder eröffnet eine neue Spur direkt neben der Straße. Aber auch auf den regulären nicht geteerten Straßen  (Dust Roard und das sind glaub ich 70-80% aller Straßen) gibt es gewaltige Schlaglöcher und Pfützen. Gibt es dann mal ordentliche Straßen ohne Schlaglöcher, gibt es als adäquaten Ersatz dafür alle 500 Meter irgendwelche Speed bumps (Ich frag mich ob die ghanaische Regierung dafür Geld von SUV-Herstellern bekommen hat). Außer auf der Autobahn und die ist 20 km lang, führt von Tema nach Accra und dort ist die Hälfte der Zeit Stau.

 

Cape Coast Castle

 

Mittwoch ging es bei uns um 8 Uhr nach Cape Coast, zumindest saßen wir um 8 Uhr im Trotro, losgefahren ist es dann, als es voll war, 2 Stunden später. Aber Zeit hat in Ghana einfach eine andere Bedeutung. Cape Coast Castle ist eine der berühmtesten Sklavenburgen in Ghana und zählt zum Unesco Weltkulturerbe. Sie wurde 1630 von den Holländern erbaut und war die meiste Zeit jedoch im brittischen Besitz. Cape Coast Castle liegt wie der Name sagt an der Küste und diente als Umschlagplatz für Sklaven. Insgesamt wurden 12-25 Millionen Afrikaner entführt und als Sklaven in die Karibik, nach Südamerika, Europa und (überraschenderweise die wenigsten) nach Nordamerika und Kanada gebracht. Ein Großteil davon starb schon bei der Überfahrt. Heute gibt es in Cape Coast Castle das bedeutendste Museum zum Sklavenhandel weltweit und einen Rundgang durch die Festungsanlage. In einer Führung sahen wir die Kellerverließe in denen mehrere hundert Männer und Frauen ohne Licht bis zu 6 Monate lang auf die Schiffe warteten, die sie nach Amerika oder in die Karibik brachten. Neben den Gang (mittlerweile zugemauert) vom Männertrakt zum Tor ohne Wiederkehr, sahen wir noch die Bestrafungszellen, die Frauenzellen und die zahlreichen Kanonen.

 

Cape Coast Castle: http://i36.tinypic.com/qsscnd.jpg

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Skizze von einem Sklavenschiff: http://i33.tinypic.com/352fcar.jpg

Zelle für 200 Menschen: http://i34.tinypic.com/ny77rs.jpg

Door of no Return: http://i36.tinypic.com/169er9k.jpg

 

Brenu Beach

 

Am Abend ging es dann mit dem Taxi weiter nach Brenu Beach, zu einem gemütlichen Hotel am Strand. Blöderweise waren wir die einzigen Gäste und die Bar hat schon um halb 9 zugemacht. Aber das Ganze war eine gute Gelegenheit mal ein kleines ghanaisches Dorf bei Nacht anzuschauen, auf der Suche nach einem gemütlichen „Drinking Spot“, der noch geöffnet hatte. Auch wenn die Menschen fast alle wahnsinnig freundlich und nett sind, allein würde ich als Weißer Nachts nicht unbedingt durch das Dorf spazieren. Ansonsten gehen die Meinungen der Leute da ziemlich auseinander. Die einen meinen man sollte nach Einbruch der Dunkelheit als Weisser nicht mehr allein durch die Gegend laufen, die andern sagen bis 10 sei es kein Problem, wieder andere sprechen von „bis halb 12“. Da der Drinking Spot einen Fernseher hatte, war auch das halbe Dorf um selbigen versammelt und ansonsten war komplett tote Hose.

 

Green Turtle Lodge

 

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Cape Tree Point mit dem Trotro zur Green Turtle Lodge, einem beliebten Strand für Voluntäre. Die Green Turtle Lodge ist ein Öko-Tourismus-Konzept von einem englischen Paar, das sich u.a. für den Schutz der Schildkröten einsetzt. Und i.d.R. ausgebucht. Wir sind dann 15 Minuten am Strand entlang zur Safari-Lodge gewandert die noch ein Zimmer frei hatte. 10 Cedi Pro Person und Nacht (6 Euro) und ein traumhafter Strand, da kann man sich nicht beschweren. Nur die Getränke waren doppelt so teuer wie in der Green Turtle und das Publikum eher älter. Aber es sind ja nur 15 Minuten Strandspaziergang....

 

Green Turtle Lodge: http://i35.tinypic.com/29yl2f.jpg

 

Kanutrip und Turtle-Hike

 

Freitag konnte ich in einem kleinen Dorf eine Kanufahrt durch die Mangrovenwälder machen. Die Affen die gelegentlich dort zu sehen sind, haben wir leider nicht angetroffen, nur ein paar Vögel, und Krebse, aber allein schon die Fahrt ist ein ziemliches Erlebnis. Die Schildkrötensuche war noch weniger erfolgreich. Die Tour sollte um 8 Uhr abends starten und die Führer haben kurz vor 8 versprochen gleich wieder da zurück zu sein um auf Tour zu gehen. Bei einem gemütlichen Star-Bier haben wir dann am Strand bis kurz nach 10 gewartet, bevor sich dann die ersten von der Gruppe verabschiedet haben und an der Rezeption/Bar Bescheid gesagt haben, dass sie die Tour canceln möchten. Der Herr an der Bar war ziemlich überrascht, dass wir überhaupt noch gedacht haben, dass die Führer zurück kommen würden. Als wir um 11 zu unserm Hotel zurück sind waren die Führer übrigens immer noch nicht aufgetaucht. Die waren wahrscheinlich auch längst im Bett.

 

Kanufahrt durch die Mangrovenwaelder: http://i33.tinypic.com/2evc6ma.jpg

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Samstag auf Sonntag haben wir dann noch in der Green Turtle im Schlafraum verbracht, bevor wir uns Sonntag nach dem Frühstück auf den Heimweg machen mussten. Von meinem Trip am Strand zum Dorf, die Mangrovenwaldfahrt usw. hab ich mir, trotz Lichtschutzfaktor 50 einen ordentlichen Sonnenbrand geholt. Ungefähr über den kompletten Rücken und an den Armen bis dahin, wo normal ein T-Shirt geht. Samstag war ich knallrot und hab ein paar Tage gebraucht, bis sich die Haut  soweit erholt hat, dass man nicht mehr bei jeder Berührung am liebsten losschreien möchte. (Hab ich schon mal erwähnt das einem der Ghanaer gerne mal auf den Rücken klopft oder an der Schulter anfasst...) Natürlich hab ich mir dann Sonntag auch voll den Rücken bei Einsteigen ins Trotro angeschlagen.

 

The Ghanean Way of Life

 

Das Trotro das wir nach dem Frühstück in dem kleinen Dorf erwischt haben, hat uns auch gleich eine weitere wichtige Lektion im „Ghanean Way of life“ gezeigt. Wenn man nach einer full-speed-Fahrt durch die Schlaglochpiste/Straße ein komisches Geräusch hört, was macht man dann: a) Anhalten, Werkstatt rufen b) Nachschauen, weiterfahren. Nachdem es das Trotro 50 Meter bis zum nächsten Schlagloch ist dann die Feder vom Reifen gebrochen. Es hat schon etwas für sich, wenn dann die Passagiere gemütlich aussteigen und im Schatten darauf warten, dass das Trotro repariert wird. Und der Trotro-Driver wäre kein echter Trotro-Driver, hätte er nicht einen Schraubenzieher und einen Strick dabei. Damit war das Problem in 10 Minuten gelöst. Bis zum nächsten Schlagloch. Nachdem dann eine Kurbel unten auf dem Boden hing und sich der Hinterreifen einige Zentimeter weiter hinten, als eigentlich vorgesehen, befand, sah es dann für die Weiterfahrt doch eher schlecht aus. Also haben dann die meisten Passagiere die Teilstrecke bezahlt und sich auf einen gemütlichen Spaziergang zum nächsten Dorf gemacht. Dort ist dann auch relativ schnell ein anderes Trotro losgefahren.

 

Für die mehrstündige Fahrt zurück nach Ashaiman haben wir uns dann doch einen gemütlichen großen Reisebus (STC-Bus) gegönnt, der auch tatsächlich feste Abfahrtszeiten hat und diese auch noch halbwegs einhält. (Ein bisschen wie die Deutsche Bahn) Nach einem Mittagessen in einem leckeren Straßenrestaurant  sind wir dann um kurz vor 2 (Abfahrtszeit 1:30) losgefahren und waren dann, mit ein paar Staus pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit wieder in Ashaiman.

 

Let’s have a Workshop

 

Letzte Woche war ich beim Lehrer-Workshop in Sunyani. Abfahrt war Mittwoch Morgen um 8:30 Uhr. Angekommen sind wir gegen 19 Uhr. Donnerstag –Freitag war Workshop und Samstag haben wir die Heimreise angetreten, auch wieder eine Tagesfahrt. Der Workshop selbst war absolut klasse. Es war das erste mal, dass sich ein Thema auf dem Papier langweiliger angehört hat, als es dann wirklich war. Unser Referent war Father Martin McCormack, ein Ire der 29 Jahre als Lehrer in Irland gearbeitet hat und jetzt seit kurzem im englischsprachigen Westafrika Workshops fuer Lehrer macht. Das Thema „Pädagogik Don Boscos“ hat sich dann als wirklich praxisbezogenes: „Wie werde ich ein guter Lehrer“ herausgestellt. Tipps wie bspw. „Gruppenarbeit nie länger als 5-10 Minuten, weil danach über alles andere als über die Arbeit gesprochen wird“, „Alternativen zum frontalen Lehrer erzählt, Schüler hört nicht zu“-Unterricht und Sätze wie „Wir erinnern uns an 10 % von dem was wir hören 20 % von dem was wir gezeigt bekommen und 90 % von dem was wir selbst getan haben“ mit wirklich inspirierenden Beispielen aus seinem Alltag als Lehrer und jemand der wirklich Charisma hatte und von Herzen sprach. (Heute kurz nachdem ich den Newsletter getippt habe ist mir Father Martin nochmal begegnet, nachdem er morgen von Accra nach Siera Leone weiterfliegt und ich hatte Gelegenheit mit laenger mit ihm zu unterhalten.)

 

Interessant war z.B. auch die Diskussion ob man die ganze Klasse für etwas bestrafen kann, wenn man keinen Schuldigen finden kann. Er erzählte uns, was er früher als Schüler in der Situation gemacht hat, nämlich der Lehrerin die Luft aus allen 4 Reifen gelassen. Und dass es wichtig sei als Lehrer die Schüler vor ihrer Tür abzuholen und vor seiner Tür anzukommen, dass er z.B. mit den Schülern Fußball gespielt hat, um sie dann über Fußball für die Schule zu begeistern. Und dass es wichtig ist als Lehrer Ansprechpartner, Vertrauensperson und ein fairer Lehrer zu sein, aber nicht die Barriere zu den Schülern zu verlieren, dass sie einen respektieren. In den 2 Tagen habe ich wirklich eine Menge interessanter Gedanken und Inspiration mitgenommen. Und ich habe gelernt dass, das einzige was kindischer als eine Gruppe Schüler ist, ist eine Gruppe Lehrer. Der Workshop hat sich echt gelohnt. In Sunyani habe ich auch die österreichischen Voluntäre wiedergesehen, die fast zeitgleich mit mir angekommen sind. Die ersten 2 haben schon Malaria bekommen. Ich bin bisher verschont geblieben.

 

Fufu-Party

 

Gestern gab es dann noch eine Fufu-Party (Fufu ist ein Brei aus gekochter Yam, einer Art großen Kartoffel, die aber ein bisschen anders schmeckt und z.B. Kochbananen die dann in einem großen Pott mit einem Stick zermantscht werden) Dazu gibt es dann meist eine scharfe Sauce. Schmeckt besser als es klingt und aussieht...

Daniel beim Fufu-pownden: http://i36.tinypic.com/308ac6p.jpg

Schmeckt besser als es aussieht: Fufu mit Ei:

http://i35.tinypic.com/2q3xkk3.jpg

Er war nicht eingeladen: http://i33.tinypic.com/5b8yg.jpg

 

So ich wünsche ich dann alles Gute, liebe Grüße nach Deutschland und wir hören uns nächsten Monat, dann mit News aus den ersten Unterrichtsstunden.

 

Alles Liebe

 

Daniel

 

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August 2008 –Akwaaba: Willkommen in Ghana

Guten Morgen Deutschland,

 

Nach einer knappen Woche Ghana und mit 2 Stunden Zeitverschiebung melde ich mich mit dem ersten Ghana-Newsletter zurück.

 

Ich fühle mich hier schon nach dieser kurzen Zeit wie daheim und habe mich auch schon fast an das afrikanische Essen gewöhnt. Nachdem ich am Freitag sicher gelandet bin und auch die Visum-geschichte und das Abholen-lassen ziemlich problemlos über die Bühne ging, bin ich von der Hauptstadt Accra zum Schulgelände gefahren.

 

Im Moment sind noch zwei andere Voluntäre in Ghana. Johannes, der seit 2 Monaten hier ist und noch weitere 4 Monate bleibt und Tobias, der schon gute 8 Monate hier ist und am 1. September zurück nach Deutschland fliegt. Die beiden sind auch aus Deutschland, wahnsinnig nett und zeigen mir auch ein bisschen die Gegend, Besonderheiten und wie man beim Brot kaufen nicht übers Ohr gehauen wird. :D

 

Im Moment wohne ich noch in einem Zimmer mit Stockbett, Schreibtisch, Schrank und eigenem Bad mit (eiskalter) Dusche und WC, aber mir gefällt's ziemlich gut und ich fühle mich sehr wohl. Das Internet ist übrigens auch ganz OK. Ihr könnt mir also gerne ab und an E-Mails schreiben. Ich hab hier sogar ICQ.

 

Das Wetter ist erstaunlicherweise ziemlich kalt. Wir haben hier ungefähr die gleichen Temperaturen wie in Deutschland, der August ist hier aber auch der kälteste Monat des ganzen Jahres. Eigentlich ist jetzt gerade Regenzeit, aber außer ein paar leichten Tropfen hab ich von dem Regen nicht viel mitbekommen.

 

Samstag ging es dann mit einem Trotro (das ist ein völlig überfüllter Kleinbus der in Deutschland bei jedem TÜV-Prüfer einen Herzinfarkt auslösen würde, mit einem Fahrer der nicht nach Stunden bezahlt wird, sondern danach wie oft er die Strecke schafft...) zurück in die Hauptstadt Accra. Dort an allen möglichen kleinen Markt-Ständen vorbei, die von Schuhen über gebrauchte Bücher, über leckere Kochbananen-Chips (lecker!) hin zu Cola wirklich alles verkaufen. Von Accra ging es dann mit einem englischen Voluntär, Robert, der sein letztes Wochenende in Ghana verbracht hat, mit dem Trotro weiter zum Strand.

 

Am Meer wurden dann auch die gewaltigen Unterschiede sichtbar. Kleine Hütten, zwischen Straßen die einfach aus plattgestampftem Boden bestehen, Ziegen die Abfälle, die auf der Straße liegen, fressen und kurz dahinter ein Strand mit einer schönen Bar zwischen Palmen und Meer. Dort haben wir dann auf zwei Amerikanerinnen gewartet und einen gemütlichen Abend verbracht. Ich konnte dann meine gesammelten Englischkenntnisse beim Abendessen bei Noell an die Frau bringen und habe das berühmte ghanaische Star-Bier kennengelernt. Noell und Alison kennen sich von der Uni, sind gerade fertig geworden und haben nen guten Monat in einer Schule in Ghana als Voluntäre gearbeitet und leider war es auch deren letztes Wochenende. Am nächsten Tag haben wir dann mit Noell, Alison und Robert den Strand erkundet und eine Runde Fußball am Strand gespielt. (Und kurze Zeit später hab ich dann am Montag auch einen ghanaischen Optiker kennen gelernt, da meine Brille den ersten schönen Kopfball nicht überlebt hat. :D Heute kann ich sie abholen)

 

Montag ging es dann ganz gemültich los, im Laufe der Woche hab ich meinen Lehrerkollegen Philip und den Direktor der Schule Father Blamoh kennengelernt, die mit mir die Stundenaufteilung vorgenommen haben und mir ein paar hilfreiche Bücher für den Anfang gegeben haben. Im Moment bereite ich mal die ersten Unterrichtsstunden (Computerunterricht, 1 Lehrjahr, absolute Basics) vor. Ich unterrichte die ersten Lehrjahre für die Elektroinstallateure, Elektriker und Automechaniker. Die Schule fängt allerdings erst am 15. September wieder an. Davor gibt es noch einen Lehrer-Workshop mit allen Lehrern dieser Schule in Sunyani, ein paar Stunden entfernt, im Landesinneren und gestern war das erste Staff-Meeting. Montag spricht Philip mit mir den Lehrplan durch und wir schauen uns nochmal die Stundenverteilung an. Wie gesagt im Moment ist es ziemlich gemütlich, aber das wird sich schnell ändern, sobald die Schule wieder anfängt.

 

Ansonsten hab ich gerade eine ziemlich entspannte Zeit (ich bin so viel Freizeit gar nicht mehr gewöhnt), stehe morgens auf, schau mir die Bücher an und mach mir Notizen dazu, gehe um 12 zum Mittagessen, Nachmittags finden sich dann meist ein paar die ne Runde Volleyball spielen, um 18 Uhr gibt's dann ein Abendgebet (hey immerhin sind wir in ner kirchlichen Schule) und um 18:30 dann Abendessen. Die ghanaische Küche ist ziemlich lecker und vermutlich nur deshalb (Aussage Reiseführer Ghana) relativ unbekannt, weil der Ghanaer leidenschaftlich gern mit jeder Menge Pfeffer kocht. Wir 3 Obronis (Weißen) bekommen wohl ne ziemlich abgeschwächte Version, aber ohne ein Glas Wasser in greifbarer Nähe ist es mir doch ein bisschen zu gefährlich. :D Und ich bekomme meistens dazu eine Sauce mit Pilzen anstelle von Chicken oder Fish.

 

So ich wünsche ich dann alles Gute, liebe Grüße nach Deutschland und wir hören uns im September.

 

Alles Liebe

 

Daniel

 

 

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